Metal-CD-Review: DARK MOOR – Ars Musica (2013)

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Alben-Titel: Ars Musica
Künstler / Band: Dark Moor (mehr)
Land: Spanien
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Scarlet Records

Alben-Lineup:

Vocals: Alfred Romero
Guitars: Enrik Garcia
Bass: Mario Garcia Gonzales
Drums: Roberto Cappa

Track-Liste:

1. Ars Musica (Intro)
2. First Lance Of Spain
3. It Is My Way
4. The Road Again
5. Together As Ever
6. The City Of Peace
7. Gara And Jonay
8. Living In A Nightmare
9. El Último Rey
10. St. James Way
11. Spanish Suite (Asturias)

Es gibt einen falschen und einen richtigen Weg – und irgendetwas dazwischen.

Wer bisher noch nichts von DARK MOOR gehört hat, hat irgendetwas falsch gemacht – oder ist schlicht noch nicht allzu lange im Power Metal-Geschäft unterwegs. Die letzte große Veröffentlichung der spanischen Combo, ANCESTRAL ROMANCE (Review), stammt aus dem Jahre 2010 – doch geht die Bandgeschichte noch ein ganzes Stück weiter zurück. Inzwischen sogar um 2 ganze Jahrzehnte – DARK MOOR feiern 2013 ihr 20-jähriges Bandbestehen. Passend zum freudigen Anlass erscheint nun auch das lang erwartete neunte Studioalbum, ARS MUSICA. DARK MOOR gaben sich schon immer etwas experimentell – und waren zahlreichen Stil- und Besetzungswechseln ausgesetzt. Der markanteste war dabei sicherlich der Weggang von Elisa C. Martin – der ehemaligen Fronfrau, die sich daraufhin anderen musikalischen Projekten (wie etwa FAIRYLAND) widmete. Das war 2003 – seitdem ist DARK MOOR bekannt für seinen markanten männlichen Leadgesang von Alfred Romero. Es ist also durchaus spannend zu erfahren und zu erleben, wie das neue Album der Spanier ausgefallen ist – wird es ähnlich klassisch orientiert sein wie seine direkten Vorgänger, oder geht man gänzlich neue Wege ?

Einen ersten, diesbezüglichen Eindruck konnte man sich durch die kürzlich veröffentlichte Videosingle THE ROAD AGAIN (Link) verschaffen. Während es im letzten Video der Spanier um das gute alte Thema der Liebe ging (LOVE FROM THE STONE von 2010), wagt man sich nun an ein eher ungewöhnliches Thema – zumindest in Gefilden des Power Metal. Es geht um eine besondere Vater-Sohn-Beziehung und einen damit zusammenhängenden Unfall im Motorsport- nun, warum denn eigentlich nicht ? Doch so interessant das Ganze anmutet; wirklich spektakulär ist der Titel nicht. Vielmehr bewegt er sich im gemäßigten Midtempo, und nimmt deutliche Züge einer Ballade an. Das können DARK MOOR zwar nach wie vor gut – doch wäre es reichlich schade, wenn ein Titel wie dieser stellvertretend für den gesamten Alben-Inhalt stehen würde. Besagter Titel ist die Track-Nummer 4 des Albums – und tatsächlich, im näheren Umfeld findet sich noch nichts allzu außergewöhnliches. Die Überraschung: es scheint auf ARS MUSICA nicht mehr ganz so klassisch und bombastisch zuzugehen wir zuvor. Vielmehr orientiert man sich am melodischen Hardrock und Melodic Metal, garniert das ganze mit dezenten symphonischen Einflüssen – passend dazu hat man den Fokus nun weitaus deutlicher auf die Gitarren und den Gesang gelegt.

Das Album startet mit dem Intro ARS MUSICA – ganz genretypisch, und in bester Soundtrack-Manier. Wirklich vom Hocker gerissen wird man hier nicht – auch nicht im Opener FIRST LANCE OF SPAIN. Der klingt ein wenig wie eine abgespeckte Version früherer DARK MOOR-Titel – nur mit etwas weniger Pomp und Bombast. Selbiger ist zwar immer noch da, wurde aber eher hintergründig abgemischt – und macht somit Platz für die Gitarren und den Gesang. Der ist gemäß dem allgemeinen Qualitäts-Standard von Alfred Romero absolut hochwertig – so hochwertig, dass die teils verzerrten Backgroundstimmen im Refrain (als quasi-Unterstützung) nun wirklich nicht hätten sein müssen. Es folgen THIS IS MY WAY, das bereits oben angesprochene THE ROAD AGAIN und TOGETHER AS EVER – drei Nummern wie aus einem musikalischen Guss; leider. Während THE ROAD AGAIN aber noch einen gewissen Ohrwurm-Charakter entfalten kann, sind THIS IS MY WAY und TOGETHER AS EVER eher träge Midtempo-Nummern mit erneut stark balladesken Anleihen. Ein weiterer Unterschied im Vergleich zu alten Alben wird überdeutlich: DARK MOOR gaben sich schon immer leicht poetisch, verträumt und gesanglich voller Sehnsucht – doch wussten die teils großartigen Instrumentierungen stets zu verhindern, dass die Kompositionen ins allzu kitschige abdriften; schlicht etwas mehr Biss bekamen. Das scheint man auf ARS MUSICA nicht mehr wirklich anzustreben – die Folge ist, dass das Album deutlich weicher, unspektakulärer und sicherlich auch massenkompatibler daherkommt.

