Metal-CD-Review: MANOWAR – Gods Of War (2007)

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Album: Gods Of War | Band: Manowar (weitere Band-Inhalte)

Land: USA – Stil: Heavy / True Metal – Label: Magic Circle

Alben-Titel: Gods Of War
Künstler / Band: Manowar (mehr)
Land: USA
Stil / Genre: Heavy / Power Metal
Label: Magic Circle

Alben-Lineup:

Eric Adams – Gesang
Joey DeMaio – Gitarre, Bass, Keyboard
Karl Logan – Gitarre, Keyboard
Scott Columbus – Schlagzeug

Track-Liste:

01. Overture To The Hymn Of The Immortal Warriors
02. The Ascension
03. King Of Kings
04. Army Of The Dead, Part I
05. Sleipnir
06. Loki God Of Fire
07. Blood Brothers
08. Overture To Odin
09. The Blood Of Odin
10. Sons Of Odin
11. Glory Majesty Unity
12. Gods Of War
13. Army Of The Dead, Part II
14. Odin
15. Hymn Of The Immortal Warriors
16. Die For Metal (Bonus Track)

MANOWAR schlagen dem True Metal-Fass den Boden aus.

GODS OF WAR, das zehnte Studioalbun der amerikanischen True Metal-Recken von MANOWAR, ist ohne Zweifel das bis heute umstrittenste Werk der seit den frühen 80ern agierenden Band. Noch nie zuvor haben sich alteingesessene Fans, Kritiker und neue Hörer einen derart intensiven Schlagabtausch geliefert – was sowohl den Alben-Inhalt selbst, aber auch die Vorgeschichte und den allgemeinen Status der Band betrifft. Bietet GODS OF WAR noch die üppige MANOWAR-Kost, die man aus der Blütezeit der Band gewohnt war ? Sind die etwaigen musikalischen Experimente und konzeptionellen Ideen zweckdienlich, oder verrät sich die Band selbst ? Und vom Album unabhängig: betreiben MANOWAR nur noch ein reines Abzock-Unternehmen, verlassen sich Live auf Playback, verärgern Fans ? Ja, sind die hinter MANOWAR stehenden Musiker überhaupt noch für voll zu nehmen (siehe Interview im RockHard) ? So bunt die Meinungen zu diesem Thema ausfallen mögen – viele Kritiken gaben GODS OF WAR so von vornherein keine Chance. Und so soll an dieser Stelle noch einmal der Versuch unternommen werden den tatsächlichen musikalischen Inhalt; das heißt ohne das 2007 (und danach) geradezu wahnsinnige Drumherum zu bewerten. Auch wenn das bedeutet, potentiell ‚echte‘ Ärgernisse auszublenden, die sich auf die Band und ihren teils immer fraglicher erscheinenden Status beziehen. Ist GODS OF WAR ein MANOWAR-Album geworden welches man besitzen sollte – oder reicht die frühere (vielleicht ‚glaubhaftere‘, geradlinigere und teils sogar wegweisende) Diskografie ?

Wenn über eines im Heavy Metal Einigkeit herrscht, dann über die Tatsache dass Geschmäcker verschieden sind. Aber nicht nur das – auch etwaige Band-Entwicklungen und Reifeprozesse werden oftmals kritisch beäugt. Die Folgen können unterschiedlicher Natur sein – entweder, man bleibt einer Band auch trotz offensichtlicher Fehlentscheidungen treu (und hofft auf bessere Zeiten), oder man kehrt ihr den Rücken zu. So geschehen ist dies auch bei GODS OF WAR – welches so gesehen das erste MANOWAR-Album ist, welches einen überdeutlich symphonischen Charakter hat. Gerade das verwunderte viele Fans, und mündete in allerlei Spott – schließlich galten MANOWAR einst selbst als die trvsten Metaller, die sich nicht mit derlei Spielereien abgeben würden. Doch gerade das ist eigentlich auch der Clou des Albums – eine Neuorientierung, die normalerweise besser von Fans hätte aufgenommen werden sollen. Denn tatsächlich machen MANOWAR auch auf GODS OF WAR das, was sie schon immer machten: sie zelebrieren einen epischen Heavy Metal, in diesem Fall mit zusätzlich unterstützenden Elementen. Auch wenn Fans der älteren MANOWAR-Spielart noch immer bedient werden, richtet sich GODS OF WAR so vor allem an Freunde des Symphonischen Heavy- oder gar Power Metal; so unglaublich  (und vielleicht überraschend) das auch klingt.

