CD-Review: Gunbuster (Top Wo Nerae !) OST 1: Victor Manga Golden Special (1989)

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Land: Japan – Stil: Soundtrack – Label: Victor Entertainment

Alben-Katalognummer: VDR-1601 (1989) / VICL-2178 (1996)
Komponist: Tanaka Kohei
Mitwirkende: Hidaka Noriko, Sakuma Rei, Sakai Noriko

Track-Liste (Gesamtspieldauer 76.52 Minuten):

01 – Top o nerae! ~ Fly high! ~
02 – Ike ike bokura no Gunbuster!!
03 – Drama: dai-abare! Uchuu kaijuu GIDODONGASU
04 – Prologue (M-1)
05 – Onee-sama
06 – Coach (Br-13)
07 – Goudou renshuu (M-11)
08 – Eye catch (Br-12)
09 – Honou no tokkun (M-8)
10 – Tabidachi (M-19)
11 – Excellion (M-21)
12 – Michi no teki (Br-10)
13 – Sakusen kaishi (M-13)
14 – Kiki (M-17)
15 – Active heart
16 – Drama: Utae!! Ginga no hate made mo!
17 – Smith (M-7)
18 – Akai-iro kyosei (M-15)
19 – Zenkanhatsu shinse yo
20 – Senjou (M-29)
21 – Kanashimi (M-26)
22 – Ketsui (M-10)
23 – Gunbuster (M-20)
24 – Noriko (M-6)
25 – Requiem (Br-4)
26 – Excellion chinbotsu (M-2)
27 – Try Again!
28 – Dai-5-wa yokoku-hen
29 – Saishuu-wa yokoku-hen
30 ~ 99. Aim for the Top! Memorable Lines on Parade

Es aber begab sich zu einer Zeit… als Anime-Geschichte geschrieben wurde.

Es war einmal… im Jahre 1989, als ein angehender Anime-Großmeister an einem unscheinbaren Werk arbeitete, welches letztendlich doch alle bisher bekannten Dimensionen sprengen sollte. In der Tat: die längst als Kult zu bezeichnende japanische OVA GUNBUSTER (Review) entstand unter der Mitwirkung von niemand geringerem als Hideaki Anno, dem kreativen Kopf hinter NEON GENESIS EVANGELION.

Und schon damals galt: ein Anime (ob Serie, OVA oder vollständiges Movie) ist erst komplett, wenn er auch entsprechend vertont und mit einem Soundtrack versehen ist. Wie viel ein Anime-Soundtrack im Gegensatz zu so mancher musikalischen Untermalung eines Hollywood-Blockbusters tatsächlich ausmacht, davon kann man sich in vielen Produktionen überzeugen. Das heutige Rezensions-Special nimmt sich dazu eben jenen GUNBUSTER-Soundtrack aus dem Jahre 1989 (1996 erschien die Zweitauflage) zur Brust; der mit so manch bekannter und Gänsehaut-auslösender Melodie daherkommt. Gesetzt dem Fall, man kennt die dazugehörige OVA, versteht sich – aber auch ohne Vorkenntnisse hat der TOP WO NERAE-OST (wie er im Original heisst) einiges anzubieten.

Und das ist in erster Linie ein markantes Flair, welches nicht ganz so leicht in Worte zu fassen ist. Letztendlich kommt man kaum umhin, nicht doch die OVA heranzuziehen um das hier dargebotene Material zu charakterisieren. Denn: so abenteuerlich und wegweisend die OVA war, so verhält es sich auch mit dem Soundtrack. Abseits von gängigen Konventionen wird hier eine bunte Mischung aus poppigen, jazzigen und klassisch-epischen Stücken geboten, die es in sich hat. Analog zum inhaltlichen Aufbau der OVA fällt hierbei ganz besonders der Auftakt ins Auge: hier gibt man sich noch auffällig fröhlich und verspielt, das Eröffnungsstück TOP O NERAE! ~ FLY HIGH! ~ klingt im Grunde wie eine Titelmelodie einer 80er-Jahre Cartoonserie für Kinder. Nur auf japanisch, und mit einem leichten Jazz-Einschlag. Das zweite Stück eröffnet dann erstmals mit der bekannten GUNBUSTER-Melodie – wandelt sich aber vorschnell wieder in eine luftige Popnummer im Stile des ersten Titels um. Auch wenn hier gerade der (absichtlich auf kindlich getrimmte) Gesang etwas befremdlich wirkt; entsteht bereits hier ein markantes Spiel der Gegensätze. Rein instrumentell weist man schon auf die ungefähr angepeilte Marschrichtung des Soundtracks hin, und streut immer wieder die markante, Gänsehaut-auslösende Melodie ein. Wie in der OVA ist man hin- und her gerissen zwischen einer kindlichen Verspieltheit (die Szenen, in der Hauptfigur Noriko erstmals vorgestellt wird) und einem sich langsam abzeichnenden, größeren Etwas.

