Filmkritik: „Bunraku“ (2010)

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Originaltitel: Bunraku
Regie: Guy Moshe
MitJosh Hartnett, Demi Moore, Woody Harrelson u.a.
Land: USA
Laufzeit: 118 Minuten
FSK: Ab 16 Jahren freigegeben
Genre: Martial Arts / Fantasy
Tags: Bunraku | Zukunft | Vision | Dystopie | Gangs | Oberboss | Rache

Eine Dystopie muss nicht immer düster in Szene gesetzt werden.

Kurzinhalt: Nachdem die Menschheit einen großen Teil der allgemeinen Waffenbestände zu ihrem eigenen Schutz vernichtet hat, setzen sich die zwischenmenschlichen Auseinandersetzung noch immer fort. Und somit auch die Machtspielchen zwischen den starken; während die Armen und Schwachen weiterhin von der Gesellschaft abgegrenzt werden. Nicola (Ron Perlman) ist einer jener zwielichtiger und erbarmungsloser Verbrecher, die sich zum Anführer einer ganzen Stadt aufgeschwungen haben – und sich seinen Machtanspruch vor allem durch die verbreitete Angst vor sich und seinen Kämpfern sichert. Doch eines Tages erscheint ein seltsamer Reisender (Josh Hartnett), der sich bei einem ansässigen Barkeeper (Woody Harrelson) nach einem Verantwortlichen erkundigt. Damit zieht er nicht nur das Interesse einiger Handlanger von Nicola auf sich, sondern auch das eines jungen Samurai (Gackt). Die beiden stellen fest, dass sie ganz ähnliche Ziele haben – und verbünden sich, um die korrupte Herrschaft von Nicola und seinen Elite-Kämpfern ein für allemal zu beenden.

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Kritik: Es gibt sie immer seltener, aber es gibt sie – Filme, die wie ein Gesamtkunstwerk anmuten. Schlicht, da sie allgemeingültige Filmkonventionen verneinen, sich fernab der Mainstream-Gewohnheiten bewegen und dennoch außerordentlich gut unterhalten. Oftmals liegt Machwerken jener Art zumindest eine Gemeinsamkeit zugrunde: sie legen in erster Linie weniger Wert auf eine besonders geistreiche Story; dafür aber umso mehr auf eine markante Optik, einen tragenden Soundtrack oder besonders denkwürdige Charaktere. Die KILL BILL-Reihe von Quentin Tarantino, oder aber Robert Rodriguez‘ SIN CITY könnten als Beispiele jener kunstvollen Filmkategorie erwähnt werden, bei denen zusätzlich eindeutige Inhalte für Erwachsene und ein erhöhter Gewaltgrad eine Rolle spielen. Und nun kommt ein Film wie BUNRAKU daher; der schon einmal einen interessant-exotischen Titel zu bieten hat – sich dabei aber nur allzu auffällig bei etwaigen Vorbildern bedient und letztendlich wie ein lauwarmes Konglomerat aus den beiden eben genannten Werken anfühlt. Und das trotz des eventuell mit dem Titel verbundenen Versprechens, sich mit japanischen Traditionen auseinanderzusetzen.

Der Grund dafür ist schnell gefunden: BUNRAKU besitzt zwar so etwas wie eine Storyline, doch ist diese vergleichsweise schnell erzählt. Vor allem aber liefert sie so gut wie keinerlei Hintergründe, und macht erst gar keine Anstalten eine für den Zuschauer stimmige oder zumindest nachvollziehbare Welt zu etablieren. Somit lässt man das eigentliche Setting schnell außer Acht, und fokussiert sich beinahe ausschließlich auf eine simple Auseinandersetzung zwischen einer eher guten und einer eher bösen Fraktion. Durch eben jene arbeiten sich die beiden Titelhelden entsprechend durch, und lassen dabei kaum einen Stein auf dem anderen – bis es zu einem bereits zu Beginn angedeuteten Aufeinandertreffen mit dem Oberboss der Unterdrücker (in diesem Fall dem Holzfäller und seinem besten Krieger) kommt, kommen muss. Dieses merkwürdige Abarbeiten einer Liste (das ist es tatsächlich) wirkt recht seltsam; und wird dabei eher schlecht als Recht von anderen Genrefilmen abgekupfert. Schlecht abgekupfert ist es, da das grundlegende Prinzip des langsamen Vorarbeitens durch die Horden des bösen zwar eins zu eins übernommen wurde, es aber so gut wie keine markanten Charaktere oder Zwischenstationen gibt.

