Filmkritik: „Hüter Des Lichts“ (2012)

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Originaltitel: Rise Of The Guardians
Regie: Peter Ramsey
MitChris Pine, Isla Fisher, Alec Baldwin u.a.
Land: USA
Laufzeit: 97 Minuten
FSK: Ab 6
Genre: Animationsfilm
Tags: Hüter | Sandmann | Weihnachtsmann | Osterhase | Zahnfee | Jack Frost

Wer hat Angst vorm schwarzen Mann… ?

Kurzinhalt: Viele Kinder glauben an den Weihnachtsmann, den Osterhasen, die Zahnfee und das Sandmännchen. Doch was sie nicht wissen ist, dass die  vier nicht nur unabhängig voneinander agieren, sondern tatsächlich ein eingespieltes Team sind. Als HÜTER DES LICHTS bewahren sie die Unschuld und die Magie der frühen Kindheitstage. Doch haben sie einen gemeinsamen Feind: den hinterhältigen Boogeyman Pitch, der sich abermals aufmacht um gegen die Hüter anzutreten und Angst und Schrecken zu verbreiten. Dieses Mal scheint er einen besonders perfiden Plan zu haben: er will mit aller Macht dafür sorgen, dass der Glaube an die jeweiligen HÜTER DES LICHTS schwindet, und sich danach selbst zum neuen, alleinigen Herrscher über die Welt krönen. Er beginnt mit dem Sandmännchen, dessen schöne Träume er kurzerhand in Alpträume verwandelt. Der Mann im Mond jedoch beäugt das Ganze kritisch – und beschließt in Anbetracht der Notlage, den Hütern einen fünften Mann zur Seite zur stellen: Jack Frost. Der hadert jedoch mit sich selbst und vergleicht seine allgemeine Anerkennung ständig mit denen der anderen – gegen die er so gesehen einfach keine Chance hat. Letztlich müssen sich aber alle Hüter zusammenraufen, um überhaupt eine Chance zu haben. Glücklicherweise sind sie dabei nicht allein, denn auch die Kinder selbst spielen eine große Rolle im alles entscheidenden Kampf gegen das Böse.

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Kritik: HÜTER DES LICHTS stammt aus dem Hause Dreamworks, und stellt so gesehen ein weiteres Konkurrenzprodukt zu den Arbeiten aus dem Hause Disney / Pixar. Dass das Studio sowohl in optischen als auch inhaltlichen Belangen längst mit den ehemaligen Pionieren des Genres (TOY STORY, 1995) mithalten kann, steht dabei außer Frage. Grundsätzlich eher für tierisch-spaßige Unterhaltungsfilme a’la SHREK, MADAGASCAR oder KUNG FU PANDA bekannt, wagt man sich bei Dreamworks nun auch vermehrt an etwas universellere, gleichermaßen für Kinder und Erwachsene geeignete Stoffe – den Anfang markierten so gesehen DRACHENZÄHMEN LEICHT GEMACHT (2010, Review) oder auch MEGAMIND (2010, Review). Ein weiterer Titel dieser Riege ist nun HÜTER DES LICHTS – ein Film, der auf den ersten Blick wie ein typischer Kinderfilm zur Weihnachtszeit anmutet; sich bei näherer Betrachtung aber als absolutes Gegenteil entpuppt. Der Clou: die ‚Hüter‘ sind eine fantastische Gruppe aus bekannten Figuren, im weitesten Sinne den ‚Helden‘ aus Kindertagen – zu denen eben nicht nur der Weihnachtsmann; sondern auch das Sandmännchen, die Zahnfee und der Osterhase gehören. Und im besten Fall auch Väterchen Frost, der hier in Form des jungen Jack Frost’s auftaucht – und dem magischen Quartett nicht nur äußerst hilfreich zur Seite steht; sondern ihnen überraschenderweise gleich komplett die Show stiehlt. HÜTER DES LICHTS hat dabei 2 entscheidende Vorteile, die den Film so gesehen von einer Vielzahl an Konkurrenzfilmen abheben.

Der eine wurde bereits genannt – er besteht schlicht darin, dass der Film nicht wie sonst üblich nur eine einzige markante Figur begleitet, sondern gleich ein ganzes Quartett, beziehungsweise später Quintett. Was auf den ersten Blick so anmutet, als hätten es die Macher schlicht etwas übertrieben – denn wann sieht man schon einmal den Weihnachtsmann, den Osterhasen, das Sandmännchen und die Zahnfee Seite an Seite für das Gute streiten – stellt sich im Endeffekt als markantestes Merkmal des Films heraus. Denn: die Charaktere werden hier eben nicht einfach plump zusammengewürfelt um möglichst viele bekannte Vertreter in einem Film zu vereinen. Vielmehr bekommen sie alle das nötige Maß an Aufmerksamkeit zugestanden; und haben jeweils ihre kleinen bis pompösen, dabei stets fantasievollen Auftritte. Dabei sollte man aber keineswegs erwarten auf typisch-kitschige, glattgeschliffene Versionen der jeweiligen Helden zu treffen. HÜTER DES LICHTS rückt sie alle in ein etwas anderes, recht einzigartiges Licht – und spendiert ihnen weitaus mehr Ecken und Kanten, was sowohl den Unterhaltungswert als auch die Glaubwürdigkeit enorm steigert. Das beste daran ist jedoch, dass alle Charaktere – so markant und eigenständig sie grundsätzlich sind – wunderbar miteinander interagieren. So transportiert HÜTER DES LICHTS nicht nur die ‚Magie‘ eines einzelnen Anlasses; sondern fasst sie anhand dessen was sie verbindet zu einem umfassenden Ganzen zusammen.

