Metal-CD-Review: SHADOWS PAST – Perfect Chapter (2013)

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Alben-Titel: Perfect Chapter
Künstler / Band: Shadows Past (mehr)
Land: Schweden
Stil / Genre: Melodic Heavy / Power Metal
Label: Doolittle Group

Alben-Lineup:

Ola Halén – Vocals
Jonatan Berg – Guitar
Patrik Berg – Bass
Olle Lindroth – Drums
Staffan Lindroth – Keyboards

Track-Liste:

Wherever I Go – 4:21
Perfect Chapter – 4:20
Cry No More – 5:26
An Old Enemy – 4:43
Ladder Of Life – 4:36
The Scars Run Deep – 4:11
Impressed – 4:09
Who Am I – 5:14
The One – 5:52
Believe – 5:13

Das perfekte neue Kapitel einer Bandgeschichte ?

Es war einmal… eine Band, die sich INSANIA STOCKHOLM nannte. Jene schwedische Combo veröffentlichte ihr grundsolides erstes Album 1999, das schon deutlich bessere SUNRISE IN RIVERLAND 2001, und: ihr bisher bestes, FANTASY (A NEW DIMENSION) 2003. Daran hat insbesondere der damals frisch akquirierte neue Leaqdsänger der Band, Ola Halen, einen nicht unerheblichen Anteil. Der blieb indes noch für ein weiteres Studioalbum bei INSANIA – das nicht mehr ganz so gute AGONY- GIFT OF LIFE, und trennte sich 2010 endgültig von der Band. Doch hatte er seit einigen Jahren ein weiteres Bandprojekt laufen – SHADOWS PAST. Quasi nebenher, versteht sich – bisher wurden lediglich einige sporadische Demos unter dem Bandnamen veröffentlicht. Nun, und in 2013; sollen SHADOWS PAST aber plötzlich doch ganz groß rauskommen. PERFECT CHAPTER heisst das Debütalbum, welches von der Doolittle Group vermarktet wird – dem Label des schwedischen Multitalents Christian Liljegren (GOLDEN RESURRECTION). Eins ist klar: Ola Halen hatte und hat einiges zu bieten, wenn es um die stimmliche Veredelung eines zünftigen, melodischen Power Metal-Albums geht. Aber wird das reichen, um aus PERFECT CHAPTER einen echten Geheimtipp zu machen ?

Die Chancen dafür könnten besser nicht stehen, denn: bereits im Vorfeld wurde die Videosingle zu WHEREEVER I GO veröffentlicht, die gewissermaßen einschlug wie eine Bombe. Eben jene Nummer eröffnet nun auch das Album, wobei der Einstieg mit den Growls etwas abrupt daherkommt – im Video gab es noch einen kurzen Vorspann. Sei es drum – mit dieser Nummer haben SHADOWS PAST schon einmal aufgezeigt, wo sie hinwollen und was sie alles in Petto haben. Als etwas überraschend, dafür aber ungemein wirkungsvoll stellt sich das allgemein etwas düsterer gehaltene Klangbild heraus. Die Gitarren klingen schön schroff und rau, das Keyboard unterstützt durch zurückhaltende, leicht symphonisch angehauchte Elemente, und vor allem Ola Halen könnte nicht abwechslungsreicher und vielschichtiger agieren. Seine Bandbreite stellt sich abermals als enorm angenehm heraus – der Wechsel von den geradezu dämonisch inszenierten Strophen hin zum hochtrabenden Refrain gleicht schon fast einem Meisterstück. Dies kombiniert mit der poetischen Durchschlagskraft und generellen Ausdrucksstärke der Band ergibt ein ungewohnt starkes Gesamtbild.

