TV-Kritik / Serien-Review: FALLING SKIES (Staffel 3)

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Land: USA, Kanada – Idee & Produktion: Robert Rodat, John Ryan – Stil: Science Fiction TV-Serie

Die Liste der Episoden aus Staffel 3 (Länge je ca. 45 Minuten):

3×01: On Thin Ice | Auf dünnem Eis
3×02: Collateral Damage | Das Kraftwerk
3×03: Badlands | Der Baum der Freiheit
3×04: At All Costs | Um jeden Preis
3×05: Search and Recover | Verschollen
3×06: Be Silent And Come Out | Eine schwere Entscheidung
3×07: The Pickett Line | Mason gegen Pickett
3×08: Strange Brew | Traum und Wirklichkeit
3×09: Journey to Xilbalba | Der Anschlag
3×10: Brazil | Brasilien

Auch in der dritten Runde bleiben Serie und Overlords planlos.

FALLING SKIES opens in the chaotic aftermath of an alien attack that has left most of the world completely incapacitated. In the months since the initial invasion, the few survivors have banded together outside major cities to begin the difficult task of fighting back. Each day is a test of survival as citizen soldiers work to protect the people in their care while also engaging in an insurgency against the occupying alien force. (Quelle fallingskies.com, Link)

Inhalt: Die Widerstandsgruppe jener überlebenden Menschen, die sich der Invasion der Overlords und ihren Skidders entgegenstellen, hat eigentlich genug von jedweden Begegnungen der dritten Art. Und doch staunt man nicht schlecht, als nun doch noch eine weitere und bisher unbekannte außerirdische Rasse der Erde einen Besuch abstattet. Es handelt sich um die sogenannten Volm – die sich zur Freude vieler ebenfalls als alte Feinde der Overlords herausstellen, und offenbar gemeinsam mit den Menschen in den Krieg ziehen wollen. Als Zeichen ihres guten Willens rüsten sie die Widerständler mit fortschrittlichen Waffen und Technologien aus, die es den Menschen sogar ermöglichen, die bisher enorm gefährliche Skidder-Steuerung rückstandslos und schmerzfrei zu entfernen. Koordiniert wird der Widerstand nun von einer neu gestellten Regierung – Tom Mason wurde zum Präsidenten der neuen Vereinigten Staaten gewählt, und hat so neben seinen väterlichen Pflichten noch andere Mammut-Aufgaben zu bewältigen. Doch auch diese Entwicklung hält nicht lange an – denn schließlich schafft man es eines Tages, Kontakt zum echten Präsidenten und weiteren Überlebenden herzustellen. Doch kommt es kaum zu einer Vereinigung der Kräfte – die Overlords entsenden weiterhin ihre Skidder-Soldaten und kampferprobten Mechs, sodass die Menschen selbst mit der Unterstützung ihrer neuen Verbündeten Probleme haben, den alles entscheidenden Sieg zu erringen. Als dann auch noch Tom’s jetzige Frau und seine neugeborene Tochter Lexi entführt werden, ist das Chaos perfekt.

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Kritik: Die TV-Serie FALLING SKIES stand von Anfang an unter einem vergleichsweise guten Stern. Nicht nur, dass mit ‚großen‘ Namen wie Noah Wyle oder Steven Spielberg hochkarätige Stars involviert waren – allein die Tatsache, dass nun endlich einmal wieder eine reine Science-Fiction-Serie produziert werden würde, ließ viele aufhorchen. Schließlich gab und gibt es bereits genug TV-Serien, die das Genre der Science Fiction mit anderen mischen – es musste endlich wieder eine Sendung her, die sich in expliziter Form mit neuen Technologien und fremden Wesen; und vielleicht auch einer außerirdischen Invasion befassen würde. Insbesondere, nachdem Serien wie STARGATE oder V – DIE BESUCHER abgesetzt wurden, und man eigentlich nur noch zu etwaigen Klassikern greifen konnte, um in den Genuss von mal mehr, mal weniger weit hergeholten Geschichten um das Überleben der Menschheit in Verbindung mit einer außerirdischen Bedrohung zu kommen.