Neben dem ohnehin schon turbulenten und äußerst unterhaltsamen Zusammenspiel der eben genannten Protagonisten findet sich der zweite Vorteil des Films überraschenderweise in einem einzelnen Charakter – dem von Jack Frost. In vergleichbaren Genrefilmen gab es selten eine Figur, die so interessant, so glaubwürdig, so gut ausgearbeitet wirkt – und sich dann auch noch Sympathiepunkte noch und nöcher einheimsen kann. Das schöne, und auch spannende: wo die anderen Charaktere zumeist relativ fix auf ihren jeweiligen Posten verharren, muss Jack Frost seine Bestimmung erst noch finden, beziehungsweise sie akzeptieren – indem er mit sich selbst und seiner Vergangenheit ins reine kommt. Und nicht nur das: er stellt sich auch als fähigster Gegenspieler des durch und durch bösen schwarzen Mannes heraus. So sorgt er nicht nur für einige markante, so noch nie dagewesene Actionszenen (das Aufeinandertreffen von Schatten und Eis) – sondern fungiert auch als vermittelndes Bindeglied zwischen dem Guten und Bösen. Doch auch er muss am Ende eine Entscheidung treffen…

Diese Aspekte sind zweifelsohne die bemerkenswertesten an und in HÜTER DES LICHTS. Doch auch neben den starken Charakteren und damit einhergehenden Entwicklungen hat der Film einiges zu bieten. Zum einen wäre da die Story – die so gesehen zwar nicht besonders innovativ ausfällt; aber ihren Zweck vollkommen erfüllt. Vor allem aber ist sie spannend erzählt, bietet so manchen Höhepunkt – und streut gerade im Hinblick auf das Finale immer mehr geradezu magisch verpackte emotionale Komponente ein. Diese befassen sich mit der Bedeutung von Magie, von kindlicher Unschuld und Vorstellungskraft im allgemeinen – und sind dabei angenehm universell gehalten; auch wenn in diesem Fall (verständlicherweise) die bekanntesten Figuren der westlichen, christlich geprägten Gefilde als Aufhänger verwendet werden.

Ebenfalls bemerkenswert ist das Zusammenspiel der verschiedenen Stimmungen, die sehr variabel und vielfältig ausfallen. Grundsätzlich dominiert ein schnelles Tempo mitsamt entsprechenden, wahnwitzigen Action-Parts – doch hier und da wird es auch mal etwas ruhiger, besonnener. Stets genial wirken die vielen Einfälle, die den Zuschauer immer wieder staunen lassen – vor allem die eindrucksvollen Fortbewegungsmaßnahmen der Charaktere. Gut ist auch, dass grundsätzlich nicht allzu viel herumgeblödelt wird: die kleinen Streitereien zwischen den Protagonisten wirken wohl dosiert, stets passend, und lockern das Geschehen angenehm (da eher dezent) auf. Wie auch die kleinen Gags und witzigen Elemente, die sich dann und wann im Hintergrund abspielen, wie bei den quirligen Weihnachtselfen und pelzigen Yetis. In HÜTER DES LICHTS sind es eben jene, die für die Erstellung der Geschenke zuständig sind – eine von vielen Ideen und Eigenheiten, die den Film insgesamt sehr stark von der Masse abzuheben wissen.

Dass bei vergleichbaren Genrefilmen vorschnell auf die optischen Eindrücke eingegangen wird, ist kein Wunder: nicht selten offenbaren sie ihre Qualitäten ausschließlich in Bezug auf dieses Kriterium, und eventuell noch den Soundtrack. HÜTER DES LICHTS aber zeigt in keinem Bereich Schwächen – er ist inhaltlich ansprechend, die Sprecher sind fabelhaft, der Soundtrack eingängig; und: er sieht verdammt gut aus. Bei einem immensen Budget von über 100 Millionen Dollar vielleicht auch kein Wunder, doch merkt man dem Film einen Hang zur Perfektion einfach an. er sieht mindestens genauso gut aus wie die bisherigen Dreamworks-Werke (Figuren, Detailreichtum, Animation) – doch durch die atemberaubenden Effekte gewinnt er zusätzlich an Reiz. Ein Mehrwert, der besonders gut in der 3D-Fassung, oder aber zumindest der hochauflösenden Blu-Ray-Heimausgabe zur Geltung kommt.

Fazit: Die letzte, alles entscheidende Frage lautet: kann man den HÜTER(n) DES LICHTS überhaupt etwas negatives abgewinnen ? Nun, nicht wirklich – es sei denn, man geht explizit ins Detail. Vielmehr ein stiller Wunsch als ein Negativkriterium ist, dass man dem mysteriösen ‚Mann im Mond‘ etwas mehr Aufmerksamkeit hätte zugestehen können. Der Film ist ein Genuss – vor allem in optischen Belangen, aber glücklicherweise auch in inhaltlichen.

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„Action- und Ideenreich, kindgerecht, magisch – HÜTER DES LICHTS ist ein Volltreffer.“

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Ein Gedanke zu “Filmkritik: „Hüter Des Lichts“ (2012)

  1. Ich grüße dich, bin wieder da und hab mich gleich mal auf deine seite begeben und festgestellt das du einige filme geschaut hast, so zu sagen einiges nachgeholt ;-). Hab diesen film auch vorr einiger zeit geschaut und fanden den echt gutwar anders als die übrigen anim. kinderfilme, hatte den „Zauber“ in sich, war etwas epic und passt perfekt zur Weihnnachtszeit.
    Bis die Tage. Auf wiederhöhren 🙂

    Liken

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