Filmkritik: „Frankensteins Todesrennen / Herrscher Der Straße“ (1975)

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Originaltitel: Death Race 2000
Regie: Paul Bartel
MitDavid Carradine, Simone Griffeth, Sylvester Stallone u.a.
Land: USA
Laufzeit: 80 Minuten
FSK: Ab 16 (seit 2005)
Genre: Action
Tags: Autorennen | Todesrennen | Punkte | USA | Frankenstein | Brutal

Lasset uns gemeinsam punkten !

Kurzinhalt: In der nahen Zukunft tritt eine neue, faschistoide Diktatur der Vereinten Provinzen anstelle der durch eine Finanzkrise und einen Militärputsch niedergegangenen USA. Regiert wird sie von einem Präsidenten, der vor allem darauf aus ist das Volk gefügig zu machen und bei Laune zu halten. Dabei ist ihm offenbar jedes Mittel recht; schließlich fungiert schon seit längerem eine menschenverachtendes Autorennen als Höhepunkt der kurzweiligen Unterhaltung: das Transkontinentale Straßenrennen. Dieses wird mittels neuester Technik landesweit im TV-Programm übertragen, und stellt eigentlich nur eine Anforderung an die Teilnehmer – nämlich möglichst skrupellos zu sein. Schließlich müssen sie nicht nur die weitläufige Strecke möglichst schnell absolvieren, es gilt auch über ein bestimmtes System Punkte zu sammeln. Dieses sieht unterschiedliche Belohnungen für das Überfahren von Passanten vor – abhängig von Alter und Geschlecht der Opfer. Auch der gefürchtete Fahrer Frankenstein (David Carradine) nimmt dieses Jahr wieder an der Veranstaltung teil – und hat aufgrund seiner Erfahrung beste Chancen auf den Sieg. Doch ausgerechnet seine Co-Pilotin Annie (Simone Griffeth) scheint etwas vor ihm zu verbergen…

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Kritik: So simpel und vor allem stumpf sie auch erscheint, auf eine Idee wie sie FRANKENSTEINS TODESRENNEN zugrundeliegt, muss man erst einmal kommen. Ein Autorennen, bei dem es in erster Linie nicht darum geht als erster ins Ziel zu kommen – sondern möglichst viele (unschuldige) Passanten zu überfahren ? Ein Punktesystem, welches höhere Belohnungen für das Überfahren von eher schwer vor den Kühlergrill zu bekommende Personengruppen (wie Kinder & Rentner) vorsieht ? Das klingt nicht nur reichlich makaber, das ist es auch. Vielleicht sogar geschmacklos – in jedem Fall bleiben die letztendlichen Motive von Regisseur Paul Bartel und Produzent Roger Corman fragwürdig. Wohl auch, da der Film keine konsequente Marschrichtung einhält; und einen kruden Mix aus überspitzter Action, halbherzig angeschnittener Gesellschaftskritik und einer gehörigen Portion Trash serviert.

Aber: nimmt sich der Film tatsächlich nicht ernst, will einfach nur gnadenlos ‚gut‘ (was ein dehnbarer Begriff ist) unterhalten – oder wohnt ihm womöglich doch eine tiefer gehende Botschaft inne ? Genau das ist die Frage, an der sich die Geister und Geschmäcker scheiden werden. Denn: die Gesellschaftskritik, wie sie offensichtlich – ob absichtlich oder nicht sei einmal dahingestellt – in FRANKENSTEINS TODESRENNEN enthalten ist, wird leider nicht besonders sinnig mit dem restlichen Konstrukt des Films verwoben. Vielmehr kommt sie derart diffus daher, dass sie eigentlich gleich wieder verpufft – und den Film eben doch auf Dasein eines Actioners zurechtstutzt. Eines etwas anderen Actioners, keine Frage – doch es bleibt schade, dass bis auf ein paar hinzunehmende (und in einem Satz abgehandelte) Prämissen a’la es gibt eine Diktatur und eine Widerstandsbewegung vieles der berühmte Holzhammermethode weicht. Im besten Fall hätte man die gesellschaftskritischen Aspekte genauer beleuchtet und dem Zuschauer zumindest ansatzweise ein Gefühl dafür gegeben, was es bedeutet hätte in einer Zeit wie dieser zu leben – womit aus FRANKEINSTEINS TODESRENNEN sicher mehr geworden wäre als eine reine Actionkomödie.

