Filmkritik: „The 25th Reich“ (2012)

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Originaltitel: The 25th Reich
Regie: Stephen Amis
Mit: Jim Knobeloch, Serge de Nardo, Angelo Salamanca u.a.
Land: Australien
Laufzeit: 85 Minuten
FSK: Ab 18 freigegeben
Genre: Action / Science Fiction
Tags: Zweiter Weltkrieg | WW2 | Reich | Soldaten | Zeitmaschine | Trash

Gott kann sich auf was gefasst machen.

Inhalt: Im Jahre 1943 findet sich ein Spezial-Einsatzkommando aus fünf amerikanischen Soldaten im australischen Outback wieder. Ihre offizielle Aufgabe lautet, zwei entlaufene Pumas einzufangen oder zu töten – die als zeremonielle Maskottchen eines Bataillons fungieren. Lediglich einer der fünf weiß indes um die wahre Mission. So ist das seltsame Gerät, welches die Truppe mitführt, mitnichten eines welches wilde Tiere anzulocken vermag – sondern eine Zeitmaschine. Mithilfe dieser will das OSS Hitler und seinem Dritten Reich ein Ende bereiten; mithilfe von einer in der Vergangenheit aufzuspürenden Technologie. Das Problem: diese gerät letztendlich doch noch in die falschen Hände, und sorgt dafür dass Hitler in seiner Macht nur noch bestärkt wird. Nun liegt es an den verbleibenden amerikanischen Soldaten, Hitler doch noch aufzuhalten. Allerdings nicht in den 40er Jahren – die Zeitmaschine schickt die Soldaten 200 Jahre zu weit in die Zukunft.

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Kritik: THE 25TH REICH bringt grundsätzlich alles an Vorraussetzungen mit, die ein guter Trashfilm braucht. Die makabere Grundidee (von Autor J.J. Solomon) um Zeitreisen, die unmittelbar mit dem Zweiten Weltkrieg und dem Schrecken des Naziregimes verbunden sind, erscheint vielversprechend – und das Filmteam trotz geringem Budget und eingeschränkten Möglichkeiten ambitioniert. Hinzu kommt das schräg-stylische Cover, die reichlich Unterhaltung versprechende Inhaltsangabe (die falsch ist, wie sich herausstellt) – hier muss doch einfach ein halbwegs anständiger Nazi-Trasher drin sein. Alle Zeichen stehen also auf grün – bis THE 25TH REICH dann nach einer noch recht gelungenen Intro-Animation tatsächlich beginnt. Ist der vom Verleiher Great Movies (warum schon vorsichtig sein bei einem solchen Namen…) vertriebene Klamauk etwa doch nicht so unterhaltsam wie versprochen ?

Klar ist, dass im Trashfilm-Bereich andere Regeln gelten als bei Hollywood-Blockbustern. Doch kann man selbst Trashfilmen einen gewissen Anspruch nicht absprechen – auch hier gibt es gute und eher schlechte Machwerke, die sich in Sachen Inhalt, Inszenierung und vor allem Handwerk stark voneinander unterscheiden. Zu welcher Sorte Trash THE 25TH REICH gehört, bleibt deswegen auch nicht lange ein Geheimnis. Hier handelt es sich um billig-plumpe Unterhaltung der eher unerträglichen Sorte – ganz im Stile der ständigen The Asylum-Filmkopien, die lediglich aufgrund der produktionsbezogenen Dreistikeit beeindrucken können, letztendlich aber allesamt aufgrund fehlender Innovationen und katastrophalen Umsetzungen scheitern. Immerhin ist THE 25TH REICH keine direkte Filmkopie, was ihm eigentlich zugute kommen sollte – doch ist die Machart und Herangehensweise letztendlich doch identisch mit der der Trash-Schmiede The Asylum.

