Filmkritik: „Prince Of Persia – Der Sand Der Zeit“ (2010)

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Originaltitel: Prince Of Persia: The Sands Of Time
Regie: Mike Newell
Mit: Jake Gyllenhaal, Gemma Arterton, Ben Kingsley u.a.
Land: USA
Laufzeit: 116 Minuten
FSK: Ab 12 freigegeben
Genre: Fantasy / Abenteuer / Action
Tags: Prince Of Persia | Videospiel | Verfilmung | Zeitsand | Dolch | Persien

Computerspiel-Nostalgie meets effektgeladenes Wüstenabenteuer.

Inhalt: Prinz Dastan (Jake Gyllenhaal) ist ein ehemaliger Waisenjunge, der aufgrund seiner Fähigkeiten und seines besonderen Mutes in die Königsfamilie aufgenommen wurde. An der Seite seiner Brüder Tus (Richard Coyle) und Garsiv (Toby Kebbell) führt er nun die persische Armee an, um die gut befestigte Stadt Alamut einzunehmen. Dort vermutet man geheime Waffenlager, aus denen geschmiedete Waffen an die Feinde des persischen Reiches verkauft werden. Nachdem die Stadt mit einigem Geschick eingenommen werden kann, gelangt Dastan in den Besitz eines besonders reich verzierten Dolches. Bevor er sich jedoch auf den Lorbeeren seiner Eroberung ausruhen kann, geschieht ein Verbrechen: König Sharaman (Ronald Pickup) wird in der Öffentlichkeit vergiftet, woraufhin ausgerechnet Dastan der Tat bezichtigt wird. Gleichermaßen überrascht und geschockt über die Anschuldigung bleibt ihm nichts anderes übrig, als mit der jungen Prinzessin Tamina aus Alamut zu fliehen. So könnte er seine Unschuld zu einem späteren Zeitpunkt beweisen – doch kommt ihm nun der Dolch zuvor, der ein großes Geheimnis in sich zu tragen scheint…

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Kritik: PRINCE OF PERSIA – DER SAND DER ZEIT ist eigentlich eine Videospiel-Verfilmung der bereits 1989 ins Leben gerufenen, namensgebenden Computerspiel-Reihe. Wie so oft gerät das der Verfilmung einerseits zum Vorteil (hauptsächlich wegen des bereits etablierten Bekanntheitsgrades des Franchises), andererseits zum Nachteil. Schließlich sind insbesondere alteingesessene Fans und Kenner eines Videospiels oftmals die kritischsten Zuschauer, wenn es um die Real-Verfilmung eines ihrer potentiellen Lieblingsspiele geht. Da es bisher aber noch so gut wie keiner Videospielverfilmung gelang, Fans und Neueinsteiger gleichermaßen zufriedenzustellen (hauptsächlich da das wichtige Element des Gameplays wegfällt), hilft eigentlich nur eines: der Versuch, den Film als möglichst unabhängiges Werk zu betrachten. Im vorliegenden Fall gelingt von PRINCE OF PERSIA gelingt dies überraschend gut – denn ein etwaiges Vorwissen ist nicht erforderlich. Selbst Zuschauer, die noch nie von dem auf Dächern herumhüpfenden Prinzen gehört hat, können direkt in die Geschichte einsteigen. Die ist dementsprechend nicht besonders komplex oder fordernd – vielmehr wurde sie auf eine gewisse Hollywood-Tauglichkeit (oder auch Bekömmlichkeit) getrimmt.

