Filmkritik: „Hope And Glory“ (1987)

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Originaltitel: Hope And Glory
Regie: John Boorman
MitSebastian Rice-Edwards, Geraldine Muir, Sarah Miles u.a.
Land: Großbritannien
Laufzeit: 112 Minuten
FSK: Ab 12 Jahren freigegeben
Genre: Drama / Komödie
Tags: Zweiter Weltkrieg | London | Bomber | Luftwaffe | Kinder | Bevölkerung

Ein schrecklich-schöner Anti-Kriegsfilm.

Kurzinhalt: Im Jahre 1939 ist auch England nicht mehr vor den Schrecken des von Adolf Hitler initiierten Zweiten Weltkriegs gefeit. Dennoch versuchen die Menschen ihren Alltag so gut es geht zu meistern – wie die Familie der Rowans, die in einem Vorort von London lebt. Als der Familienvater Clive (David Hayman) eines Tages jedoch selbst in die Armee eingezogen wird, verbleiben seine Frau Sue (Geraldine Muir) und seine drei Kinder Grace (Sarah Miles), Dawn (Sammi Davis) und Bill (Sebastian Rice-Edwards) allein zurück. Gerade der 9-jährige Bill, nunmehr der einzige Mann im Haus, wächst dabei über sich hinaus – sodass der Familienzusammenhalt und der Wille, all das Grauen möglichst unbeschadet zu überstehen, immer weiter wächst. So erlebt die Familie während des von der deutschen Luftwaffe geführten Blitzkriegs immer wieder Momente der Todesangst – doch den Lebensmut, den würde sich keiner der Anwesenden in den von Bomben bedrohten Wohngebieten nehmen lassen. Als dann kurz vor Ferienende auch noch die hiesige Grundschule getroffen und zerstört wird, ist die Freude besonders bei den Kindern groß…

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Kritik: Die Schrecken des Krieges trifft auf eine standhafte, vor Lebenslust geradezu sprühende englische Bevölkerung. Eines ist bei einer Plotbeschreibung wie dieser klar – HOPE AND GLORY ist wie kein zweiter ein Film der gemischten Gefühle. Eben so, wie es auch von Regisseur und Drehbuchautor John Boorman beabsichtigt war; der in diesem durchaus besonderen Antikriegsdrama zum Teil autobiografische Erfahrungen verarbeitet. Ob man dies dem Film – das entspreche Wissen um seine Vita vorausgesetzt – nun anmerkt oder nicht, spielt dabei aber kaum eine Rolle. HOPE AND GLORY ist ein auf einer universellen, emotionalen Ebene funktionierender Film; der weder als explizite Biografie noch Chronologie des Zweiten Weltkriegs in Bezug auf England verstanden werden soll. Vielmehr setzt der Film auf die zutiefst ambivalente, glaubwürdig transportierte Stimmung der Einwohner Londons; die zum entsprechenden Handlungszeitpunkt noch nicht wussten, in wie weit England tatsächlich in den weiteren Verlauf des Krieges einbezogen werden würde. Das Ergebnis ist ein Film, der teilweise wie eine beschwingte Familienkomödie wirkt – wäre da nicht jener besagte, bedrohliche Schreckenshintergrund als Rahmen für die stets glaubwürdige Ereignisse.

HOPE AND GLORY ist dabei eine der wenigen Filme jener Machart, die dabei nicht nur als ganzheitliches Erlebnis im Gedächtnis bleiben werden – sondern einer, der auch in vielen einzelnen Szenen eine ungeheure filmische Wirkung; eine filmische Wucht offenbart. Momente wie die, in der ein deutscher Pilot von der englischen Verteidigung abgeschossen wird und per Fallschirm inmitten der staunenden Bevölkerung notlandet; oder die, in denen der vom Krieg heimgekehrte Familienvater eine Marmeladendose der deutschen Angreifer den anderen als köstliches Mitbringsel schmackhaft machen möchte, sind dabei besonders bezeichnend. Diese herrlich erfrischend, herrlich einzigartig inszenierten Szenen sind dabei nicht nur besonders unterhaltsam – sie zeugen erneut von der filmischen Ambivalenz, den vom Filmstil her geradezu kabarettistisch dargebotenen Akten der Menschen vor dem Hintergrund der vor allem in der Ferne stattfindenden Katastrophe. John Boorman gelingt es hierbei, sich niemals im Ton oder Stil zu vergreifen – alles wirkt in sich stimmig, stets nachvollziehbar; und bewegt sich selbst in den markanteren Momenten einer alles übergreifenden Heiterkeit niemals in Bereichen des Lächerlichen, Bloßstellenden.

Doch nicht nur die in diesem Sinne wunderbar unspektakuläre Handlung und die menschlichen Charaktere wissen in diesem Fall durchweg zu überzeugen. Einen weiteren Vorteil erhält der Film dadurch, dass er zumeist aus einer kindlich-unschuldigen Perspektive heraus erzählt, respektive erlebt wird – und so aus einer wenig sterilen Sichtweise der Dinge profitiert, die dennoch nicht dazu führt dass etwaige Hintergründe verharmlost werden. Dabei erscheint es besonders erwähnenswert, welchen Anteil die Darsteller an der filmischen Gesamtwirkung haben. Es ist schier unglaublich, mit welcher Ausdrucksstärke der junge Darsteller Sebastian Rice-Edwards die Rolle des Bill spielt; die des zweifelsohne wichtigsten Charakters des Films. Und dass offenbar ohne dass er zuvor in anderen Produktionen mitwirkte; was sicherlich eine kleine Überraschung ist. Auch der restliche Cast erzeugt vor allem eine Wirkung: eine durch und durch sympathische, die es dem Zuschauer schnell ermöglicht, sind in die jeweiligen Situationen einzufinden und sich vielleicht sogar in ihnen wieder zuerkennen. Derweil macht der Film alles, was er möglicherweise an Alterserscheinungen in Bezug auf die allgemeine Bildqualität offenbart, durch die vielen liebevollen Szenenaufbauten und großartig eingefangenen Alltagsszenen locker wieder wett. Überaus stimmig ist auch der Soundtrack, welcher hie und da die ein oder andere klassische Note einstreut, sobald es etwas melancholischer zugeht – oder aber den guten alten Swing präsentiert, wenn es gilt; die Kriegspausen nachzuerleben.

Fazit: HOPE AND GLORY ist eines jener Kriegsdramen, die sich wie der gut 10 Jahre später erschienene DAS LEBEN IST SCHÖN oder auch DER ZUG DES LEBENS in eine besondere Kategorie des Kriegs- bzw. Antikriegsfilms einordnen. Einer, dessen zugehörige Werke alle eines gemeinsam haben: sie sind erfrischend andersartig und unkonventionell erzählt – und wirken dennoch, oder gerade deswegen nicht minder glaubwürdig oder weniger ernsthaft als andere, sich als durch und durch seriös verkaufende Kriegsdramen. Neben den entsprechenden Ideen gehört schon eine ordentliche Portion Mut dazu, Filme wie diese zu produzieren – bei denen es gilt, die Gratwanderung zwischen (oberflächlichem) Klamauk und historisch relevanter Kriegsparabel stets zu meistern. In diesem Fall hat das wunderbar geklappt – HOPE AND GLORY unterhält nicht nur blendend, auch die ernsteren Elemente kommen nicht zu kurz. Eine absolute, zeitlose Empfehlung.

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„Andersartiger, mutiger, lebensbejahender Anti-Kriegsfilm mit starkem Hauptcharakter“

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