Filmkritik: „X-Men – Erste Entscheidung“ (2011)

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Originaltitel: X-Men: First Class
Regie: Matthew Vaughn
Mit: James McAvoy, Michael Fassbender, Kevin Bacon u.a.
Land: USA
Laufzeit: 132 Minuten
FSK: Ab 12 freigegeben
Genre: Action / Sci-Fi
Tags: X-Men | Mutanten | Mutationen | Magneto | Wolverine | Kampf

Nichts neues aus dem kunterbunten Mutanten-Stadl.

Inhalt: Im Nazideutschland des Jahres 1944 wird der kleine Erik mit einem Mutationsforscher namens Sebastian Shaw (Kevin Bacon) konfrontiert. Der droht, seine Mutter zu erschießen, wenn er nicht noch einmal eine zuvor beobachtete Fähigkeit einsetzen würde – die der Telekinese. Etwa zeitgleich trifft der kindliche Telepath Charles Xavier in den USA auf ein blauhäutiges Doppelgänger-Mädchen namens Raven und schließt Freundschaft mit ihr. Jahre später, in den 1960ern, lebt Charles (James McAvoy) noch immer mit Raven (Jennifer Lawrence) zusammen und feilt an einer Doktorarbeit über den nächsten Evolutionssprung in der Geschichte der Menschheit; bei dem mit aussergewöhnlichen Fähigkeiten augestattete Menschen wie er eine enorme Rolle spielen. Bald darauf kreuzen sich die Wege von Charles und Erik – die ein gemeinsames Ziel zu verbinden scheint. Beide wollen Shaw das Handwerk legen; auch, da er langsam aber sicher zu einer Bedrohung für die Allgemeinheit avanciert ist. Mithilfe eines perfiden Plans will er die beiden Supermächte USA und die Sowjetunion zu einem Dritten Weltkrieg zwingen – ein Plan, den nur noch Charles, Erik und eine frisch rekrutierte Mutanten-Truppe vereiteln können…

Kritik: Es wird immer epischer im und um das X-MEN-Universum herum – zumindest was den inhaltlichen Umfang des Franchises betrifft. Neben der schieren Anzahl von Filmen, die seit der filmischen Wiederauferstehung im Jahr 2000 (X-MEN von Brian Singer) wie Pilze aus dem Boden zu sprießen scheinen; und selbstverständlich der Widmung einzelner Filme für besondere Charaktere (siehe X-MEN ORIGINS) wagt man nun auch einen Blick zurück – und erzählt, wie es eigentlich zur Spaltung innerhalb der bunten Mutanten-Truppe gekommen ist. Schließlich stehen sich Magneto und Professor Xavier im X-Men-Film aus dem Jahre 2000 feindlich gegenüber; während man sie in X-MEN: ERSTE ENTSCHEIDUNG noch – oder sollte man eher sagen erstmals – als beste Freunde sieht. Doch nicht nur quasi vorprogrammierte charakterbezogene Konflikte gibt es hier zu bestaunen – vielmehr dreht sich die ERSTE ENTSCHEIDUNG um ein abenteuerliches Story-Konstrukt, welches vom Zweiten bis hinein in einen potentiellen Dritten Weltkrieg reicht. Da bleibt eben kaum Zeit sich auch noch damit zu beschäftigen, wie die Menschheit darauf reagiert, dass sich unter uns lebende Mutanten erstmals als solche zu erkennen geben – auch wenn der Film gerade damit wirbt.

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Fakt ist, dass die X-MEN Filmreihe zu den besseren Comicbuch-Verfilmungen gehört; Fans und Kritiker waren sich diesbeüzglich selten so einig. Klar ist allerdings auch, dass die X-MEN-Filme hauptsächlich – wenn nicht gar ausschließlich – für ein Publikum gemacht sind, welches einer enormen Affinität in Bezug auf Superheldenfilme nicht entbehrt. Das heißt: allein in optischer Hinsicht werden sich Freunde des kunstvollen, anspruchsvollen Films alles andere als wohlfühlen bei einem eher auf schnellen Eyecatchern und Hollywood-Bombast getrimmten Genuss wie X-MEN: ERSTE ENTSCHEIDUNG. Schließlich besteht die Bilderflut auch hier zumeist aus plumpen Animationen und Effekten, die in ihrer Wirkungskraft in keinerlei Verhältnis zum eigentlichen Kostenfaktor stehen. Optisch stark gewöhnungsbedürftige Mutanten stolzieren hier alle naselang über die Bildfläche – und geben ihre Fähigkeiten zum Besten, was einstweilen komischer aussehen und wirken kann, als es eventuell beabsichtigt war.

