Metal-CD-Review: DREAMTALE – Beyond Reality (2002)

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Alben-Titel: Beyond Reality
Künstler / Band: Dreamtale (mehr)
Land: Finnland
Stil / Genre: Melodic Power Metal
Label: Spinefarm Records

Alben-Lineup:

Rami Keränen Vocals, Guitars
Petteri Rosenbom Drums
Turkka Vuorinen Keyboards
Alois Weimer Bass
Esa Orjatsalo Guitars

Track-Liste:

1. The Dawn (4:05)
2. Memories Of Time (4:44)
3. Fallen Star (4:25)
4. Hearts Desire (8:08)
5. Where The Rainbow Ends (5:01)
6. Time Of Fatherhood (5:23)
7. Dreamland (3:35)
8. Call Of The Wild (5:24)
9. Dancing In The Twilight (4:57)
10. Refuge From Reality (4:46)
11. Silenth Path (4:52)
12. Farewell… (7:17)

Sternstunden des Melodic Power Metal.

Die finnische Power Metal-Band DREAMTALE feierte bereits im Jahre 1999 ihre Auferstehung. Nach 2 Demos folgte 2002 endlich das heiß erwartete, heute vorgestellte Debütalbum BEYOND REALITY – so gesehen ein unscheinbares Album einer gerade erst auf der Bildfläche erschienenen Band. Schließlich gab es auch 2002 genügend andere Bands, die sich einer ähnlichen Spielart verschrieben hatten, und schon ungleich bekannter und / oder etablierter waren. So hatten DREAMTALE keinen allzu leichten Start – sie mussten sich nicht nur gegen eine schiere Masse von Kunkurrenzbands durchsetzen, sondern sich auch zahlreiche Vorwürfe hinsichtlich eines musikalischen Klondaseins gefallen lassen. Glücklicherweise gab es damals wie heute einige wenige, die das wahre Potential der Band erkannt und nicht den Fehler gemacht haben, DREAMTALE expliziterweise als Nachahmer zu bezeichnen. So wurde das Album über das bekannte Metal-Label Spinefarm Records auf den Markt gebracht, und erhielt zumindest teilweise gerechtfertigte Rezensionen. Eben solche, die sich nicht in allzu vorschnellen Bandvergleichen verhaspelten, und DREAMTALE als das betrachteten, was sie waren: als eine enorm talentierte Newcomer-Band.

Sollte man das Debütalbum BEYOND REALITY dennoch mit den Veröffentlichungen anderer Bands vergleichen, oder sich auf eine musikalische Ursprungssuche begeben wollen, so kann man dies mit Leichtigkeit tun – auch ganz ohne zu pauschalisieren. DREAMTALE stammen aus Finnland; sodass beinahe kein Weg an potentiellen Vorbildern a’la STRATOVARIUS oder SONATA ARCTICA vorbeiführt – Bands, von denen sich streng genommen unzählige andere die ein oder andere Scheibe abgeschnitten haben. Ob sich die Bandmitglieder von DREAMTALE nun tatsächlich von dieser Musik haben beeinflussen lassen, das können sie uns nur selbst sagen – Fakt ist, dass sie auf ihrem Debütalbum vergleichsweise eigenständig und vor allem sehr ambitioniert klingen. Sie sind also kein Vergleich zu Bands wie INSANIA aus Schweden – die auf ihrem ersten und zweiten Album eigentlich nichts anderes machten als HELLOWEEN nachzueifern  (und dennoch eine Band von gewisser Größe wurden). Das markante und besondere an der Bandgeschichte von DREAMTALE ist also zwangsläufig, dass sie im Gegensatz zu vielen anderen Kollegen gleich absolut hochkarätig durchstarteten – und das somit etablierte Niveau kontinuierlich und über die vielen Jahre halten konnten, bis zum zuletzt veröffentlichten 2013’er Werk WORLD CHANGED FOREVER (Review).