Das hört sich gut an ? Nicht unbedingt, wie sich herausstellt. Denn genau das ist aber auch der Knackpunkt des Films. Ein nicht weiter verwunderlicher – schließlich hätte der Film bei weitem nicht soviel eingespielt, wäre er nur für Fans und Kenner der Computerspielreihe geeignet. Und so entfaltet die PRINCE OF PERSIA-Realverfilmung eher die Atmosphäre eines x-beliebigen Hollywood-Abenteuerfilms mit halbwegs großen Stars und einem stattlichen Budget, anstatt sich als wirklich einzigartiges oder besonderes Werk zu profilieren. Auch die bestenfalls zweckdienlichen Charakterporträts unterstützen diesen Eindruck: gerade Dastan, der grundsätzlich recht gut und sympathisch von Jake Gyllenhaal verkörpert wird; lässt als eigentlicher Hauptcharakter alles andere als tief blicken. Nicht nur die um ihn herum gesponnenen, filmisch-fiktiven Daten und Fakten wirken eher mau, wenn nicht geradezu beliebig – und verhindern so das Entstehen eines intensiveren, nachvollziehbaren Porträts. Es mangelt ihm schlicht grundsätzlich an markanten Ecken und Kanten, die seinem Charakter etwas mehr Tiefe und Rauhheit verliehen hätten. Kurzum: er wirkt insgesamt viel zu brav (Stichwort Disney), während man sich ausgerechnet in Bezug auf das weibliche Gegenstück der Prinzessin mehr vorgenommen hat. Das geht manchmal auf (beispielsweise wenn es um ihre Rolle als ‚Wächterin‘ geht) – manchmal eher nicht. Das ständige, merkwürdige Anecken mit Dastan, welches letztendlich weniger Folgen hat als man vielleicht erwartet hätte, bildet eines der komödiantischen Elemente des Films – ein etwas überstrapaziertes.

Auch wenn insbesondere die Charakterporträts und deren Entwicklungen (natürlich darf auch eine große, etwas plump wirkende Love-Story nicht fehlen) eher enttäuschen, hat PRINCE OF PERSIA dennoch einige Vorzüge anzubieten. Diese sind vor allem hinsichtlich der pompösen, aber keinesfalls abgehobenen Inszenierung zu entdecken – und dem bereits im Titel enthaltenen Element des Zeitsandes. Die markante, abenteuerliche (Wüsten-)Welt, die dem Zuschauer hier gezeigt wird; wirkt in sich stimmig – und serviert das ein oder andere optische Highlight. Seien es blosse Landschaftsaufnahmen, die (recht gut) animierten Ansichten der riesigen Festungsstadt Alamut, die atemberaubenden Kamerafahrten, die flott inszenierten Kämpfe oder eben der Effekt welcher bei der Verwendung des Dolches auftritt – das alles sieht nicht nur nett aus, sondern trägt enorm zur Atmosphäre des Films bei. Die teils sehr belebten Szenen (in den Straßen der Stadt, in großen Sälen) unterstützen diesen Eindruck, wie auch der kraftvolle, nur manchmal etwas zu dick auftragende Soundtrack. Lediglich zum großen Finale hin gibt es plötzlich einen Überschwall an Effekten, nämlich dann wenn die Reise gen Heimatort des Dolches geht – das hättet wahrlich nicht sein müssen, der Film kam auch vorher ohne übertriebenes (und nerviges) Getöse wie dieses aus.

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Fazit: Natürlich muss man bei einer Computerspielverfilmung immer Abstriche machen. Doch im Falle von PRINCE OF PERSIA sind es nicht unbedingt jene Umsetzungs-bezogenen, die ihn als TOP-Film disqualifizieren. Dafür hat er schlicht zu viele andere, offensichtliche Schwächen; die hauptsächlich in den flachen Charakterporträts und dem effektüberladenen Finale zu finden sind. Doch davon abgesehen macht der Film schlicht einen Heidenspaß – die atmosphärische optische Inszenierung, das markante Elemente der Zeitreise (Vorsicht jedoch vor einer Plausibilitätsprüfung der dahinterliegenden Logik), der ein oder andere witzig-auflockernde Moment und eine angenehme Prise antiker Mystik tragen den Zuschauer wunderbar über die wie im Flug vergehenden 116 Minuten. Eine Empfehlung für einen lockeren Filmabend, bei dem es gerne einmal wieder etwas Hollywood-lastiger zugehen darf – ohne, dass man sich dabei für das Ergebnis schämen müsste.

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