Metal-CD-Review: VAN CANTO – Dawn Of The Brave (2014)

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Alben-Titel: Dawn Of The Brave
Künstler / Band: Van Canto (mehr)
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal / Acapella Power Metal
Label: Napalm Records

Alben-Lineup:

Ingo Sterzinger – Vocals (doom a bass)
Ross Thompson – Vocals (high, rakkatakka)
Sly – Vocals (lead)
Inga Scharf – Vocals (lead)
Stefan Schmidt – Vocals (low, rakkatakka), Vocals (wah-wah)
Bastian Emig – Drums

Track-Liste:

1. Dawn of the Brave 01:08
2. Fight for Your Life 03:59
3. To the Mountains 04:04
4. Badaboom 03:31
5. The Final Countdown (Europe cover) 04:55
6. Steel Breaker 03:40
7. The Awakening 04:13
8. The Other Ones 04:18
9. Holding Out For a Hero (Bonnie Tyler cover) 03:50
10. Unholy 03:28
11. My Utopia 05:13
12. Into the West (Lord of the Rings soundtrack cover) 04:25
13. Paranoid (Black Sabbath cover) 03:04

Finaler Aufstieg oder endgültiger Niedergang des Rakkatakka-Phänomens ?

Viele Fans haben es bereits sehnlichst erwartet – DAWN OF THE BRAVE; das neue, mittlerweile fünfte Studioalbum der deutschen A-Capella-Power-Metaller von VAN CANTO. Doch auch musikalische Quereinsteiger und gerade-erst-jetzt-Entdecker sollen mit dem – im Gegensatz zum Vorgängeralbum BREAK THE SILENCE wieder deutlich öffentlichkeitswirksamer beworbenen Album – angesprochen werden. Ganze 13 Titel beinhaltet das Werk, welches den bisherigen Errungenschaften und Prinzipien der Band auch dieses Mal absolut treu bleibt. Als einziges ‚echtes‘ Metal-Instrument kommt das Schlagzeug zum Einsatz, der Leadgesang ist mit einer männlichen (Sly) und einer weiblichen Stimme (Inga Scharf) zumeist zweistimmig; einige Cover-Versionen berühmt-berüchtigter Titel sollen die Eigenkompositionen unterstützen und für einen leichteren Zugang sorgen.

Bisher verhielt es sich bei VAN CANTO oft so, dass eben jenes Konzept die Hörerschaft geradezu spaltete; und selbst bei Fans für leichte Anflüge einer Schizophrenie sorgte. Eine Band, die sich dem Heavy Metal oder spezifischer dem Power Metal widmet, ohne wirklich schwermetallisch zu klingen ? Eine Band, die wie keine zweite Aufmerksamkeit durch diverse Coverversionen generiert, auf dass die Eigenkompositionen so manches Mal außen vorgelassen wurden ? Wie auch immer jene bisherigen Gedankengänge aussahen, der letztendliche und tatsächliche Eindruck sprach für sich: VAN CANTO sind sich selbst immer treu geblieben, haben stets Stärke bewiesen, sich allen Anfeindungen widersetzt (auch mal humoristisch); und haben sich wenn schon nicht durch ihre Musik zumindest so einen ehrwürdigen Platz in der deutschen Metal-Szene gesichert.

Das war bisher so und gilt grundsätzlich immer noch – umso ärgerlicher und enttäuschender ist nun, dass DAWN OF THE BRAVE nur noch wenig vom einstigen Glanz der ambitionierten Band bereithält. Und das liegt beileibe nicht am Konzept, welches durchaus auch zu 100 Prozent aufgehen kann (Siehe Review zu TRIBE OF FORCE) – sondern schlicht und ergreifend an der misslungenen Ausführung. Ohne überhaupt auf die einzelnen Titel einzugehen, fällt eines bereits vorweg und das Album negativ zusammenfassend auf: die Produktionsqualität und der aus ihr entstehende Eindruck weiß dieses Mal kaum zu überzeugen. Was auch immer hier geschehen ist, es stimmt nachdenklich in Anbetracht der doch schmackig abgemischten Vorgänger. So dumpf, unrund und vielleicht auch unsicher klangen VAN CANTO wenn überhaupt in ihren Anfangszeiten, und somit auf einem Album wie A STORM TO COME. So verwunderlich dies erscheint, der zweite negative Faktor ist gar noch überraschender: jenes mysteriöse ‚etwas‘ hat auch den Leadgesang von Inga Scharf befallen; zumindest größtenteils. Denn: ihre Performances können nunmehr kaum noch mit der markanten Leistung ihres Gesangs-Partners Sly mithalten. Es scheint, als hätte sich eine zusätzliche Unsicherheit in ihre Stimme eingeschlichen – etwas derart aufgesetztes, künstlich-angestrengt klingendes hat man wahrlich selten auf einem Album gehört. Selbst ihr Ausdruck und ihre Aussprache scheinen auf absolut wakeligen Beinen zu stehen; mit den Darbietungen in den Coversionen THE FINAL COUNTDOWN und HOLDING OUT FOR A HERO wird es sogar richtig, richtig peinlich. Und, das ist das merkwürdige: eigentlich kann sie ganz anders, die bisherigen VAN CANTO-Alben sollten Beweis genug sein. Ein Erbe, das nun langsam verpufft ?

