Filmkritik: „Space Battleship Yamato“ (2010)

space_battleship_yamato_cover

Originaltitel: SPACE BATTLESHIP ヤマト Supēsu Batorushippu Yamato
Regie: Takashi Yamazaki
MitTakuya Kimura, Meisa Kuroki, Toshirō Yanagiba u.a.
Land: Japan
Laufzeit: 131 Minuten
FSK: Ab 16
Genre: Science Fiction / Action
Tags: Yamato | Live Action | Anime | Franchise | Weltall | Krieg | Außerirdische

Yamato – nicht mehr nur der Stolz des Meeres, sondern des ganzen Universums.

Kurzinhalt: In der nahen Zukunft stellt sich die Menschheit einem neuen Feind – den außerirdischen Gamilon. Obwohl unklar ist, welches Ziel sie genau verfolgen; sind ihre offensiven Maßnahmen verheerend: sie bombardieren die Erde mit umfunktionierten Meteoriten, die die Oberfläche nach und nach radioaktiv verseuchen und somit unbewohnbar machen. Während die letzten hochmodernen Kampfschiffe der Erdflotte alles versuchen um den Feind abzuwehren, haben sich die Überlebenden unter die Erde geflüchtet; wo sie unter recht kargen Umständen ein tristes Dasein fristen. Eines Tages jedoch erreicht eine seltsame, offenbar außerirdische Botschaft die Erde – die daraufhin als mögliches Hilfsangebot verstanden wird. Obwohl die Chancen eher gering sind, beschließen die Verantwortlichen diesen Wink als letzten, verzweifelten Vorstoß zu inszenieren – einer, der den Menschen ein letztes Fünkchen Hoffnung geben soll. Es wird eine Expedition zusammengestellt, die den Planten Iscandar erreichen soll, den Ursprungsort der Nachricht. Das Schiff, welches diese weite Reise innerhalb kürzester Zeit möglich machen soll, ist das Kampfschiff Yamato – ein prestigeträchtiges Schiff, welches bereits im Zweiten Weltkrieg zum Einsatz kam. Entsprechend weiterentwickelt und mit einem Hyperantrieb ausgestattet, soll es die wagemutige Crew auf eine Reise schicken, von der es möglicherweise keine Wiederkehr geben wird.

space_battleship_yamato_00

Kritik: SPACE BATTLESHIP YAMATO – das hört sich nicht von ungefähr nach einem (leicht kitschigen) Titel für einen Anime an. Tatsächlich handelt es sich bei Uchū Senkan Yamato (das ist der Originaltitel) um ein traditionsreiches Franchise, welches in Japan nur allzu bekannt und beliebt ist. Eines, welches im bereits im Jahre 1974 und mit der ersten gleichnamigen, insgesamt 77-teiligen Animeserie ins Leben gerufen wurde – und nach wie vor große Wellen schlägt. Nicht nur, da die Serie mitsamt den zahlreichen Spinoffs zu den bedeutendsten Genre-Werken überhaupt zählt – sondern auch, da noch immer Remakes und Neuinterpretationen gedreht werden. Als besonderes Highlight fungiert hier zweifelsohne der 2010 veröffentlichte Realfilm, die bis dato einige Live-Action-Fassung. Diese wartet indes mit einem vergleichsweise hohen Budget, und damit einhergehend einem schlicht beeindruckenden Look auf – der sich markant von vielen optisch eher plumpen Anime-Portierungen aus Japan abhebt.

Da erscheint es auch nur passend, dass der Film gleich zu Beginn aus dem Vollen schöpft, und den Zuschauer sofort in den Weltraum verfrachtet – genauer gesagt in eine Schlacht in der Nähe des Mars. Schon hier wird klar, dass sich der Film durchaus ernst genommen wissen; und diese Forderung nicht nur mithilfe des grandiosen optischen Parts durchsetzen will. Doch ist es eben der, der sofort und nachhaltig begeistert – sowohl zu Beginn, als auch im etwas ruhigeren Mittelteil und dem spektakulären Finale. Die Weltraumszenen sehen verdammt gut aus, und entfalten eine schlicht überwältigende Wirkung – ob nun durch Ansichten von Galaxien, den stilsicheren (da nicht zu überladenen) Kämpfen oder den stillen Ansichten des wahnwitzigen Kampfschiffes selbst. Sicher, die CGI erledigt hier vieles – doch auch im sonstigen Handwerk schneidet SPACE BATTLESHIP YAMATO überraschend gut ab. Das innere des Raumschiffs ist wunderbar detailreich ausgearbeitet, die Kulissen wirken niemals billig; selbst in Bezug auf sonst eher untergeordnete Dinge wie die Kostüme gibt es nichts auszusetzen, im Gegenteil.

Dem optisch opulenten Gesamteindruck gesellt sich indes ein ansprechender darstellerischer Part zur Seite. Auch wenn die Charaktere insgesamt noch etwas zu kurz kommen, fallen die Porträts insbesondere im Vergleich zu ähnlichen Genrewerken aus dem Westen geradezu mannigfaltig aus – und werden mit einem enormen Engagement verkörpert. Sicher bewegt man sich hier das ein ums andere Mal hart an der Grenze zum Overacting, doch meistert SPACE BATTLESHIP YAMATO diesen Spagat ohne Probleme. Spätestens wenn man im eher ruhigen Mittelteil angekommen ist, sich mit der Crew des Schiffes vertraut gemacht hat und von den spannenden Story-Prämissen endgültig gefangen ist; hat der Film sein Ziel erreicht: er kann durch-und-durch ernst genommen werden. Mitunter entfaltet sich so eine bemerkenswerte Wirkung, die wunderbar mit der japanischen Anime-Tradition harmoniert und an andere, ähnlich ausufernd-epische Meisterwerke des Genres erinnert. Als ein Beispiel sei hier GUNBUSTER genannt – eine OVA-Reihe aus dem Science Fiction-Genre, die eine ähnlich umfassende, kosmische Geschichte einer außerirdischen Bedrohung erzählt.

