Filmkritik: „Return Of The Living Dead III“ (1993)

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Originaltitel: Return Of The Living Dead 3
Regie: Brian Yuzna
Mit: J. Trevor Edmond, Melinda Clarke, Kent McCord u.a.
Land: USA
Laufzeit: 92 Minuten
FSK: Ab 18 freigegeben
Genre: Horror / Drama
Tags: Zombies | Untote | Liebe | Love-Story | Makaber | Trioxin | Living Dead

Toll treiben es… die wilden Liebenden.

Inhalt: In den 1960er Jahren hat das US-Militär einen speziellen Kampfstoff entwickelt, dessen Wirkung nicht allein darauf beschränkt ist; Menschen zu töten. Vielmehr für das gasförmige Gift dazu, dass Tote wiederauferstehen – und danach weitaus widerstandsfähiger sind als zuvor; wenn nicht gar unsterblich. Und so experimentiert die Army auch heute noch mit dem sogenannten Trioxin – um die nächste Generation der Kriegsführung einzuläuten. Dass die Experimente fehlschlagen, oder zumindest durch Unfälle gestört werden könnten; damit rechneten die Verantwortlichen – und so befinden sich einige hochrangige Militärs hinter dicken Panzerglasscheiben, als ein wiederbelebter Zombie in einem Versuchsraum plötzlich Amok läuft. Was sie nicht wissen ist, dass das Geschehen von zwei Jugendlichen beobachtet wird – Julie und Curt, dessen Vater selbst Mitglied im engsten Kreis der Versuchsleiter ist. Kurz darauf haben die beiden einen Motorradunfall, bei dem Julie stirbt. Curt entschließt sich notgedrungen dazu, sich das soeben Gesehene zunutze zu machen – und seine Freundin wiederzubeleben. Das gelingt ihm auch; doch dachte er dabei nicht an die möglichen Nebenwirkungen der Prozedur. Aber die beiden lieben sich – und wollen zusammen entkommen, koste es was wolle.

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Wo bitte geht’s zur nächsten Fete… ?

Kritik: Irgendwie lag es auf der Hand, dass nach dem 1985’er Kult-Horrorfilm VERDAMMT, DIE ZOMBIES KOMMEN (Kritik) und dessen grundsätzlich ebenso guter Fortsetzung TOLL TREIBEN ES DIE WILDEN ZOMBIES (Kritik) das nunmehr etablierte Franchise um die Auswirkungen eines mysteriösen Giftgases nicht einfach so fallen gelassen würde. Und so folgte 1993 ein dritter Teil – RETURN OF THE LIVING DEAD 3. Dabei fallen zwei Dinge sofort – und vorab – ins Auge. Nicht nur, dass der Original-Titel der deutschen Variante erstmals glich (was entweder auf eine gewisse Ideenlosigkeit, Lustlosigkeit oder gewagt: auf eine sinngemäße Abspaltung des zweiten vom dritten Teil hinweist) – auch der verantwortliche Stab war ein gänzlich anderer. Ist RETURN OF THE LIVING DEAD 3 also noch als würdiger Nachfolger zu bezeichnen, oder handelt es sich um ein gänzlich überflüssiges Sequel eines mittlerweile ausgereizten Stoffes ?

Eine schwierige Frage, die jedoch eher zum Nachteil des Films ausgelegt werden kann. Denn: der dritte Teil macht grundsätzlich vieles anders; womit sich die oben genannten Vermutungen bereits innerhalb der ersten Film-Minuten bestätigen – er macht es jedoch keinesfalls besser. Sicher ist es nett zu sehen, wenn sich ambitionierte Filmemacher bemühen, möglichst viel aus einem Franchise herauszuholen und ihm dabei neue Facetten abzugewinnen – doch im Falle von RETURN OF… 3 hat man nicht weniger als eine 180-Grad-Kehrtwende vollzogen. Der markanteste Unterschied ist dabei zweifelsohne der, dass sich der dritte Teil schlicht gnadenlos ernst nimmt – und so viel vom ehemals positiv-trashigen Charme der Reihe verliert. Jene Selbstironie, jenes Augenzwinkern; jene Querverweise auf das Genre werden in diesem Fall komplett durch eine schier unerträgliche Ernsthaftigkeit, wenn nicht gar vermeintliche Seriosität ersetzt. Das ist sicher mutig, betrachtet man die gänzlich anders gehaltenen Vorgänger – doch zeigt sich spätestens mit dem vorliegenden dritten Teil, dass die Kombination der recht hanebüchene Story, der stereotypen Charaktere und der überspitzten Horror-Elemente nur in einem gewissen Kontext aufgeht.