Denn: grundsätzlich werden alle Voraussetzungen erfüllt, die ein gutes Symphonic Power Metal-Album mitbringen muss. Angefangen beim Albenkonzept über die nordische Mythologie (samt aller Helden von Thor bis Odin) über die orchestrale Instrumentierung (Chöre, klassische Instrumente) bis hin zu den genretypischen Ein- und Zwischenspielern (gleich 2 Intros, viele Interludes und Sprechpassagen) spricht so einiges dafür, das Album eher im Bereich des Power Metal einzuordnen. Ganz so leicht ist es dann aber doch nicht – schließlich haben sich MANOWAR nicht komplett verändert, beziehungsweise ihrem alten Sound abgeschworen. Und so ist vor allem der Gesang von Eric Adams noch immer das markante Aushängeschild der Band – der reichlich rau, kräftig und majestätisch daherkommt. Auch gibt es kein plumpes Keyboard-Gedudel oder allzu heftiges Uptempo-Geballere – sodass MANOWAR auf GODS OF WAR letztendlich eine perfekte Symbiose aus den Genres des Heavy-, Power- und Symphonic Metal zelebrieren. Eine erst gewöhnungsbedürftige, soviel ist sicher – doch sollte man dem Album Zeit und Raum geben, sich zu entfalten. Ebenfalls hilfreich kann es sein, das Album als Gesamtwerk zu betrachten; und es dementsprechend in seiner Gänze auf sich wirken zu lassen. Sich einzelne Titel herauszupicken ist in diesem Fall schlicht nicht besonders hilfreich – zumal so auch die Intros und Interludes ihren Sinn und Zweck verfehlen.

In jedem Fall positiv hervorzuheben ist die auf GODS OF WAR angebotene Vielfalt. Es gibt rein instrumentale, klassische Intros; atmosphärische Erzählparts, aber eben auch äußerst wirksame Brecher wie KING OF KINGS, SLEIPNIR oder LOKI – GOD OF FIRE, die den ‚alten‘ MANOWAR stilistisch am nächsten kommen. Markant ist auch die auf dem Album enthaltene Ballade BLOOD BROTHERS, die gar nicht mal so kitschig, unglaubwürdig oder übertrieben daherkommt. Das sich MANOWAR in diesem Fall ausgerechnet die nordische Mythologie vornehmen, unterstützt den allgemein bombastischen Eindruck des Albums – es klingt einfach gut, wenn sich die starke Instrumentierung und der Leadgesang entsprechend epischen Geschichten alter Helden und Sagen widmen. Dass es dabei auch mal eher plump zugehen kann, ist nichts neues – weder im Heavy-, noch im Power- oder sonst irgendeinem Metal-Genre. Doch dafür dass MANOWAR schon immer als recht, man nenne es markante Combo geläufig war (die ihre gesamte Existenz dem Metal verschrieben hat, in jedweder Hinsicht); klingt das Ganze hier verdammt akzeptabel.

Allerdings ist auch GODS OF WAR nicht gänzlich frei von musikalischen Makeln. Beispielsweise wirkt das Drumming größtenteils eher artifiziell, und erinnert im schlimmsten Fall an einen Drumcomputer (besonders markant bereits im eigentlichen Opener KING OF KINGS). Auch in Sachen Riffs gibt man sich eher gediegen, sodass Freunde eines großartigen Gitarren-Gefrickels nicht wirklich auf ihre Kosten kommen – nennenswerte Soli gibt es nämlich auch keine. Die dafür angebotenen Alternativen (hauptsächlich in Form der symphonischen Komponente) trösten meistens darüber hinweg – aber eben nicht immer. Auch sind ausgerechnet in diesem Bereich einige Elemente von eher verbesserungswürdiger Natur: die unwirklich klingenden Naturgeräusche (Wind), die Echo-Effekte der Sprechchöre, das Pferdegetrampel… all das hat man auch schon besser (und glaubwürdiger) gehört.

Fazit: GODS OF WAR ist ein möglicherweise zu Recht umstrittenes Album – aber noch lange kein zu vernachlässigendes oder gar durch und durch schlechtes. Ob man der bisherigen MANOWAR-Diskografie nun Gehör geschenkt hat oder nicht – man sollte die nötige Portion Offenheit mitbringen, um in den vollen Genuss des Albums zu kommen. Das gelingt gerade nach zwei oder drei Durchläufen auffällig gut. Wenn man zusätzlich noch eine gewisse Affinität für nordische Götter und Sagen mitbringt, sollte eigentlich nichts mehr schiefgehen können. GODS OF WAR ist ein zutiefst episches MANOWAR-Album, bei dem lediglich leichte Abstriche in der B-Note (Gewichtung der Instrumente, Drum-Part, überbordernde Instrumental- und Erzählpassagen) vorgenommen werden müssen. Doch davon abgesehen… gibt es nichts zu Mäkeln. Ein Release, welches man in seiner Sammlung haben sollte – in jedem Fall eher als die darauffolgenden Alben BATTLE HYMNS MMXI (überflüssige Neuauflage) und THE LORD OF STEEL (schmerzhaft unoriginell).

Anspieltipps: KING OF KINGS, SLEIPNIR, LOKI, SONS OF ODIN

Vergleichsbands: DIO | OMEN | WIZARD | VIRGIN STEELE


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„MANOWAR erstmals in einem perfekt auf sie zugeschnittenen Genre“

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