Metal-CD-Review: RHAPSODY OF FIRE – Dark Wings Of Steel (2013)

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Alben-Titel: Dark Wings Of Steel
Künstler / Band: Rhapsody Of Fire (mehr)
Land: Italien
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: AFM Records

Alben-Lineup:

Fabio Lione – Vocals, Lyrics
Alex Staropoli – Keyboards
Alex Holzwarth – Drums, Percussion
Oliver Holzwarth – Bass
Roberto De Micheli – Guitars

Track-Liste:

1. Vis Divina (01:28)
2. Rising from Tragic Flames (06:16)
3. Angel of Light (07:05)
4. Tears of Pain (06:27)
5. Fly to Crystal Skies (05:13)
6. My Sacrifice (08:05)
7. Silver Lake of Tears (05:00)
8. Custode di Pace (05:07)
9. A Tale of Magic (04:18)
10. Dark Wings of Steel (05:51)
11. Sad Mystic Moon (04:37)

RHAPSODY OF FIRE in Erwachsen.

Es ging schneller als gedacht. Nachdem sie bereits zur Mitte des Jahres ein Live-Album von FROM CHAOS TO ETERNITY veröffentlichten, folgt mit DARK WINGS OF STEEL (VÖ: 22. November) nun auch das erste Studioalbum der Kult-Italiener ohne Mastermind Luca Turilli. Der verließ die Band bekanntlich im Jahre 2011, zusammen mit Patrice Guers (Bass) und Dominique Leurquin (Gitarre) – um sich fortan seiner eigenen Band (LUCA TURILLI’S RHAPSODY) zu widmen. Das interessante: obwohl die Trennung einvernehmlich und endgültig erscheint, machen beide Gruppierungen weiterhin unter dem Banner des Bandnamens weiter, der das Symphonic Power Metal-Genre wie kein zweiter geprägt hat – zu Recht, wie es scheint. Das Ergebnis sind zwei völlig verschiedene, sich aber doch irgendwie ähnelnde italienische Bands, die jeweils auf ihre Weise die 1995 (bzw. 1993, als THUNDERFORCE) begonnene RHAPSODY-SAGA fortführen. Dass das überhaupt möglich ist, ist jenen markanten Köpfen zu verdanken; die ehemals eng zusammengearbeitet haben: Luca Turilli und Alex Staropoli.

Das neue Werk von RHAPSODY OF FIRE, respektive Alex Staropoli und Kollegen; klingt erst einmal gänzlich anders als das zuletzt von TURILLI dargebotene Material. Auf seinem ASCENSION TO INFINITY (2012, Review) konnte er sich ähnlich seinen früheren Solo-Ambitionen musikalisch austoben – und inszenierte einen reichlich opulenten, pompösen Symphonic Power Metal mit einem hohen Wiedererkennungswert. Der klassisch orientierte Gesang, die unzähligen Orchester-Arrangements, die Chorgesänge und die Erzählstruktur machten schnell klar, dass es keinen treffenderen Begriff für derlei Auslegungen des Genres geben könnte als die von Turilli selbst geprägte Genrebezeichnung: den Cinematic Metal. Natürlich wie immer mit von der Partie waren auch hier seine exzessiven, neo-klassischen Gitarrenorgien, mit denen er schon zu Zeiten der ursprünglichen RHAPSODY für Furore sorgen konnte.

Alex Staropoli geht mit seinem Leadsänger Fabio Lione indes einen etwas anderen Weg: RHAPSODY OF FIRE’s DARK WINGS OF STEEL schmücken zwar auch die seit jeher genutzten Kombinationen aus klassisch-symphonischen und rassigen Power Metal-Elementen – doch insgesamt geht es weitaus ruhiger, dezenter zu. Wenn man so will, auch etwas weniger exzentrisch – Staropoli weiß, wie man einen guten Power Metal inszeniert, doch hinsichtlich der Einzigartigkeit können RHAPSODY OF FIRE einfach nicht mehr mit dem neuen Ableger von Turilli konkurrieren. Vielleicht war gerade das auch mit ein Grund für seinen Ausstieg – doch selbst wenn nicht, es war ohnehin schon seit längerem klar dass sich RHAPSODY OF FIRE etwas festgefahren hatten. Sie konnten die langjährigen Fans nach wie vor begeistern und bei Laune halten – doch zu einem wahrhaftigen, alle Grenzen sprengenden Ausnahme-Album wie seinerzeit SYMPHONY OF ENCHANTED LANDS I hat man es nach der Jahrtausendwende nicht mehr gebracht.