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Nicht, dass es ohne Zielscheibe schwieriger wäre…

Vielleicht wäre RETURN OF…3 trotz eben genannten Missstände gar kein so schlechtes Sequel geworden – wären da nicht noch mehr Unstimmigkeiten. Diese können, neben der ungewöhnlichen Grundstimmung, auch in Form von gänzlich neuen Elementen daherkommen – wie einer schrecklich klischeehaften Love-Story zwischen den Hauptprotagonisten Julie und Curt. Wer jedoch denkt, dass diese ein blosses Beiwerk wäre, hat sich getäuscht. Vielmehr baut der gesamte dritte Teil auf ihr auf, macht die (mehr oder weniger fürchterlichen) Ereignisse erst möglich. Dabei kommt nur allzu selten das Gefühl auf, dass die Macher den Zuschauer vielleicht doch an der Nase herumführen wollen und der Film satirischer ist als es den Anschein hat. Spätestens mit dem merkwürdigen Mittelteil, in dem die beiden Hauptprotagonisten auf eine Art Latino-Gang treffen; und sich zudem tiefgehenden, emotionsgeladenen Diskussionen über Sinn und Unsinn des Lebens widmen – driftet die Atmosphäre und Stimmung des Films in eine Richtung, die ihm einfach nicht gut zu Gesicht steht. Kleinere Drama-Ansätze können natürlich auch in einem Zombiefilm Platz finden – doch sollte man das nötige Fingerspitzengefühl waren und es nicht übertreiben.

Wahrlich – bei Voraussetzungen wie diesen (zwei Vorlagen, sowie einer Story, die im besten Fall als Grundgerüst zu bezeichnen ist) sollte man nicht allzu hoch stapeln. Genau das aber macht RETURN OF… 3, und scheitert dabei kläglich. Irgendwo gefangen zwischen einer Zombie-Satire, einem Familiendrama und einer über den Tod hinausgehenden Romanze schafft man es nicht, die Schwächen in der Story und den klischeehaften Charakteren auszugleichen – beispielsweise in Form eines hohen Unterhaltungswertes, wie es bei den Vorgägnern der Fall war. Stattdessen herrscht ein überraschend träges Erzähltempo vor, und die Atmosphäre ist beklemmend bis erdrückend. Die Ausrutscher aus diesem Konzept, die man sich dann doch erlaubt; sind offenbar unfreiwilliger Natur: sei es, dass eine Frau wie eine Rakete vom Motorradsitz abhebt und gegen einen Pfosten knallt (während der vorn sitzende Mann beinahe unbehelligt davonkommt), sei es; dass die Verfolger der Frau sich offenbar selbst dann nicht beeindruckt zeigen, wenn sie mit einer aufgerissenen und von Nägeln durchbohrten Haut vor ihnen steht – das alles wirkt mindestens kurios. Letztendlich macht es dann auch keinen Unterschied mehr, ob man derlei Inhalte wirklich ernst meint oder nicht – die Wirkung ist viel zu diffus, die getroffenen Entscheidungen unentschlossen. Es ergibt sich einfach kein in sich stimmiges Gesamtbild.

