Metal-CD-Review: FALCONER – Northwind (2006)

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Alben-Titel: Northwind
Künstler / Band: Falconer (mehr)
Land: Schweden
Stil / Genre: Folk / Power Metal
Label: Metal Blade Records

Alben-Lineup:

Mathias Blad – Gesang
Stefan Weinerhall – Gitarre
Jimmy Hedlund – Gitarre
Magnus Linhardt – Bass
Karsten Larsson – Schlagzeug

Track-Liste:

01. Northwind
02. Waltz With The Dead
03. Spirit Of The Hawk
04. Legend And The Lore
05. Catch The Shadows
06. Tower Of The Queen
07. Long Gone By
08. Perjury And Sactity
09. Fairyland Fanfare
10. Himmel Så Trind
11. Blinded
12. Delusion
13. Home Of The Knave
14. Black Tarn

Mehr FALCONER geht nicht.

Viele werden, oder sollten es zumindest wissen: FALCONER sind seit jeher dafür bekannt, verdammt starke Power Metal-Alben zu produzieren. Die talentierten Schweden begannen ihren erfolgreichen Feldzug mit dem überraschenden Debütalbum FALCONER (2001), doch schon zuvor agierten sie unter dem Bandnamen MITHOTYN. Ebenso besonders wie die bisherige Diskografie ist dabei auch die Entwicklung des Lineups: auf den Alben Nummer 3 (THE SCEPTRE OF DECEPTICON) und 4 (GRIME VS GRANDEUR) sang nicht der eigentliche FALCONER-Frontmann Mathias Blad, sondern der neu engagierte Kristoffer Göbel. Das führte dazu, dass FALCONER sich leicht von ihrem ursprünglichen Stil entfernten, und zahlreiche Fans der Neuausrichtung eher kritisch gegenüberstanden. Doch dann das: für NORTHWIND holte man Mathias Blad, der zuvor aus zeitlichen Gründen seinen Dienst bei FALCONER quittieren musste, zurück ins Boot. Damit stellte man nicht nur die Fans zufrieden – sondern konzentrierte sich auch wieder vermehrt auf den ursprünglichen FALCONER-Sound. Und der ist nun in 14 neuen Titeln zu bewundern – die sowohl Erinnerungen an das starke Debütalbum hervorrufen, als auch den zahlreichen Genre-Kollegen den Kampf ansagen.

Soviel vorab: dieser Kampf ist wohl ein aussichtsloser. Zumindest für die anderen – denn FALCONER sprühen auf NORTHWIND vor Energie und Spielfreude. Mathias Blad gibt sich stark wie eh und je – und veredelt die ohnehin schon sagenhaften instrumentellen Kompositionen mit seiner professionell ausgebildeten Stimme. In der Tat steht der Mann eigentlich auf ganz anderen Bühnen – FALCONER war und ist das erste Metal-Projekt, in das er involviert ist. Was für ein Glücksgriff für Bandgründer Stefan Weinerhall – einen besseren Sänger hätte er nicht verpflichten (und daraufhin zurückholen) können. Denn: die besondere Stimme von Blad, die sich fernab von genretypischen Klischees bewegt; ergänzt die mitunter auch aus deutlichen Folk-Anleihen bestehenden Power Metal-Kompositionen perfekt. Stets trifft er die richtigen Töne; und begeistert mit seiner weichen, aber doch bestimmten Stimme. In den schnelleren, nach vorn preschenden Momenten ebenso wie in den eher ruhig-bedächtigen. Bei einem derart starken Gesangspart haben es die anderen Mitglieder natürlich nicht leicht, entsprechend mitzuhalten – doch gelingt ihnen das größtenteils mit Bravour. Besonders Stefan Weinerhall und Jimmy Hedlund an den Gitarren überzeugen durch und durch. Ein so aussagekräftiges, mitunter einzigartiges Riffing hört man selten – gerade im direkten Vergleich zum Debütalbum hört man die diesbezüglichen Weiterentwicklungen einfach überdeutlich heraus.

Und auch die Bandbreite der Kompositionen weiss zu gefallen: NORTHWIND bietet ein überraschend abwechslungsreiches Gesamtpaket feil, welches sowohl gradlinige Uptempo-Brecher, folkige Balladen und poetische Midtemponummern bereithält. Bereits der Opener NORTHWIND, der – selbstverständlich – von einigen Windgeräuschen eingeleitet wird, bildet einen überaus starken Auftakt. Das war es dann aber schon gewesen mit der Vorhersehbarkeit – alles weitere sollte man entsprechend gespannt (das wird man sein) auf sich wirken lassen. Das FALCONER-Credo lautet schließlich nicht, einen möglichst gradlinigen Power Metal zu produzieren. Ihre Interpretation des Genres klingt nicht nur eine zutiefst melodisch; sondern eben auch traditionell-folkig, poetisch, und vor allem stimmlich majestätisch. Wirklich markante Kritikpunkte auszumachen, fällt schwer – und schon gar nicht sind sie im Songwriting zu suchen. Am ehesten könnte man einen Hauch an Verbesserungsbedarf hinsichtlich des Sounds anmelden – die Gitarren und die Drums klingen vielleicht nicht ganz so kräftig und rundum satt wie sie es hätten können. Auch fällt das Album gegen Mitte leicht ab, am Anfang und Ende haben FALCONER eindeutig die stärksten Momente.

Fazit: NORTHWIND ist ein sehr, sehr gutes FALCONER-Album geworden. Vorsichtig gesagt: es könnte sogar das bisher beste sein. Schließlich war Mathias Blad noch nie so stark wie hier, der Abwechslungsreichtum noch nie so groß, die Folk-Anteile noch nie so angenehm, die Produktionsqualität noch nie so klar und ausdrucksstark. Es wären der den fulminanten Gesamteindruck potentiell abschwächenden Elemente lediglich zwei: die Tatsache, dass der Überraschungseffekt nicht mehr ganz so groß ist (schließlich handelt es sich um das nunmehr fünfte Studioalbum), und das eine wirkliche Über-Nummer a’la MINDTRAVELLER fehlt. Den ersten Punkt kann man eigentlich sogleich wieder streichen – schließlich ist es Überraschung (und Offenbarung) genug, das Mathias Blad wieder zurück bei FALCONER ist. Es bleibt ein insgesamt verdammt starker Gesamteindruck, der lediglich noch von der ein oder anderen Über-Hymne (auch wenn HOME OF THE KNAVE dem schon ziemlich nahe kommt) hätte gekrönt werden können. Andererseits: sucht man nach Ausfällen, so steht man auf einem verlorenen Posten. Es gibt keine – mit Ausnahme des eigentlich überflüssigen Outros. Die verbleibenden 13 Titel sind alle stark und verfehlen kaum ihren Zweck. Musikalisch, und vor allem gesanglich sind FALCONER nicht nur in der ersten Liga des folkigen Power Metals anzusiedeln – sie haben die Spitze längst erobert. Eine solche Leistung wie die auf NORTHWIND dargebotene muss einfach – möglichst nachhaltig – honoriert werden. Und genau das spiegelt sich auch in der folgenden Wertungsvergabe wider. Eine Empfehlung für alle, die auch nur ansatzweise Interesse am Power Metal haben – hier wartet etwas ganz großes.

Anspieltipps: NORTHWIND, SPIRIT OF THE HAWK, HOME OF THE KNAVE

Vergleichsbands: TYR | ELVENKING


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„Vielleicht eines der besten Metal-Alben des Jahres 2006“

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