Metal-CD-Review: DREAMTALE – World Changed Forever (2013)

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Alben-Titel: World Changed Forever
Künstler / Band: Dramtale (mehr)
Land: Finnland
Stil / Genre: Melodic Power Metal
Label: Rock It Up Records

Alben-Lineup:

Erkki Seppänen – Vocals
Rami Keränen – Guitar
Seppo Kolehmainen – Guitar
Heikki Ahonen – Bass
Akseli Kaasalainen – Keyboards
Petteri Rosenbom – Drums

Track-Liste:

01. The Shore
02. Island Of My Heart
03. Tides Of War
04. We Have No God
05. The Signs Were True
06. The Heart After Dark
07. Join The Rain
08. Back To The Stars
09. World Changed Forever
10. My Next Move
11. Dreamtime
12. Destiny’s Chance

Traumgeschichten sind doch die schönsten.

Das Rennen um das beste Power Metal-Album des Jahres 2013 geht munter weiter. Dabei warteten schon viele aussergewöhnlich starke Releases auf den geneigten Genre-Fan: seien es die alten Hasen von HELLOWEEN oder STRATOVARIUS, die fulminanten schottischen Newcomer GLORYHAMMER oder die wieder erstarkten Italiener von DERDIAN – sie alle haben überdurchschnittlich gute Alben, und somit auch potentielle Anwärter auf den diesjährigen Genre-Thron abgeliefert. Doch scheint 2013 auch das Jahr der überraschenden Rückmeldungen zu sein – wobei diese nicht immer die qualitativen Erwartungen erfüllten. Nach dem soliden, aber eher enttäuschenden Comeback von THE STORYTELLER melden sich nun auch DREAMTALE zurück – mit einem neuen Album, offenbar aber auch vielen neuen Ideen im Gepäck. Das gute Stück, welches am 26. April 2013 über Rock It Up Records veröffentlicht wurde, beinhaltet 12 Titel und ist als Konzeptalbum aufgemacht. Es geht um eine alte Legende der sogenannten ‚Islanders‘, die einen kulturellen Krieg gegen eine technologisch fortgeschrittenere Bewegung führte. In Anbetracht dessen, dass grundsätzlich alle bisherigen DREAMTALE-Alben (derer sind es vor WORLD CHANGED FOREVER 5) etwas besonderes waren; stehen die Chancen auch für den neuesten Streich der Finnen gut. Aber: handelt es sich tatsächlich um einen Geniestreich, oder doch eher um lauwarme Massenware ?

Und in der Tat: das Album braucht nicht lange, um in Fahrt zu kommen und den Hörer entsprechend zu fesseln. Mit dem Fantasy-lastigen Intro THE SHORE (welches weniger nach DRAGONLAND klingt, als man vielleicht vermuten würde) gelingt DREAMTALE ein geradezu perfekter Einstieg. Man merkt es sofort: die Finnen verstehen etwas vom Songwriting, und verbinden den guten alten Band-Spirit der frühen 2000er Jahre gekonnt mit neuen, frischen Ideen. Das, was die Band seit jeher auszeichnete; spiegelt sich auch im Opener ISLAND OF MY HEART wider. Die Mitglieder haben nichts von ihrer schon immer prägnanten Ausdruckskraft verloren, soviel ist sicher – die leicht verträumten, geradezu majestätischen Klänge werden zu einem absolut stimmigen, wunderbar atmosphärischen Ganzen verwoben. Markant dabei ist, dass DREAMTALE tatsächlich enorm einzigartig klingen. Die dezenten Backgroundgesänge, die mal sphärischen, mal leicht trancigen Zusatzelemente und vor allem der starke Leadgesang von Erkki Seppänen verleihen dem Album so eine ganz besondere, unverwechselbare Note. Wenn man unbedingt wollte, könnte man das Aufkommen der etwas elektronischeren, trancigen Klänge (teilweise) mit dem Eindruck von STRATOVARIUS‘ neuestem Output NEMESIS vergleichen – nur dass DREAMTALE in diesen Momenten einfach deutlich besser und treffsicherer klingen. Jene Elemente fügen sich schlicht perfekt in den Gesamtkontext des Albums ein, und klingen alles andere als kitschig, zu vordergründig oder unpassend.

