Metal-CD-Review: JUPITER – Classical Element (2013)

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Alben-Titel: Classical Element
Künstler / Band: Juiter (mehr)
Land: Japan
Stil / Genre: Neoclassical Power Metal
Label: Universal Music Japan

Alben-Lineup:

Masashi – Bass
Yuki – Drums
Teru – Guitars
Hizaki – Guitars
Zin – Vocals (lead)

Track-Liste:

1. Introduction 01:58
2. Blessing of the Future (Remix) 06:03
3. Decadence 05:33
4. Rythmos 04:35
5. Scarlet 04:45
6. Nostalgie 05:07
7. Heaven’s Atlas 04:20
8. Allegory Cave 03:50
9. Symmetry Breaking 06:44
10. Forever with You 05:37
11. Atmosphere 05:30
12. Classical Element 12:01
13. Conclusion 01:31

Japan-Power straight vom Planeten JUPITER.

Gut und gerne 500 Alben, die mit dem Untergenre des Power Metal in Verbindung gebracht werden können, sind dieses Jahr bereits erschienen – und es werden noch mehr werden. Somit beginnt auch der Kampf um die alljährliche Spitzenposition – welches sind die verehrenswertesten musikalischen Ergüsse, die uns im Jahre 2013 serviert wurden ? Bevor es aber zu einer finalen Entscheidung kommen kann, sollte man die restlichen Monate verstreichen lassen – und auch Alben einkalkulieren die man im allgemeinen geneigt ist, zu übersehen. JUPITER’s CLASSICAL ELEMENT beschreibt einen solchen Fall – was mindestens zwei Gründe hat. Zum einen stammt die Band aus Japan und singt ausschließlich in ihrer Landessprache – und zum anderen ist die Spielart eher dem neoklassischen, und teilweise auch dem Symphonic Power Metal zuzuschreiben.

Die erst in diesem Jahr (!) gegründete Band geht dabei zu Großteilen aus ehemaligen VERSAILLES-Mitgliedern hervor – die ihre alte, hierzulande etwas bekanntere Band vorerst auf Eis gelegt haben. Interessanterweise hat man sich mit Universal Music Japan sogleich eines der größten und bekanntesten Labels sichern können – ein Label, dass sich im allgemeinen eher auf J-Pop konzentriert, und mit OUTRAGE und ANTHEM erst zwei nennenswerte Metal-Künstler im Aufgebot hatte. Vielleicht wird sich das nun ändern – schließlich ist CLASSICAL ELEMENT ein durchaus vielversprechender Kandidat.

Das liegt auch daran, dass das Album im Vergleich zu gängigen europäischen Releases so gut wie keine Konventionen kennt, und sich nur allzu leicht über vorschnell gezogene Genre-Eingrenzungen hinwegzusetzen vermag. Dieses Konzept mündet in einem recht vielfältigen, abwechslungsreichen Eindruck – stellt aber gleichzeitig auch eine Herausforderung an den (europäischen) Hörer dar, da man sich zunächst an die etwas diffus und unstrukturiert wirkenden Kompositionen gewöhnen muss. Und nicht nur an die – schließlich wechselt man auf CLASSICAL ELEMENT munter zwischen verschiedenen Stilrichtungen hin- und her. Das bedeutet auch, dass nicht alles durch und durch Metal ist, was auf CLASSICAL ELEMENT enthalten ist – je nach dem, wie strikt man die gängigen Definitionen anwendet.

Aber auch innerhalb des Obergenres des Heavy Metals gibt man sich immer wieder beinahe experimentell anmutenden Ausflügen hin. So klingt das Intro am ehesten wie eine Einleitung zu einem Symphonic Power Metal-Konzeptalbum a’la DRAGONLAND, die Titel DECADENCE oder RHYTMOS könnten mit etwas Fantasie auch von der Melodic Power Metal-Combo KAMELOT stammen. In ALLEGORY CAVE setzt man wiederum auf aggressive Growls, im Titeltrack CLASSICAL ELEMENT auf einen deutlich progressiven Touch – und NOSTALGIE tönt am ehesten wie eine gefühlvolle J-Rock-Ballade. Das klingt durchtrieben ? Das ist es, aber genau so muss man das Album auch nehmen – als Kumulation verschiedener Eindrücke, die aus einem vergleichsweise enorm bunten Gesamtwerk hervorgehen.