Das bedeutet in erster Linie, dass man THE 25TH REICH das geringe Budget zu jedem Zeitpunkt ansieht. An sich ist das noch kein Negativkriterium, schließlich kann man auch aus wenigen Mitteln verhältnismäßig großes erschaffen – doch leider gibt man sich in diesem Fall kaum Mühe, die offensichtlichen Mängel zu kaschieren oder auf irgendeine Art und Weise (zum Beispiel schlicht: mit Inhalt) auszugleichen. So bleibt der Film über lange Zeit überraschend langatmig, präsentiert kaum gute Ideen, und lässt zudem ein jedwedes handwerkliches Geschick schmerzend vermissen. Die Schnitte und Übergänge wirken wie aus einem heimischen PC-Videostudio, das Timing ist schlecht, die Kulissen unspektakulär. Denn: einen Großteil des Films drehte man in der australischen Natur. Wer also erwartet, wie versprochen ein wie auch immer geartetes ‚Reich‘ zu sehen (gerade das will man doch in einem solchen Machwerk), wird bitter enttäuscht werden. Der Film hält letztendlich nicht was er verspricht – sondern ist eine regelrechte Mogelpackung.

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Lediglich in den letzten Minuten des Films landen die Protagonisten tatsächlich im 25TH REICH, von dem man indes nicht viel zu sehen bekommt – eine handvoll riesiger Nazi-Spinnenroboter und eine kläglich animierte Ansicht einer Basis bilden hier die Ausnahme. Dreist: anstatt zum Finale hin doch noch einmal richtig durchzustarten, vertröstet man den Zuschauer tatsächlich auf einen (potentiellen) zweiten Teil. Wer den, nach dem äußerst misslungenem ersten allerdings noch sehen will, bleibt fraglich. Bitter: sieht man sich das zusätzlich auf der DVD enthaltene Bonusmaterial an, entsteht der Eindruck; dass die Macher mit einem Werk wie diesem tatsächlich ernst genommen werden wollen.

Und dennoch ist THE 25TH REICH – auch wenn das nicht mehr viel rettet – ein stückweit erträglicher, respektive sehenswerter als etwaige The Asylum-Filmverschnitte. Das ist vor allem dem raubeinigen Cast zu verdanken, der die eindimensionalen und klischeehaften Rollen bestmöglich verkörpert – und sei es nur mit einem markanten Gesichtsausdruck oder dem herrlich übertriebenen Kaugummi-Kauen (Stichwort US-Amerikanische Soldaten). Auch entstehen hie und da einige nette Dialoge, die einstweilen recht unterhaltsam ausfallen können. Problematisch ist nur, dass sie kaum mit dem eigentlichen Film / der eigentlichen Idee zu tun haben, sondern sich auf zwischenmenschliche Schwierigkeiten innerhalb der Soldaten-Truppe beziehen; die genauso gut in jedem anderen Film einen Platz finden könnten. Sobald es auch nur ansatzweise um die Nazis, die eingesetzten Technologien und das spätere ‚Reich‘ geht, kann man dagegen getrost die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Lacher sind aufgrund der mangelhaften Ideen und der schlechten Umsetzung kaum vorgesehen, nicht einmal unfreiwillige.

Fazit: Es gibt viele Wege, um die Qualität und den Unterhaltungsfaktor eines Films (subjektiv )zu bemessen. Einer davon könnte sein, sich die Frage zu stellen, was genau von einem Film hängengeblieben ist; in Erinnerung bleibt. Bei THE 25TH REICH sind das in erster Linie eher unschöne Dinge: die schrecklichen Effekte und Animationen (die prähistorischen Tiere, die Riesenmücken, die Nazi-Roboter), die allgemeine Ideen-Armut, die unglaubwürdige ‚Enttarnung‘ eines Protagonisten (die den Haupt-Twist des Films ausmacht), die viel zu langen Durststrecken und die damit verbundene Dreistigkeit, einen Großteil der Handlung auf einen potentiellen zweiten Teil zu verschieben. Ebenfalls in Erinnerung bleibend, aber kaum zu werten: eine Szene, in der sich ein nunmehr in einen Nazi-Roboter umgewandelter Soldat an einem alten Kameraden rächt, auf eine ziemlich geschmacklose Art und Weise. Davon abgesehen bleibt der Film aber überraschend harmlos und blutarm, und hat somit auch hinsichtlich etwaiger Trash-Schauwerte wenig bis gar nichts zu bieten. Auf der positiven Seite gibt es dagegen kaum etwas hervorzuheben – die herrlich übertriebene Ambition der Nazis, sich einem Kampf mit niemand geringerem als Gott (auf multidimensionaler Ebene) zu stellen; ist wohl das einzig geniale an diesem Machwerk. Vielleicht wagt sich ja in Zukunft ein anderer Filmemacher an diese abstruse Idee ?

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„Technisch beschämender Nazi-Klamauk der übelsten Sorte“

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