Metal-CD-Review: POWERWOLF – Preachers Of The Night (2013)

powerwolf_preachers_500

Alben-Titel: Preachers Of The Night
Künstler / Band: Powerwolf (mehr)
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Napalm Records

Alben-Lineup:

Charles Greywolf – Bass
Matthew Greywolf – Gitarre
Falk-Maria Schlegel – Keyboard
Attila Dorn – Gesang
Roel van Helden – Schlagzeug

Track-Liste:

01. Amen & Attack
02. Secrets Of The Sacristy
03. Coleus Sanctus
04. Sacred & Wild
05. Kreuzfeuer
06. Cardinal Sin
07. In The Name Of God [Deus Vult]
08. Nochnoi Dozor
09. Lust For Blood
10. Extatum Et Oratum
11. Last Of The Living Dead


Power Metal als Religionsersatz.

POWERWOLF sind wohl eine der aufstrebendsten Metal-Combos aus deutschen Landen. Seit der Bandgründung im Jahre 2003 ging es für die Wölfe steil nach oben – die gut besuchten Konzerte und die immer größer werdende Fanbase sprechen für sich. Bisher brachte es die Band auf vier allgemein gut angenommene Studioalben, zwei kleinere EP’s und ein Live-Album – die allesamt dafür sorgten, dass POWERWOLF zum markanten Aushängeschild einer ganz bestimmten Unterart des Power Metal-Genres avancierten. Wie auch immer man die stets etwas mystisch angehauchte, von kirchlich-sakralen Klängen durchzogene Musik auch bezeichnen mag, sie geht schnell ins Ohr – und sorgt dafür, dass POWERWOLF hierzulande quasi ausser Konkurrenz werkeln können und sich markant von der Masse abheben. Nun, und im Jahre 2013; soll das Ganze mit dem mittlerweile fünften Silberling gekrönt werden – PREACHERS OF THE NIGHT.

Die Musik von POWERWOLF bleibt dabei auch auf dem neuen Album gleichermaßen speziell wie leicht zugänglich – was ebenfalls als Markenzeichen der Band zu betrachten ist. Das heißt im Detail, dass man so schnell keine geeignete Vergleichsband zur Hand haben wird – andererseits aber nicht befürchten muss, auf etwas zu ungewöhnliches / musikalisch sperriges zu treffen. Ganz im Gegenteil: POWERWOLF liefern seit jeher eingängige Mitsing-Hymnen ab, die bereits beim ersten Durchlauf zünden und schlicht wunderbar funktionieren. Bringt man eine gewisse Vorliebe für den Power Metal mit, hat man mit einem Album wie PREACHERS OF THE NIGHT daher schon so gut wie gewonnen. Das Album ist temporeich, energetisch, melodisch – und serviert als besondere Zugabe die seit jeher bei der Band etablierte kirchlich-mystische Stimmung, die hauptsächlich durch den markanten Keyboardeinsatz (der nicht selten an eine Orgel erinnert) und die lateinischen Textpassagen geschaffen wird. Zusätzlich steht mit Attila Dorn ein äußerst fähiger und ausdrucksstarker Mann am Mikrofon, dem seine klassische Gesangsausbildung absolut zugute kommt. Gerade durch seinen unverwechselbaren Gesang bekommen POWERWOLF eine weitere einzigartige Komponente, die perfekt mit den Instrumentalparts harmoniert. So wirken viele der POWERWOLF-Stücke wie bessere Predigten, deren Ausdrucksstärke man sich kaum entziehen kann – und die zudem noch verdammt unterhaltsam ausfallen.

