Spieletest: JUST CAUSE 2 (2010, PC)

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Originaltitel: Just Cause 2
Entwickler: Avalance Studios
Publisher: Square Enix
Land: Schweden
USK: Ab 18
Genre: Action
Tags: Just Cause | Panau | Rico | Rico Rodriguez | Regierung | Insel | Chaos

Viel Platz zum Austoben.

Inhalt: Auf der südostasiatischen Tropeninsel Panau ist alles in der festen Hand der Regierung. Präsident Pandak Panay will vor allem alles, was auf seiner Insel geschieht, unter Kontrolle haben – und bekämpft alle, die sich ihm und der Regierung widersetzen. Und doch gibt es drei Banden, die eine Art Widerstand formen – wenn auch mit ähnlich unorthodoxen, menschenfeindlichen Methoden. Mitten in dieses Geschehen platt nun Geheimagent Rico Rodriguez, gennannt Scorpio – der im Auftrage seiner US-Amerikanischen Agentur den Präsidenten stürzen soll. Er sorgt für reichlich Chaos, und schließt sich zumindest zeitweise den Reihen der Reapers, Roaches und Ular Boys an. Gemeinsam geht man gegen die Übermacht der Regierungstruppen vor – und schließt dabei immer neue Freund- und Feindschaften. Wird Rico dem Präsidenten und seinen Handlangern letztendlich den Garaus machen können  ?

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Kritik: Nach jener kurzen, aber prägnanten Einleitung ist schnell klar, worauf das Spielprinzip des bereits 2010 erschienen Action-Titels JUST CAUSE 2 von Avalanche Studios basiert. Es geht schlicht darum, nach und nach die sich langsam zuspitzenden Hauptmissionen abzuklappern, um am Ende dem zum Superschurken stilisierten Staats-Präsidenten gegenüberzustehen – und ihn zu eliminieren. Das Problem, beziehungsweise der Clou von JUST CAUSE 2: man kann jene Hauptmissionen nicht frei anwählen. Während die ersten sofort verfügbar sind, müssen alle weiteren im Verlauf des Spiels freigeschaltet werden – was nur funktioniert, in indem man für Chaos sorgt. Das gelingt, indem man schlicht die überall anzufindenden Regierungsgebäude zerstört, oder aber die Unter-Missionen der drei verschiedenen Clan-Gruppierungen absolviert. Warum genau das so ist; dafür muss man allerdings schon seine Vorstellungskraft anberaumen – schließlich vermittelt das Spiel nur selten das Gefühl, als würde es in Panau tatsächlich immer ‚chaotischer‘ werden. So gerät der Weg zum Regierungs-Umsturz zumindest teilweise zu einer reinen Punktejagd: je mehr Chaos-Punkte man sammelt, umso schneller gelangt man ans Ziel; ganz unabhängig von den tatsächlich stattfindenden Veränderungen auf der Insel. Denn die sind – wenn überhaupt – kaum auszumachen.

Immerhin versucht man, derlei Missstände durch die simple, aber zumindest zweckdienliche Story wettzumachen. Die Theorie von JUST CAUSE 2: sobald das Chaos ungeahnte Dimensionen erreicht, treten die wichtigeren Protagonisten auf den Plan – die nunmehr um ihre Machtposition bangen. So ist es auch nicht weiter überraschend, dass es irgendwann Präsident Panay selbst ist, der sein Versteck verlässt um sich Rico Rodriguez und seine Unterstützer vorzuknöpfen. Sichtwort Rico: der Hauptcharakter und die Spielerfigur ist vielmehr eine Slapstick-Version eines Charakters, entbehrt also einer jeglichen Tiefe oder Hintergrundgeschichte – doch passt genau das bestens zum simplen, schnelllebigen Prinzip des Action-Titels. In die gleiche Kerbe schlagen auch die teils ulkigen bis leicht verrückten Nebencharaktere, denen man auf seinem Weg durch das allgemeine Chaos begegnet – sie sorgen für einige kurzweilige Momente, und lockern das ohnehin schon leicht von der Hand gehende Spielprinzip noch weiter auf. In diesem Zusammenhang ist nur gut, dass sich das Spiel selbst offenbar nicht allzu ernst nimmt – und so als überspitze Version anderer Action-Titel, wie beispielsweise die der GTA-Reihe, verstanden werden könnte.

