Metal-CD-Review: AVANTASIA – The Mystery Of Time (2013)

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Alben-Titel: The Mystery Of Time
Künstler / Band: Avantasia (mehr)
Land: Deutschland
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

Tobias Sammet – Vocals
Sascha Paeth – Guitar
Michael Rodenberg – Keyboard
Russel Gilbrook – Drums

Track-Liste:

01. Spectres
02. The Watchmakers‘ Dream
03. Black Orchid
04. Where Clock Hands Freeze
05. Sleepwalking
06. Savior In The Clockwork
07. Invoke The Machine
08. What’s Left Of Me
09. Dweller In A Dream
10. The Great Mystery

An AVANTASIA scheiden sich auch weiterhin die Geister.

So lang liegt das letztaktuelle Studioalbum von AVANTASIA, der von Tobias Sammet (EDGUY) angeführten Symphonic Power Metal-Combo aus Deutschland, noch gar nicht zurück. Oder sollte man eher sagen, derer zwei ? Schließlich handelte es sich um ein ungewöhnliches Doppel-Release, bestehend aus THE WICKED SYMPHONY und ANGEL OF BABYLON, die beide zeitgleich am 03. April 2010 veröffentlicht wurden. Doch wurde das Gesamtwerk nicht von jedem mit Begeisterung angenommen – wie schon im Rahmen des Releases von THE SCARECROW (2008) musste sich die Combo Vorwürfe hinsichtlich einer zu mainstreamigen, zu poppigen Ausrichtung gefallen lassen. Zwar gab es auch schon zu Beginn der kreativen Phase der Band (2000-2002, THE METAL OPERA Teil 1 und 2) immer wieder Zweifler und Nörgler – doch schienen die Rollen hier tatsächlich klarer verteilt. AVANTASIA haben sich längst von ihrer ursprünglichen Auslegung des Symphonic Power Metals wegbewegt – und lassen sich immer mehr in das Genre des Hardrocks, oder bestenfalls noch Melodic Metals einordnen. Eben dies sollte man beachten, widmet man sich einem Werk wie THE MYSTERY OF TIME – jene Interessenten, die hier auf ein Comeback der guten alten METAL OPERA hoffen, oder sich allgemein an symphonischen Power Metal-Klängen ergötzen; werden bitter enttäuscht sein. Oder… ?

Überraschenderweise finden sich auf THE MYSTERY OF TIME weit mehr als eine handvoll symphonischer Elemente; die an die Ursprungszeit der Band erinnern und die Kompositionen schön ausstaffieren, ohne sie zu überladen. Dies führt bereits im Opener SPECTRES dazu, dass ein recht melodiöser Gesamteindruck entsteht. Aber eben auch ein etwas langatmiger – das Tempo ist absolut gemäßigt, das Schlagzeug hält sich bedächtig im Hintergrund – oder macht über kleinere Strecken gleich ganz Pause. Zwar gibt es hie und da einige schmackige Momente, doch insbesondere die (grundsätzlich starken) Gesangseinlagen von Tobias Sammet machen den Titel zu einer Art Halb-Ballade, in der auch der Refrain möglichst eingängig inszeniert wurde. Jener Leadgesang markiert auch auf THE MYSTERY OF TIME einen weiteren Knackpunkt. Während die geladenen Alben-Gäste wie Michael Kiske (HELLOWEEN), Biff Byford (SAXON), Arjen Anthony Lucassen (AYREON), Eric Martin (MR. BIG), and Joe Lynn Turner (RAINBOW) für ein angenehmes Quäntchen Kraft und Ausdrucksstärke sorgen, und das Album zumindest nicht völlig vom Oberbegriff des Heavy Metal abdriften lassen; klingt Sammet eben wie er klingt – eher wie ein Rock-, denn ein Metal-Sänger. Doch natürlich handelt es sich hier wie immer um eine Geschmacksfrage – eine, an der sich die Geister scheiden werden.

Im weiteren Verlauf des Albums fällt nun aber vor allem eines auf: es ist ein Album der Gegensätze geworden. Während eine Nummer wie WHERE CLOCK HANDS FREEZE doch tatsächlich eine Riesenportion geballter Kraft an den Start bringt, und durch den Gastgesang von Michael Kiske gar zu einer zeitlosen Hymne avanciert; wirkt das darauffolgende SLEEPWALKING schon fast wie eine Beleidigung. Oder etwa nicht… ? Die einen werden sagen, dass man eine derart schmalzige, austauschbare Ballade mit einer expliziten Chart-Tauglichkeit nur selten auf einem Album findet, welches sich noch halbwegs in den Genre-Gefilden des Heavy Metal bewegt. Die anderen dagegen werden sich insbesondere am hochqualitativen, stimmigen weiblichem Gastgesang von Cloudy Yang erfreuen, und der Nummer eine Chance geben, sich zu entfalten. Jener Gegensatz definiert auch recht gut die Gesamtentwicklung von AVANTASIA – es wird immer schwieriger, die Band in ein einzelnes Genre zu pressen. Und so ergeht es dem Hörer auch auf THE MYSTERY OF TIME. Hört er die ersten Titel, wird er sich möglicherweise damit abgefunden haben, dass AVANTASIA von nun an eher Chart-taugliche Rockmusik machen (sofern er dieser Entwicklung kritisch gegenübersteht) – nur um danach auf den ein oder anderen Power Metal-Kracher zu stossen. Ja, was denn nun… ? Offenbar ist beides möglich – wenn nicht noch mehr, denn die Vielfalt auf einem Album wie diesem ist enorm, geradezu unschlagbar wenn man so will.

Fazit: THE MYSTERY OF TIME wird vor allem jene AVANTASIA-Fans ansprechen, die der Band seit jeher treu ergeben sind; und dementsprechend auch etwaige stilistische Neuausrichtungen (prinzipiell und gerne behauptet: eher weg vom Metal, hin zum Rock) gutheißen. Allerdings werden AVANTASIA mit diesem Album auch viele neue Fans gewinnen. Schließlich ist die hier dargebotene Musik extrem zugänglich, melodiös – und eben so bekömmlich; dass sich auch allgemeine Chart-Konsumenten einen Narren an THE MYSTERY OF TIME fressen könnten. So negativ das klingt – warum sollte man sich dagegen sperren, wenn sich AVANTASIA doch explizit für einen solchen Werdegang entscheiden haben und in Zukunft noch größere (kommerzielle) Erfolge feiern werden ? Denn immerhin unterscheidet die AVANTASIA-Bandmitglieder noch so einiges von anderen: sie verleugnen ihre musikalischen Wurzeln nicht, wirken ehrlich und sympathisch; und vor allem haben sie Talent. Ein jedes einzelnes Mitglied für sich – da braucht man nicht erst die jeweiligen Bio- oder Diskografien anberaumen. Soviel Talent, dass sie AVANTASIA grundsätzlich in beinahe jede Genre-Richtung schieben könnten, wenn sie nur wollten. Momentan bleibt es eben bei der vorliegenden – doch wer weiss schon, was die Zukunft bringt. THE MYSTERY OF TIME bietet letztendlich eine angenehme Bandbreite aus eher soften und voranpreschenden Klängen; und ist jedem Musikbegeisterten zu empfehlen, der um Musik zu hören nicht unbedingt in den Keller geht.

Anspieltipps: SPECTRES, WHERE CLOCK HANDS FREEZE, INVOKE THE MACHINE

Vergleichsbands: EDGUY | SONATA ARCTICA | KAMELOT


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„In jedem Fall ein Schritt in die richtige Richtung“

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