Filmkritik: „Spun – Leben Im Rausch“ (2002)

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Originaltitel: Spun
Regie: Jonas Akerlund
Mit: Josh Peck, Jason Schwartzman, Mickey Rourke u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 92 Minuten
FSK: Ab 16 freigegeben
Genre: Komödie / Tragikkomödie / Thriller / Drama
Tags: Spun | Drogen | Drugs | Gangs | Konsum | Gefahr | Rausch | Dröhnung

Ein Film wie ein Rausch – oder der darauf folgende Absturz ?

Inhalt: Ross (Jason Schwartzman) ist ein etwa 20-jähriger Junkie, der kaum mehr auf dem Tagesplan stehen hat als Lines zu ziehen oder seinen Drogen-dealenden, leicht verrückten Kumpel Spider Mike (John Leguizamo) zu besuchen. Doch als ihm der den Drogenguru ‚The Cook‘ (Mickey Rourke) vorstellt, beginnt seine Drogen-Odyssee erst richtig. Der ‚Koch‘ stellt in seinem hauseigenen Labor selbst Drogen her, und ermöglicht es Ross so, noch schneller und vor allem kostenlos an Drogen zu kommen. Dafür muss er ihm lediglich als Fahrer zur Verfügung stehen, und sich hier und da um seine Freundin Nikki (Brittany Murphy), sowie ihren geliebten Hund kümmern. So lebt Ross in den Tag hinein, und schleppt beispielsweise eine weibliche Gespielin ab, die er an sein Bett fesselt – ohne daran zu denken, sie wieder loszubinden. All das geht seltsamerweise gut – bis ein seltsames Polizisten-Duo (Alexis Arquette, Peter Stormare) auftaucht und die Gegend unsicher macht. Und dann ist da noch Amy, Ross‘ heimliche Geliebte, mit der er unbedingt wieder Kontakt haben möchte. Doch dafür muss er erst einmal das ihr geschuldete Geld aufbringen…

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Kritik: Grundsätzlich gibt es nur zwei Arten von Filmen, die sich in irgendeiner Form mit dem Thema des Drogenkonsums befassen. Die einen sind als mehr oder weniger seriöse Dramen aufgezogen, beschäftigen sich mit intensiven Charakterporträts oder gar gesellschaftskritischen Analysen und Interpretationsversuchen – und die anderen machen eben genau das nicht, sondern zielen in erster Linie auf einen hohen, manchmal oberflächlichen Unterhaltungswert ab. Zu welcher Kategorie der (Drogen-)Film SPUN gehört, wird dabei  recht schnell offensichtlich. Regisseur Jonas Akerlund, der sich vor allem durch markante, ungewöhnliche Musikvideos einen Namen machte, setzt in seinem 2002’er Film vor allem auf audio-visuelle Achterbahnfahrten und eine eher entkomplizierte Betrachtung des Themas. Ganz im Sinne oder Stile eines (überlangen) Musikvideos eben – welches reichlich bunt, teilweise verworren und vor allem absolut unkritisch ausfällt.

Unkritisch ? In der Tat erlaubt sich der Film kaum eine Stellungnahme in Bezug auf den Drogenkonsum an sich – was er aber auch nicht unbedingt muss. Vielmehr begleitet er eine kleine Gruppe von Protagonisten in ihrem Drogen-Alltag, und ist so wenn überhaupt als rebellisches Stück Film zu betrachten, welches Kritik an der Gesellschaft übt. An einer Gesellschaft, in der jeder zu funktionieren, einen vorgepflasterten Weg zu gehen hat – und aus der manche bereits in jungen Jahren einen Ausweg suchen. Eine mögliche, wenn auch sicher nicht empfehlenswerte Lösung liegt laut SPUN dabei auf der Hand: der Drogenkonsum, mit allen erdenklichen Ausschweifungen. Und so bekommt der Zuschauer einen Höllentrip zu sehen, der für die Beteiligten eigentlich keiner ist – höchstens ein notwendiges Übel. Und, der makaberer und unterhaltsamer nicht hätte inszeniert werden können. Genau darauf sollte man sich auch einstellen – etwaige versteckte Untertöne oder ein markantes zwischen-den-Zeilen lesen erlaubt SPUN nicht.

Vor allem auch, da man kaum eine Beziehung zu den Charakteren aufbauen kann – die sich schlicht und einfach zu abgedreht verhalten, als dass man überhaupt Empathie entwickeln könnte. Die fehlenden Hintergrundinformationen und Selbstreflexionen tun da das übrige – womit man wieder beim naheliegenden Konzept eines Musikvideos wäre. Hier begleitet man oft auch einen oder mehrere Protagonisten, ohne sie wirklich kennenzulernen – man begleitet sie für einige Minuten, und weiß hinterher in etwa genauso viel wie zuvor. Auch in SPUN findet in diesem Sinne keine markante Charakterentwicklung statt, besonders nicht beim Hauptprotagonisten Ross (gespielt von Jason Schwartzman). Es sei denn, man zählt kurze Momente des Zweifelns dazu – die schnell wieder abgehandelt werden, und sich im Moment des nächsten Rausches verlieren. Vielleicht entwickelt man ob dieses einseitigen Charakterporträts etwas Mitleid – doch kein wirkliches Verständnis, was man offenbar auch gar nicht soll. Im Gedächtnis bleiben werden aber vor allem Mickey Rourke als skurriler Drogen-Koch mit Cowboy-Attitüde, sowie ein besonders eigenartiger Kurzauftritt von JUDAS-PRIEST-Legende Rob Halford als Pornoladen-Besitzer – so wenig gehaltvolles diese Darstellungen auch bieten.

Was so – neben einigen wenigen, inhaltlich interessanten Ideen – bleibt, ist vor allem der abgedrehte audio-visuelle Eindruck von SPUN. Hier kann man dem Macher eine gewisse Einzigartigkeit, ja; vielleicht sogar Genialität einfach nicht absprechen – auch wenn manche Szenen hart an der Grenze des Erträglichen (extremes Flackern, eher unschöne Cartoon-Einschübe) kratzen. Die Schnitte sind einstweilen sehr hektisch, die Musik passenderweise abgedreht. Ein gewisses Durchhaltevermögen ist also definitiv gefragt – bis zum immerhin noch halbwegs überraschenden Ende, welches den wohl einzigen expliziten emotionalen Moment des Films zeigt.

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Fazit: SPUN ist vor allem eines – ein unterhaltsamer Film mit markanten akustischen und visuellen Reizen. Wer einen Film sucht, der sich vollkommen unkommentiert und unreflektiert der Inszenierung eines abgedrehten Drogen-Trips hingibt, ist hier bestens beraten. Wer jedoch Wert auf Sensibilität, Inhalt und intensive Charakterporträts legt – kurzum: einen ’seriösen‘ oder gar politisch korrekten Film erwartet – sollte eher nicht zugreifen. Wenn man SPUN aber als überlanges, etwas eigenartiges Musikvideo betrachtet, funktioniert er – wenn auch nicht immer bestens.

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„Unterhaltsamer, inszenatorisch einzigartiger Drogen-Trip, der alle gängigen Konventionen des Films verneint“

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