POWERWOLF sind mit ihrem sakral angehauchten Power Metal also das, was SABATON für den sogenannten War-Metal sind – ein Aushängeschild, eine Genre-bezogene Galionsfigur. Eine, die vor allem auch handwerklich und produktionstechnisch längst über alle Zweifel erhaben ist, und sich wenn überhaupt andere Kritik gefallen lassen muss. Eben solche, die gleichzeitig auch genau das beschreibt; was die Band im Kern ausmacht. Will heißen: das Konzept ist gut und unterhaltsam, doch irgendwann einmal läuft alles Gefahr, überstrapaziert zu werden. Tatsächlich ist der Band mit PREACHERS OF THE NIGHT so gesehen kein wirklich großer Wurf gelungen – wer BIBLE OF THE BEAST und BLOOD OF THE SAINTS kennt, weiss exakt was ihn auf dem neuen Album erwarten wird. Innovationen gibt es keine, man hält am altbewährten Konzept fest – was zumindest momentan noch bestens funktioniert. Und so sollte man nicht zuviel (oder zuviel neues) erwarten – sondern sich schlicht von den äußerst mitreißenden Kompositionen berauschen lassen, und einfach mal wieder so richtig abfeiern. Denn eines ist wohl klar: PREACHERS OF THE NIGHT vermittelt alles andere als schlechte Laune.

Spezifischer auf die einzelnen Titel des Albums einzugehen, erübrigt sich daher fast. Alle sind POWERWOLF-typisch, und beinhalten die markanten Band-Elemente. Unterscheidungen, respektive Abwechslung wird in Form von Tempiwechseln geboten – viele der Stücke sind im schmetternden Uptempo angesiedelt, andere dagegen im stampfenden Midtempo; wobei der Hymnen-Faktor alle gleichsam durchzieht. Mit KREUZFEUER sorgen die Wölfe dann aber doch noch für eine eher außergewöhnliche Nummer – schließlich sang man bisher nur hie und da (das heisst, einzelne Passagen oder Wortfetzen) auf deutsch. Nun hat es ein komplett in Deutsch und Latein eingesungener Titel auf ein Album geschafft – eine verdammt gute Idee, wie sich herausstellt. Wie auch bezogen auf den zweiten Titel des Albums, SECRETS OF THE SACRISTY – hier haben POWERWOLF eine wahre Hymne geschaffen, die stets kurz vor der Explosion zu stehen scheint. Ein ungewöhnlich fröhlich wirkender Refrain, das mitreissende Tempo und die Fusion aus eher Power Metal-typischen Elementen und den markanten kirchlichen Einwürfen sorgen für eine bestmögliche Stimmung und ganz großes Kopfkino. Der Rausschmeißer LAST OF THE LIVING DEAD serviert dann sogar noch einmal soetwas wie eine Ballade, und zeigt auf; dass POWERWOLF auch in den eher ruhigen Momenten absolut brillant sind.

Fazit: Besieht man SECRETS OF THE SACRISTY und die anderen 10 Titel (ein Intro, Outro oder Interludes gibt es nicht), so kann man vor allem eines feststellen: POWERWOLF liefern auf PREACHERS OF THE NIGHT letztendlich 11 starke Power Metal-Nummern ab, die alle für sich alleinstehend funktionieren und als Single ausgekoppelt werden könnten. Das heißt allerdings auch, dass Fans von epischen Geschichten oder einem wirklich zusammenhängenden Album (bei welchen die Titel beispielsweise aufeinander aufbauen, eine Entwicklung stattfindet) eher nicht auf ihre Kosten kommen werden. Genau das wäre vielleicht auch eine Idee für ein zukünftiges Album: man nehme eine historische Begebenheit (vielleicht eine, die mit der Geschichte der Kirche verbunden ist) und erstelle ein schönes Konzept-Album, welches eine große Geschichte erzählt. Denn so schön und eingängig die POWERWOLF-Nummern auch sind – sie laufen Gefahr, sich allzu schnell abzunutzen. Momentan kann man aber noch getrost behaupten: sei es drum, ein Album wie dieses gehört in jede vernünftige Power Metal-Sammlung. Die technische Perfektion, die satte Produktion und das gelungene Songwriting werden so schnell keine Langeweile aufkommen lassen.

Anspieltipps: AMEN & ATTACK, SECRETS OF THE SACRISTY, KREUZFEUER, LAST OF THE LIVING DEAD

Vergleichsbands: SABATON

85button

„Auch mit diesem Anlauf nutzt sich das altbewährte Prinzip kaum bis gar nicht ab.“

Über Kommentare Freut Sich Jeder.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.