Filmkritik: „Frankenstein’s Army“ (2013)

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Originaltitel: Frankenstein’s Army
Regie: Richard Raaphorst
MitKarel Roden, Joshua Sasse, Robert Gwilym u.a.
Land: USA, Niederlande, Tschechische Republik
Laufzeit: 84 Minuten
FSK: Ab 18 Jahren freigegeben
Genre: Horror
Tags: Nazis | Weltkrieg | Frankenstein | Arzt | Experimente | Makaber | Folter

Ob nun Faschisten oder Kommunisten – alle wollen ihn haben.

Kurzinhalt: Gegen Ende des zweiten Weltkrieges rücken die erstarkten sowjetischen Truppen immer weiter gen Westen vor. Auf ihrem unerbittlichen Marsch erhält ein kleinerer Trupp einen Funkspruch – offenbar ein Notruf von in Schwierigkeiten geratenen Kameraden. Prompt entschließt man sich zu helfen – und rückt in ein kleines, scheinbar verlassenes Dorf vor. Hier stoßen die Soldaten auf eine Art Labor, in dem allerlei merkwürdige Dinge vor sich gehen. Vor allem aber begeben sie sich in akute Lebensgefahr – denn die hier lebenden Kreaturen sind alles andere als freundlich gesinnt. Man macht sich auf die Suche nach dem Schöpfer dieser furchteinflößenden Gestalten, die offenbar aus ausgedienten Maschinen und Leichenteilen gefallener Soldaten zusammengesetzt sind. Und so treffen die Soldaten auf Dr. Frankenstein – einen Mann, den man entweder töten oder aber in seinen eigenen Reihen wissen sollte.

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Kritik: Was haben wir denn hier… einen weiteren von so vielen Trashfilmen, die den umheimlichen Hang der Nazis zum Okkultismus auf ihre ganz eigene Art und Weise interpretieren ? Genau danach sieht Richard Raaphorst’s Direct-To-Dvd-Veröffentlichung FRANKENSTEIN’S ARMY aus, und genau das beschreibt ihn auch recht gut. Zumindest oberflächlich, denn wenn man mit eben dieser Erwartungshaltung an den Film herangeht besteht durchaus die Chance, positiv von ihm überrascht zu werden.

Und das liegt beileibe nicht an der recht typischen 08/15-Story, den zwar glaubwürdigen aber absolut austauschbaren Charakteren oder etwaigen versteckten Botschaften. Davon gibt es nämlich keine – FRANKENSTEIN’S ARMY ist ein makaberer Unterhaltungsfilm durch und durch, der nicht zu Unrecht eine FSK-18 erhalten hat und somit auch einiges an Futter für Splatter-Fans anzubieten hat. Doch gibt es da etwas anderes, was den Film von vielen eher negativ-trashig anmutenden Genrekollegen unterscheidet.

Und das ist zweifelsohne eine große Portion Kunst-; pardon, Herzblut. Man merkt dem Film bereits während der ersten Szenen an, dass sich das Team bei grundsätzlich allem etwas gedacht hat und selbst die eher unspektakulären Momente gnadenlos stimmig einfängt und auf Details achtet. So könnte der anfängliche Marsch der verirrten russischen Soldaten durchaus einem echten Kriegsdrama entsprungen sein – aufgesetzt, plump oder lediglich zweckdienlich wirkt hier nichts. Schnell jedoch widmet man sich wieder dem eigentlichen Ziel, und serviert dem Zuschauer eine spannende Entdeckungsreise, die nach und nach ein immer deutlicheres Bild vom Grauen der unheimlichen Nazi-Machenschaften zeichnet.

Eben jene Spannung ist ein weiterer gelungener Aspekt an und in FRANKENSTEIN’S ARMY. Denn: wirklich langatmig wird er nicht (was bei gerade einmal 80 Minuten Laufzeit allerdings auch ein Problem wäre), ein paar hie und da eingestreute Konflikte unter den Protagonisten sorgen auch in den Grusel-Pausen für ein anständiges Maß an Atmosphäre. Schade ist nur, dass diese gegen Ende dann doch noch kippt – schlicht, indem man dem in seinen Ambitionen eher plump dargestellten Doktor mehr Raum gibt. Raum in eine Richtung, die der stumpfen Blödelei doch sehr, sehr nahe kommt. Sicher, anspruchsvoll ist FRANKENSTEIN’S ARMY zu keinem Zeitpunkt – doch der etwas düsterere, ernstere Ton der innerhalb der ersten Stunde etabliert wurde, hat dem Film dann doch weitaus besser gestanden.

Abgesehen von der etablierten Spannung und der zumeist stimmigen Atmosphäre sollte eine weitere, wenn nicht die größte Stärke von FRANKENSTEIN’S ARMY erwähnt werden. Hiermit ist die gesamte Arbeit der Kostüm- und Maskenbildner gemeint, sowie selbstverständlich die Kreativität der Köpfe hinter den schaurig-makaberen Nazi-Monstern. Jenes Grusel-Kabinett der Kuriositäten sucht beinahe seinesgleichen – hier konnten sich alle Beteiligten ordentlich austoben, was sie sich offensichtlich nicht zweimal sagen ließen. Das Ergebnis ist schlicht überraschend – da dem Film der spezielle, unabhängige Freigeist-Flair eines Trashfilms nicht abgeht, der gesamte optische Eindruck aber durchaus professionelle, kultverdächtige Züge annimmt.

Fazit: FRANKENSTEIN’S ARMY ist ein echter Genre-Geheimtipp – Freunde des trashig angehauchten Horrorfilms, denen auch die ein oder andere Splatter-Orgie genehm ist, werden hier voll auf ihre Kosten kommen. Vor allem aber das Creature-Design sowie die Kostüme und üppigen Szenenausstattungen bieten so manch optisches Highlight. Da sei es auch verziehen, dass die Story letztendlich nur ein Mittel zum Zweck ist und man ausgerechnet das Ende etwas versemmelt hat.

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„Eine vergleichsweise aufwendige, liebevoll inszenierte Freakshow der erfrischenden Sorte.“

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