TV-Kritik / Serien-Review: GAME OF THRONES (Staffel 3)

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Land: USA – Idee & Produktion: David Benioff, D. B. Weiss – Stil: Epische Mythologie-/ Fantasy-Serie

Die Liste der Episoden aus Staffel 3 (Länge zwischen 53 und 62 Minuten):

2×01 – Valar Dohaeris | Valar Dohaeris
2×02 – Dark Wings, Dark Words | Dunkle Schwingen, Dunkle Worte
2×03 – Walk of Punishment | Der Weg der Züchtigung
2×04 – And Now His Watch is Ended | Und jetzt ist seine Wache zu Ende
2×05 – Kissed by Fire | Vom Feuer geküsst
2×06 – The Climb | Der Aufstieg
2×07 – The Bear and the Maiden Fair | Der Bär und die Jungfrau Hehr
2×08 – Second Sons | Die Zweitgeborenen
2×09 – The Rains of Castamere | Der Regen von Castamere
2×10 – Mhysa | Mhysa

Auf jede Talfahrt folgt im besten Fall ein erneuter Aufstieg.

Inhalt: In Westeros sieht es nicht gut aus für all jene, die sich gegen die Lannister-Familie stellen. Einer der ärgsten Widersacher der Königsfamilie, Stannis Baratheon; wurde erst kürzlich vernichtend in der Schlacht von Blackwater geschlagen. Und obwohl er die Kämpfe mit viel Glück überlebte, scheint sein Feldzug gegen die jetzigen Herrscher auf Kings Landing vorerst auf Eis gelegt zu sein. So herrschen die Lannisters weiterhin über das Land, spinnen Intrigen und nutzen die momentanen Tage der Ruhe, um weitere wichtige Bündnisse zu knüpfen. Gerade erst haben sie sich mit dem Haus Tyrell verbündet – König Joffrey soll die Tochter der Familie, Margaery Tyrell heiraten und so das Bündnis der beiden mächtigsten Häuser im Reich bekräftigen. Die nächste akute Gefahr für das Königshaus geht derweil von Robb Stark und seinen Nordmännern aus – die seit Tagen durch das Land gen Süden ziehen, um eines Tages einen Sturm auf die Hauptstadt zu wagen. Doch dafür müssten sie erst weitere Verbündete für sich gewinnen – was dadurch erschwert wird, dass Robb sich ausgerechnet mit einer Fremden vermählt hat; und nicht wie versprochen mit einer der Töchter von Walter Frey. Robbs jüngere Geschwister Bran, Rickon und Arya befinden sich derweil auf ihren ganz eigenen Odysseen durch Westeros, und sind dabei zahlreichen Gefahren ausgesetzt. Auch Jamie Lannister und Brienne von Tarth befinden sich auf der Reise – im Auftrage von Robbs Mutter, Jamie soll gegen ihre immer noch in Königsmund verweilende Tochter Sansa eingetauscht werden. Doch bahnt sich im weiteren Umfeld von Westeros noch viel größeres an: hoch im Norden ziehen die Weißen Wanderer umher und scharen zahllose Untote um sich, während Daenerys Targaryen auf dem Nachbarkontinent Essos versucht, eine Armee zusammenzustellen.

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Was ist es schön hier… doch unterschwellig brodelt es, wieder mal.

Kritik: Nun also ist es soweit – die dritte Staffel der erfolgreichen TV-Serie GAME OF THRONES wurde vollständig in den USA ausgestrahlt. Auch die deutsche Fassung läuft bereits, und wird bald mit der 10ten Episode abgeschlossen werden – zumindest im Pay-TV. Bis es zu einer entsprechenden Ausstrahlung im Free-TV kommen wird, werden wie gewohnt noch einige Wochen oder Monate vergehen. Während sich Serien-Fans sicherlich schon ein Bild der neuen Staffel gemacht haben; soll an dieser Stelle festgestellt werden, ob es sich auch für alle anderen lohnt auf das TV- oder später auch DVD- und BluRay-Release zu warten. Es gilt jedoch vorab zu erwähnen, dass es dabei weniger Sinn macht auf die tatsächlichen Inhalte der Serie einzugehen – zumal die Buchvorlagen dem Rezensenten (zwecks etwaiger Vergleiche) nicht vorliegen. Vielmehr soll es darum gehen wie das gezeigte wirkt und ob es nicht Dinge gibt, die man hätte besser machen können – beispielsweise in Bezug auf die Art der Inszenierung.

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Auch, oder gerade Königsmörder haben ein Herz…

Wie viele wisssen basiert GAME OF THRONES auf einer Romanvorlage von George R. R. Martin – einer Vorlage, die zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen ist. Fünf Bänder sind derzeit erscheinen – zwei weitere sind in Planung. Das bedeutet, dass nach aktuellem Stand noch mindestens drei weitere Staffeln gedreht werden könnten, bevor den Machern das Material ausgeht. Moment, noch drei wenn bereits drei erschienen sind ? Tatsächlich gibt es in Bezug auf die dritte Staffel eine Neuerung. Während die ersten beiden Staffeln passenderweise auch auf die ersten beiden Originalbänden Bezug nahmen, deckt die dritte nur etwa die Hälfte des dritten Bandes ab. Die demnächst folgende vierte Staffel wird also noch einmal auf den dritten Band zurückgreifen und ihn abschließen. Der Grund dafür ist simpel: laut Aussage der Macher war das vorliegende Material einfach zu umfangreich, um es auf 10 Folgen zusammenzustauchen.