Was diesem Aspekt noch zuspielt ist die Tatsache, dass sich ERSTE ENTSCHEIDUNG teils sehr ernst nimmt – ein wie auch immer geartetes Augenzwinkern (ob seitens der Macher oder des Zuschauers) a’la IRON MAN ist so kaum möglich. Gerade diese vermeintlich anspruchsvolle Herangehensweise ist es auch, die den Film schnell als Highlight disqualifiziert. Zwar würde allein die wenig durchdacht wirkende optische Gestaltung (angeblich spielt der Film in den 60ern – nur sieht man nichts davon) hinreichend genügen, den vermeintlich anspruchsvollen Unterton erfolgreich zu konterkarieren – doch belässt man es nicht allein dabei. Die ERSTE ENTSCHEIDUNG will mehr – und versucht so ständig, mehr als ein bloßer Superheldenfilm mit reinen Schauwerten zu sein. Besonders auffällig wird das, wenn man krampfhaft versucht die Geschichte der X-MEN erstmals explizit mit einem potentiellen Weltkrieg zu verbinden. An sich eine gewagte, aber vielleicht gar nicht so schlechte Idee – doch hapert es an der Umsetzung und dem katastrophalen Drehbuch. Letztendlich läuft eben alles doch darauf hinaus, dass ein Dritter Weltkrieg im Sinne des Bösewichts nicht nötig gewesen wäre – schließlich verfügt er allein über genug Macht, um seine perfide Vision in die Realität umzusetzen. Warum es also überhaupt einen Plan A (den Weltkrieg, hervorgehend aus dem Kalten Krieg) gebraucht hat, wird nicht ganz verständlich. Nach dessen Scheitern bleibt ein eher handelsüblicher Plan B – der damit vereitelt werden kann, dass der Bösewicht ausgeschaltet wird. Punkt, und Ende.

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Ende ? Nicht ganz. Schließlich versucht X-MEN nun, die somit entstandene Leere möglichst sinnig zu füllen. Dies geschieht in diesem Fall mit den Charakterporträts und deren Interaktion – nur wirken diese eher plump und konstruiert, als dass sie wirklich zu über den Film hinausgehenden Gesprächsstoff sorgen könnten. Das ist schade – zumal man gerade dies erreichen wollte, indem man die Mutanten und die Menschen erstmals aufeinandertreffen ließ. Das Aufeinandertreffen bedeutet hier allerdings nicht nur, dass es zu einer tatsächlichen Konfrontation kommt, wie zum herrlich übertriebenen und übereilten Ende – schließlich legt man auch ein Augenmerk auf das Innenleben der Mutanten. Diese Darstellung gelingt – bis auf zwei Ausnahmen im Falle von Raven (Jennifer Lawrence) und Erik (Michael Fassbender) – leider kaum. Entweder, es fehlt an der nötigen Screentime (wie etwa gefühlt bei Hank McCoy, gespielt von Nicholas Hoult); oder aber man reduziert sich in einem besonderen Maße auf das absolut nötigste. So wirken vor allem zwei der Hautphelden / Hauptschurken arg blass, eindimensional und lediglich dem schnellen Tempo des Films dienlich: Sebastian Shaw (Kevin Bacon) und Charles (James McAvoy).

Fazit: Zusammenfassend kommt man kaum umher, X-MEN: ERSTE ENTSCHEIDUNG ein eher negatives Gesamturteil auszustellen – ob man sich nun als expliziter Fan des Franchises bezeichnen würde, oder nicht. Die Produktion wirkt in vielerlei Hinsicht viel zu unausgegoren (Optik, Kulissen, Kostüme); was bei einem millionenschweren Projekt wie diesem kaum zu entschuldigen ist – und auch inhaltlich gibt es viele Ärgernisse. Angefangen bei der unglaubwürdigen, selbst im eigenen Film-Sinne unnötigen Verschmelzung des X-MEN-Universums mit dem des Kalten Krieges über die noch viel zu mauen Charakterporträts bis hin zum vermeintlich anspruchsvollen Unterton – die ERSTE ENTSCHEIDUNG versucht vieles, scheitert dabei aber kläglich. Schließlich könnte jeder andere, x-beliebige Actionfilm welcher auch nur ansatzweise Mutanten oder generell andersartige Menschen im Plot vorsieht, einen potentiellen Konflikt von eben jenen und dem gemeinen Volk besser veranschaulichen und mehr Fragen aufwerfen als der neueste X-MEN. Es bleibt bei einer Empfehlung für Superheldenfreunde und solche, denen es einfach nicht bunt genug in einem Film zugehen kann. Deutlich bessere, mögliche Alternativen sind WATCHMEN (Kritik) oder eventuell noch die AVENGERS (Kritik).

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„Entweder man liebt das X-Men-Universum, oder man hasst es“

Ein Gedanke zu “Filmkritik: „X-Men – Erste Entscheidung“ (2011)

  1. Hab ich gestern auch geschaut. Man hätte mehr draus machen können. Vor allem auch der Schluss!! auf einmal alle gegen die Mutanten, kam mir etwas unüberlegt schnell vor! komische Handlung. und und und
    na dann auf eine neuen Teil kommt ja bald haha.

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