Und es geht munter weiter – ein Titel wie TIDES OF WAR ist einfach als Hymne prädestiniert. Zwar schrammt man mit dem exzessiven Einsatz des Keyboards schon hart an der Grenze – doch wenn dafür in den Strophen auf derlei Spielereien verzichtet; und vor allem ein derart eingängiger Refrain präsentiert wird, kann man gerne darüber hinwegsehen. Überhaupt agieren DREAMTALE auf WORLD CHANGED FOREVER über alle Maßen stilsicher – die satte Produktion und das astreine Klangbild unterstützen den technisch und handwerklich versierten Eindruck. Wenn sich dann auch noch ein Songwriting wie das hier vorzufindende hinzugesellt, sind die Weichen eigentlich schon so gut wie gestellt. Was jetzt noch fehlt, ist ein wenig Abwechslung; ein wenig Vielfalt die den Hörer gut über die knappe Stunde trägt. Und die findet man tatsächlich: von markanten, hymnenverdächtigen Uptempo-Brechern über epische Midtempostampfer und eher balladesk angehauchte Titel ist alles vertreten. Natürlich werden in Anbetracht von wahnsinnig voranpreschenden Nummern wie WE HAVE NO GOD (welche abermals einen kongenialen Refrain bereithält) vor allem Freunde einer schnelleren Gangart des Power Metals auf ihre Kosten kommen – doch DREAMTALE verzichten darauf, dem Hörer stumpfe Haudrauf-Nummern zu präsentieren. Stattdessen gibt es ständige Tempiwechsel, Neuorientierungen innerhalb der Songs, Breaks und vieles mehr.

So gerät ein jeder Titel zu einem kleinen Abenteuer – zumeist einem von spektakulären Ausmaßen. Gerade im Mittelteil finden sich dann noch einmal einige besonders starke Nummern – THE SIGNS WERE TRUE und THE HEART AFTER DARK lassen einfach keine Wünsche offen. Einzig das folgende JOIN THE RAIN gerät etwas gewöhnungsbedürftig – hier wurde vielleicht etwas zu stark an den Trance-Reglern gedreht. Ein Tropfen auf dem heissen Stein – denn abgesehen davon stimmt auch hier alles. BACK TO THE STARS serviert dann sogar noch eine abwechslungsreiche Portion aus verschiedenen Elementen des Melodic Rock, gepaart mit der Schlagkraft der hier etwas zurückgefahrenen Kraft des Power Metals. Es entsteht ein vergleichsweise ruhiger, festlicher Eindruck – der Laune macht, und sich im Vergleich zu so vielen anderen Bands die Attribuierung als zeitlose Musik einfach redlich verdient hat. Eine weitere Überraschung folgt mit dem Titeltrack, der grundsätzlich als Ballade durchgeht – doch schlicht eine wahnsinnige Ausdruckskraft an den Tag legt. Die letzten Titel fallen qualitativ nicht ab; stattdessen zeigen sie DRAMTALE als äußerst variable Band mit einem Hang zu enorm melodischen Kompositionen, die auch mal durch dezente symphonische Komponente aufgewertet werden. Was auch immer die Finnen in ihre Kompositionen einbringen – alles erfüllt seinen Zweck. Sei es nun das rasante DREAMTIME oder das poetisch-erhabene DESTINY’S CHANCE (was für ein Refrain, was für eine Instrumentation), solche Rausschmeißer wünscht man sich doch gerne.

Fazit: Dass DREAMTALE schon immer ein echter Geheimtipp waren und für einen sagenhaft guten Power Metal standen, ist eine Tatsache. Auch mit ihrem neuen Werk WOLDCHANGED FOREVER geben sich die Finnen keine Blöße, im absoluten Gegenteil. Vielleicht ist es endlich an der Zeit, dass die Band die Aufmerksamkeit und Anerkennung erhält, die ihr zusteht. Der beste musikalische Beweis dafür ist WORLD CHANGED FOREVER – das bis dato beste Album der gesamten, ohnehin schon hochkarätigen DREAMTALE-Diskografie. Hier stimmt einfach alles – von vorne bis hinten; von der ersten bis zur letzten Minute. Das außergewöhnlich starke Songwriting steht dabei an erster Stelle, wenn es um die Qualitäten der Band geht – doch auch in allen anderen Punkten ist das DREAMTALE-Prinzip ein geradezu fabelhaftes. In Bezug auf das neue Album gibt es nicht einen einzigen, wirklich markanten Kritikpunkt – da kann man soviel suchen wie man will. Und so geschieht das überraschende: DREAMTALE sind mit ihrem neuen Album nicht mehr nur Anwärter auf den Power Metal-Thron 2013, sie haben ihn schon so gut wie sicher inne.

Anspieltipps: ALLE

Vergleichsbands: STRATOVARIUS | FREEDOM CALL


90button

„Ein sehr überzeugendes Comeback-Album“

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