Metal-CD-Review: CHRISTOPHER LEE – Charlemagne: By The Sword And The Cross (2010)

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Alben-Titel: Charlemagne: By The Sword And The Cross
Künstler / Band: Christopher Lee (mehr)
Land: Großbritannien
Stil / Genre: Symphonic Heavy / Power Metal
Label: Charlemange Productions Ltd.

Alben-Lineup:

Christopher Lee – Vocals
Chris Jones – Guitars
Matt Pearce – Guitars
Raffaello Gentili – Guitars
Leigh Alexandra – Keyboards
Ollie Usiskin – Drums
Corrado Canonici – Bass
Tony Newton – Bass
Vincent Ricciardi – Vocals
Lydia Salnikova – Vocals
Christina Lee – Vocals
Phil S.P – Vocals
Mauro Conti – Vocals
Christi Ebenhoch – Vocals
Dave „Grav“ Cavill – Vocals
John Wistow – Vocals

Track-Liste:

01. Overture
02. Act I: Intro
03. Act I: King Of The Franks
04. Act II: Intro
05. Act II: The Iron Crown Of Lombardy
06. Act III: Intro
07. Act III: The Bloody Verdict Of Verden
08. Act IV: Intro
09. Act IV: The Age Of Oneness Out Of Diversity
10. Act V: Intro
11. Act V: Starlight
12. Finale
13. Iberia
14. The Bloody Verdict Of Verden [instrumental version]

Übertragt ihm die Weltherrschaft.

Sir Christopher Lee ist ein echtes Urgestein – vor allem wenn es um seine zahlreichen Filmauftritte geht. Der leidenschaftlicher Schauspieler hat bereits in so vielen Werken mitgewirkt, dass es schwer wird, sie alle zu zählen. Zu den bekanntesten Rollen gehörten sicherlich die als Graf Dracula (DRACULA, 1958 – sowie in sieben weiteren Dracula-Filmen) und neuerdings die als Zauberer Saruman in der HERR DER RINGE (2001-2003). Natürlich beschränkt sich der Brite nicht allein auf die Schauspielerei, sondern ist nebenbei vor allem als Sänger tätig. Vor allem zwischen 1986 und 1998 wirkte der klassisch ausgebildete Opernsänger bei vielen Opern und Musicals mit; und hatte einige bemerkenswerte Gastauftritte auf Alben bekannter Metal-Musiker wie RHAPSODY OF FIRE. Nachdem er 2006 bereits ein quasi-Soloalbum mit dem Titel REVELATION veröffentlichte, das Interpretationen einiger bekannter Filmmusikklassiker enthielt; sollte es 2010 dann endgültig soweit sein. Das Projekt CHARLEMAGNE war geboren – das erste, welches sich komplett in Richtung des Heavy Metals orientierte; einem Bereich, dem Lee offenbar schon immer recht zugetan war.

So kommt es, dass allein die bloße Tatsache, ein Metal-Album von Sir Christopher Lee in den Händen halten zu können; eine berechtigte Gänsehaut auslöst. Schließlich hat der Mann ein nunmehr erhabenes Alter erreicht, und präsentiert sein Schaffen dennoch mit einer beeindruckenden Leichtigkeit und vor allem zeitlosen Anmut. Dass er sich nebenbei noch für den Heavy Metal im allgemeinen einsetzt, sowie von der Szene entsprechend gefeiert und als Kultfigur verehrt wird; setzt dem Ganzen dann noch die Krone auf. Die Zeichen für ein Album wie CHARLEMAGNE: BY THE SWORD AND THE CROSS könnten also kaum besser stehen.

Und tatsächlich: man merkt dem Album an, dass es mit viel Liebe zum Detail, und vor allem auch zur Atmosphäre entstanden ist. Es mit typischen Genrebezeichnungen zu attribuieren, fällt indes etwas schwer – schließlich lässt sich der Status des besonderen nicht so einfach übersehen. Am ehesten könnte man aber von einem Konzeptalbum sprechen, welches im Bereich des Symphonic Power Metal angesiedelt ist – ähnlich den indirekten musikalischen Vorgängern, das heisst den Alben von RHAPSODY OF FIRE. Der Unterschied: Lee setzt verständlicherweise weniger auf einen schnellen, harten Metal inklusive schwerer Riff und Doublebass- sondern beinahe ausschließlich auf die symphonischen Komponente. Dass das Album dennoch als Metal-Album durchgeht, liegt vor allem an der inhaltlichen Ausrichtung und Inszenierung – es geht um Charlemagne, den ersten römischen Eroberer – und daran, dass es natürlich trotzdem hie und da entsprechende instrumentale Elemente gibt. Gleich 3 Gitarristen, ein Drummer und 2 Bassisten gehen hier ans Werk – sowie zahlreiche weitere Gäste, die vor allem stimmige Gastgesänge beisteuern.