Doch es gibt mindestens ein gravierendes Problem: jene beiden eben genannten abgesetzten Serien – das heisst, STARGATE UNIVERSE und V – DIE BESUCHER, sind FALLING SKIES gar nicht so unähnlich. Was nicht gutes bedeutet – alle drei Produktionen kamen und kommen mit einem vergleichsweise geringen Budget aus, und teilen grundsätzlich viele markante Schwächen. Diese sind vor allem inhaltlicher, erzählerischer und gestalterischer Natur; betreffen so gesehen die Essenz, den Kern des Ganzen – und sorgen dafür, dass keine der drei Werke in die TV-Geschichte eingehen wird. Gut, bei wei Kandidaten hat sich die Angelegenheit ohnehin erledigt – doch auch FALLING SKIES könnte alsbald ein ganz ähnliches Schicksal ereilen. Noch sind die Zuschauerzahlen (besonders die internationalen) gut, sodass eine vierte Staffel vermutlich ebenfalls bestellt werden wird – doch ändert dies nichts daran, dass es der Serie in vielerlei Hinsicht an etwas mangelt.

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Jenes etwas bezieht sich vor allem und in erster Linie auf die Gesamtqualität – die sich nicht steigert, je weiter die Serie fortschreitet; im Gegenteil. Denn: wo man bei der ersten Staffel (Review) noch gewisse Zugeständnisse machen konnte, und über mancherlei Unstimmigkeiten in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft hinwegsah, verpasste man den Anschluss bereits mit der rundum enttäuschenden zweiten (Review). So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass die nun komplett ausgestrahlte dritte in etwa dort anknüpft, wo die zweite – vor allem in qualitativer Hinsicht – endete. Wer bis zuletzt eingeschaltet hat wird sich erinnern, dass sie mit einem markanten Cliffhanger endete – eine neue außerirdische Rasse, von der man nicht wusste ob sie Freund oder Feind sein würde, ist auf der Bildfläche erschienen. Anstatt jedoch direkt an die damaligen Ereignisse anzuschließen, hat man eine Zeitspanne von mehreren Monaten vorgesehen – die nun inhaltlich zwischen der zweiten und dritten Staffel liegen.

Das sorgt vor allem für ein Problem: die neuen Außerirdischen, die Volm; gehören nach einem viel zu kurzen Aha-Moment (eben jenem Cliffhanger) schon zum gefühlten Alltag der Serie. Entsprechend verhalten sich auch die Charaktere – man gibt sich kumpelhaft, stellt kaum Fragen; und ist vor allem auf eines erpicht: gemeinsam mit den Volm in die Schlacht zu ziehen, und die Overlords zu verjagen. Das unfreiwillig komische, etwas plumpe Aussehen der Volm (siehe Arbeit der Maskenbildner) selbst tut hier alles übrige – so richtig ernstzunehmen ist all das nicht, es will einfach keine recht Atmosphäre entstehen. Und so macht FALLING SKIES eigentlich genau mit dem weiter, was sie seit 2 Staffeln in entsprechend ausführlicher Manier zelebriert: mit der Darstellung des merkwürdig anmutenden Feldzuges gegen die Skidders und deren Herren. Ob nun die Volm (mit dem sogenannten Cochise als Repräsentant) als neue Schachfiguren Einzug in die Szenerie halten, spielt dabei kaum eine Rolle. Viel wichtiger scheint den Machern darzulegen, wie sich die Charaktere mit all dem schlagen, wie sie an den immer neuen Herausforderungen wachsen – und, wie sie es trotz aller Umstände schaffen, zu überleben. Das Problem, so schön ausführliche Charakterporträts auch sein mögen: jene Elemente wurden schon in der Vergangenheit recht detailliert ausgeführt; die Serie scheint gefühlt noch immer in den Startlöchern zu stehen. Es gibt keinerlei Steigerungen, keinen markanten Spannungsbogen.

Ausgerechnet jene stets hervorgehobenen Drama-Elemente gehören dabei zweifelsohne nicht zum besten, was das Sci-Fi-Genre zu bieten hat, bieten könnte. Das war schon in der ersten Staffel so – und entwickelt sich auch mit der dritten keinesfalls zum guten. Noch immer verhält sich ein Großteil der Charaktere allgemein irrational, es gibt geradezu schnulzige (und im Sinne der Szenerie unnötig aufgebauschte) Liebesgeschichten, der für den rauen Gegenpart verantwortliche Pope (als Galionsfigur) wirkt immer mehr wie ein künstliches, aufgesetztes Element. Hinzu kommt, dass grundsätzlich sympathische Nebendarsteller desöfteren das zeitliche segnet. Das ist mag zwar einstweilen überraschend sein und im Sinne der Macher mutig daherkommen, doch wirkt es dabei umso unglaubwürdiger, dass die Hauptfraktion um Tom und seine Söhne stets überlebt, im Sinne der Story überleben muss – egal, wie dümmlich und / oder leichtsinnig sie sich auch anstellt.