Auch THE CITY OF PEACE kann nicht viel neues einstreuen – auch wenn die Blechblasinstrumente im Refrain im ersten Augenblick erfrischend wirken. Immerhin wird das Tempo hier leicht angehoben, doch wird man in jenen Refrain-Momenten eher an eine Band wie EVIL MASQUERADE erinnert, als an DARK MOOR. GARA AND JONAY ist dann die obligatorische Alben-Ballade – und zugleich der absolute Tiefpunkt des Albums. Selten haben DARK MOOR so explizit auf die Herzschmerz- und Tränendrüsen gedrückt – und dabei so schief und unglaubwürdig geklungen. Selbst Alfred Romero, der im allgemeinen absolut stilsicher agiert; vergreift sich hier das ein ums andere Mal in der Tonlage – der fast schon peinliche Backgroundgesang und der Piano-Ausklang gegen Ende setzen dem Ganzen dann die Krone auf. Doch was ist das – mit LIVING IN A NIGHTMARE wird es nun erstmals wirklich interessant. Und das nach sage und schreibe 7 Titeln – kein wirklich gutes Zeichen. Hier klingen DARK MOOR schon deutlicher nach DARK MOOR; und zelebrieren eine leicht düstere, wunderbar symphonisch angehauchte Hymne der Extraklasse – oder zumindest einer, die der Qualität vergangener Tage das Wasser reichen kann. Ein schön drückend-schmetternder Refrain, Blechblasinstrumente (die hier schon einen wesentlich besseren Eindruck machen), Abwechslung in Form von klassischen Intermezzi und ein netter Soli-Part – die Spanier können es immer noch. Nur zeigen will man das offenbar nicht mehr…

Mit EL ULTIMO REY folgt dann, ähnlich wie auf dem Vorgängeralbum mit CANCION DEL PIRATA, eine komplett in der Muttersprache der Band eingesungene Nummer. Während die CANCION aber noch für einen markanten Überraschungseffekt sorgen konnte und musikalisch genial ausfiel, verpuffen derlei Effekte hier beinahe völlig. Wieder erklingen die Blechbläser, während die symphonische Komponente sogar erstmals verdächtig abgenutzt wirkt – und auch Alfred Romero hat schon einmal deutlich besser geklungen. Der SAINT JAMES WAY fügt dem nichts bemerkenswertes hinzu – im Gegenteil. DARK MOOR klingen hier eher dilettantisch (allein der instrumentale Auftakt), was einfach nicht sein kann und sein darf. Immerhin versucht man sich im abschließenden ASTURIA noch einmal auf frühere Stärken zu besinnen – doch irgendetwas ist hier in Sachen Aufnahme, Abmischung oder Mastering gewaltig schief gelaufen. Sei es die unausgeglichen wirkende Lautstärke, die merkwürdige Instrumenten-Gewichtung (wozu Gitarren, wenn sie ohnehin kaum zu hören sind), oder die etwas plump klingenden symphonischen Komponente – hier stimmt weniger, als man es von einer erfahrenen Band wie DARK MOOR erwartet hätte.

Fazit: Sicher soll man musikalischen Weiterentwicklungen nicht im Wege stehen. Doch gerade bei Bands, die über die Jahre ein gewisses, kontinuierliches Bild von sich vermittelt haben; können solche Maßnahmen eben auch dazu führen dass zahlreiche Fans abspringen. Das beste und jüngste Beispiel dafür sind die ehemaligen Power Metaller von CRYSTALLION – die sich auf ihrem neuen Album KILLER (Review) für ein komplett neues Genre entschieden haben. Wenden sich nun also auch DARK MOOR vom (Symphonic) Power Metal ab ? Ganz so schlimm ist es zum Glück (noch) nicht – doch die Tendenz ist eindeutig. DARK MOOR haben sich auf ARS MUSICA nicht nur von ihren musikalischen Wurzeln, sondern auch vom vermittelten Eindruck der direkten Vorgängeralben distanziert; und somit den ersten Schritt in eine bedenkliche Richtung vollzogen. Zwar klingen die Spanier auch im neuen Sound-Gewand (am ehesten sollte man von einem Melodic Metal sprechen) alles andere als schlecht, doch sinkt ihr bisheriger Faktor der Unvergleichbarkeit teils enorm. Ein weiteres Problem ist, dass das Album insgesamt viel zu handzahm wirkt. Eine epische, durch und durch abwechslungsreiche und teils düstere Reise, wie sie die Hörer auf den Vorgängern erwartete; kann man somit nicht mehr unternehmen. ARS MUSICA eignet sich gut als lockere Hintergrundmusik – so richtig überspringen will der Funke einfach nicht. Auch, oder insbesondere dann nicht, wenn man sich noch emotionaler gibt als ohnehin schon (siehe GARA AND JONAY als wohl schlimmste Metal-Ballade des Jahres 2013). Vielleicht ist es einfach an der Zeit, dass Symphonic Power Metal-Szepter an die nächste Generation (Stichwort: PELLEK) weiterzureichen…

Anspieltipps: THE ROAD AGAIN, LIVING IN A NIGHTMARE

Vergleichsbands: BLIND GUARDIAN | KAMELOT


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„Ein insgesamt enttäuschender Zug von DARK MOOR“

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