Filmkritik: „Vitus“ (2006)

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Originaltitel: Vitus
Regie: Fredi M. Murer
MitFabrizio Borsani, Teo Gheorghiu, Julika Jenkins u.a.
Land: Schweiz
Laufzeit: 122 Minuten
FSK: Ab 6
Genre: Drama
Tags: Vitus | Wunderkind | Klavier | Piano | Genie | Begabt | Talent

Auch im Herzen eines Wunderkindes verbirgt sich ein ganz normales.

Kurzinhalt: Vitus (Teo Gheorghiu) ist ein Junge eines ganz besonderen Schlages. Seine Eltern erkennen schon früh, dass er ein auffälliges Talent für das Klavierspielen hat – und fördern ihn entsprechend. Aber auch sonst scheint er über viele Maßen hochbegabt zu sein – ob in der Mathematik oder in Bezug auf schwere Literatur, er ist den anderen Kindern seiner Altersklasse um Längen voraus. Als sogenanntes Wunderkind hat er es aber nicht immer leicht – er hat keine Freunde, wird in der Schule gehänselt; und von seinen Eltern mit Nachdruck in vorgezeichnete Bahnen geschoben. Dabei bleibt vor allem eines auf der Strecke: eine ehrliche, kompromisslose elterliche Liebe. Richtig wohl fühlt sich Vitus daher nur bei seinem Großvater, mit dem er stets über alles reden kann. Gemeinsam träumen die beiden vom Fliegen – und Vitus von einem Leben als ganz normaler Junge.

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Kritik: VITUS ist ein Coming-Of-Age Drama des schweizerischen Regisseurs Fredi M. Murer, welches zu Recht für Furore gesorgt hat – und sogar den Schweizer Filmpreis des Jahres 2007 abräumen konnte. Dabei könnten die Grundzutaten simpler nicht sein: ein Wunderkind, welches eine besondere Begabung für das Klavierspielen hat, wird von seinen Eltern zu einem Bilderbuch-Virtuosen erzogen – obwohl er eigentlich viel lieber ein ganz normaler Junge sein möchte. Auch wenn sie nicht unbedingt alltäglich ist wird schnell klar, dass es nicht die Geschichte an sich ist, die den Film ausmacht – sondern vielmehr seine überaus charmante Inszenierung. Schließlich balanciert diese gekonnt zwischen einem nachvollziehbaren Realitätsbezug und einer dezenten Portion Herzschmerz; ohne dabei allzu sehr in die Klischee-Kiste zu greifen. Folglich werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: VITUS vermag es sowohl spezielle familiäre Missstände auf eine allen verständliche Art und Weise anzuklagen (ohne explizit den Zeigefinger zu erheben); als auch überdurchschnittlich gut zu unterhalten. Das Ergebnis ist in erster Linie ein Feel-Good Familienfilm, der luftig-locker unterhält – aber auch einen gewissen ernsten Unterton (der auch zur Selbstreflexion dienen kann) nicht vermissen lässt.

Dass der Film trotz der eher überraschungsarmen Verlaufes so gut funktioniert, liegt dabei vor allem an der Figur des VITUS selbst – handelt es sich doch um einen Jungen, den man einfach liebgewinnen muss. Die dabei entstehende Empathie ist zweifelsohne bemerkenswert, bekommt man stets ein gutes Gefühl für VITUS und seine Situation; vor allem in Bezug auf seine Eltern und den Großvater als Rückzugspunkt. Immer gilt: gut inszenierte Bilder sagen oftmals mehr als tausend Worte – viele Szenen kommen ohne explizite Dialoge aus und leben von der etablierten atmosphärischen Dichte. Zu der tragen nicht zuletzt die großartigen Darsteller und der überwältigende Soundtrack bei – hier stimmt einfach alles. Besonders Gänsehaut-erzeugend wird es spätestens dann, wenn sich Film und Realität vermischen: schließlich ist Teo Gheorghiu (Der Darsteller des 12-jährigen VITUS) tatsächlich musikalisch begabt. So ist das letzte im Film gezeigte Konzert absolut echt – ein weiterer beeindruckender Kniff in der Inszenierung. Doch auch vom musikalischen abgesehen bietet der Film einige handwerkliche Highlights – wie etwa die gekonnten Landschafts- oder Flugaufnahmen. Leicht problematisch wird es nur, wenn sich der Film besonders im späteren Verlauf zusehends von der Realität entfernt – doch selbst jene eher märchenhaft anmutenden Elemente (Börsenspekulation, Eigene Wohnung, Gestehen einer großen Liebe) werden auf eine merkwürdige Art und Weise glaubhaft dargestellt.

Fazit: VITUS ist ein Film für das Herz – ohne dass man dabei befürchten müsste, sich mit unerträglichen Kitsch konfrontiert zu sehen. Das Konzept des Feel-Good-Films mit ernsten Untertönen geht absolut auf – auch, da Regisseur Fredi M. Murer nicht zu verbissen vorgeht und den Figuren – sowie natürlich der Musik – Raum gibt, sich zu entfalten. Ob als bodenständige Unterhaltung für Erwachsene, als modernes Märchen oder als Kinderfilm mit zahlreichen Identifikationsmöglichkeiten – VITUS weiß grundsätzlich allen Altersklassen zu gefallen, und kommt dennoch nicht zu beliebig daher. Etwaige (dezente) Minuspunkte könnte man lediglich für die Story und dessen Verlauf vergeben – dafür punktet der Film in allen anderen Belangen. Ein echter Geheimtipp !

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„Herzerwärmendes Familiendrama nicht nur für Musikliebhaber“

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