Im weiteren Verlauf stellt sich dann zunächst eines heraus: die Titel haben es durchaus in sich, brauchen aber einige Durchläufe um richtig zünden zu können. Dies ist vor allem dem Faktor der Zugänglichkeit geschuldet – das, was dem Hörer auf PERFECT CHAPTER kredenzt wird, ist nicht wirklich als genretypische, eingängige Power Metal-Kost zu bezeichnen. Aber nicht, weil einem Stolpersteine in den Weg gelegt würden – sondern vielmehr, weil es sich um ein vergleichsweise komplexes, tiefgründiges, und allgemein düsteres Album handelt. Mit den alten INSANIA-Platten haben SHADOWS PAST also nicht mehr wirklich viel gemein. Das kann ein Negativkriterium sein, muss es aber nicht. Schließlich lohnen sich Alben, die man erst durch mehrere Durchläufe für sich entdecken kann, oftmals mehr als sofort zündende – die sich dann auch genauso schnell wieder abnutzen. Lediglich Titel Nummer 7 (IMPRESSED) könnte man als regelrechte Hymne der eingängigen Art bezeichnen – die sich durch ein hohes Tempo, einen äusserst melodischen Ansatz und einen starken Refrain auszeichnet; der genauso gut von INSANIA hätte stammen können.

Alle anderen Titel sind im direkten Vergleich deutlich komplexer gestrickt, und zudem mit allerlei progressiven Ansätzen ausgestattet. Dies ergibt gerade im Zusammenspiel mit der insgesamt äusserst zufriedenstellenden Soundkulisse und -Qualität ein leicht vertracktes, aber eben doch stimmiges Gesamtbild. Eine Nummer wie AN OLD ENEMY macht dies noch einmal überdeutlich: auch im Power Metal-Genre braucht es nicht immer ein schnelles Tempo oder wildes Doublebass-Geballer. Stattdessen erklingen eher gemäßigte, aber nicht minder beeindruckende Töne – die Nummer strotzt nur so vor Ausdruckskraft, und begeistert vor allem durch das starke Riffing und die spätere Soli-Passage. Ola Halen’s Gesang weiss das Ganze perfekt zu garnieren – seine Leistung toppt die auf dem letzten INSANIA-Album dargebotene um ein vielfaches. Sicher auch, da man hier von potentiell nervigen Spielereien in allzu hohen Lagen absieht, und stattdessen einige gut platzierte Growls einstreut. Interessant ist auch das abschließende Stück BELIEVE ausgefallen – die erste und einzige Ballade des Albums, die SHADOWS PAST dann doch noch einmal von einer anderen Seite zeigt. Musikalisch und melodisch über jeden Zweifel erhaben, wird es auch hier einige Anläufe brauchen – doch dann steht dem in diesem Falle vollkommen kitschfreien Balladen-Genuss nichts mehr im Wege.

Fazit: PERFECT CHAPTER ist nicht perfekt – kratzt aber scharf an der hiesigen Grenze. SHADOWS PAST legen hier ein rundum starkes Debüt ab, welches vor allem Freunde eines technisch anspruchsvollen Power Metals mit progressiven Anleihen begeistern wird. Hinzu kommt, dass das Album trotz der auflockernden Elemente (hauptsächlich in den Refrains) insgesamt relativ düster ausgefallen ist – addiert man die offensichtlich vorhandene poetische Schlagkraft hinzu; ergibt sich ein echter Geheimtipp. In jedem Fall aber etwas ganz besonders – PERFECT CHAPTER ist ein Album, welches man sicher nicht alle Tage zu hören bekommt. Und im gleichen Atemzug: auch keines, welches zu jeder Gelegenheit zündet. Das unten verlinkte Musikvideo zu WHEREVER I GO bietet noch den leichtesten Zugang, und eignet sich daher nur bedingt für eine Vorab-Einschätzung des tatsächlichen Alben-Inhaltes (wobei man die etwas ungünstigen Video-Effekte dringend ignorieren sollte). Eventuell empfiehlt es sich vor dem Kauf in den offiziellen Alben-Teaser (Link) hineinzuhören. Alle erforderlichen Warnungen wurden ausgesprochen – man darf gespannt sein, was die Combo um Ola Halen uns in Zukunft noch bescheren wird.

Anspieltipps: WHEREVER I GO, CRY NO MORE, AN OLD ENEMY, IMPRESSED, BELIEVE

Vergleichsbands: INSANIA


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„Tatsächlich ein fast perfektes Kapitel in der Metal-Geschichte“

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