Bevor es aber zu einer näheren Definition kommen kann, wird es mit der dritten Nummer noch einmal experimentell: hier erwartet den Hörer eine Art Hörspiel mit entsprechend übertrieben-ambitionierten japanischen Sprechern. So nett das Ganze ist, es macht nur wenig Sinn für Hörer die des japanischen nicht mächtig sind – weshalb der Finger schnell auf der Skip-Taste landen könnte. Denn mit der Nummer #4, dem PROLOGUE; geht es nun auch endlich los mit dem eigentlichen (klassischen) Soundtrack. Und wie: auch wenn alle folgenden Stücke mit vergleichsweise geringen Spielzeiten auskommen, ergeben sie ein wunderbar stimmiges, abwechslungsreiches Ganzes. Da kann es eben schon mal sein, dass ein einzelner Titel nur eine Spieldauer von gerade einmal 10 Sekunden hat (wie die Nummer #6, COACH) – ein jedes Stück hat hier seine Daseinsberechtigung, und sollte nicht übersprungen werden. Aber dazu bleibt ja ohnehin kaum Zeit…

Die Herzstücke des Soundtracks sind dann auch schnell ausgemacht: die ersten durch und durch markanten Stücke sind die Nummern #9, HONOU NO TOKKU; und die Nummer #10, TABIDACHI. Zeitlose Melodien, eine perfekte Fusion von gängigen Soundtrack-Elementen und poppig-jazzig-rockigen Nuancen sowie das beeindruckende Spiel zwischen fröhlich-beschwingten und nachdenklich-epischen Emotionen sorgen hier für bestes Gelingen. Pure Gänsehaut dann beim Erklingen von EXCELLION – noch mehr, wenn man sich den dazugehörigen OVA-Moment vor Augen führt, versteht sich. Was dann in den unzähligen noch folgenden Stücken wartet, sollte man im besten Fall für sich selbst entdecken. Wohlgemerkt: am schönsten (und verständlicherweise zugänglichsten) ist es, wenn nicht gesungen / gesprochen wird. Doch glücklicherweise bilden jene Stücke mit Gesangseinlagen die Ausnahme. Wobei die vom weiblichem Gesang lebenden Stücke #15, ACTIVE HEART und #27, TRY AGAIN; doch eigentlich recht nett klingen; selbst in nicht gänzlich verständigen Ohren.

Weitere unbedingte Anspieltipps sind das verstörende SENJOU (mit wunderbaren Streichern und wahnsinnigem Piano), das wunderschöne gleichzeitig zutiefst traurige KANASHIMI, das epische KETSUI; sowie natürlich DAS Titelstück überhaupt, der GUNBUSTER-March (M20). Für Abwechslung ist dabei reichlich gesorgt: mal geht es einfach nur gnadenlos episch von statten (mit einem entsprechenden Orchester), mal schlägt man gänzlich ungewohnte töne an, wie etwa in #26, EXCELLION CHINBOTSU. Hier hört man vor allem eine Trompete, vor einer ruhigen Hintergrundkulisse – man schon geneigt an eine Art Western-Vertonung zu denken, bis der emotionale Höhepunkt angesteuert wird und abermals die wohligen Klänge der GUNBUSTER-Meldoie zu hören sind. Die letzten beiden Nummern kann man dagegen mitnehmen oder es lassen – hier werden lediglich bereits gespielte Stücke wiederverwendet und mit einigen Botschaften japanischer Sprecherinnen verziert. Das hat vor allem eine Folge: man bekommt Lust auf die OVA, alle beteiligten Charaktere (allen voran Noriko) und die sagenhafte inhaltliche Bandbreite von GUNBUSTER. Dass nach dem nunmehr eigentlich abgeschlossenen Soundtrack auch noch sage und schreibe 69 (!) kurze Audio-Einspieler, bestehend aus kurzen Zitaten aus der OVA folgen sollen, ist ebenfalls ein netter Bonus respektive ein ungewöhnliches Gimmick – einen wirklichen Nutzen sollten aber nur die wenigsten daraus ziehen können.

Fazit: Für jeden GUNBUSTER-Fan ist der dazugehörige Soundtrack ein Muss – bietet er alle markanten akustischen Highlights der OVA in einer schönen Aufstellung. Zwar stellt sich eine nicht ganz so große Wirkungskraft ein wie im Zusammenspiel mit den entsprechenden visuellen Szenen, doch auch unabhängig handelt es sich hier um einen Soundtrack, der bestens funktioniert. Einen zutiefst ungewöhnlichen noch dazu – der gerade deshalb perfekt zur OVA passt. Die Stücke, in denen gesungen oder gar ausgiebig gesprochen wird (in bester Hörspiel-Manier), kann man je nach Bedarf überspringen. Bei einer derartigen Anzahl von Highlights fällt es insgesamt schwer, wirkliche Lieblingsnummern herauszupicken – sie sind alle hochqualitativ und einzigartig; auch wenn einige der markantesten Melodiebögen hie und da wiederholt auftauchen. Vor allem aber wohnt dem Soundtrack eine gewisse, bis heute kein zweites Mal etablierte Erhabenheit inne. Trotz, oder gerade wegen der eher witzigen und fröhlichen Intermezzi mit japanischem Gesang. Selbst anhören und überzeugen lassen…


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„Ein genialer Anime-Soundtrack ohne Schwächen.“

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