So machen vor allem die ersten Stunden von JUST CAUSE 2 verdammt viel Spaß – was nicht zuletzt an der riesigen Spielwelt liegt, die man ganz im Sinne des Open-World-Prinzipes frei erkunden kann. Eine Spielwelt, die nicht nur reichlich Abwechslung in Form verschiedener Gebiete oder gar Klimazonen bietet – es gibt tropische Gegenden, Schneebedeckte Berge, Wüsten und wunderbare Wasserlandschaften – sondern eine, die auch noch verdammt gut aussieht. In der Tat ist JUST CAUSE 2 ein kleiner grafischer Geniestreich – selten sahen derart weitläufige Landschaften so gut aus, hatten Explosionen soviel Bumms, wirkten Wettereffekte derart atmosphärisch. Das Highlight ist hier aber wohl das alles umgebende Wasser – es sieht geradezu tropisch-einladend und vergleichsweise echt aus, der Wellengang ist nett animiert, die Bootsfahrten sind rasant. Stichwort Bootsfahrten – auch der Fuhrpark in JUST CAUSE 2 gehört zweifelsohne zu den Highlights. In bester GTA-Manier kann man hier sowohl zu Land (normale PKW, Motorräder, Lastwagen et cetera), zu Wasser oder in der Luft (Helikopter, Jets) unterwegs sein. Somit geraten die teils langen Lauf- und Erkundungswege immer wieder zu einem Abenteuer – zumal man sich meist selbst aussuchen kann, wie man Ziel X oder Y nun erreicht.

Glücklicherweise klappt das auch mit einer Art Schnellreisefunktion – die besser umgesetzt wurde, als in so manchem Vergleichstitel. Schließlich muss man hier den sogenannten Schwarzmarkthändler kontaktieren, der einen per Luftpost und Faltschirm über dem gewählten Gebiet absetzt – allerdings nur, wenn man das Gebiet zuvor schon einmal betreten hat. Jener Händler kann seinem Namen entsprechend natürlich auch allerlei Gegenstände liefern – nicht nur Waffen, sondern gleich ganze Fahrzeuge oder Helikopter, die mit in den verschiedenen Gebieten versteckten Gegenstands-Kisten aufgemotzt werden können. Glücklicherweise muss man diese nicht ganz ohne Hilfe suchen – eine Art Peilsender gibt einen ungefähren Aufschluss darüber, ob man sich gerade in der Nähe einer Kiste befindet oder nicht. Ebenfalls markant und eines der wichtigsten Elemente in JUST CAUSE 2: der absolut realitätsfremde, aber äußerst hilfreiche Enterhaken – mit dem sich nicht nur schneller fortbewegen, sondern auch hohe Gebäude erklimmen und sogar feindliche Helikopter entführen kann. Ein halbwegs abwechslungsreiches Waffenarsenal rundet das Ganze ab – und schickt den Spieler bestens gerüstet auf eine kunterbunte und unterhaltsame Mission, überall auf der Insel für reichlich Chaos zu sorgen.