Die Frage ist nun also unter anderem ob es wirklich ein kluger Schachzug war, sich vom bisherigen Konzept zu entfernen und den dritten Originalband auf zwei Staffeln aufzuteilen. Sicher handelte es sich schon seit jeher (und seit der ersten Staffel) um keine detailgetreue Umsetzung des Buchstoffes, was letztendlich auch gar nicht möglich ist. Im Film- und TV-Universum gelten eben ganz andere Gesetze – was nun auch die dritte Staffel von GAME OF THRONES zu spüren bekommt. In der Tat: auch dieses Mal könnten wieder einige geteilter Meinung sein was den vermittelten Gesamtumfang der Serie betrifft. Fest steht, dass die Bücher vergleichsweise komplex und reichhaltig sind – die Serie diesem Eindruck aber nicht durchgängig gerecht wird. Zwar orientiert man sich oftmals direkt am Buch und versucht soweit wie möglich, eine ähnliche Erzähldichte und vor allem auch Charaktervielfalt anzubieten, doch wirkt auch die dritte Staffel an vielen Stellen etwas blutleer und wenn man so will überbrückend. Oftmals hat man schlicht das Gefühl, als würden die Dinge die gerade gezeigt werden von keiner besonderen Bedeutung sein – da sie den Zuschauer ohnehin nur auf das nächste größere Ereignis vorbereiten. Eben so, wie es auch mit dem Cliffhanger von der zweiten zur dritten Staffel (Invasion der Weißen Wanderer) gehandhabt wurde. Das Problem: vergleicht man das Ende der zweiten Staffel mit dem Beginn der dritten; so sieht man, dass jene potentiellen Versprechen wirklich bahnbrechendes zu zeigen, nicht wirklich eingehalten werden. Ganz unabhängig von der Vorlage ist dies ein Gefühl, dass man hätte umgehen können – indem sich ein wenig mehr aus dem Fenster gelehnt hätte und GAME OF THRONES etwas untypischer, aber genauso qualitativ inszeniert hätte. Denn: nicht jede Serie verträgt ein derartiges Spiel des Vertröstens und Überbrückens, besonders wenn man immer wieder ein großes Highlight als ein eben solches postuliert. Viel besser wäre es doch ein Gefühl zu vermitteln, dass in wirklich jeder Szene mehr Bedeutsamkeit schlummert als es den Anschein hat.

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Nicht nur auf Westeros braut sich etwas zusammen.

Aber: ganz so gravierend ist das – in Bezug auf die vorliegende dritte Staffel – nicht. Denn so liegt es vor allem an den kleineren Ereignissen und Zwischenspielen, die Spannung der Serie aufrecht zu erhalten. Das gelingt nach wie vor überraschend gut – ganz ähnlich wie zuvor schon in der zweiten Staffel. Will heissen: GAME OF THRONES bleibt auch in der dritten Runde eine sich mehr und mehr aufbauende, aber niemals zum großen Schlag ausholende TV-Serie. Wobei jenes niemals gegen Ende der dritten dann doch (und erstmals) eine größere Ausnahme macht: die sogenannte Rote Hochzeit hat es in vielerlei Hinsicht in sich, und dürfte so manchem Serien-Fan die Sprache verschlagen. Noch mehr von derartigen Wow-Momenten finden sich aber (noch) nicht – sodass man entweder auf die nächsten Staffeln; oder spätestens das ganz große Finale warten muss. Gesetzt dem Fall, man ist auf derlei Höhepunkte aus und kann sich auch mit dem plötzlichen Ableben ehemaliger Hauptfiguren arrangieren – alle die es eher gediegen mögen, werden in GAME OF THRONES weiterhin bestens versorgt. Ganz oben stehen dabei die typischen Lannister-Machtspielchen, sowie das Porträt aller damit einhergehenden Charaktere. Ebenfalls nach wie vor ganz vorne mit dabei: das Aufbegehren der einzelnen Parteien die den Thron jeweils für sich beanspruchen, sowie der serientypische (Erzähl-)Wechsel zwischen den verschiedenen Fraktionen.