2002 war aber eben doch alles noch ein klein wenig anders, vor allem was die Besetzung betrifft. Gitarrist und Gründungsmitglied Rami Keränen spielte hier nicht nur die Leadgitarre, sondern übernahm auch den Gesang. Da dies aber nicht sein angestammter Posten war, holte er sich Unterstützung ins Boot – in Form von Marco Hietala (TAROT) und Sanna Natunen. Alle anderen Bandmitglieder, die auf BEYOND REALITY vertreten sind, haben die Band übrigens im Laufe der Jahre verlassen – mit Ausnahme von Drummer Petteri Rosenbom, der 2010 nach einer 5-jährigen Pause zu DREAMTALE zurückkehrte. So kommt ein ganz spezielles Gefühl der Nostalgie hinzu, entdeckt man das Album erst heute, beziehungsweise aus heutiger Sicht – so wie hier sollten DREAMTALE nie wieder auftreten, und demnach auch nicht mehr klingen.

Doch zum eigentlichen Album, und den insgesamt 12 vertretenen Titeln. Auffällig ist, dass man grundsätzlich auf eine typische Strukturierung im Power Metal-Stil verzichtete: das Intro ist mit über 4 Minuten Laufzeit ein überlanges, Interludes gibt es keine; das Outro ist mit über 7 Minuten der zweitlängste (vollwertige) Track des Albums. Im eben genannten Intro THE DAWN gibt man sich noch zurückhaltend und lässt hauptsächlich ein Piano und dezente symphonische Komponente durchklingen. Später folgt noch der kure Einschub einer Erzählstimme und der Einsatz von Gitarre, Schlagzeug und Keyboard; sodass man erstmals erahnen kann, welch melodiöses Feuerwerk den Hörer auf BEYOND REALITY am ehesten erwarten könnte. Ohne Zweifel erfährt man kurz darauf, dass heißt im Opener MEMORIES OF TIME, Bestätigung: mit einer Riesenportion Charme zelebrieren die Finnen hier einen lebendig-energetischen Power Metal, der irgendwo wischen einer transportierten Freude und Melancholie balanciert. Überraschend ist vor allem die Produktionsqualität, die in Anbetracht eines Debütalbums recht satt, druckvoll und ausgewogen daherkommt. Der Vorteil: die treibenden Uptempo-Strophen, die Instrumentalpassagen und der leicht sphärische Refrain mit Backgroundgesängen und Keyboard klingen jeweils bombastisch, und ergeben letztendlich auch ein stimmiges Ganzes mit starken Übergängen.

Mit FALLEN STAR zeigen DREAMTALE nun erstmals die der Band in Zukunft so oft zugesprochene Bandbreite an verschiedenen Einflüssen und Richtungen auf; sodass es einstweilen schwerfällt, den Titel in eine einzige Schublade einzusortieren. Die Nummer ist sicher nicht die schnellste, aber doch flotter als ein Midtempo-Stück. Die weiblichen Gastgesangs-Einschübe könnten dagegen auch recht gut zu einer Ballade passen, sodass ein recht reichhaltiger, abwechslungsreicher Gesamteindruck entsteht. Jene Reichhaltigkeit wird im folgenden HEART’S DESIRE dann noch einmal auf die Spitze getrieben: hier wirkt es tatsächlich so, als würden zwei oder drei verschiedene Titel miteinander verschmelzen. Das ist auch das richtige Stichwort: denn trotz der Tempi-, Stimmungs- und in diesem Fall sogar Sängerwechsel (Marco Hietala performt hier erstmals ausführlicher) sind alle Passagen absolut miteinander kompatibel und ergeben ein stimmiges Ganzes. Als besonders auffällig und extrem stark kristallisiert sich in diesem Fall schnell der allgemeine Instrumentalpart heraus: das ist europäischer Power Metal wie er klingen sollte – treibend, gitarrenlastig, emotional. In jene Kerbe der Emotionalität schlägt dann auch der Refrain, der separat betrachtet einer Ballade entstammen müsste; im Zusammenspiel mit den abwechslungsreichen Strophen aber lediglich den Ruhepol des Songs markiert.

