Filmkritik: „Unleashed – Entfesselt“ (2005)

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Originaltitel: Danny The Dog
Regie: Louis Leterrier
Mit: Jet Li, Bob Hoskins, Morgan Freeman u.a.
Land: Frankreich, USA
Laufzeit: 103 Minuten
FSK: Ab 16 freigegeben
Genre: Action / Drama
Tags: Jet Li | Sklave | Kampfmaschine | Underground | Gangster | Geldeintreiber

UNLEASHED ist gleich OLDBOY 2.0 ?

Inhalt: Danny (Jet Li) ist ein moderner Sklave, der von seinem Besitzer Bart (Bob Hoskins) bereits im Kindesalter zu einer tödlichen Kampfmaschine ausgebildet wurde. Seine einzige Aufgabe ist es, seinen Besitzer zu beschützen – und ihn bei seinen ständigen Geldeintreiber-Touren zu unterstützen. Dabei hat auch das Halsband, welches Danny umgelegt wurde, eine Bedeutung: wann immer es von seinem Besitzer entfernt wird, mutiert Danny zu einer unmenschlichen Kampfmaschine. Das bemerkt eines Tages auch ein Außenstehender, der Bart und seinen abgerichteten Killer bei einem gefährlichen Schuldner-Besuch beobachtet. Er lädt Bart ein, an einer Art Untergrund-Kampf teilzunehmen – der erst vorbei ist, wenn einer der beiden sich gegenüberstehenden Kontrahenten stirbt. Der erste Kampf von Danny ist erfolgreich, doch bevor er sich weiteren stellen kann gibt es einen Zwischenfall. Danny wird verletzt, von seinem Herren getrennt – und findet Unterschlupf in der Bleibe des blinden Musikers Sam (Morgan Freeman). Hier lernt auch Sam’s Tochter Victoria (Kerry Condon) kennen – die ihm eine für ihn ungewohnte Wärme entgegenbringt. Doch währt das neue Familienglück nicht lange: Danny’s ehemalige Kollegen sind ihm bereits auf den Fersen und wollen ihn stellen. Entweder, er würde zurückkommen und anstandslos seinem alten Geschäft nachgehen – oder aber sterben müssen.

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Kritik: UNLEASHED – ist das schon wieder einer der unzähligen, x-beliebigen Martial-Arts-Streifen mit einem kampfeslustigen chinesischen Hauptdarsteller und kaum Inhalt ? Nicht ganz. Die US-amerikanische / französische Co-Produktion strebt zumindest an, neben den typischen Action-Elementen auch eine grundsolide Story samt einer emotionalen Drama-Komponente zu verbauen. Gestemmt wird das Ganze von Regisseur Louis Leterrier und dem schon deutlich bekannteren, französischen Multitalent Luc Besson. Die beiden arbeiteten schon zuvor im Rahmen des Actioners THE TRANSPORTER zusammen – und auch dieses Mal überlässt Luc Besson die Regiearbeit seinem Kollegen, während er für das Drehbuch und die Produktion verantwortlich ist. Die Chancen stehen grundsätzlich gut für UNLEASHED – einen Film, den man aufgrund des Inhalts und der Vermarktung geneigt ist, am ehesten mit Park Chan-Wook’s Meisterwerk OLDBOY zu vergleichen. Jedoch ist bei derlei Gegenüberstellungen besondere Vorsicht geboten: OLDBOY spielt in einer ganz anderen Liga, und das nicht nur, da es sich um eine südkoreanische Produktion handelt. UNLEASHED hat trotz der oberflächlichen Gemeinsamkeiten (ein Mann wird nach langer Gefangenschaft geradezu ‚entfesselt‘) wenig von der inszenatorischen und inhaltlichen Qualität seines großen (potentiellen) Vorbildes.

