Filmkritik: „Kein Mord Bleibt Ungesühnt“ (2007)

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Originaltitel: Contre-Enquête
Regie: Franck Mancuso
MitJean Dujardin, Laurent Lucas, Agnès Blanchot, u.a.
Land: Frankreich
Laufzeit: 85 Minuten
FSK: Ab 16
Genre: Drama / Thriller
Tags: Entführung | Tochter | Kindsmord | Sexualverbrechen | Täter | Jagd

Wenn sowohl Täter als auch Ermittler ein doppeltes Spiel spielen.

Kurzinhalt: Eigentlich wollte der Kriminalbeamte Richard Malinowski (Jean Dujardin) gerade einen Ausflug mit seiner zehnjährigen Tochter Émilie (Alexandra Goncalvez) machen, als ihn plötzlich ein wichtiger Anruf erreicht. Er vertröstet seine Tochter auf später, doch als er zurückkehrt ist sie bereits fort. Kurz darauf bestätigt sich der Alptraum für den engagierten Polizisten und Familienvater: seine Tochter wurde in einem Waldstück vergewaltigt, und daraufhin ermordet. Tatsächlich wird auch schon bald ein Tatverdächtiger gefunden: Daniel Eckmann (Laurent Lucas). Es kommt zur Verhandlung, Eckmann wird schuldig gesprochen – und soll für viele Jahre ins Gefängnis. Doch nach einiger Zeit nimmt Eckmann über die Gefängnispost Kontakt zu Richard auf. In den Briefen beteuert er seine Unschuld, und gibt an, dass das Verfahren nicht ordnungsgemäß abgelaufen wäre. Etwa zur gleichen Zeit stößt Richard auf eine andere Spur, die die Unschuld Eckmanns bestätigen könnte: ein anderer Serientäter hat vier Morde an Kindern gestanden, könnte aber auch einen fünften begangen haben – den an Richards Tochter Émilie.

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Kritik: Auf den ersten Blick wirkt Franck Mancuso’s KEIN MORD BLEIBT UNGESÜHNT (im Original Contre-Enquête) wie ein handelsüblicher Krimi. Besonders der Auftakt des Regiedebüts des französischen Regisseurs bedient sich dabei standardisierten Szenenbildern und inhaltlichen Abfolgen – die aufgrund des Themas des Kindsmordes zwar für ein unwohles Gefühl in der Magengegend sorgen, aber sonst nicht viel neues bieten. Das ändert sich jedoch schlagartig, als der Regisseur (der tatsächlich selbst einmal als Polizist tätig war) auf den Prozess und die Zeit nach der Verurteilung schwenkt, Täter und Opfer dabei gleichermaßen intensiv beleuchtet – und letztendlich mehr aus dem Film macht, als man es zunächst erwartet hätte. Der merkwürdige postalische Austausch zwischen den beiden Parteien bietet hier den eigentlichen Dreh- und Angelpunkt der nicht besonders komplexen, aber doch ungewöhnlichen und so gesehen auch erfrischenden Geschichte. Weit mehr als ein typischer, deutscher TV-Krimi im Abendprogramm ist er so allemal – der französische, intensiv und glaubwürdig spielende Cast rundet diesen Eindruck noch zusätzlich ab.

Der eigentliche Clou von KEIN MORD BLEIBT UNGESÜHNT liegt jedoch im Umgang mit Begriffen wie Schuld und Sühne, Reue oder Rache begründet – vor allem im Zusammenspiel mit den beiden involvierten Hauptprotagonisten. Sicher handelt es sich hierbei ebenfalls um Standart-Zutaten in beinahe jedem Krimi – doch Regisseur Franck Mancuso geht vergleichsweise geschickt vor, und lässt den Zuschauer nie so recht wissen woran er eigentlich ist. Wer genau hier welches Spiel spielt; dass muss man selbst ergründen – und sich in Bezug auf das Finale entweder bestätigt fühlen, oder vollkommen überraschen lassen. Ein Problem gibt es dann allerdings doch: damit der Film so funktioniert wie vorgesehen, musste sich hier und da doch das ein oder andere wacklige Story-Konstrukt erdacht werden; dass man besser nicht hinterfragen sollte. So bleibt es nicht aus, dass der Film an einigen Stellen arg konstruiert; wenn nicht sogar unglaubwürdig wirkt. Ebenfalls schade: etwaige Drama-Aspekte werden wenn überhaupt nur angeschnitten, einen tiefen Einblick in die Seelenwelt der Charaktere erhält man nicht. Vieles fällt – im wahrsten Sinne des Wortes – der Jagd nach dem Täter zum Opfer; der Film überzeugt vor allem als solider Thriller ohne großartige Schnörkel.

Fazit: KEIN MORD BLEIBT UNGESÜHNT bewegt sich irgendwo zwischen Drama, Krimi und Thriller – und gleichzeitig irgendwo zwischen einem ungewöhnlich spannenden Schlagabtausch in dem gängige Täter- und Opferrollen (auf positive Weise) ad absurdum geführt werden; und einer emotional etwas zu kühlen One-Man-Show. Viele gute Ansätze sind vorhanden, die Umsetzung weiss sowohl in inhaltlichen, darstellerischen als auch inszenatorischen Belangen zu überzeugen – nur der letzte dramaturgische Schliff, der fehlt. Anders gesagt: eine etwas anders gehaltene Gewichtung der einzelnen Aspekte hätte den Film noch stimmiger, noch glaubwürdiger erscheinen lassen. Doch auch so reicht es für eine mehr als solide Empfehlung, mindestens für alle Krimi- und Thrillerfans.

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„Spannender Thriller mit überraschenden Wendungen und einem hervorragenden Cast“

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