In den ersten Sekunden von WHERE THE RAINBOW ENDS glaubt man sich dann plötzlich in einem ganz anderen Genre – bis das Instrumentenspiel und der wahnsinnig starke Gesang von Marco Hietala einsetzt. Ohne Zweifel handelt es sich hier um eine der stärksten Nummern des gesamten Albums – selbst hören und überzeugt werden. TIME OF FATHERHOOD geht daraufhin am ehesten als ‚echte‘ Ballade durch – wenn auch eine mit vergleichsweise ordentlich Schmackes im Midtempo-Bereich. Doch dann folgt DREAMLAND – die Nummer, auf die man eventuell gewartet hat. Auch wenn es sich um eine vergleichsweise simple Uptempo-Nummer handelt – schneller, hymnischer und vor allem erhabener klingen DREAMTALE auf BEYOND REALITY zu keinem Zeitpunkt, woran auch der geniale Refrain einen nicht unerheblichen Anteil hat. Die Überraschung: in den verbleibenden Titeln ziehen DREAMTALE noch einmal ordentlich an, was sowohl das Tempo als auch die Hymnentauglichkeit betrifft. Das rasante CALL OF THE WILD begeistert mit den dezenten Growl-Einschüben und dem Hammer-Refrain, DANCING IN THE TWILIGHT durch die geniale Melodie und die nun auch mal folkigen Klänge, REFUGE FROM REALITY durch die geballte Kraft der Instrumentierung und die energisch vorgetragenen Strophen. Satte Instrumentalparts und Soli haben sie ohnehin alle gemeinsam. Erst mit SILENT PATH und dem abschließenden FAREWELL wird es wieder etwas ruhiger – hier erwarten den Hörer noch zwei solide Balladen, die hauptsächlich vom weiblichen Gastgesang getragen werden. Wobei FAREWELL eigentlich mehr ist als eine Ballade – die Nummer klingt schön episch und wird durch allerlei symphonische Komponente aufgewertet. Der perfekte Rausschmeißer !

Fazit: Debüt-Alben sind immer etwas besonders, stellen sie doch nicht weniger als die erste markante Grundsteinlegung einer Band dar. Trotz dessen, dass sich solche Alben (gerade bei später ungleich erfolgreicheren Bands) einen Ehrenplatz verdient haben, ist qualitativ nicht immer von einem Durchbruch zu sprechen. Mal ist die Produktionsqualität (Mangel an Geld und Möglichkeiten) eher mau, mal das Instrumentenspiel noch nicht so meisterlich, mal der Leadsänger (noch) nicht auf der Höhe. Auch das hat etwas Gutes: im späteren Werdegang kann (und meistens: wird) die Band noch ordentlich nachlegen, und sich immer weiter steigern. Es gibt jedoch auch andere, eher seltene Fälle – solche, bei denen bereits das Debüt kaum oder keine Wünsche offen lässt, un abhängig davon ob noch weitere Alben folgten oder nicht. Neben INTO THE ENCHANTED CHAMBER von TIMELESS MIRACLE oder CONQUISTADOR von OLYMPOS MONS reiht sich nun auch DREAMTALE’s BEYOND REALITY in die diesbezügliche Bestenliste ein – zumindest wenn man vom Genre des Melodic Power Metal spricht und kein Problem mit regelrechten gute-Laune-Hymnen a’la FREEDOM CALL hat. Ganz mit der Debüt-Konkurrenz mithalten können DREAMTALE dann aber doch nicht, weshalb keine Höchstwertung vergeben wird. Kleinere Schwächen im Leadgesang und der Produktion bilden hier den Tropfen auf dem heißen Stein. Ein absolutes Muss !

Anspieltipps: MEMORIES OF TIME, HEART’S DESIRE, WHERE THE RAINBOW ENDS, DREAMLAND, CALL OF THE WILD

Vergleichsbands: STRATOVARIUS | FREEDOM CALL | SONATA ARCTICA

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„Ein überaus starkes, markantes Debütalbum“

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