Und doch sind JUPITER weitaus deutlicher und zweifelsfreier dem Genre des Power Metal zuzuordnen als viele andere japanische Kollegen mit ähnlichen Projekten und Ambitionen. So kann man, sofern man kein besonderes Interesse daran hegt, dass (zweifelsohne explizit vorhandene) Element des Visual Kei komplett aussen vor lassen, und sich voll und ganz der Musik widmen. Und die muss sich hinter derer europäischer Kollegen absolut nicht verstecken – im Gegenteil. Dadurch, dass man gerade hierzulande vergleichsweise selten mit japanischem Metal konfrontiert wird, ist der Überraschungseffekt ohnehin groß – doch JUPITER haben noch andere, wenn man so will einzigartige Stärken; die vor allem jenen offenbar werden, die öfter nach Fernost lauschen. Mit einer einzigen Ausnahme vielleicht: die Abmischung der (minimal vorhandenen) symphonischen Elemente, wie sie vor allem in Titel Nummer 3 (DECADENCE) vorkommen, wirkt nicht immer treffend. Hier kommen zur allgemein überragenden Produktion doch noch einige eher ‚dumpfe‘ Momente hinzu.

Als Werkschau in Bezug auf CLASSICAL ELEMENT eignen sich hier vor allem Wahnsinns-Titel wie HEAVEN’S ATLAS oder BLESSING OF THE FUTURE – eine Nummer, die berechtigterweise auch als Videosingle ausgekoppelt wurde. Die Energie, die hier beim Bearbeiten der Drums und Gitarren freigesetzt wurde (und nachhaltig werden wird), ist schlicht beeindruckend – die Nummer hat verdammt viel Schmackes, Melodie; und gleichzeitig auch Gefühl. Jener eher gefühlvolle Aspekt liegt vor allem im Leadgesang von Zin begründet – der es trotz einer eher gemäßigten Stimmlage vermag, den Hörer mitzureissen. Das Highlight des Titels ist und bleibt aber die Gitarren-Arbeit – inklusive des bemerkenswerten Soli-Parts der Gitarristen Hizaki und Teru (der auch bei DRAGON GUARDIAN tätig ist). Leicht überraschend ist, dass ausgerechnet eine Ballade das Zeug zur drittstärksten Nummer des Albums hat. FOREVER  WITH YOU, das klingt doch schon vom Titel her wie eine (unnötige) Portion Schmalz und Herzschmerz. Unter Umständen trifft das auch zu, doch der kongeniale Refrain, der Gänsehaut-erzeugende Soli-Part und der epische, wenn auch etwas künstliche Chor-Ausklang machen so gut wie alles wieder wett.

Fazit: JUPITER bedienen mit ihrem CLASSICAL ELEMENT eine Vielzahl von potentiellen Hörerschichten, und klingen gerade deshalb vergleichsweise experimentell und bunt. Und doch kann man von allem, aber nicht von einer Beliebigkeit sprechen – das Album wirkt von vorne bis hinten durchdacht, und bewegt sich vor allem musikalisch und produktionstechnisch auf allerhöchstem Niveau. Freunde eines eher traditionellen Heavy Metals werden mit CLASSICAL ELEMENT natürlich weniger glücklich werden – und selbst eingefleischte Power Metal-Fans müssen sich durchaus ein wenig flexibel zeigen, um in den vollen Genuss des Albums zu kommen. Flexibilität ist vielleicht auch das Stichwort, wenn es um CLASSICAL ELEMENT im Gesamten geht. Es tut einfach gut, mal wieder ein Album vorzufinden, welches (besonders aus einer europäischen Perspektive) mit jeder gängigen Konvention bricht – und sich stets wandelbar zeigt, so gesehen immer wieder eine Überraschung bereithält. Der einzige Wermutstropfen ist, dass CLASSICAL ELEMENT etwas weniger ‚klassisch‘ klingt als vielleicht erwartet – die klassischen, symphonischen und choralen Elemente stehen eher im Hintergrund. Aber was macht das schon, wenn einem im Gegenzug eine derart versierte, lebendige und energetische Gitarrenarbeit geboten wird; die einen jeden Titel beinahe allein tragen könnte ? Genau.

Anspieltipps: BLESSING OF THE FUTURE | SCARLET | HEAVEN’S ATLAS | FOREVER WITH YOU

Vergleichsbands: VERSAILLES | DRAGON GUARDIAN | SKYWINGS

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„Vielschichtiges, abwechslungsreiches Japan-Feuerwerk“

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