Metal-CD-Review: CHRISTOPHER LEE – Charlemagne: The Omens Of Death (2013)

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Alben-Titel: Charlemagne: The Omens Of Death
Künstler / Band: Christopher Lee (mehr)
Land: Großbritannien
Stil / Genre: Symphonic Heavy / Power Metal
Label: Charlemagne Productions Ltd.

Alben-Lineup:

Christopher Lee – Vocals
Hedras Ramos – Guitars
Ollie Usiskin – Drums
Hedras Ramos Sr. – Bass
Daniel Vasconcelos – Vocals
Aaron Cloutier – Vocals
Lydia Salnikova – Vocals
Mauro Conti – Vocals
Phil S.P – Vocals
Vincent Ricciardi – Vocals
Gordon Tittsworth – Vocals

Track-Liste:

01. The Portent
02. Charles The Great
03. The Siege
04. Massacre Of The Saxons
05. Drawing Of A New Age
06. Let Legend Mark Me As The King
07. The Betrayal
08. The Devil’s Advocate
09. The Ultimate Sacrifice
10. Judgment Day

Herzlichen Glückwunsch zum 91. Geburtstag.

Sir Christopher Lee, das bekannte und beliebte Urgestein der Film- und Musikwelt, feierte kürzlich seinen 91. Geburstag. Passend zum feierlichen Anlass veröffentlichte er sein neues Album CHARLEMAGNE: THE OMENS OF DEATH, den Nachfolger des von vielen geschätzten ersten CHARLEMAGNE-Albums (Review). Nach knapp 3 Jahren also setzt er seine epischen Geschichten um den ersten römischen Feldherren fort – wobei es dieses Mal noch metallischer zugehen soll als auf dem ersten Album. Ist dies nun etwa der Beginn einer neuen musikalischen Sage im Stile von RHAPSODY OF FIRE, jener Band, der er seit Jahren die Treue hält ? Man weiss es nicht – doch zuzutrauen ist dem zum Ritter geschlagenen Multitalent alles. Umso freudiger fällt die Angelegenheit, das neue Album endlich in den Händen halten zu können, aus.

Die Verlautbarung, dass es dieses Mal noch deutlichere Heavy Metal-Anleihen geben soll, sorgte indes bereits im Vorfeld für gemischte Gefühle. Denn: gerade jene symphonische Inszenierung, die grob unter dem Begriff des Symphonic Power Metal hat fungieren können; grundsätzlich aber eher der Filmmusik, dem Hörspiel- oder Musicalgenre zuzuschreiben war, sorgte auf dem ersten CHARLEMAGNE-Album für einen so fulminanten und erfrischenden Eindruck. Dass sich jene Befürchtungen aber nun tatsächlich und im negativen erfüllen sollten, war nicht völlig abzusehen. Vor allem aber ist es schade – schließlich ist THE OMENS OF DEATH ein quasi-Geburtstagsalbum eines grandiosen Darstellers und Multitalents, dem man mit einer gewissen Ehrfurcht gegenübersteht; wenn auch nur auf einer virtuellen Ebene. Dennoch sollte es ausgesprochen werden: THE OMENS OF DEATH kann seinem Vorgänger einfach nicht das Wasser reichen, und ist davon abgesehen auch allgemein ein eher schlechtes als rechtes Metal-Tributalbum geworden.

Was also ist geschehen ? Es sind derlei Begebenheiten vor allem zwei. Zum einen entfaltet die bereits erwähnte, noch explizitere Vermengung von Metal-Elementen und Christopher Lee’s Stimme einen arg gewöhnungsbedürftigen Eindruck. Einen viel zu gewollten, nicht harmonischen – vielmehr scheint es, als wurde die Gesangstonspur einfach auf ein schnell gebasteltes Instrumentalstück gelegt; entsprechend ohne die allseits gebotene Rücksicht auf Verluste. Das hat beim Vorgänger, der allgemein weitaus offener gehalten war (und Lee viel mehr Spielraum in guter alter Hörspiel-Manier liess), noch viel besser funktioniert. Zum anderen scheinen nicht gerade wenige Inhalte aus CHARLEMAGNE 2.0 recycelt worden zu sein – vom direkten Vorgänger. Hierbei handelt es sich um eine besonders gravierende, verständlicherweise auch enttäuschende Angelegenheit. Denn: wenn man es schon mit einem neuen Sound probiert und den Heavy Metal deutlicher in den Vordergrund stellt, sollte man tunlichst darauf verzichten etwaige alte Elemente heraufzubeschwören, wenn nicht gar direkt zu kopieren. Elemente, die in einer anderen Zusammenstellung schon einmal deutlich besser funktioniert haben – und durch das neue musikalischen Gewand nichts dazugewinnen. Das Gegenteil ist der Fall: das Konzept droht, schon nach gerade einmal 2 Alben ausgelutscht zu erscheinen, wenn man lediglich kopiert, anstatt gänzlich neues zu erschaffen. Das sollte gerade im Falle eines Christopher Lee möglich sein – und selbst wenn nicht, wäre ihm das kaum übelzunehmen. Jedoch hätte man sich das zweite CHARLEMAGNE-Album dann folgerichtig sparen können, sparen sollen.