Das wäre vielleicht gar nicht mal so gravierend, hätte man zumindest die Hauptcharaktere mit einer entsprechenden Hintergrundgeschichte ausgestattet. Doch selbst hier gilt: bis auf ein paar merkwürdige Verhaltensweisen oder gewisse Vorlieben in Bezug auf die Waffenwahl während der Kämpfe erfährt man so gut wie nichts über sie. Warum sie überhaupt in die Stadt gekommen sind wird zwar – geradezu beiläufig – erwähnt, doch wirken die Gründe eher konstruiert und an den Haaren herbeigezogen. Eine ernstere Motivation oder ein Gefühl, dass all dies auch nur ansatzweise eine Bedeutung haben könnte, wird dem Zuschauer zu keinem Zeitpunkt vermittelt, sodass auch das Element der Empathie konstant kleingehalten wird. Doch wenn man schon nicht mit den Charakteren mitfiebern kann und zudem keine besonders spannende Story geliefert bekommt; weshalb sollte man sich einen Film wie BUNRAKU überhaupt ansehen ?

In der Tat handelt es sich hierbei um eine schwierige Frage, denn selbst die doch relativ häufig auftretenden Kampfszenen sind nicht so außergewöhnlich choreografiert oder geschickt inszeniert, als dass sie eine Empfehlung rechtfertigen würden. Der mitunter einzige markante Vorteil des Films ist, dass sich zumindest die Welt, in der sich die wortkargen Protagonisten im Rahmen einer klischeebehafteten Handlung bewegen, doch ein wenig besonders anfühlt. Wenn nicht gar erfrischend – die ureigene Optik des Films, die interessanterweise von auf den ersten Blick plump wirkenden Kulissen aus Pappmaschee und bunten Farbspielen lebt, weiß einen gewissen Charme zu entfalten. Auch die abwechslungsreichen Schauplätze und die gesamte Stilisierung der Szenenaufbauten fallen positiv auf, wie zumindest teilweise auch der Soundtrack. Schade nur, dass diese optische Welt nicht wirklich in einem Kontext mit den Ereignissen oder Charakteren steht – sie ist einfach da, und man sollte sie nicht hinterfragen. Sicher handelt es sich hier letztendlich um Stilmittel, die dem Gezeigten einen besonderen Feinschliff verpassen sollen – doch hat man bei BUNRAKU nicht selten das Gefühl, als handelte es sich hierbei um die einzigen Vorzüge. Und das der Mut, lediglich auf eine besonders erfrischende oder andersartige Optik zu setzen oftmals nicht ausreicht um einen Film über 90 Minuten unterhaltsam und sehenswert zu gestalten; dass weiß man beileibe nicht erst seit gestern.

Fazit: Betrachtet man BUNRAKU als mutiges, in Filmform verpacktes Theater- oder Kunstprojekt, so wird man zumindest teilweise zufriedengestellt. Doch ein wie auch immer gearteter (vor allem gestalterischer) Mut reicht eben nicht aus, um einen Film auch als Komlettpaket sehenswert zu gestalten. Ein wenig mehr Mut und Innovationsfreude wäre in diesem Fall vor allem auch bei der Rahmenhandlung und den Charakterporträts angebracht gewesen; die letztendlich derart klischeehaft daherkommen dass es eine Qual ist. Hier scheinen vor allem die großen Namen der Darsteller eine Rolle gespielt zu haben, und nicht ob die Rollen perfekt auf sie zugeschnitten waren. Sicher sind Schauspieler wie Woody Harrelson, Josh Hartnett oder Ron Perlman markante Persönlichkeiten die oftmals auch leicht skurillen Figuren Leben einzuhauchen vermögen, doch in diesem Fall bleiben die Leistungen – ebenso wie die erzielten Eindrücke- eher flach. Kurzum: es fehlt dem Film schlicht an Seele, an Herz und somut auch an Atmosphäre. Da kann selbst die nur vermeintlich bedeutungsschwere Erzählstimme aus dem Off nicht mehr viel reißen. Ein kruder Mix aus japanischem Figurentheater, Western und Samurai-Film; bei dem zumindest die optischen Ausschweifungen und Kämpfe erwähnenswert sind – alles andere aber nicht.

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„Stil darf ruhig gerne mal über der Substanz stehen – aber bitte nicht ausschließlich.“

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