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Finster flüstert die rote Frau…

Doch hat GAME OF THRONES neben den größeren Fraktionen auch kleinere, stillere Helden. Gerade das macht mitunter auch den Reiz der Serie aus – wie grundsätzlich immer, wenn es um das Schicksal einer jüngeren Generation geht die teils direkt in einen Konflikt verstrickt sind. Jenen Abenteuern der jüngeren Protagonisten wird in Staffel 3 nun endlich wieder mehr Aufmerksamkeit geschenkt – glücklicherweise. Es ist spannend, der Reise der schlagfertigen Arya beizuwohnen die sich mit so manch finsterer Gestalt konfrontiert sieht; und die Ungewissheit von Bran und Rickon samt Begleitung mitzuerleben. Tatsächlich schafft es die Serie hier erstmals, ein halbwegs vernünftiges Porträt anzubieten – insbesondere da selbige Charaktere in der zweiten Staffel zu bloßen Randfiguren verkommen sind. Überraschend: der ehemalige Kinderstar Tomas Brody Sangster (EINE ZAUBERHAFTE NANNY) hat eine größere Rolle als Begleiter von Bran erhalten. Noch erfährt man nicht viel über seinen Charakter und dem seiner Serien-Schwester – doch was nicht ist, kann ja noch werden. Auch wird man ein Anziehen der zwischenmenschlich-emotionalen Komponente bemerken – was nur gut und richtig ist im Vergleich zur (unfreiwillig) gefühlskalten Vorgängerstaffel. Man sieht, was etwas bedächtigere Szenen wie die zwischen Bran und Rickon (ein Moment des Abschieds, geprägt von Bruderliebe) ausmachen können – warum also nicht mehr davon einbringen; nicht zuletzt um die Charaktere glaubhafter erscheinen zu lassen ? Der Faktor der Menschlichkeit wird ohne Zweifel auch in den kommenden Staffeln eine große Rolle spielen – es gilt, die Charaktere nicht zu abgehoben und geradezu unwirklich erscheinen zu lassen, sondern im besten Falle Identifikationsfiguren anzubieten. Die noch immer spärlich genähten übernatürlichen Begebenheiten, die irgendwie zu GAME OF THRONES dazugehören; könnten dabei gleich auch etwas konsequenter ausgeführt werden.

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Bran (Isaac Hempstead-Wright) wird immer erwachsener…
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Eine neue Spielfigur erscheint auf der Bildfläche – Jojen Reed (Thomas Sangster)
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Vielleicht sieht man in Zukunf noch mehr von Rickon (Art Parkinson) ?

Der eigentliche Clou der dritten Staffel, oder auch der Serie insgesamt; ist aber das Spiel mit den verschiedenen Parteien, die allesamt ganz unterschiedliche Begründungen für ihren Anspruch auf den Thron vorzuweisen haben. Und damit auch der langsame aber sichere Aufstieg von Daenerys Targaryen: es fühlt sich schlicht gut an zu wissen, dass es bei all den Konflikten und blutigen Auseinandersetzungen einen potentiellen Sieger geben könnte, der die Herrschaft über Westeros auch verdient. Zumindest wird genau dieses Gefühl vermittelt – fraglich bleibt, ob man nicht doch noch gewisse charakterliche Tiefen und unbekannte Züge heraufbeschwören wird, die diese Erwartungen wieder zunichte machen. Bis dahin aber bleibt es dabei: die Ankunft der Mutter der Drachen in Westeros wird mit Spannung erwartet, und dürfte das absolute Highlight der bisherigen Staffeln werden. Vielleicht kommt aber doch alles ganz anders, und der eisige Winter des Nordens zieht alles verschlingend über ganz Westeros ? Es ist nun an George R. R. Martin und danach den Serien-Verantwortlichen, diese wahrhaftige Mammut-Aufgabe zu stemmen und sich ein stimmiges Ende der Geschichte zu überlegen, ob offen oder nicht. Und natürlich, die Zeit bis dahin möglichst unterhaltsam zu gestalten.

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Eine Hochzeit mit einem alles andere als rosigem Ausgang…

Fazit: Nach der etwas schwächeren zweiten Staffel kehrt GAME OF THRONES in der dritten wieder zu alter Stärke zurück. Allzu langatmige Passagen gehören der Vergangenheit an, und auch der oftmals abrupte Wechsel zwischen den verschiedenen Parteien wirkt nun wieder etwas harmonischer. Auch wenn viele Dinge noch immer ausstehen (allen voran die weitere Einmischung der Weißen Wanderer und Daenerys Targaryen), so fühlt man sich auch in den nicht ganz so markanten Zwischenmomenten bestens unterhalten. Die markantesten Stärken der Serie liegen weiterhin in der dargebotenen Charaktervielfalt – und damit auch den über alle Zweifel erhabenen Leistungen der vielen beteiligten Darsteller. Auch die optischen Schauwerte sind nach wie vor immens (Kulissen, Kostüme, Effekte), der Soundtrack dezent aber grandios. Wenn man nun auch noch inhaltlich weitere Höhepunkte serviert (wie etwa die Rote Hochzeit) und allgemein das Gefühl vermittelt, dass alles was auf der Leinwand geschieht von enormer Bedeutung ist (das sollte es wohl sein, dem eigentlichen Autor nach), dann kann man der Zukunft von GAME OF THRONES frohen Mutes entgegenblicken. Eine fast perfekte Wertung für die dritte Staffel – die erste ist nach wie vor leicht überlegen (siehe hier), die zweite erhält momentan noch Bronze (siehe hier).


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„Es geht wieder aufwärts.“

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