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Seit jeher stellt sich die Frage, welche Zuschauergruppe FALLING SKIES nun am ehesten ansprechen sollte. Denn wirkliche Aushängeschilder gibt es keine – die Drama-Elemente sind bestenfalls durchschnittlich, zweckdienlich – in Sachen Sci-Fi und der Atmosphäre einer stattgefundenen / bevorstehenden Apokalypse versagt man auch in der dritten Staffel auf ganzer Linie. Sci-Fi-Fans werden vor allem vermissen, dass FALLING SKIES es schlicht und einfach verpasst; ein eigenständiges, Interesse-hervorrufendes Handlungsuniversum zu erschaffen. Es gibt zwei Alienrassen, eine handvoll (‚guter‘ und eher ‚böser‘) Technologien – doch das war es dann auch schon. Ärgerlich: auch in der dritten Staffel wird kein Wort über das wie und warum der Alieninvasion verloren. Dass dann nun ausgerechnet die Volm für eine (absolut vorhersehbare) Überraschung sorgen sollen, rettet in dieser Hinsicht nicht viel – viel wichtiger wäre es, mehr über die Geschichte der Overlords zu erfahren, ja: sie denn überhaupt einmal wieder zu Gesicht zu bekommen. Die dritte Staffel hält dies nämlich erst gar nicht für nötig – und schaukelt langsam aber sicher auf ein vorhersehbares, wenig spektakuläres Ende zu, das erneut alle wichtigen Fragen außen vor lässt. Was vielleicht eine gute Sache ist, bedenkt man dass die Macher vielleicht tatsächlich keine guten diesbezüglichen Ideen hatten / haben. Doch nach 3 Staffeln könnte man durchaus schon etwas mehr verlangen.

Doch wird man weiter hingehalten – mit der damit einhergehenden Ungewissheit, ob die kreativen Köpfe hinter der Serie nicht doch noch den ein oder anderen Clou, die ein oder andere markante Enthüllung vorsehen. Doch wie lange sollte man auf dergleichen noch warten, oder anders gefragt: lohnt sich das Anschauen einer TV-Serie nur dieses einen Grundes, der reinen Kuriosität wegen ? Diese Frage muss wohl ein jeder für sich selbst beantworten – klar ist nur, dass der Weg zu einem potentiellen ‚Ziel‘ alles andere als angenehm oder besonders unterhaltsam ausfällt. Sicher, hie und da entsteht etwas Spannung – bei genaueren Hinsehen aber stellt sich heraus, dass diese eigentlich immer aus den gleichen Mitteln / Anlässen heraus generiert wird (oft: ein Hauptcharakter ist in Not). Ebenfalls ärgerlich: der gesamte Survival-Part, wie er bei Serien wie WALKING DEAD noch ansatzweise behandelt wird, wird spätestens ab der dritten Staffel von FALLING SKIES komplett ausgeblendet. Man zieht nicht umher um Nahrung oder Trinkwasser zu suchen, man ist nicht wirklich bemüht die allgemeine Lebensqualität zu steigern – die Alien-Invasion fungiert eher als lästige, aber keinesfalls bedrohliche Angelegenheit. Ohnehin scheint man sich nur auf einen großen Kampf vorzubereiten, bevor man sich in Sicherheit wägen könnte – ein Kampf, der aus bisher unerfindlichen Gründen noch immer nicht stattgefunden hat. Man darf gespannt sein, ob die Macher in einer der folgenden  Staffeln noch einen Versuch wagen, diverse Dinge zu erklären – etwa die Tatsache, dass sich die menschlichen ‚Rebellen‘ so lange und so gut schlagen, und quasi Seite an Seite mit den ärgsten Feinden leben; die wiederum kein Problem damit hatten, den restlichen Teil der Menschheit auszulöschen. Wie auch immer sie das bewerkstelligt haben – die immer wieder vorgestellten Mechs können wohl kaum dafür verantwortlich sein, wenn sie schon durch ein wenig Maschinengewehrfeuer oder die gezielte Zerstörung eines Kraftwerks außer Kraft gesetzt werden können.