Umso interessanter schien da die freundschaftliche Trennung – auch, da RHASODY OF FIRE die seit Jahren gepflegten EMERALD SWORD- und DARK SECRET-Sagen endgültig ad acta legen, und mit DARK WINGS OF STEEL ein völlig neues Genrealbum an den Start bringen wollten. Das ist ihnen jedoch nur bedingt gelungen. Auch wenn ein neuer Erzählabschnitt begonnen wird, sich die Besetzung der Band markant verändert hat; so klingt das hier dargebotene immer noch eindeutig nach RHAPSODY OF FIRE. Genauer gesagt eben jenen Eindrücken, die man schon auf den letzten 3-4 Studioalben gewinnen konnte. Jene Abgrenzung, jenes Gestalten eines neuen, aber doch konsequenten Bandabschnittes ist TURILLI einfach wesentlich besser gelungen – auch wenn ASCENDING TO INFINITY ebenfalls kein waschechter Meilenstein, aber doch ein Album geworden ist welches sich weit über dem mit FROM CHAOS TO ETERINITY zuletzt erreichten Qualitätsstandard setzen konnte.

Und so wird DARK WINGS OF STEEL vermutlich wieder all jene begeistern, die schon seit längerem zur eingeschworenen RHAPSODY OF FIRE-Fangemeinde gehören – Neueinsteiger werden es vermutlich schwieriger haben. Nicht zuletzt, da die potentielle Konkurrenz in den letzten Jahren ebenfalls nicht geschlafen hat, und es nunmehr einige ähnlich orientierte Genre-Bands gibt – selbst wenn sie (noch) nicht so mächtig und stilsicher wie ihre potentiellen “Vorbilder‘ klingen.

Den Treueschwur an die etablierte Fangemeinde zelebriert man dann auch sogleich mit dem Alben-Auftakt. VIS DIVINA ist das RHAPSODY-tyische orchestrale Intro – welches eine düster-apokalyptische Stimmung erzeugt und vermuten lässt, wie erzählerisch gewaltig es in den folgenden 10 Titel wohl zugehen würde. Und wie schon bei FROM CHAOS TO ETERINITY spendiert man der Hörerschaft auch nach diesem Einstieg einen satten Opener, der eine perfekte Mischung aus kompositorischer Attraktivität und Eingängigkeit anzubieten weiss: RISING FROM TRAGIC FLAMES. Auch wenn sich (nicht nur) diese Betitelung etwas plump anhört, die Nummer selbst ist es nicht. Der Refrain ist mächtiger, als je ein RHAPSODY (OF FIRE)-Refrain geklungen hat, Leadsänger Fabio Lione ist in Höchstform (was er schon seit jeher war – es ist unglaublich, wie er das einst etablierte Niveau über nunmehr 2 Jahrzehnte halten konnte), die symphonischen Elemente ergeben mit den verdächtig schroffen klingenden Gitarren einen rundum kräftigen Gesamteindruck.

Doch die Schmälerungen folgen sogleich – genauer gesagt mit den folgenden 4-5 Nummern. ANGEL OF LIGHT, TEARS OF PAIN (es gab mal ein SON OF PAIN auf TRIUMH OR AGONY); später dann SILVER LAKE OF TEARS und CUSTODE FI PACE – das alles klingt so sehr nach RHAPSODY, dass es eigentlich eine Freude ist. Aber genau das könnte auch zu einem Problem werden, schließlich wird man in etwa wissen, was einen hier erwartet. Tatsächlich können die einzelnen Titel nicht viel bieten – außer einen hochkarätigen Symphonic Power Metal. Das ist gewiss nicht gerade wenig, doch von einer einstigen Pionier-Band wie dieser hätte man gerade nach der markanten Aufbruchstimmung etwas mehr erwarten können. Alles ist hochwertig, vom erstklassigen Leadgesang über die symphonischen Komponente bis hin zur exzellenten Arbeit an den Instrumenten – aber irgendwie auch zu gleichförmig, zu wenig abenteuerlich, zu unspektakulär. Auch wurde das Tempo gerade im Mittelteil deutlich gedrosselt – vielleicht auch, da Truilli nicht mehr mit von der Partie ist und man somit nicht immer ein instrumentales Schlachtfeld für seine technischen Frickeleien bieten muss. Aber dennoch, ein wenig mehr Bumms hie und da hätte den Italienern sicher gut getan. So scheint es fast, als würden RHAPSODY hier eine Ansammlung von Halb-Balladen (nicht zuletzt aufgrund der Lyrics) offerieren – nur, um diese mit vollwertigen Balladen wie MY SACRIFICE abzurunden. Die knackigen Gitarren verhindern gerade noch das Abdriften in unerträglichere, da sonst recht schmalzige Bereiche – meistens. Das Italienische CUSTODE FI PACE dagegen verzichtet selbst auf diese, und könnte daher glatt von einem ganz anderen Künstler stammen. Vielleicht gehen RHAPSODY ausgerechnet hier neue Wege – dann aber in eine falsche Richtung.