Das alles klingt nach einer Live-Action-Portierung, die ausnahmsweise einmal alles richtig macht und der Vorlage in nichts nachsteht, manches vielleicht sogar noch besser transportieren kann ? In der Tat – doch leider gibt es ein Problem, das je nach Facón des Zuschauers mehr oder weniger schwer wiegen wird. Und das ist – leider und ausgerechnet – die Story in all ihren Facetten. Tatsächlich ist sie relativ oberflächlich, sieht keine besonderen Entwicklungen vor, und wirkt vor allem in Bezug auf das Finale regelrecht unausgegoren. Was auch immer sich die Drehbuchschreiber hier gedacht haben – jene Ergüsse wollen einfach nicht zum ansonsten recht erhabenen Eindruck des Realfilms passen, aus dem beinahe ein kleines Meisterwerk geworden wäre.

Vor allem fallen die inhaltliche Gewichtung und das nicht immer passend dosierte Erzähltempo auf, was bereits mit dem relativ abrupten Start beginnt. Dieser lässt dem Zuschauer keine Zeit sich auf den Film und dessen speziellem Setting einzustimmen, es geht sofort an die Action. Die verfehlt ihre Wirkung aufgrund der hochwertig wirkenden Optik und der rasanten Inszenierung zwar nicht; doch gleichzeitig ist sie als eher schlechtes Omen zu bewerten. Ein Omen, dass sich immer weiter manifestiert, je weiter der Film voranschreitet. Dass die Yamato trotz der allgemeinen Übermacht stets siegreich aus den Kämpfen hervorgeht und die Crew jede noch so aussichtslose Situation zu meistern weiß; war bereits ein Kritikpunkt am Original-Anime – doch hier werden die Unstimmigkeiten noch einmal besonders deutlich. Immerhin müssen vergleichsweise viele Protagonisten ihr Leben lassen – doch selbst das hilft nicht, das Glück der Crew wirkt in diesem Fall regelrecht unverschämt. Die etwas trashige, aber immerhin originalgetreue Erklärung des Films: ein ausgeprägter Nationalsinn und das Berufen auf eine traditionsreiche Geschichte (Stichwort Yamato als Kriegsschiff im Zweiten Weltkrieg) genügt vollkommen, um selbst die härtesten interstellaren Gefechte zu überleben. Richtig arg wird es spätestens dann, wenn eine kleine Gruppe von Protagonisten zu Fuß unterwegs ist – und die bis dahin etablierte Ernsthaftigkeit langsam aber sicher wieder verfliegt. Warum man hier so simpel vorgeht, bleibt ein Rätsel – immerhin spielt das Ganze im Jahre 2199, man hätte bessere (und seien es technologische) Gründe dafür abliefern müssen, warum man überhaupt so weit kommt. Aber bitte nicht in Form einer kleinen Mini-Bombe, die geschickt genug angebracht dafür sorgt, dass die gesamte Population der Außerirdischen urplötzlich ausgelöscht wird… Glück auf.

Aber auch das gesamte Gebaren um die (erst vielversprechenden) Außerirdischen entpuppt sich letztendlich als kleine, und vor allem enttäuschende Mogelpackung. Nicht nur, dass man viel zu wenig über sie und ihre Ambitionen erfährt; sie werden als regelrecht stupide Haudrauf-Figürchen dargestellt. In Anbetracht der verwendeten Technologien und dem Fakt, dass es zu einer inneren, wenn man so will gesellschaftlichen Spaltung kam, sollte man ihnen doch eine gewisse Intelligenz unterstellen – warum sie dann aber so planlos handeln, und der Erd-Crew in den entscheidenden Moment ausreichend Zeit geben um sich zu wehren, bleibt schleierhaft. Anders als eventuell noch bei den Erd-Charakteren kann und will man sich hier einfach nicht mit etwaigen vereinfachten Elementen zufriedengeben, hier hätte es eine durchdachtere, innovativere und vor allem detailreichere Charakterisierung dringend gebraucht.

Fazit: Es ist so schade wie schon lange nicht mehr – aus SPACE BATTLESHIP YAMATO hätte ganz locker ein echtes Meisterwerk der Filmgeschichte werden können. Zumindest der japanischen, sich auf Anime-Realfilmportierungen beziehenden. Der Film war in Fernost zwar ein Kassenschlager, nicht zuletzt aufgrund des hohen Bekanntheitsgrades des Franchises – doch es fällt schwer den Titel auch internationalen, Anime-affinen Interessenten schmackhaft zu machen. Schlicht, da die Qualität ausnahmsweise mal in eine andere, für Fernost-Verhältnisse eher ungewohnte Richtung hin unausgewogen erscheint: die Optik ist toll, die Geschichte mau. So muss man sich entscheiden: will man sich einfach mal wieder optisch berauschen lassen, dabei aber immerhin (deutlich) weniger Kopfschmerzen bekommen als von so manchem Hollywood-Effektgewitter – oder will man eine nachhaltig fesselnde, faszinierende Sci-Fi Geschichte mit ausgearbeiteten Charakteren genießen ? Trifft letzteres zu, hilft vorerst wohl nur ein Griff zu anderen Klassikern wie GUNBUSTER.

border_0175oo10

„Selten wurde Perfektion so ärgerlich verfehlt – dennoch reicht es locker für einen unterhaltsamen Sci-Fi Filmabend“

filmkritikborder

Advertisements

Zögert bitte nicht, einen Kommentar zu hinterlassen.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s