Woran das liegt, ist beinahe eindeutig: UNLEASHED ist trotz der offensichtlichen Bemühungen der Macher letztendlich doch ein relativ gradliniger Actioner geworden – und damit ein Film ohne eine großartige Philosophie, überraschende Wendungen oder einer besonders hingebungsvollen Inszenierung. Besonders deutlich wird das bei den im weiteren Verlauf des Films immer kontextloser erscheinenden (Zwei-)Kämpfen: wo man auf markante Stilmittel hätte zurückgreifen können (wie etwa Symbolik, Traumsequenzen) schickt man den Hauptprotagonisten immer wieder in allerlei Schlachtgetümmel. Die Todeskampf-Arena im Untergrund bildet hierbei den Höhepunkt – der Überzeichnung, der Unnötigkeit, des kontextlosen. Es scheint so, als hätte man Genrefans doch noch zufriedenstellen wollen; ganz unabhängig davon wie sich auf das Gesamtbild des Films auswirken würde. Jedoch sind die Kämpfe weder besonders glaubhaft inszeniert (beispielsweise fließt so gut wie kein Blut), noch besonders markant choreographiert – warum man nicht auf diese überflüssigen Eigentor-Szenen hat verzichten wollen, bleibt ein Rätsel. Denn zweifelsohne findet man die Stärken von UNLEASHED nicht in jenen (oder anderen) Kampf-Szenen – sondern vielmehr in seinen ruhigen Momenten.

So wurde das Zusammentreffen von Danny und seinem neuen quasi-Mentor Sam sehr gut in Szene gesetzt – auch ganz ohne, dass dabei die Fäuste geschwungen werden müssten. Schließlich hat sich Danny im Laufe seiner Gefangenschaft immer mehr von seinem Dasein als Mensch entfernt – eine Story-Prämisse, auf der man zumindest in dieser Hinsicht sinnig aufbaut. Während die Kampf-Szenen also verdächtig schnell (wenn nicht sofort) verblassen, bleiben einige dieser Szenen in Erinnerung – etwa die, in denen Danny lernt, ganz alltägliche Dinge zu bewerkstelligen. Ein Grund für das Funktionieren dieser Szenen ist auch die Hingabe der Darsteller: Jet Li als angehender Philanthrop mit einer verstörenden Vergangenheit ist dabei ebenso erfrischend und überzeugend wie Morgan Freeman; der den hilfsbereiten, blinden Musiker spielt. Diese Szenen, sowie auch die Schlüssel-Momente, die zur letztendlichen Auflösung des Films führen; entfalten tatsächlich eine gewisse Emotionalität. Schade also, dass man dazwischen immer wieder auf die altbewährte Haudrauf-Methode zurückgriff. Vielleicht wäre das gar nicht so gravierend, hätte man dabei zumindest auf eine minimale Glaubwürdigkeit gesetzt.

Denn: das Verhalten der Charaktere (insbesondere von Gangster-Boss Bart und seinen Gefolgsleuten) fällt eindeutig zu klischee- und schablonenhaft aus. Auch erhält man kein besonders gutes Bild der Situation, in der sich Danny jahrelang befand und befindet – sie ist schrecklich, sicher; doch macht der Film kaum Anstalten, dieses Gefühl auch zu vermitteln. Die Idee, einen Menschen wie einen Hund zu halten (daher auch das Halsband) verspricht im Falle von UNLEASHED eindeutig mehr, als sie halten kann. Es gibt kaum Gefühlsausbrüche oder Kontrollprobleme, und wenn; dann wirken sie arg gestelzt und nur existent, weil das Drehbuch sie dringend vorsieht. Hätte man die Situation Dannys noch ungeschönter, glaubwürdiger und inszenatorisch geschickter porträtiert, wäre aus UNLEASHED vielleicht mehr geworden als das was er ist – ein Actioner mit einigen Drama-Elementen als Zugabe.

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Fazit: Wer einen etwas anderen Martial-Arts-Streifen sucht; bei dem nicht nur aufeinander eingeschlagen, sondern auch eine gewisse Rahmenhandlung präsentiert wird – ist mit UNLEASHED gut beraten. Wobei das noch recht hochgestochen formuliert ist – viel eher sollte man von einem absolut mittelmäßigen Film sprechen, dem seine Unentschlossenheit über weite Strecken zum Verhängnis wird. Fans zünftiger Keilereien, die in visueller und choreographischer Hinsicht beeindrucken, werden schließlich ebenso in die Röhre schauen wie Freunde des anspruchsvollen Films. Für erste empfiehlt es sich, zu einem anderen, reinen Martial-Arts Film zu greifen – für zweitere bietet sich das vermeintliche Vorbild von UNLEASHED an, OLDBOY.

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