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All das klingt nach einem guten, wenn nicht gar sehr starken Spiel ? Vielleicht – doch ist das nur die halbe Wahrheit. Denn JUST CAUSE 2 hat auch nicht wenige Schwächen, von denen manche recht gravierend ausfallen. Alles beginnt mit der eigentlichen Hauptstory – die zwar schön (das heißt: Slapstick-artig übertrieben) verpackt ist, aber den Spieler schlicht nicht lange genug beschäftigt. Geschweige denn, ihn nachhaltig beeindruckt. Das Problem: nicht nur, dass es insgesamt deutlich zu wenig Hauptmissionen gibt die allzu schnell abgehandelt sind – selbige gleichen sich teilweise wie ein Ei dem anderem. Und auch sind sie nicht besonders aufwendig oder innovativ ausgefallen: oftmals geht es nur darum Person X zu eliminieren, etwaige Gebäude zu zerstören oder von A nach B zu gelangen; mal mit, mal ohne Zeitvorgabe. Selbst wenn man nur die Hauptmissionen, und die minimal dafür benötigten Neben-Quests der Banden absolviert, stellt sich schnell ein auffälliger Wiederholungs-Effekt ein. Ganz arg wird es dann, wenn man bestrebt ist wirklich alle Quests der Fraktionen zu meistern – denn auch die sogenannten Festungsübernahmen gleichen sich enorm. So ist es an einigen wenigen markanten Missions-Momenten, über diese Schwächen hinwegzutäuschen – was verständlicherweise nicht besonders gut klappt. Lediglich das große Hauptquest-Finale kann noch einmal für etwas frischen Wind sorgen, bevor es dann hinüber in den sogenannten Söldner-Modus geht.

Dieser beginnt genau dann, wenn man die Hauptstory des Spiels durchgespielt hat – was bereits nach wenigen Stunden der Fall sein sollte, lässt man sich nicht ablenken oder zu ausschweifenden Erkundungsfahrten einladen. Spätestens hier wird dem Spieler dann auch noch einmal vor Augen geführt, wie die inhaltliche Gewichtung von JUST CAUSE 2 letztendlich ausfällt. Denn: der Gesamtfortschritt wird mit einer Prozentzahl angegeben, die sich nach den Haupt- und einigen Nebenquests bei einem Wert rund um die 20%-Marke einpendeln sollte. Das heißt, dass ab diesem Zeitpunkt noch 80 % zu bewältigen sind, will man das Spiel komplett meistern. Jene auf den ersten Blick beeindruckenden 80% bestehen dabei aber nicht immer (das heißt: äußerst selten) aus spektakulären, noch nicht gesehenen Inhalten – vielmehr wird altbekanntes einfach immer wieder wiederholt.

Und tatsächlich: die Landschaften in JUST CAUSE 2 sind zwar äußerst weitläufig, Regierungsstützpunkte, kleinere Dörfer oder gar Stadtviertel gibt es zuhauf – doch auch diese neigen sehr schnell dazu, sich auffällig zu gleichen. So wird man als Spieler irgendwann müde, immer wieder die gleichen Bezintanks, Generatoren und Funktürme zu zerstören. Das Problem: JUST CAUSE 2 bietet dem Spieler nicht viele alternative Möglichkeiten, seine Zeit in Panau zu verbringen. Kaum ein Gebäude lässt sich betreten, Interaktionsmöglichkeiten gibt es keine, in der Spielwelt geschieht – bis auf den Kampf der Regierung gegen die Bürger / Banden – so gut wie nichts. Ein paar startende Flugzeuge, ein wenig Schiffsverkehr auf dem Wasser oder planlos umherfahrende und -wandelnde Zivilisten sind hier bereits das Höchste der Gefühle. Zweifelsohne ist das eine kleine Frechheit; zumal es nur noch wenige Motivations-Elemente gibt, das Spiel nach der Hauptstory überhaupt noch fortzuführen. Sicher, die Waffen und Fahrzeuge lassen sich noch weiter aufrüsten, man bewegt sich immer geschickter durch die Inselwelt – doch hat das nicht immer einen sich explizit auf das Spielgefühl auswirkenden Wert.