Wobei, wer RHAPSODY OF FIRE kennt, der weiß; dass man etwaige emotional-ergreifende Momente auch gut in eine Uptempo-Komposition einbringen kann. Gerade dieses Wechselspiel zeichnete die Band unter anderem aus – und auch eine Nummer wie SILVER LAKE OF TEARS macht dies recht gut deutlich. Ein beinahe zu dick aufgetragener Refrain wird hier in einen recht düsteren Instrumentalteil mit vielen Tempo-Wechseln und Soli-Parts eingebunden. Das klingt abwechslungsreich und auch angenehmer in Bezug auf den Leadgesang – der dann auch gerne mal etwas schmalziger ausfallen darf, solange Tempo und Atmosphäre für einen zusätzlichen Härte-Schub sorgen. Doch insgesamt bleiben die markanten Überraschungen aus – sofern man nicht hinzuzählt, dass man nun keine über 10-minütigen Epen mehr einplant, sondern kontinuierlich auf 4-8 minütige Nummern setzt. Zudem wirkt das Album insgesamt etwas sperriger – was ein Anzeichen dafür sein kann, dass RHAPSODY OF FIRE ‚erwachsener‘ geworden sind. Sicher sollten es nicht immer die ewig gleichen, simpel-eingängigen Fantasy-Nummern mit gute Laune-Potential sein – doch wohin ein Ausflug in zu Orchester-dominierte, düstere Gefilde führen kann; das zeigte man bereits mit TRIUMPH OR AGONY auf.

Fazit: DARK WINGS OF STEEL mag ein würdiges Nachfolgealbum zu FROM CHAOS TO ETERINITY sein, doch insgesamt ist es eher ernüchternd. Auch, da RHAPSODY OF FIRE trotz der zwischenzeitlichen Ereignisse noch immer an ihren ureigenen Stil festzuhalten scheinen – was verständlicherweise nicht mehr ganz so gut klappt ohne einen gewissen LUCA TURILLI. Hier hätte man sich ruhig noch etwas weiter aus dem Fenster lehnen sollen, selbst auf die Gefahr alteingesessene Fans zu verschrecken. Mit DARK WINGS OF STEEL werden vor allem jene Power Metal-Freunde glücklich werden, die es gerne etwas düsterer und getragener haben – die mächtigen symphonischen Elemente verpassen auch diesem Album einen satten, druckvollen Anstrich. Man stelle es sich vor wie eine Mischung aus dem nicht ganz so guten TRIUMPH OR AGONY und einem besseren der neuen Alben, THE FROZEN TEARS OF ANGELS. Es wird jedoch schwierig werden in Anbetracht der Konkurrenz, die eigentlich keine ist – LUCA TURILLI’S RHAPSODY haben schon das nächste Projekt in den Startlöchern, was dieses Album hier schnell verblassen lassen könnte… es könnte, doch es gilt wie immer abzuwarten.

Anspieltipps: RISING FROM TRAGIC FLAMES, SILVER LAKE OF TEARS

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„Für Fans von RoF – und Freunde des düsteren, theatralischen“

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2 Gedanken zu “Metal-CD-Review: RHAPSODY OF FIRE – Dark Wings Of Steel (2013)

  1. RHASODY ein neuer Name der Band hmmm ich glaube nicht, schau mal oben drauf, musst mal umschreiben.
    cu hab gestern angerufen ist mailbox rangegangen
    ich geh am do. in Panem 2 rein nachdem ich den ersten teil im tv gesehen habe und den ganz gut fand.

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