Filmkritik: „Scanners – Ihre Gedanken Können Töten“ (1981)

scanners_film_500

Originaltitel: Scanners
Regie: David Cronnenberg
Mit: Jennifer O’Neill, Stephen Lack, Patrick McGoohan u.a.
Land: USA, Kanada
Laufzeit: 103 Minuten
FSK: Ab 18 / 16
Genre: Horror / Thriller / Sci-Fi / Fantasy
Tags: Scannen | Telepathie | Telekinese | Mächtig | Gedanken | Kontrolle

SCANNERS – oder ein positives Beispiel dafür, was man aus einer simplen Grundidee machen kann.

Kurzinhalt: Cameron Vale ist nicht viel mehr als ein umherstreifender Obdachloser, der das Gespött derjenigen über sich ergehen lassen muss, die ihn auf seinem Weg begegnen. Doch scheint er auch über eine besondere Gabe zu verfügen, die nur schwer zu kontrollieren ist. Eines Tages provoziert er bei einer Frau – ob absichtlich oder nicht – eine Art Anfall, woraufhin er in Gewahrsam genommen wird. Bald begegnet er Dr. Paul Ruth, einen Mitarbeiter des Rüstungs- und Sicherheitskonzerns ConSec. Der zeigt ihm auf, wie er die stets präsenten Stimmen in seinem Kopf abschwächen, und seine Macht auf eine gezieltere Weise nutzen kann. Cameron Vale ist, beziehungsweise wird zu einem SCANNER – einem Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten; die einerseits hilfreich, andererseits aber auch zerstörerisch sein können. Im Gegenzug zu dem Medikament, was Cameron von Dr. Ruth erhält; soll er einen anderen, ähnlich veranlagten Menschen ausfindig machen – Darryl Revok. Der scheint die wenigen bereits bekannten SCANNER um sich gesammelt zu haben um eine Art Super-Armee aufzubauen…

scanners_film_01

Kritik: Nicht alles, was aus den 80er Jahren stammt, ist automatisch Kult. Vieles ist aber zumindest kultverdächtig – wie auch David Kronnenberg’s 1981er Streifen SCANNERS, der als Vorbild für zahlreiche spätere Filme einer ähnlichen Machart dienen sollte. Dabei ist die zugrundeliegende Grundidee eine vergleichsweise simple; gleichzeitig aber enorm effektive. Die Prämisse: in der Mitte des 20sten Jahrhunderts gibt es eine handvoll von Menschen mit besonderen Kräften, die SCANNERS – die es aufgrund ihrer enormen telekinetischen und telepathischen Kräfte schwer haben, im Leben Fuß zu fassen. Bis, ja bis sie entweder an den falschen oder richtigen geraten; der ihnen den Weg weisen und unter Führung (oder zumindest Anleitung) das Beste aus ihren Fähigkeiten machen würde. Doch SCANNERS ist weit mehr geworden als ein stumpfer Anti-Superheldenfilm, in denen etwaige Auserwählte schon immer oder urplötzlich über wahnwitzige Fähigkeiten verfügen und lernen müssen, mit ihnen umzugehen. Nicht nur, dass die hier gezeigte Kraft eine der interessantesten überhaupt ist und grundsätzlich viele Möglichkeiten einschließt (von der Selbstzerstörung über das wahllose Töten bis hin zu gezielter Manipulation) – auch ob eines möglichst reichhaltigen und glaubwürdigen Story-Rahmens hat man sich bemüht.

