Metal-CD-Review: ALTAIR – Lost Eden (2013)

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Alben-Titel: Lost Eden
Künstler / Band: Altair (mehr)
Land: Italien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Power Prog Records

Alben-Lineup:

Simone Mala – Vocals
Luca Scalabrin – Bass, Vocals
Gianmarco Bambini – Guitars
Enrico Ditta – Keyboards
Gianluca Ferioli – Guitars
Daniele Dalla Dea – Drums

Track-Liste:

1. Prelude (01:20)
2. Power of the Gods (feat. Fabio Lione) (04:41)
3. Reaching the Dreams (05:52)
4. Fly Away (04:51)
5. Lost Eden (04:43)
6. Freedom Is the Key (06:16)
7. Wind of Changes (05:27)
8. Rise to the Moon (07:53)
9. Redemption (05:44)

Power Metal aus… Italien, woher sonst ?

ALTAIR ist eine noch nicht allzu lange existierende Power Metal-Band aus dem Herzen Italiens. Und somit eine von gefühlten Hunderten; was es sicherlich nicht gerade leicht macht. Denn wo sich andere längst profiliert und bewiesen haben, schicken ALTAIR nun ihr Debütalbum LOST EDEN ins Feld. Ein Album, für welches die Band auf ihrer Facebook-Seite ordentlich die Werbetrommel gerührt hat; davon abgesehen aber wohl nur expliziten Genre-Fans ins Auge fallen dürfte. Die Frage ist indes, ob es diese auch zufriedenstellen kann. Guten Power Metal aus Italien gibt es zwar immer wieder – aber eben auch relativ oft, sodass ALTAIR im besten Falle eine eigene, unverwechselbare Identität mirbringen.

LOST EDEN beginnt Genre-typisch mit einem kurzen instrumentalen Intro – aus dem noch nicht allzu viel abzuleiten ist. Ausser vielleicht, dass es ein wenig zu künstlich klingt (insbesondere wenn die Trommeln und Streicher einsetzen), doch darüber hat man schon bei so manch anderer Konkurrenzband hinweggesehen. Viel wichtiger ist ohnehin, was folgt – und das ist der Opener POWER OF THE GODS, der sogleich zwei Überraschungen bereithält. Zum einen sind es die überraschend wohlklingenden, perfekt abgestimmten Gitarren und die dazugehörigen melodischen Riffs – und zum anderen ein gewisser Gastauftritt. Tatsächlich haben sich ALTAIR niemand geringeren als Fabio Lione ins Boot geholt, der nun zusammen mit dem eigentlichen Leadsänger Simone Mala eine wie immer eindringliche Performance abliefert. So gesehen konnte eigentlich auch gar nichts schiefgehen – wo immer der Italiener seine Finger im Spiel hat, entstehen famose Power Metal-Hymnen (wie zuletzt auch auf KALEDON’s ALTOR – THE KINGS BLACKSMITH). Das macht entsprechend Laune – doch um ALTAIR besser kennenzulernen, empfehlen sich eher die noch folgenden 7  Nummern.

Doch wo LOST EDEN hätte einschlagen können wie eine Bombe, entstehen beinahe ausnahmslos gemischte Gefühle. Zunächst das positive: die Instrumentalarbeit wirkt allgemein gelungen, und wird insbesondere durch die Gitarren aufgewertet – weniger in den Soli, als vielmehr durch ihre grundlegende Präsenz. Zudem schaffen es ALTAIR, einen recht eigenständig wirkenden Sound zu zelebrieren. Sicher gibt es auch in diesem Falle etliche sich anbietende Vergleichsbands, dergleichen bleibt heute einfach nicht aus – doch das auf LOST EDEN dargebotene Material klingt einfach nicht bemerkenswert beliebig, generisch oder austauschbar. Im Gegenteil; ALTAIR scheinen schon mit ihrem Debüt auf gänzlich eigenen Pfaden zu wandeln, wo andere noch in ihrer späten Diskografie eher schlecht als recht kopieren. Zugute kommt der Band auch der vergleichsweise hohe Grad an Abwechslung: von eher zurückhaltenden, aber dennoch wunderbar stampfenden Nummern über fast zu eingängig-freundliche Nummern mit allerlei Hymnenpotential (REACHING THE DREAMS, FLY AWAY) bis hin zu eher balladesken Titeln ist einiges vertreten.

Doch gerade letztgenannte sind auf LOST EDEN alles andere als eine Bereicherung. Stattdessen klingen sie eher kläglich – was sowohl am einstweilen wenig stilsicheren Leadgesang, als auch an den nunmehr weichgespült auflaufenden Instrumenten liegt; die durch den massiven Keyboardeinsatz und allerlei Gefühlsduselei kaum noch zur Geltung kommen. Dies ist jedoch nicht nur bei den reinen Balladen der Fall – sondern auch bei den Halbballaden wie etwa REDEMPTION. Somit kann nur eine Feststellung folgen: vom Status eines wahrlich herausragenden Albums ist LOST EDEN meilenweit entfernt. Das liegt jedoch nicht an fehlenden Grundlagen, sondern vielmehr am dringend benötigten Feinschliff. Man kommt einfach kaum umher, LOST EDEN zu hören und hier und da Dinge zu entdecken, die man anders hätte lösen können. Ein großes dieser Elemente ist sicherlich der Leadgesang – an dem an und für sich nichts auszusetzen ist, doch gibt es auf der anderen Seite nicht wenige Momente, in denen Simone Mala etwas zu… gewöhnungsbedürftig (besonders in den hohen Lagen) klingt. Auch der Eindruck, dass er eisntweilen etwas zu verkrampft ans Werk gegangen sein könnte, taucht immer wieder auf – das markanteste Negativbeispiel ist hier sicherlich die auch sonst nicht wirklich gut gelungen Ballade FREEDOM IS THE KEY. Doch auch in instrumenteller Hinsicht gibt es Kleinigkeiten; abgesehen von der durchweg gelungenen Gitarren-Arbeit. Das Drumming könnte etwas abwechlsungsreicher ausfallen, der Bass hörbarer, die Keyboards dezenter.

Fazit: LOST EDEN ist kein wirklich bemerkenswertes Genre-Album geworden – aber immerhin auch kein Totalausfall. Vielmehr bewegt es sich irgendwo dazwischen – und zeigt auf, dass noch viel mehr in der Band stecken könnte. Als markantestes Merkmal; welches potentiell über den Aufstieg oder Fall von ALTAIR entscheiden wird, fungiert der Leadgesang – der zwar relativ einzigartig ist, aber beileibe nicht jedermann munden wird. Doch selbst davon abgesehen kann das Album – trotz des recht hohen Wiedererkennungswertes – einfach nicht durchgängig überzeugen. Die erste Alben-Hälfte ist nett, und wird durch den Gastauftritt von Fabio Lione entsprechend aufgewertet… doch danach wird es plötzlich gang, ganz flach; nicht zuletzt durch die eher misslungenen balladesken Einschübe.

Anspieltipps: PPOWER OF THE GODS, FLY AWAY, LOST EDEN

Vergleichsbands: LABYRINTH | KNIGHTS OF ROUND | STRATOVARIUS | KALEDON

65oo10

„Da ist noch reichlich Luft nach oben“

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