Metal-CD-Review: WINDZOR – Against The Unknown Tempest (2013)

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Alben-Titel: Against The Unknown Tempest
Künstler / Band: Windzor (mehr)
Land: Japan
Stil / Genre: Melodic Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Taniguchi Shinya – Bass
Hiroki Fujiwara – Drums
Ono Tatsuya – Guitars
Rie Abe – Keyboards
Kinoppy – Vocals

Track-Liste:

1. Prayer – to the ground- (03:04)
2. No Fear, It Is All (06:04)
3. Lunar Shadow (05:34)
4. Get into the light (06:08)
5. Nameless Warrior (06:05)
6. The Queen’s Way (07:13)
7. Brazing Saga (04:14)
8. Healing with Lean against a Tree (06:37)
9. Lost a Key (05:13)
10. Go Ahead to Tomorrow with Blood Tear (07:04)

Endlich aus dem Schattendasein emporsteigend ?

WINDZOR sind eine jener Power Metal-Bands, die es aus irgendeinem Grund noch nicht an die Spitze geschafft haben – obwohl die Combo bereits seit 1999 besteht. Kalkuliert man indes noch die Herkunft der Band (Japan), das Fehlen eines Labels und die Anzahl der bisher veröffentlichten Alben (null) mit ein, so wird schnell klar: es ist keine Schande, wenn man bisher noch nichts von der Band gehört hat; besonders hierzulande. Immerhin: die Diskografie der Band weist dann doch das ein oder andere Material auf – vornehmlich handelt es sich dabei allerdings um offizielle Demos, an die man wohl kaum herankommen dürfte. Ebenso unbemerkt dürfte für viele das Release des ersten Studioalbums der Band vonstatten gegangen sein: AGAINST THE UNKNOWN TEMPEST erschien bereits im Mai dieses Jahres. In kompletter Eigenregie seitens der Band, versteht sich. Das Werk beinhaltet 10 Titel, ist grob im Bereich des Power Metals anzusiedeln; und: es ziert ein herrlich altbackenes Fantasy-Cover. Ein Grund mehr, sich das Ganze einmal zu Gemüte zu führen – wartet hier vielleicht doch ein unentdecktes Highlight einer Untergrund-Band aus Japan auf den Hörer; die im besten Fall kurz vor dem ganz großen Durchstarten steht ?

Doch bereits nach dem ersten Durchlauf stellt sich heraus: man sollte vorsichtig sein vor zu großen Erwartungen. AGAINST THE UNKNOWN TEMPEST ist im groben ein höchst durchschnittliches Power Metal-Album der alten Schule geworden – eines, welches neben etwas rockigeren Elementen auch mal die symphonische Komponente heraufbeschwört. Das klingt dann manchmal geradezu peinlich, wie etwa im schwachen Intro PRAYER, manchmal ein wenig RHAPSODY-esk – natürlich ohne, dass WINDZOR dabei jemals die Qualität und Atmosphäre des just genannten, potentiellen Bandvorbildes erreichen. Doch scheint der Fokus auch gar nicht darauf zu liegen, was der Band immerhin den Status als weiterer RHAPSODY-Klon erspart – man ist durchaus vielfältig unterwegs, und gibt sich hie und da auch mal etwas progressiver.

Doch das Konzept des Albums scheint in diesem Fall gar nicht das Problem zu sein – dies lässt sich viel eher an zwei anderen Knackpunkten festmachen. Um es kurz zu machen: leider ist das Album insgesamt relativ unmelodisch und überladen ausgefallen. Im Detail heißt das, dass sich der Gesang oftmals störend von den instrumentellen Kompositionen abhebt, beide Elemente einstweilen gar überhaupt nicht zusammenpassen wollen. Der Faktor des überladenen wiegt dagegen vielleicht noch etwas schwerer – schließlich verzichten WINDZOR nur selten auf das Keyboard, und lassen neben recht netten auch mal die ein oder anderen unpassenden, nervigen Samples mit einfließen. Ein Titel wie LUNAR SHADOW verdeutlicht diese Feststellung geradezu explizit, und ist auch davon abgesehen eine der wohl schwächsten Nummern des gesamten Albums.