Das Album versagt jedoch nicht nur in der Theorie. Während das Intro THE PORTENT noch wenig preisgibt und einigermaßen stimmig ausfällt, werden die Probleme im eigentlichen Opener CHARLES THE GREAT so richtig deutlich. Der Inhalt (Texte, Aufbau, Refrain) wurde so schon auf dem Vorgänger präsentiert – für das CHARLAMAGNE 2.0-Projekt ersetzte man schlicht die symphonischen Elemente durch eine Instrumentierung einer härteren, aber leider nicht wirkungsvolleren Gangart. Alle Instrumente, allen voran die Gitarren, klingen verdächtig generisch; und auch der eigentliche Gesangspart von Sir Christopher Lee hatte auf dem Vorgänger deutlich mehr Schmackes. Während also die beiden Hauptelemente der Musik – Instrumental und Gesang – an und für sich schon nicht besonders aufregend oder hochqualitativ ausfallen, entsteht die eigentliche Crux erst in der Zusammenführung der beiden Elemente. Das Ergebnis ist gelinde gesagt eine Katastrophe – und das nach einem eigentlich recht soliden Vorgängeralbum. Was auch immer hier geschehen ist – es ist alles andere als glorreich und dem Lebenswerk von Christopher Lee gerecht werdend.

Auf einen unglücklichen Umstand folgt bekanntlich der nächste – das ist leider auch hier der Fall. Denn: auch die allgemeine Produktions- und vor allem Abmischungsqualität kann dem Vorgänger einfach nicht mehr das Wasser reichen. Die gesamte Produktion klingt allzu unrund, will heissen eher verwaschen und als klar und druckvoll. Als einziger kleiner Lichtblick fungiert einer der letzten Titel, THE DEVIL’S ADVOCATE – ein durch und durch neues Stück mit einer schönen Bandbreite an verschiedenen Genre-Einflüssen und einer erstmals halbwegs gelungenen Gewichtung er einzelnen Elemente. Sogar einige harsche Growls sind zu hören – in diesem Fall ungewöhnlich, aber ein durchaus funktionierendes Element, da eine Art musikalischer Dialog entsteht. THE ULTIMATE SACRIFICE ist ebenfalls durch und durch neu, klingt aber insgesamt eher unbeholfen (nervige Hall-Effekte, recht unspektakulärer Gastgesang, schreckliche Abmischung). Ist das CHARLEMANGE-Projekt also noch zu retten ? Vielleicht – aber nur, wenn man das Konzept völlig umkrempelt. Christopher Lee braucht gesangliche Unterstützung, die ihm bisher nur durch die zahlreichen Gastsänger zuteil wurde – warum also keinen festen (Lead-)Sänger verpflichten ? Lee selbst könnte dann vor allem das machen, was er wirklich konkurrenzlos gut kann: in den Erzählpassagen, Intros und Interludes sprechen. Ebenfalls wichtig wäre eine erfahrenere Band, die sich mit Lee versteht und wirkliche passende Instrumentalstücke vorlegen kann. Wer weiss, ob RHAPSODY OF FIRE für eine erneute Zusammenarbeit bereit wären… doch jene wahrhaftig glorreichen Zeiten scheinen vorüber.

Fazit: Das CHARLEMAGNE-Projekt ist damals wie heute eine Geschmacksfrage. Doch gibt es einen markanten Unterschied zwischen den beiden Alben: während das erste noch durch und durch hochwertige musikalische Kost bot, sackt man mit dem zweiten in geradezu unterirdische Gefilde ab; und dass in vielerlei Hinsicht. Sei es die Wiederwertung alten Materials, die unsaubere Produktion, die Disharmonie zwischen Gesang und Instrumentalspur, das generische Instrumentenspiel im allgemeinen – THE OMENS OF DEATH hat wahrlich massive, unübersehbare Probleme. Anders gesagt: das erste Album mag umstritten und nicht bei jedem auf großen Anklang gestoßen sein, doch hielt es grundsätzlich jeder qualitativen und inhaltlichen Prüfung stand und taugt noch immer dazu, so manchen musikalischen Horizont zu erweitern. Das zweite hingegen wird als uninspirierter Totalausfall in die Geschichte eingehen – trotz des großen dahinterstehenden Namens, der vieles retten mag; doch keinesfalls den hier fabrizierten, faden Neuaufguss. Schade – gerade Herrn Lee hätte man ein schöneres Geburtstagsgeschenk gewünscht. Eines, auf dass er wirklich stolz sein kann…

Anspieltipps: THE DEVIL’S ADVOCATE

Vergleichsbands: /


30oo10

„Dem ehrwürdigen Anlass zum Trotz – das war wohl nichts“

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