Der mitunter einzige Vorzug, den der dritte Teil somit offeriert, findet sich in abgewandelter Form auch schon in den Vorgängern: der Zuschauer kann erleben, wie infizierte Personen von einem quicklebendigen langsam in einen untoten Zustand übergehen. Dabei sind mal kürzer, mal länger bei vollem Bewusstsein – eine interessante Angelegenheit. Fraglich ist nur, warum man diese Linie nicht konsequent fuhr – und die Hauptprotagonistin offenbar willkürlich zwischen verschiedenen ‚Zuständen‘ balancieren lässt. Die Erklärung, dass Schmerz den Zombie-Heisshunger zu unterdrücken vermag (was zu einigen makaberen Selbstverstümmelungs-Szenen führt), reicht hier einfach nicht aus; zumindest nicht in Bezug auf diesen Zeitraum. Offensichtlich ist, dass es auch im dritten Teil einige Splatter- und Gore-Effekte zu sehen gibt; sowie auch die berühmt-berüchtigten Gehirn-Mahlzeiten (dieses Mal jedoch ohne die entsprechenden Rufe nach ‚mehr‘). Diese sind jedoch rar gesät und vergleichsweise harmlos. Die Zombies, die man zu Gesicht bekommt; sehen dafür recht furchterregend aus – hier driftet RETURN OF… 3 dann doch noch explizit in Richtung der Horror-Schiene. Eines von vielen Genres, welcher der vorliegende Film bedient – neben dem Trash, versteht sich. Die Kulissen könnten billiger (und zerbrechlicher, selbst wenn es sich um Stahltüren handelt) nicht wirken, die Darsteller sind gerade noch erträglich (die deutschen Synronstimmen indes nicht), ein Soundtrack ist quasi nicht vorhanden, und in Sachen allgemeiner Optik und des Aufwands scheint man im Vergleich zum zweiten Teil einen deutlichen Rückschritt gemacht zu haben.

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Nur Schmerzen können vorübergehend vom Hunger ablenken…

Fazit: Erst heiter, dann stürmisch ? Was auch immer sich die Macher des dritten Teils gedacht haben; ihr Versuch dem RETURN OF THE LIVING DEAD-Franchise eine gewisse Ernsthaftigkeit (samt intensiver Love-Story, Todesphilosophie) einzuverleiben, konnte eigentlich nur scheitern. Denn wer wird sich jenen dritten Teil hauptsächlich ansehen, wenn nicht die Fans und Kenner der ersten beiden Teile ? Die werden knallhart vor den Kopf gestossen, und alles andere als zufrieden aus diesem Teil hervorgehen. Der Unterhaltungswert hinsichtlich einer originellen, witzigen Zombie-Komödie ist gleich null – lediglich Freunde von abenteuerlichen Genre-Mixturen ohne Rücksicht auf Verluste (das heisst, eine möglichst zielgerichtete Wirkung) sollten mal einen Blick riskieren. Die RETURN OF THE LIVING DEAD-Trilogie ist so gesehen das Gegenteil der EVIL-DEAD-Reihe, wo sich der erste und zweite Teil ebenfalls stark ähnelten; der dritte jedoch den krönenden Abschluss und den Siedepunkt des positiv-makaberen bildete. Hier ist die Tendenz genau andersherum – aber es gibt ja noch einen vierten und einen fünften Teil. Wer’s braucht…

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5 Gedanken zu “Filmkritik: „Return Of The Living Dead III“ (1993)

  1. 🙂 Ich werde mir mal alle 3 Filme wieder anschaun, wenn es zumindest noch den zweiten Teil auf Blu-Ray gibt (den ersten habe ich ja bereits auf diesem Medium)…gerade diese hier besprochene Motorrad-Szene macht mich wieder neugierig auf den dritten Teil. ^^

    Ironischerweise kaum 12-13 Stunden nachdem ich dieses Review gelesen habe, hat es heute eine Motorrad(beifahrer?)In tatsächlich auf einer Landstraße (kurz nach einer leichten Kurve) von der Maschine geschmissen…habe es aber nur aus ca. 1000 – 1500 m Entfernung hören können (Schrei, Krachen) und dann das Aufgebot an Fahrzeugen. Bin da dann auch vorbei und es ist wohl auch nichts gravierendes wie in ROTLD 3 passiert. ^^ Nach über ner halben Stunde war der Spuk dann aufgelöst…bis zum Eintreffen der Polizei/Krankenwagen vergingen übrigens 15 – 20 Min.

