Metal-CD-Review: AVANTASIA – The Metal Opera Part 1 (2001)

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Alben-Titel: The Metal Opera
Künstler / Band: Avantasia (mehr)
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: AFM Records

Alben-Lineup:

Tobias Sammet – Vocals, Keyboards, Piano, Orchestration
Henjo Richter – Guitars
Markus Grosskopf – Bass
Alex Holzwarth – Drums

Track-Liste:

1. Prelude 01:11
2. Reach Out for the Light 06:33
3. Serpents in Paradise 06:16
4. Malleus Maleficarum 01:43
5. Breaking Away 04:35
6. Farewell 06:33
7. The Glory of Rome 05:29
8. In Nomine Patris 01:04
9. Avantasia 05:32
10. A New Dimension 01:39
11. Inside 02:24
12. Sign of the Cross 06:26
13. The Tower 09:43

Es war einmal im Jahre 2001

Lang, lang ist’s her; dass ein Musiker namens Tobias Sammett einen Ausbruch wagte. Einen Ausbruch in Form eines neuen Bandprojektes, welches ihm neben seiner eigentlichen Hauptband EDGUY entgültig den Weg an die deutsche Power Metal-Spitze ebnen sollte. AVANTASIA war geboren – eine Band, die stilistisch die gleichen Wurzeln vorweisen würde wie auch EDGUY; mit dem kleinen aber feinen Unterschied alles etwas größer und pompöser zu inszenieren. Und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass THE METAL OPERA PART 1 eine mehr als ansehnliche Aufstellung von Gastmusikern an den Start brachte. Timo Tolkki, Kai Hansen, Rob Rock, Oliver Hartmann, Andre Matos – viele derer, die sich im Genre einen Namen gemacht haben, sollten zur gesanglichen Vielfalt des Albums beitragen. Doch auch die zum festen Lineup der Band gehörenden Musiker brauchten sich nicht hinter den großen Namen verstecken: Markus Großkopf von HELLOWEEN zeichnete sich für den Bass verantwortlich, Henjo Richter von GAMMA RAY für die Gitarren, ein bis dato noch relativ unbekannter Alex Holzwarth (ab 2004 bei RHAPSODY OF FIRE) für das Schlagzeug. Eigentlich war das Ganze als zweiteiliges Metal-Projekt ausgelegt – doch wie man heute weiss, existieren AVANTASIA noch immer; wenn auch mit einer anderen Besetzung. Nur Tobias Sammett ist der Band bis heute erhalten geblieben – und hat ihr so manchen Tief-, aber eben auch Höhenflug verpasst.

Am Anfang jedoch sah alles noch relativ eindeutig aus. THE METAL OPERA PART I ist eines der legendären Metal-Alben, die nicht nur im Zeitraum ihrer Veröffentlichung für Furore sorgen konnten – sondern bis heute nachhallen. Warum das so ist, scheint kein allzu großer Wunder: das, was dem Hörer hier in Form von 13 Titeln geboten wird, ist schlicht ganz großes Kino. Wenngleich nicht jeder Metal-Künstler imstande ist, ein Projekt wie dieses zu stemmen – Tobias Sammett war es, und das merkt man dem Album auch in jeder Hinsicht an. Auch, wenn es sich im Endeffekt gar nicht als Metal-Oper im eigentlichen Sinne herausstellt.

Zwar gibt es eine Art roten Faden, der den Hörer durch das Album führt; doch alles was man generell mit dem Begriff einer Oper (und sei es einer schwermetallischen) verbinden würde, sucht man hier eher vergebens. Es gibt keine großen Chöre, rar gesäte weibliche Gesangsparts, wenig symphonischen Elemente – ja, nicht einmal das Keyboard wurde bemerkenswert strapaziert. Vielleicht ist auch genau das der Clou – es kommt schließlich ganz drauf an, wie man den Begriff der Oper definiert. Denn: bezöge man sich einmal mehr auf den Inhalt, die (relative) Poesie und die Ausdruckskraft als auf die musikalische Ausrichtung; dann wäre THE METAL OPERA PART 1 eine Oper durch und durch. Eine absolut mitreißende, den Hörer nachhaltig beschäftigende noch dazu.

