Filmkritik: „Der Hobbit – Eine Unerwartete Reise“ (2012)

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Originaltitel: The Hobbit: An Unexpected Journey
Regie: Peter Jackson
MitIan McKellen, Martin Freeman, Richard Armitage u.a.
Land: USA, Neuseeland
Laufzeit: 165 Minuten
FSK: Ab 12 Jahren freigegeben
Genre: Fantasy / Abenteuer
Tags: Herr Der Ringe | Der Hobbit | Auenland | Vorgeschichte | Smaug | Sauron

Auch mit 48 Bildern pro Sekunde wird Gandalf nicht schneller oder lebendiger.

Kurzinhalt: Der Hobbit Bilbo Beutlin (Martin Freeman) verlebt seine Tage im beschaulich-schönen Auenland, dessen Bewohner ihn und seine gemütliche Art schätzen. Eines Tages aber besucht ihn der große Zauberer Gandalf (Ian McKellan), der ihm etwas von einem großen Abenteuer erzählt – und bald darauf mit 13 Zwergen in sein Haus einfällt. Der Grund für die bevorstehende Reise, an der überraschenderweise auch der Hobbit beteiligt sein soll, ist schnell gefunden: Erebor, das Zuhause der Zwerge wird von einem Drachen namens Smaug besetzt. Thorin Eichenschild (Richard Armitage), der Erbe jenes legendären Königreiches, will den Drachen nach vielen Jahren der Herrschaft über sein Zuhause und das dort gehortete Gold endlich vertreiben. Auf ihrem Weg begegnet die bunte Truppe vielen Gefahren, und der drohende Tod wird ihr ständiger Begleiter. Es erscheint beinahe unausweichlich, dass der sonst so ruhige und besonnene Hobbit Bilbo früher oder später über sich selbst hinauswachsen muss, um ein vollwertiges Mitglied der Truppe zu werden… doch eine Konfrontation mit Gollum (Andy Serkis), der einen mächtigen Ring besitzt, verhindert erst einmal weiteres.


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Kritik: Mit etwaigen Literaturverfilmungen, dessen Vorlagen einen hohen Bekanntheitsgrad genießen; ist es immer so eine Sache. Das war schon bei der mittlerweile legendären HERR DER RINGE-Trilogie so, und trifft auch auf die ebenfalls als Trilogie ausgelegte, in das selbe Fantasy-Universum gehörende Vorgeschichte DER HOBBIT zu. Während HERR DER RINGE aber tatsächlich sowohl als direkte, stark an das Original angelegte Verfilmung als auch als vollkommen unabhängiges Fantasy-Epos funktionierte, gestaltet sich das im vorliegenden Fall etwas schwieriger. Wohl auch, da der HOBBIT-Reihe kein ähnlich ausführliches Material zugrunde liegt, auf dass man sich kontinuierlich hätte stützen können. In Wahrheit handelt es sich um ein Kinderbuch aus dem Jahre 1937, welches mit einer Stärke von 400 Seiten vergleichsweise knapp ausfällt. Dennoch war es ein lang gehegter Traum von Regisseur Peter Jackson, auch diese Geschichte auf die große Leinwand zu bannen. Und so schmückte er sie entsprechend aus, und trimmte sie dahingehend auf eine Kinotauglichkeit, als dass sie als würdiger Nachfolger der HERR DER RINGE-Trilogie fungieren könnte.

Man kann sich vorstellen, dass dies eine alles andere als einfache Aufgabe gewesen sein muss – was man dem neuen HOBBIT-Film auch durchaus anmerkt. Gerade in der ersten Hälfte der doch überraschend ansehnlichen Gesamtspielzeit von 165 Minuten scheint Jackson’s Werk desöfteren zwischen eher kindgerechten und eindeutig auf Erwachsenenunterhaltung abzielenden Elementen hin- und herzupendeln; was nicht immer besonders stimmig wirkt oder geschickt gelöst wurde. Sicher ist die Ambition, sowohl dem Originalstoff als auch den eingefleischten HERR DER RINGE-Fans treu zu bleiben, eine ehrenwerte – doch im Endeffekt konnte so so nur eine halbherzige Lösung für beide Seiten entstehen. DER HOBBIT erhielt eine FSK-Freigabe ab 12, was besonders in Anbetracht der zweiten Filmhälfte angebracht erscheint – doch zuvor wirken viele Szenen, als seien sie einem puppenhaft-grotesken Theaterstück für die kleinsten aller Hobbit-Fans entsprungen. Ausgerechnet die wichtigen Einstiegsszenen, die die Charaktere vorstellen und den Zuschauer auf die zu erwartende Reise vorbereiten sollen; sind hierbei besonders überzeichnet ausgefallen. Richtig ernstnehmen kann man das Gezeigte nur selten, und doch soll eine ähnlich allumfassend-abenteuerliche Atmosphäre entstehen wie einst bei HERR DER RINGE – eine kühne Gratwanderung, die Peter Jackson nur bedingt gelingt.

