Filmkritik: „Eine Zauberhafte Nanny / Nanny McPhee“ (2005)

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Originaltitel: Nanny McPhee
Regie: Kirk Jones (II)
MitEmma Thompson, Colin Firth, Angela Lansbury u.a.
Land: Großbritannien
Laufzeit: 97 Minuten
FSK: Ab 0
Genre: Komödie
Tags: Nanny | Kindermädchen | Familie | Kinderreich | Quengelei | Magie

Eine Mammutaufgabe für eine Nanny.

Kurzinhalt: Mr. Brown (Colin Firth) ist mit seinen Kindern völlig überfordert – immerhin sind es gleich 7  Stück an der Zahl. Hinzu kommt, dass seine Frau bereits vor einiger Zeit verstorben ist, und er nun allein für das Einkommen und seine Kinder sorgen muss. Wobei, nicht ganz – schließlich beschäftigt er eine Küchenfrau und ein Hausmädchen. Das wichtigste aber – eine richtige Nanny, die mit den Kindern zurechtkommt – ist noch fehl am Platze. Warum, wird indes schnell klar: die Kinder haben das Verjagen von erst bereitwilligen Nanny’s  zu einer ihrer Hauptaufgaben gemacht. Sie wollen und glauben einfach nicht, dass irgendjemand den Platz ihrer Mutter einnehmen könnte. Bis eines Tages eine seltsame Dame namens Nanny McPhee (Emma Thompson) auftaucht – die scheinbar genau die richtige für diese Aufgabe ist. Zumindest scheint sie genau zu wissen, was für die Kinder gut ist… und lässt sich kaum von den anfänglichen Abwehrhaltungen der Kinder beirren.

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Kritik: NANNY MCPHEE ist nicht gerade einer der Filme, der besonders vielversprechend beginnt. Schließlich passiert nicht viel mehr als dass 7 Kinder ein großes Tohuwabohu veranstalten und ihren Vater zur Verzweiflung bringen – in einem übertrieben bunten und kitschig erscheinenden filmischen Gewand. Tatsächlich ist die darauf folgende Story um ein sagenhaftes Kindermädchen und eine gehörige Portion Magie weder neu noch besonders innovativ inszeniert – und doch kann man dem Film einen gewissen Charme nicht absprechen. Das liegt größtenteils an den überaus quirligen und sympathischen Charakteren, die die ohnehin schon bunte Szenerie über alle Maßen beleben – allen voran die Kinder. Der älteste, Simon (Thomas Sangster) fungiert hierbei als eine Art ‚Galionsfigur‘ – und als Bindeglied zwischen den restlichen Kindern und der Erwachsenenwelt. Das ist gut umgesetzt, und sorgt im weiteren Verlauf für reichlich Spaß – bis der Film hier und da dann doch etwas ernstere Töne anschlägt. Wenn auch nur sporadisch – in erster Linie handelt es sich um eine kunterbunte Feel-Good-Komödie, die eine familiäre Wandlung (die grundsätzlich auch für ein Drama geeignet wäre) auf eine absurd-unterhaltsame Art und Weise porträtiert.

Man könnte allerdings auch von einem modernen Märchen sprechen – mit einer rätselhaften Dame die für einen gewissen magischen Unterton sorgt; gepaart mit einigen perfekt auf eine kindliche Verständnisebene transferierten familiären Problemen. So erfährt der (kindliche) Zuschauer geradezu spielerisch von vielen grundsätzlich ernsten Nebengeschichten, wie der der schrulligen Tante Adelaide (Angela Lansbury), die den Vater der Kinder enorm unter Druck setzt und eines Tages sogar eines seiner Kinder zu sich nehmen möchte. Weder die Aussage jener Szenen, noch der Unterhaltungsfaktor kommen hierbei zu kurz – auch wenn das Ganze des öfteren so manche Grenze des erträglichen Kitschs überschreitet. Ein rundum gelungener Kinderfilm unter der Ägide einer geradezu feucht-fröhlichen Inszenierung, möchte man meinen – wären da nicht gewisse Schwächen in der Handlung respektive dessen Ausschmückung, mit der man es sich letztendlich doch etwas zu einfach macht. Diverse Ideen aus anderen, früheren Filmen zu kopieren (oder positiver ausgedrückt, zu übernehmen) ist das eine – doch warum man dann ausgerechnet der Nanny keine anständige Hintergrundgeschichte verpasst, bleibt ein Rätsel.

Gerade hier hätten sich doch diverse weiterführende, magische Elemente angeboten – und sei es erst gegen Ende, als die Nanny nach vollzogenem Werk wieder verschwindet; offenbar verschwinden muss. Das alles geschieht aber derart abrupt und kontextlos, dass es der kindlichen Fantasie nicht gerade förderlich ist; und kaum zu Interpretationsausflügen einlädt. Auch die vom Film selbst dargelegte Erklärung (wenn ihr mich braucht, aber nicht wollt…) weiß in diesem Fall kaum über das schier entzaubernde, völlig offen gelassene Ende hinwegzutrösten. Weitaus zufriedenstellender sind dagegen die technischen Aspekte. Man gewöhnt sich schnell an die zu Anfang etwas überkandidelt wirkende Buntheit, besonders die lebendigen Szenenaufbauten sind hierbei bemerkenswert. Auch die verschiedenen Kostüme und die (teilweise animierten) Tiere haben die Macher sehr gut in Szene gesetzt. Die Kameraführung ist nett, und glücklicherweise niemals allzu hektisch. Gänzlich wunderbar: der Soundtrack, der die teils fehlende Magie in der Geschichte auszugleichen versucht und dies stellenweise sogar schafft – beispielsweise in einer Szene, als die Kamera über einen Berg zum Strand hin schwenkt. Zudem ist der gesamte Cast überaus sympathisch, die Gesichter unverbraucht. Der bekannte Kinderdarsteller Thomas Sangster mit seiner unverkennbaren Mimik überzeugt wieder einmal, in einer gar nicht so unwichtigen Rolle. Colin Firth als leicht schrulliger Vater spielte seine Rolle gut, ebenso wie Emma Thompson die Nanny – unter einem Berg von Make-Up, versteht sich.

Fazit: NANNY MCPHEE ist ein durchaus sehenswerter und vor allem äußerst kurzweiliger (Kinder-)Film mit vielen witzigen Ideen. Auch wenn die gewisse Extraportion Magie und die letzten Kniffe in der Story – trotz zahlreicher Möglichkeiten – auf der Strecke bleiben, wird man zumindest konsequent unterhalten und schnell von der ureigenen Optik des Films gefangengenommen.  Ein halbwegs gutes Gefühl bleibt zurück; und eine wichtige Aussage, die sicher nicht nur für die kleinen Anwendung finden kann: jeder ist seines eigenen Glückes Schmied.

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„Eine altbekannte Geschichte, aber aufregend anders inszeniert“

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