Jene Eindrücke stehen somit konträr zum eigentlich recht guten Auftakt des Albums. Das instrumentale Intro ist nett, der Opener FIGHT FOR LIFE klingt zwar etwas abgedroschen aber doch stark und einfach typisch nach VAN CANTO, inklusive schmackiger Chöre. Danach bestätigt sich jedoch alles, was man vom neuesten VAN CANTO-Output eher nicht erwartet hätte. TO THE MOUNTAINS ist der erste gesangliche Wackelkandidat, der immerhin noch mit einem netten Refrain aufwarten kann; BADABOOM (als Videosingle ausgekoppelt) sorgt eventuell noch für Kurzweil – doch von einem nachhaltigen Hit ist das Ganze weit entfernt. Schlicht, da man sich nur allzu schnell satt gehört hat. Das gilt auch für das eher misslungene Cover von THE FINAL COUNTDOWN, welches vielleicht gar nicht mal so schlecht wäre, hätte man sich etwas mehr Mühe im Refrain gegeben. Erinnert man sich nämlich an das Original, so wirkt der kraftlos dahingesäuselte Singsang von Inga Scharf einfach nur lächerlich. Und selbst Sly liefert hier alles andere als eine seiner besten, authentischsten Performances ab.

Mit den folgenden Eigenkompositionen wird es schon wieder etwas besser; besonders das eher ruhige THE OTHER ONES markiert so gesehen den ersten nennenswerten Höhepunkt des Albums. Jene mysteriöse, verschwörerische Lagerfeuerstimmung passt einfach überaus gut zu VAN CANTO – ein LAST NIGHT OF THE KINGS lässt grüßen. Mit HOLDING OUT FOR A HERO folgt dann allerdings die wohl ärgste Cover-Nummer der bisherigen VAN CANTO-Interpretationen. Allein der Leadgesang macht den Titel zunichte; da kann selbst der antreibend-kräftige Refrain nicht mehr viel retten. Es folgen wieder zwei eher unspektakuläre Eigenkompositionen, ein grundsolides klassisches Cover (INTO THE WEST) und die letzte große Überraschung in Form des BLACK SABBATH-Covers PARANOID. Warum ausgerechnet dies so gut funktioniert (und authentisch klingt), ist nicht so leicht zu sagen – vielleicht liegt es einfach daran, dass erstmals Ross Thompson den Gesangspart übernimmt und dabei alles andere als schlecht abschneidet. Jene hier übertragene Coolness wirkt zumindest ungleich stärker als noch in der vermeintlichen Genre-Hymne BADABOOM.

Fazit: Es ist immer wieder spannend mitzuerleben, wie diverse Künstler oder auch Rezensenten von einem jeweils besten Album einer Bandgeschichte sprechen. Ein solches Urteil trifft natürlich zumeist den neuesten Output – die Vermutung, damit vor allem einen werbewirksamen Effekt zu erzielen, liegt nahe. Im Falle von VAN CANTO’s DAWN OF THE BRAVE wären dahingehende Lobpreisungen aber mehr als gewagte Unterstellungen. Wie auch immer man es dreht und wendet, das Album kann weder als weiterer Teil einer insgesamt passablen Diskografie punkten, noch als (theoretisches) Einzelwerk. Die Schwächen in Bezug auf den Leadgesang sind einfach zu offensichtlich – und auch davon abgesehen wirkt DAWN OF THE BRAVE eher wie das bisher verkrampfteste, am wenigsten authentische Album der deutschen. Gar nicht erst zu sprechen vom sich langsam abnutzenden Effekt der vermeintlichen Acapella-Sensation – irgendwann hat man einfach alle Rakatakka- und Mammamamma-Variationen gehört. Aber solange es sich verkauft…

Anspieltipps: FIGHT FOR YOUR LIFE, THE OTHER ONES, PARANOID

Vergleichsbands: HEAVATAR


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„Das bisher schwächste Album der Acapella-Metaller“

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