Der Gesang dagegen ist wahrlich ein Thema für sich: so schwer dies auch zu glauben ist, ist hier eine Frau (!) am Werk. Wenn man es einmal weiß, hat man ein entsprechendes Bild vor Augen – beim ersten Hörern aber wird man zwangsläufig eher an einen männlichen Kollegen denken. Bis auf den Effekt, das bisher noch keine weibliche Metal-Sängerin derart männlich-kräftig-tief geklungen hat, bleibt der Gesangspart dann aber doch etwas überraschungsarm und unspektakulär. Es ist geradezu paradox: wäre hier ein Mann am Werk, könnte man bedenkenlos sagen, dass er so klingt wie unzählige seiner Genre-Kollegen aus Fernost. So ist es an den feineren Nuancen, den Gesangspart über das Mittelmaß zu retten, was indes nur bei einem besonders intensivem Hören funktioniert. Etwas, was man in Anbetracht der etwas chaotischen Instrumentierungen aber nicht wirklich geneigt ist, zu tun.

Aber auch die Gitarrenarbeit, die doch etwas vordergründiger angesiedelt ist als beispielsweise bei Kollegen wie BALFLARE, macht keine besonders gute Figur. Auch keine schlechte, das nicht – doch man hat einfach schon viel, viel besseres gehört. Stichwort BALFLARE: Titel wie BRAZING SAGA klingen schon verdächtig nach eben jener Bandcombo, nur dass sie noch um ein vielfaches aufgeladener und unter anderem auch Tempi-Wechseln unterworfen sind. Das macht es aber nicht wirklich besser, im Gegenteil. Man verhaspelt sich in langatmigen progressiven Anleihen, ohne wirklich auf einen Punkt zu kommen – da ein Großteil der Titel vergleichsweise lang sind, stellt sich schnell ein Gefühl der Langeweile, und vielleicht auch Gleichgültigkeit ein. Natürlich gibt es auch eine obligatorische Ballade – HEALING WITH LEAN AGAINST A TREE, was sich schon dem Titel nach eher… blödsinnig anhört. Und tatsächlich: das Piano klimpert belanglos und gefühlt falsch gestimmt vor sich hin; mit dem weibliche Gesang scheint es Probleme zu geben. Es ist schwer festzustellen, was genau hier falsch lief – doch scheint es, als würden einige unerwünschte Nebengeräusche (eine Art ‚Schmatzen‘, man muss es einfach selbst hören) Einzug in die Klangkulisse halten.

Einzig Titel wie THE QUEEN’S WAY lassen ungefähr blicken, dass die Band doch imstande wäre, überdurchschnittliche Musik zu produzieren. Die Instrumentierung ist angenehm, nicht ganz so aufgeladen; und vor allem: erstmals hat man das Gefühl, als würde eine halbwegs nachvollziehbare Melodie bedient. Natürlich müsste noch ein wenig an der Produktionsqualität geschraubt werden, die etwas zu drucklos und scheppernd-trashig daherkommt, und auch den Refrain hätte man versierter gestalten können.

Fazit: Nach einer derart langen Demo- und Livephase hätte man schon etwas mehr erwarten können als das, was WINDZOR hier mit ihrem AGAINST THE UNKNOWN TEMPEST vorlegen. Immerhin ist endlich der Startschuss gefallen, und es ist überhaupt erstmal ein Album erschienen – vielleicht macht die Band entsprechend engagiert weiter, und besinnt sich explizit darauf, noch vorhandene Schwächen auszubügeln. Eine Empfehlung im eigentlichen Sinne kann aber nicht ausgesprochen werden – leider. Dafür ist der Überraschungseffekt in Bezug auf den Posten des Leadgesangs umso markanter – eine Dame wie die hier singende gibt es zweifelsohne nur ein einziges Mal. Japan macht’s – wieder einmal – möglich.

Anspieltipps: THE QUEEN’S WAY

Vergleichsbands: BALFLARE | VERSAILLES

55oo10

„Keine Offenbarung, aber ein grundsolides Album“

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