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Somit bleiben dem Spieler beinahe nur noch die teils spannenden, teils nervigen Zeitrennen welche mit einer kleinen Fahne markiert sind; will er sich nicht auf die Vervollständigung des Spiels auf den 100%-Wert – quasi als Achievement – einlassen und viele weitere Stunden investieren. Gerade jene mit Flugzeugen, Booten oder PS-starken Boliden machen durchaus Spaß, allerdings auch nur zu Beginn – danach gerät auch das Abklappern der vielen Fähnchen zu einer echten Anstrengung. Einfach nur nervig sind dagegen die Basejump-Rennen, wenn man sie so nennen will – hier gilt es, von hohen Gebäuden durch die wegweisenden Ringe zu fallen / fliegen, was dank der teils hakeligen Steuerung und der im freien Fall etwas ungünstigen Kameraführung beinahe unmöglich erscheint. Doch die Liste der Positiv- und Negativaspekte ist natürlich noch erweiterbar. So gibt es an dieser Stelle wie immer eine Tabelle, die möglichst alle guten und eher schwachen Features des Spiels auflisten soll. Ein Hinweis: die positiven Aspekte sind blau hervorgehoben, die neutralen (kaum in die Wertung einfließenden) schwarz, die negativen dunkelrot.

Grafik
  • Atemberaubend-abwechslungsreiche Inselgestaltung mit Zonen
  • Verschiedene Tageszeiten und Wettereffekte
  • Schicke Wasseranimationen und Meeres-Kulissen
  • Brachiale Explosions- und Feuereffekte
  • Gebäude, Dorf- und Regierungsstrukturen gleichen sich enorm
  • Vergleichsweise wenig Eyecatcher oder besondere Gebäude
Sound
  • Atmosphärische Geräuschkulisse gerade in Kampfsituationen
  • Stimmige Sprecher am Rande des Over-Actings
  • Passende, unspektakuläre musikalische Untermalung
  • Sprach- und Soundelemente wiederholen sich schmerzhaft oft
Spielwelt, Umfang
  • Weitläufige Insel-Landschaft nach Open-World-Prinzip
  • Riesiger, abwechslungsreicher Fuhrpark
  • Enterhaken mit kuriosen Möglichkeiten
  • Fesselnde Ballereien, Verfolgungsjagden und Zeitrennen
  • Stilsichere Zwischensequenzen und Charaktere
  • Viel zu kurze, wenig atemberaubende Hauptstory
  • Enorm repetitive Haupt- und Nebenmissionen
  • Für Chaos zu sorgen wird schnell eintönig
  • Panau insgesamt noch deutlich zu leblos
  • Wenig Langzeitmotivation
  • NPC’s spawnen unerwartet / künstliche Hinterhalte entstehen
  • NPC’s und Fahrzeuge respawnen nach einiger Zeit komplett – unstimmig in bereits ‚abgearbeiteten‘ Gebieten
Bedienung, Komfort, Bugs
  • Spieler-Tod nur selten frustrierend, da sofortiges Weiterspielen meist ohne Verluste möglich
  • Kein freies Speichern möglich
  • Teils unfair gesetzte Rücksetzungspunkte
  • Teilweise fummelige Steuerung (besonders in Verbindung mit dem Enterhaken)
  • Realitätsferne Arcade-Action, dennoch kann man nur wenige Waffen und Munition mit sich führen
  • Vergleichsweise hohe Hardware-Anforderungen

Fazit: Anschauen erlaubt, anfassen verboten ! Das große Problem von JUST CAUSE 2 sind die verschenkten Möglichkeiten, vor allem in Bezug auf die viel zu leb- und seelenlose Spielwelt. Sie sieht super aus, ja – doch erschafft man eine Open World nicht ausschließlich, indem man dem Spieler ein möglichst weitläufiges Gebiet vorsetzt. Es gilt, selbiges auch mit Leben, vor allem aber mit Sinn zu füllen; kurzum: mit möglichst vielen Möglichkeiten. Dass sich dann ausgerechnet die wenigen Elemente, die JUST CAUSE 2 in dieser Hinsicht bietet – die Hauptmissionen und Nebenquests – einander stark ähneln und auch sonst nicht gerade vor Einfallsreichtum strotzen, gibt dem Spiel, oder zumindest der Langzeitmotivation, absolut den Rest. JUST CAUSE 2 bleibt ein kurzweiliges Action-Spektakel mit einem gewissen Witz, enormen Schauwerten und teils skurrilen Gameplay-Elementen – für zwischendurch, nicht mehr, und nicht weniger.


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„Macht Spaß – aber eben auch nicht besonders lange.“

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