Ob es sich bei einer allzu strengen Auslegung nun um einen Etikettenschwindel handeln würde oder nicht, es kommt letztendlich darauf an; was in welcher Qualität auf THE METAL OPERA PART I verewigt wurde. Und das sind in erster Linie 8 sehr starke, sowohl zusammenhängend als auch alleinstehend funktionierende Titel, die dem übergeordneten Genre des Power Metals alle Ehre machen. Damit die Rechnung aufgeht, finden sich neben jenen 8 vollwertigen Titeln – die man allesamt und problemlos als Hymnen abstempeln könnte – noch einige Zwischenspiele. Zum Auftakt gibt es ein kurzes Intro – welches nett ist, im Endeffekt aber nur als direktes Vorspiel für den Opener REACH OUT FOR THE LIGHT funktioniert. Mit MALLEUS MALEFICARUM, IN NOMINE PATRIS und A NEW DIMENSION gesellen sich 3 mehr oder weniger stimmige Interludien hinzu, die rein musikalisch eher wenig gehalt- und wertvoll sind – aber zumindest für ein beträchtliches Maß an Atmosphäre sorgen. Ein wenig aus der Reihe fällt dann das knapp 2-minütige INSIDE. Nur von dezenten Pianoklängen untermalt, fallen hier vor allem die gesanglichen Einlagen von Tobias Sammett, Andre Matos und Kai Hansen ins Gewicht. Da diese ihr Handwerk aber hörbar verstehen, kommt auch hier kaum Langeweile auf.

Bleiben die verbleibenden, eigentlichen 8 Titel; auf die es noch einmal zurückzukommen gilt. Zweifelsohne können vor allem die ersten fünf – REACH OUT FOR THE LIGHT (markante Uptempo-Hymne mit leicht düsterem Touch), SERPENTS IN PARADISE (eingängiges, beschwingtes Epos mit zahlreichen Variationen), BREAKING AWAY (stampfende Uptemponummer mit genialem Refrain und einem genialen Michael Kiske), FAREWELL (ungewöhnliche, inspirierende Ballade mit kongenialen Refrain) und THE GLORY OF ROME (wahnwitziges Gastgesangs-Intermezzo bei treibendem Uptempo) – als beinahe unantastbare, durch und durch gelungene Über-Hymnen des Genres bezeichnet werden. Auch, da ein Größtmaß an Abwechslung geboten wird; und man zu keinem Zeitpunkt daran zweifeln wird, dass THE METAL OPERA PART I ein großartiges Release ist.

Auch die verbleibenden 3 Titel machen insgesamt eine ansehnliche Figur – wenn auch mit einer kleinen Abschwächung. Denn: ausgerechnet der quasi-Titeltrack AVANTASIA wirkt etwas zu zahn- und harmlos. Deutlich besser wird es dann wieder mit SIGN OF THE CROSS, welches beinahe allein vom prägnanten Bass-Part und den starken Gesangseinlagen lebt; und mit dem Finale THE TOWER. Hier präsentieren AVANTASIA dem Hörer noch einmal ein knapp 10-minütiges Epos mit zahlreichen Tempi- und Stimmungswechseln und eingeschobenen Erzählparts. Was für ein Titel – spätestens hier sollte jedem Hörer klar werden, was AVANTASIA mit ihrer Interpretation einer Metal-Oper angestrebt haben.

Fazit: THE METAL OPERA PART 1 ist zu Recht ein mit einem Kultstatus versehenes Album, welches sich bis heute einer großen Beliebtheit erfreut. Es wird und wird einfach nicht älter – der hier zelebrierten Zeitlosigkeit der Musik sei Dank. Von der handwerklichen Leistung (Instrumente, so gesehen auch Gesang) über die Produktion bis hin zur inhaltlich spannenden Ausführung mitsamt zahlreicher spektakulärer Gastauftritte stimmt einfach alles. Bleibt zu sagen: wozu noch in die Oper gehen, wenn man THE METAL OPERA PART 1 sein eigen nennen kann ?

Anspieltipps: REACH OUT FOR THE LIGHT, FAREWELL, THE TOWER

Vergleichsbands:  EDGUY | STRATOVARIUS | SONATA ARCTICA | HELLOWEEN | ANGRA


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„Auch mit wenig Oper eine der großartigsten Metal-Opern aller Zeiten.“

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