So aber bleibt es hauptsächlich bei einer eben solchen – die zumindest derart kurios ausgefallen ist, dass sich ein Blick lohnen könnte. Doch man sei gewarnt: auch in Bezug auf die technischen Aspekte geht es zumindest dezent problematisch und geschmacksabhängig zu. Zwar gibt es einige markante Aufnahmen der Rennstrecken, doch das war es dann auch schon gewesen. Dafür, dass sich das Rennen durch die gesamte (ehemalige) USA zieht, wirken die Schauplätze doch recht übersichtlich – und die wenigen Innenaufnahmen bei den Zwischenstopps bemüht, die seltenen Interaktionen der Fahrer mit Personen oder Elemente an den Rennstrecken spärlich und wenig innovativ. Ein Großteil der im Film angewandten Methoden lässt sich ohnehin eher im Bereich der stilistischen Fehlgriffe einordnen – auch wenn sie den Film letztendlich zu dem machen, was er ist. Angefangen beim ständigen Filmgeschwindigkeits-Gepitche (um ein schnelleres Tempo zu suggerieren) über die heftig-abrupten Schnitte (besonders bei den seltenen Splatter-Szenen) bis hin zu den eher peinlichen Kostümen und Fahrzeugaufmachungen gerät FRANKENSTEINS TODESRENNEN nicht nur inhaltlich zu einer echten Herausforderung. Ein selten makaberer Soundtrack, übertriebene Slapstick-Soundeffekte und gegebenenfalls noch die nervenzerreissende deutsche Synchronisierung runden den reichlich diffusen Gesamteindruck ab.

Bleiben noch die Darsteller, die durchaus Rang und Namen haben; vielleicht sogar mehr als man erwartet. Schließlich spielt nicht nur der allseits bekannte David Carradine († 2009) die Hauptrolle des Frankenstein, auch einen noch auffällig jungen Sylvester Stallone bekommt man in der Rolle von Machine Gun Joe Viterbo zu sehen – genau ein Jahr, bevor er mit ROCKY Weltruhm erlangen sollte. Die restiche Darsteller-Riege ist vor allem eines: bunt. Es gibt eine Vielzahl von Charakteren, die alle für unterschiedliche Eindrücke sorgen (etwa die Nazi-Gruppierung um Matilda the Hun, gespielt von Roberta Collins) – doch im Gedächtnis bleiben wird eigentlich nur Frankenstein, der zumindest eine kleine charakterbezogene Überraschung bereithält. Alle anderen Charaktere bleiben eher flach, die Darsteller erfüllen gerade so ihren Zweck. Anders gesagt: sie spielen so gut, wie es das Drehbuch verlangt – das heißt, verdammt schlecht. Vielleicht wäre es also sinniger gewesen sich – wenn schon nicht auf die Story – mehr auf die offensichtlicheren Trash-Elemente zu besinnen. Doch so bleiben herrlich abstruse Szenen wie jene mit dem Gullideckel und den provozierenden Schaulustigen eher selten.

Fazit: FRANKENSTEINS TODESRENNEN ist vielleicht einer der ungewöhnlichsten und gewagtesten Filme, die je produziert wurden. Allein das sollte Gegner des Mainstream-Kinos und Freunde des Ungewöhnlichen hellhörig machen – gesetzt dem Fall, dass ein allgemein als gut angesehener Geschmack keine wirkliche Rolle spielt. Den Status einer waschechten Trash-Perle verfehlt der Film dann allerdings doch, schließlich werden viele einzelne Elemente werden nur halbherzig umgesetzt (die eigentliche Story, die Splatter-Elemente und vieles mehr) – was zu einem reichlich diffusen Gesamteindruck führt. Ein echtes Kuriosum – und ein Film, den man zumindest einmal gesehen haben sollte, stützen sich viele spätere Werke mal mehr, mal weniger auffällig auf dieses abenteuerliche Konstrukt.

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„Nur für beinharte Trash-Fans“

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