    Nett dass so ein Schinken wie Nightmare on Elm Street 4 irgendwo im Kino läuft. 🙂 Ernst sind die Filme ab ca. Teil 3 auch nicht mehr, Teil 1 und der (achso gehasste) Teil 2 waren noch etwas ernster..obwohl es hier auch schon recht humorig zuging. Ich habe mir immer noch nicht die Blu-Ray Reihe dazu angesehen, aber ich habe aufgrund der Neuanschaffung immer noch die DVD Box privat abzugeben.^^ Ich finde sie eigentlich alle sehenswert, die Reihe nimmt sich bei weitem nicht so ernst wie „Halloween“ oder „Freitag der 13.“ und „Freddy“ ist eh einer meiner Lieblings-Horrorikonen. 🙂

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  2. AHHahahh Motorrad-Szene super geil weggeflogen! Und ich hätte dem Film noch eine schlechtere Bewerung gebeben wenn ich mir nicht den Comment von P. durchgelesen hätte, doch es muss noch eine gewisse Spanne für die schlechteen Filme bestehen bleiben, da es bei 4,5 nicht mehr viel Platz nach unten gibt und ich mir die Folgeteile noch nicht reingezogen habe und nach Höhrensagen es auch nicht machen werde, werde ich meine Wertung auch bei, ich tuh mich schwer, ca. 4,5 ansiedeln.
    p.s. Ich war ja gestern im Kino, schön Nightmare on Elm Street 4 geschaut und das Kino war recht voll. Hab mir den Streifen etwas ernster vorgestellt und etwas mehr Horror erwartet, trotzdem ganz nett einen Film von 1989 noch einmal im Kino sehen zu können. + Die Szene in der Freddy die Eine aussaugt TOP

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  3. Oh, dass es dann doch so eindeutig negativ wird hätte ich nicht gedacht. ^^ Die Filminfos stimmen übrigens – außer dem Titel – nicht, das sind die Infos von Teil 2. 🙂 Hier führte also nicht Ken Wiederhorn Regie, sondern Brian Yuzna.

    Nun…ich finde es einerseits natürlich sehr schade, dass man nicht den Weg der Vorgänger eingeschlagen hat, aber ich finde den dritten Teil eigentlich gar nicht so schlecht. (allerdings wäre eine erneute Sichtung hilfreich…Eindrücke ändern sich ja gerne mal 🙂 ) Wenn man sich die ganzen Genrevertreter heute zum Teil anschaut, dann kann ROTLD 3 tatsächlich eine Offenbarung aus besseren Tagen darstellen. Die Zombies sind stimmig, die allgemeine Horroratmosphäre ist von der besseren Sorte und vor allem die Effekte sind klasse, ich sehe das tragische Element der Story (wie schauspielerisch das auch überzeugen mag) auch gar nicht als Nachteil, wenn man allerdings auf eine Fortführung des Schemas aus Teil 1 und 2 gehofft hat, dann wird man unweigerlich enttäuscht werden. Ich würde mal sagen ROTLD 3 ist ein netter B – C Movie Zombiefilm mit recht guten und teils harten Effekten. Eine Komödie ist das nicht mehr, der Film ist ernst und wenn Humor im Spiel ist, dann ist er zynischer Natur…allerdings hält sich die Ernsthaftigkeit auf erkennbar plakativem/trashigem Niveau. Kurz gesagt: das ist „Resident Evil 1993“, nur in billig produziert…dennoch könnten sich die Macher von Resident Evil von diesem Film eine gehörige Scheibe abschneiden wie ein Zombiefilm eigentlich auszusehen hat…jedenfalls nicht wie ein neuer Videoclip von Madonna.

    Wertung: 6/10 (vielleicht ändert sich dies nach einer erneuten Sichtung…ich lass es dich in dem Fall wissen ^^)

    Interessanter Überblick:

    Teil 1: 8/10
    Teil 2: 7/10
    Teil 3 6/10 LOL (vor allem für die Effekte und noch das „gewisse Etwas“ (ein letzter Funkeln der 80er?) in einem Splatterfilm, das ich heute schmerzlich vermisse)

    Doch das spiegelt meinen Eindruck der Trilogie sehr gut wieder. Teil 4 und 5 sehe ich dann auch irgendwo im Bereich 2,5 – 4/10. Aber hier weiß ich rein GAR NICHTS mehr (spricht für sich) und da kann ich gar keine Wertung abgeben.

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  4. Na, da waren wir (trotz Warnung) doch leicht überrascht. Allerdings eher negativ als positiv…

    Was mich noch interessieren würde ist, wie ernst der Film tatsächlich gemeint war. Prometheus, entdeckst Du andere Anzeichen als ich, wie sieht Deine Wertung aus ?

    Ach je, diese Motorrad-Szene will einem einfach nicht mehr aus dem Kopf^^

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