Denn auch wenn sich allerlei bekannte Gesichter versammelt haben, um abermals den direkten Bezug zur HERR DER RINGe-Trilogie herzustellen; kommt das berühmt-berüchtigte (und sicher absolut erwünschte) Mittelerde-Feeling erst weitaus später auf. Somit spitzt sich die Atmosphäre zumindest in der zweiten Filmhälfte zu, und sorgt nur noch mit dezent eingebrachten Blödeleien für einen markanten, langsam aufkeimenden Spannungsbogen. Doch nicht nur atmosphärisch hat DER HOBBIT mitunter starke Probleme, auch inhaltlich bewegt man sich nur allzu überdeutlich weg vom einst mit dem HERR DER RINGE etablierten Standard. Nicht nur, dass die Handlung allgemein viel entschlackter, simpler und überraschungsarmer ausfällt – ausgerechnet die optisch markanten Charaktere bleiben weitestgehend flache Silhouetten, die nur wenig gehaltvolles oder erhellendes von sich zu geben haben. Markante Querverweise und Spiele mit der ureigenen Zeitlinie des HERR DER RINGE-Universum bleiben größtenteils aus; es scheint zu genügen dass der ein oder andere Charakter, respektive Gegenstand bereits jetzt – das heißt 60 Jahre vor den eigentlichen Ereignissen – zu sehen ist.

Aber auch der eigentliche Sinn und Zweck der Reise; und vor allem aber die Ausführung der ersten Etappen wirkt vergleichsweise beliebig und wenig atemberaubend inszeniert. Man gibt sich – wie auch die im Film auftauchenden Charaktere – eher locker und wenig bedächtig, überlässt zumindest gefühlt vieles dem Zufall. Das Gefühl einer wirklich bedeutungsvollen, das Schicksal vieler betreffenden Reise stellt sich zu keinem Zeitpunkt ein; und auch das Mitgefühl und die Sympathie für die Charaktere hält sich aufgrund der doch eher kargen Dialoge und geringen Profilierungsmöglichkeiten in Grenzen. Besonders markant ist dabei das gesamte Verhalten des immerhin 60 Jahre jüngeren Gandalf’s – in Wahrheit scheint es als sei er sogar gealtert, so lethargisch und wortkarg gibt er sich. Das liegt sicher nicht nur am tatsächlich gealterten Darsteller – sondern vielmehr am Drehbuch, welches ihm eine überraschend unspektakuläre rolle zuschreibt. Wozu dann überhaupt einen großen ‚Zauberer‘ involvieren ? Ganz HERR DER RINGE-typisch bleiben aber noch einige andere Elemente, die den Film zumindest theoretisch sehenswert gestalten könnten.

Hier fällt das Urteil dann auch schon weitaus zwiegespaltener aus als in Bezug auf den Inhalt, denn: zweifelsohne hat man als Zuschauer das Gefühl einen aufwendigen, opulenten, teils malerisch schönen Film zu sehen, der konsequent auf die Ausnutzung der neuesten Filmtechniken setzt. Bezüglich der sagenhafte Kamerafahrten, den gut choreographierten Massenszenen, den detailreichen Nahaufnahmen und des stimmigen Soundtracks gibt man sich schlicht keinerlei Blöße. Und auch wenn insgesamt deutlich öfter auf CGI-Effekte gesetzt wurde, scheinen sich diese doch überraschend gut in das Gesamtbild einzufügen – eine kleine Überraschung. So gut das klingt, es gibt dabei mindestens ein Problem: insgesamt wurde merklich weniger handwerklicher Aufwand betrieben als dereinst beim HERR DER RINGE, was man dem HOBBIT trotz einiger markanter Szenen (wie etwa in den Höhlen der Zwerge oder Orks) recht schnell anmerkt und ansieht. Und auch der Umgang mit den in diesem Fall stark beworbenen / unterstützten neuerlichen Filmtechnologien wie 3D, 4K und HFR scheint zumindest fragwürdig. Nicht jeder wird sich mit der oftmals nur vermeintlich ‚besseren‘ Filmqualität anfreunden können, da sich jene Maßnahmen auch gerne mal ins absolute Gegenteil kehren können. Als ein Stichwort sei hier der ‚Soap-Opera-Effekt‘ genannt – ein Eindruck, der mit dem eigentlich zeitlosen Eindruck der Geschichte nicht so recht harmonieren will.