Doch in erster Linie, und in den ersten Momenten sind es vor allem die erhabenen klassischen Kompositionen, die zu beeindrucken wissen. So fällt bereits die OUVERTURE recht energetisch und pompös aus – und steht denen anderer Genrevertreter (wenn man schon vergleichen möchte) in nichts nach. Im Gegenteil: der Soundtrack-artige Ansatz pflegt sich perfekt in das akustische Gesamtbild aus Orchester, Gitarren und Schwerter-Klirren ein. Das eigentliche INTRO folgt erst darauf – eine weibliche Sprecherin führt den Hörer in die zu erwartende Geschichte ein. Das klingt vor allem inszenatorisch perfekt, und könnte genauso gut einem zünftigen Hörspiel entstammen. Der erste vollwertige Titel KING OF THE FRANCS (das Album ist in verschiedene Akte aufgeteilt) schöpft dann so richtig aus dem Vollen, und präsentiert eine nette symphonische Bandbreite aus Soundtrack, Hörspiel und allerlei Gesangs-Intermezzi. Wunderbar: der Aufbau, der an typische Symphonic Power Metal-Strukturen erinnert, und mit einem erhabenen Refrain aufwartet.

Was folgt, sind 4 weitere Akte – die alle von einem Intro eingeleitet werden. Diese fallen allesamt recht ähnlich aus – mit einer weiblichen Erzählstimme und minimalem Instrumenteneinsatz- treiben aber vor allem die Geschichte voran, und liefern dem Interessierten Hörer einiges an Informationen. Die dazwischenliegenden Titel selbst sind mal eher typisch, und mal herausragend; wie das markante THE BLOODY VERDICT OF VERDEN, welches mit einem einfachen, aber äußerst effektiven Refrain daherkommt. STARLIGHT bietet ein wunderschönes Duett und eine weitere instrumentelle Facette des Projekts, das Finale könnte epischer nicht sein; und IBERIA und das Instrumental zu THE BLOODY VERDICT OF VERDEN können als nette Dreingaben gesehen werden.

Fazit: Was für ein Ausnahmeprojekt und -Talent – CHRISTOPHER LEE’s CHARLEMAGNE ist ein Metal-Album mit enormen Musical- und Hörspielcharakter geworden, das qualitativ und atmosphärisch seinesgleichen sucht. Zwar beinhaltet es weniger explizite Metal-Elemente als eventuell gedacht, doch kommt gerade diese Tatsache dem Album und dessen Wirkung eher zugute. Schließlich hätte es wenig gebracht, Sir Christopher Lee auf ‚typische‘ Metal-Instrumentierungen singen zu lassen. Seine erhabene Stimme eignet sich perfekt für epische Erzählungen, Hörspiele und ähnliches – wenn hier und da trotzdem ein wenig Heavy Metal durchschimmert, um so besser. Im Falle dieses Albums gilt vor allem eines: man sollte sich ähnlich wie bei einem guten Buch entsprechend auf die zu erwartende Erzählung vorbereiten und einstimmen – um darauf völlig in die sich offenbare, alternative Welt abzutauchen. Das gelingt hier besonders gut – schließlich ist das Album handwerklich perfekt, und die Stimme Lee’s im wahrsten Sinne des Wortes hypnotisierend. Eine Empfehlung für alle experimentierfreudigen Metaller – Metal-Puristen indes sollten weniger mit diesem Album anfangen können.

Anspieltipps: KING OF THE FRANKS, THE BLOODY VERDICT OF VERDEN, STARLIGHT

Vergleichsbands: RHAPSODY OF FIRE


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„Kein Meisterwerk, aber unter Einbeziehung aller Umstände bemerkenswert“

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