Über die Qualität der sich nur langsam voranschleppenden Episoden konnte man indes schon immer streiten. Dieses Mal haben sich aber sogar zwei waschechte Filler-Episoden eingeschlichen, die es in dieser extremen Form noch nicht zu sehen gab. Einmal ist Hauptprotagonist Tom an eine Art Alientechnologie gefesselt, durch die in sein Unterbewusstsein eingedrungen wird um an (angeblich) wichtige Informationen zu kommen. Hier geschieht allgemein nicht viel – ausser, dass sich viele unlogische und auffällig zufällige (das heisst, konstruiert wirkende) Momente gegenseitig aufschaukeln und ein merkwürdiges Ganzes ergeben. Und in einer anderen Episode stürzt ein Großteil des Komplexes ein, in dem es sich die Überlebenden gemütlich gemacht haben – nebenbei durch eine überhaupt nicht kommentierte Technologie – sodass man damit beschäftigt ist, verschüttete zu bergen und froh zu sein, dass es die ‚liebsten‘ wieder einmal geschafft haben. Weaver, einer der Protagonisten selbst formuliert hierbei ein Problem der Serie, indem er das ausspricht, was viele Zuschauer denken: jene immer gleich ausgehenden Katastrophen und die anschließenden Rettungen werden zum Alltag, und sind längst nichts besonderes mehr.

Neben all den inhaltlichen Problemen und Unstimmigkeiten verpasst es die Serie indes auch weiterhin, auf der handwerklichen Ebene zu überzeugen, geschweige denn zu glänzen. Ein vergleichsweise geringes Budget muss hierbei noch nichts bedeuten – es kommt immer darauf an, was man aus den gegebenen Mittel macht. Hier scheitert FALLING SKIES abermals, auch in Bezug auf die dritte Staffel: die Schauplätze wirken arg eingeschränkt und oftmals lieblos gestaltet, die Gestaltung und Animation der Mechs und Raumschiffe ist enttäuschend. Die Gestaltung der Volm, die man besser in ihren futuristisch anmutenden Anzügen hätte stecken lassen sollen, wirkt geradezu lächerlich – sodass eigentlich nur die Gestaltung der Skidder und einige Lichteffekte / -Stimmungen positiv hervorzuheben sind. Schauspielerisch bewegt sich das Ganze weiterhin auf einem konstant durchschnittlichen Niveau – das Problem ist hier viel eher in den Drehbüchern zu sehen, die es einfach verhindern dass ein nennenswertes Maß an Empathie entstehen kann.

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Fazit: Die dritte Staffel von FALLING SKIES ist ein gefühltes, kleines Stück unterhaltsamer als die zweite – doch auch die war bereits enttäuschend. All jene Hoffnungen, die man als Zuschauer möglicherweise beim Ansehen der teilweise vielversprechenden ersten Staffel hatte, können nun aller Wahrscheinlichkeit nach endgültig begraben werden. Anders als bei GAME OF THRONES kriegte man nach einer etwas flauen zweiten Staffel nämlich nicht die Kurve – sondern dümpelt weiter im Fahrwasser der unspektakulären, etwas dümmlichen und uninspirierten Sci-Fi-Kost. FALLING SKIES bleibt eine Serie für eingefleischte Genre-Fans, die derzeit nicht gerade stattlich bedient werden – und über viele, viele Schwächen hinwegsehen können um an den wenigen interessanten Serien-Momenten zu zehren. Und wenn es sich dabei bloß um die reine Story-Prämisse handelt, die irgendwann vielleicht einmal wieder aufgegriffenen werden wird – in einer der nächsten Staffeln. Bis dahin gilt es so manche Beziehungskrise zu überstehen, den ein oder anderen Geliebten Menschen knapp aus kniffeligen Notlagen zu retten, und den angeblich ‚unvermeidlichen‘ Kampf immer weiter hinauszuzögern. Warum auch nicht, wenn das Zusammenleben mit den Overlords und Skiddern so leicht fällt ? Vielleicht werden am Ende ja doch noch alle Freunde… und die Massenvernichtung der Menschheit wird als Kavaliersdelikt, als notwendiges Übel abgetan. Wie auch immer sich die Macher entscheiden werden – das Ergebnis wird viel eher kurios, als wirklich spannend oder bahnbrechend ausfallen. Sofern die Serie vorher nicht doch noch abgesetzt wird, versteht sich.


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„Das wird noch ein böses Ende nehmen.“

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