Fazit: Alles in allem ist DER HOBBIT ein eher enttäuschender Film respektive enttäuschendes Prequel, welches zu keinem Zeitpunkt den Glanz und die Qualität der meisterlichen filmischen Vorgängertrilogie (mit der man diesen Film automatisch vergleichen wird) erreicht. Enttäuschend ist er vor allem inhaltlich, da weder die Rahmenhandlung noch die Charaktere mit einer entsprechend nötigen Bedeutungsschwere ausstaffiert werden, und vieles irgendwo zwischen einer gefühlten Beliebigkeit und dem Zusammenhang mit der Kinderbuchvorlage verloren geht. Technisch und handwerklich ist er indes über so gut wie alle Zweifel erhaben – gesetzt dem Fall, man stört sich nicht an einem im Vergleich mit dem sich ‚echter‘ anfühlendem HERR DER RINGE insgesamt doch deutlich artifizieller wirkendem Gesamtbild. Eines muss man dem Film dann aber doch noch alle Bereiche übergreifend zugute halten: er wird trotz der langen Spieldauer zu kaum einem Zeitpunkt explizit langatmig, sondern vermag es den Zuschauer kontinuierlich zu unterhalten. Nicht auf dem höchsten erdenklichen Niveau und weitab von der Atmosphäre der ursprünglichen Trilogie oder eines guten Abenteuerfilms, aber immerhin. Das einzig unerklärliche werden wohl weiterhin die immensen Produktionskosten von satten 250 Millionen Dollar bleiben… Hollywood lässt grüßen.

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„Ob man ihn nun vergleichen will oder nicht – mehr als ein karges Dasein im Schatten von DER HERR DER RINGE ist nicht drin“

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2 Gedanken zu “Filmkritik: „Der Hobbit – Eine Unerwartete Reise“ (2012)

  1. Seh ich auch genauso. Zumal auch der Spannungsbogen einfach total in die Hose ging. Ich mein wie kann man eine Hälfte des Films nur mit Dialogen vollstopfen und die 2te Hälfte NUR mit Aktion? Die Abwechslung hätte es ausgemacht… außerdem verschenkt der Film natürlich unheimlich viel Potential. Woran genau das gelegenhat? Ehrlich, ich weiß es nicht, aber der Film hat mich so wenig mitgenommen, das es mir die Mühe einfach nicht wert ist, das überhaupt noch zu begründen.

    Schade also, denn ich war immer schon ein großer HdR-Fan.

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    1. Die größte Enttäuschung der letzten Jahre. (vlt sogar jemals?)

      Ich HASSE diesen Film, der ist Vergleichbar mit der Vergewaltigung von Star Wars durch George Lucas (mit den Episoden I-III, deren Existenz ist allerdings idR leugne). Das hätte Peter Jackson nicht nötig gehabt. Er hat einst so geile Filme gemacht (Braindead, Meet the Feebles, Herr der Ringe).

      Aber auch wirklich gar nix war gut an diesem Werk, verstehe die halbwegs guten Kritiken überall absolut nicht. Ich kann als Zuschauer keine Verbinung zu Protagonisten aufbauen, die …
      a) absolut keine Persönlichkeit besitzen, Eindimensionaler geht nicht (fand schon im HdR Legolas und Gimmli dämlich umgesetzt, vergleicht das mal mit den Büchern, aber nun sind alle Chars so, dass sie auf nem Bierdeckel Platz finden, selbst ein PC-Spiel Diablo-Charakter hat mehr Persönlichkeit)
      b) jeglichen physikalischen Gesetzen trotzen. Ein Beispiel? Die stürzen von Baum zu Baum und danach in eine Tiefe Schlucht – ohne auch nur eine Schramme davonzutragen. Das soll wohl lustig sein (Kleinkinder lachen über sowas). Da sieht das Auge des Betrachters Bilder, die mit der Realität derartig auseinaderlaufen, dass eine Bindung zu den Charakteren (Grundlage für aufkommende Spannung) für mich unmöglich machen. Sowas reißt mich 100% aus der Handlung. Spannung vermag einfach nicht aufkommen dabei.

      Man kann ein 300 Seiten Kleinkinderbuch einach nicht in drei 3h Filme packen. Und nur weil man CGI-mäßig alles machen kann heißt das nicht, das man alles machen sollte/muss. Es wirkt so, als hätte man in jeder Szene so viel Müll wie nur irgendwie denkbar auf den Bildschirm gezaubert (Wie in Starwars Episode I-III oder den vergeigten Special Editions, wo in jeder Szene noch so viel Schrott reinanimiert wurde). Entbindet man den Film seiner Spezialeffekte + Musik, was würde bleiben? Tiefe? Inhalt? Starke Charaktere? Öhh…

      Und überhaupt: welches Genre bedient der Film?
      – ca. 80% Film für die ganze Familie, vor allem die Kleinsten (Slapstickhumor á la amerikanischer Kinderfilm).
      – dann wiederum Szenen, die für kleine Kinder eindeutig ungeeignet sind (Orks enthaupten…)
      – Action, die zum einschlafen ist, da keine Bindung zu den Charakteren aufgebaut wurde – trotz der langen ruhigen anfangs-ess-Szene.

      Radagast – der Jar-Jar-Binks des Herrn der Ringe 😦 Was haben sie dir angetan, Radagast.

      Was wäre da möglich gewesen. Denkt zum Beispiel an die geniale Verfilmung von „Das Lied von Eis und Feuer“ aka Game of Thrones. Aber so funktioniert Abschöpfung. Eines ist gewiss: Tolkien dreht sich im Grabe um, der hätte diese Verfilmung niemals gutgehießen…

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