Das hat vor allem eines zur Folge: SCANNERS versucht, die im Film stattfindenden Ereignisse stets zu begründen – was ihm auch recht gut gelingt. So erfährt man nach und nach mehr über den möglichen Ursprung der Fähigkeiten, sieht wie sich zumindest zwei größere Organisationen damit beschäftigen; und letztendlich auch wie die Betroffenen auf eine ganz unterschiedliche Art und Weise mit der gewonnenen ‚Macht‘ verfahren. Sehr schön ist, dass der Film hier etwaige Möglichkeiten abdeckt und auch teilweise ausführt: von der schieren, anfänglichen Unbefangenheit (beim Hauptcharakter) über perfides Machtgehabe (beim Gegenspieler) bis hin zu sich selbst organisierenden, neutralen Gruppen ist einiges vertreten. Gerade das fördert die Spannung ungemein; stellt man sich auch als Zuschauer die unvermeidliche Frage, wie man selbst in einer vergleichbaren Situation handeln würde. Der Spannungsbogen wird dabei kontinuierlich gedehnt, bis zum Finale ist es trotz der geringen Spielzeit von knapp 100 Minuten ein langer Weg – einer, der nicht allzu leicht in ein einzelnes Genre einzuordnen ist. Ob Fantasy, Science Fiction oder teilweise auch Horror (hierfür sorgen hauptsächlich die wenigen, aber doch prägnanten Splatter-Szenen) – SCANNERS würde sich grundsätzlich in jedem dieser Genres wohlfühlen. Darüber hinaus bietet er die Gangart und den Enthüllungs-Mechanismus eines Thrillers – das Genre-Chaos ist perfekt. In diesem Falle allerdings wortwörtlich: die Mischung geht auf, der Film wirkt trotz der verschiedenen Elemente und Stimmungen konsequent und zielgerichtet.

Doch leider macht der Film nicht alles richtig; beziehungsweise führt einige Ansätze nur allzu spärlich aus. Beispielsweise bleibt es auch hier nicht aus, dass es letztendlich doch auf eine relativ simple gut-gegen-böse-Darstellung hinausläuft. Vielleicht war genau das nicht beabsichtigt, der doch nur schwer einzuordnende Dr. Ruth wirkt zumindest wie ein dem entgegenwirkendes Element – doch spätestens mit dem Finale vermittelt man dem Zuschauer wieder ein relativ eindeutiges Gefühl. Ein Gefühl, welches die Wirkung der vorangegangen Ereignisse fast schon wieder relativiert – das hätte nicht passieren dürfen. Nicht nur, dass das Ende auffällig abrupt daherkommt – es lässt zudem viele Fragen offen; mehr als in einem solchen Genrefilm üblich. Im gleichen Atemzug sei hier auch die fehlende Einbeziehung der Öffentlichkeit genannt – ein Schicksal, das viele ähnlich aufgemachte Filme teilen. Gerade hier hätte sich dergleichen aber bestens angeboten – zum Beispiel in der Form, dass die beiden Forschungsorganisationen unter Beobachtung oder gar dem Druck der Medien stehen. In der vorliegenden Form aber wirkt es schon etwas merkwürdig, dass Forschungen wie diese offenbar völlig unentdeckt vor sich gehen; demnach alle Fragen geklärt sind wenn alle SCANNER kontrolliert werden oder von der Bildfläche verschwunden sind. Ebenfalls interessant wäre es gewesen zu erfahren, wie genau die immer wieder erwähnte SCANNER-Utopie genau ausgesehen hätte – einmal aus der machthungrigen, ‚bösen‘ Position; und einmal aus der wissenschaftlichen.

scanners_film_02

Fazit: Jene (leider fehlenden) Elemente hätten aus SCANNERS problemlos ein kleines Meisterwerk machen können. Aber auch so reicht es für eine Empfehlung – für alle Nostalgiker ohne Freunde von Filmen, in denen übernatürliche Kräfte eine große Rolle spielen. SCANNERS ist in seiner Wirkung nachhaltig, und so gesehen zeitlos – die Faszination um ein Thema wie die Telekinese / Telepathie ist nach wie vor aktuell; und weiss in spannend verpackter Filmform seit jeher zu begeistern. Auch in Bezug auf die Technik gibt es nichts auszusetzen – besonders hinsichtlich der Kostüme und Kulissen wurde nicht gespart. Einzig der doch etwas aufdringliche Soundtrack, welcher die Momente der ‚Gedankenübernahmen‘ geradezu akribisch (das heisst, m wahrsten Sinne des Wortes nervtötend) untermalt; hätte etwas dezenter ausfallen können.

border_0180oo10

„Mögen die Gedankenduelle beginnen.“

filmkritikborder

Über Kommentare Freut Sich Jeder.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.