Metal-CD-Review: HEAVATAR – All My Kingdoms (2013)

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Alben-Titel: All My Kingdoms
Künstler / Band: Heavatar (mehr)
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Napalm Records

Alben-Lineup:

Stefan Schmidt – Vocals, Guitar
Sebastian Scharf – Guitar
David Vogt – Bass
Jörg Michael – Drums

Track-Liste:

01. This Will Not End
02. Abracadabra
03. All My Kingdoms
04. Elysium At Dawn
05. Long Way Home
06. Born To Fly
07. Luna. Luna.
08. The Look Above
09. To The Metal

Eine gar nicht mal so abwegige Idee – und dennoch ein überraschendes Album.

Stefan Schmidt, ein deutsches Musik-Multitalent; ist bisher vor allem durch seinen Posten in der allseits bekannten Power Metal-Combo VAN CANTO bekannt geworden, der er seit 2006 (und damit dem Jahr ihrer Gründung) angehört. Offenbar war der junge Mann jedoch auch über den Bandrahmen hinaus voller Tatendrang, und wollte sich nicht ausschließlich auf ein Bandprojekt beschränken – woraufhin er im Jahr 2012 das Nebenprojekt HEAVATAR ins Leben gerufen hat. Der Clou: es bietet sich eine wohlfeile Gelegenheit für all jene VAN CANTO-Fans, die die Musik ihrer Acapella-Metal-Helden auch gerne mal in einem etwas härterem Gewand, und mit ‚echten‘ Instrumenten interpretiert kennenlernen möchten. Und das glücklicherweise ohne, dass sich die eigentliche Band dafür ‚verbiegen‘ oder eine Konzeptänderung durchleben müsste. Schließlich entfernt man sich mit HEAVATAR stilistisch gar nicht so weit vom Vorbild – sodass viele der typisch-markanten VAN CANTO-Elemente in das neue Projekt projiziert werden. Das Ergebnis fällt dabei teilweise so aus, wie man es sich hätte ausmalen können – Stichwort VAN CANTO greift zu Instrumenten – andererseits aber bleibt ein gewisser Überraschungseffekt erhalten. Und vor allem eines: der hohe Qualitätsanspruch der Musik.

Sicher werden viele allein aus dem Grund zu ALL MY KINGDOMS greifen, um ihre Neugierde befriedigt zu wissen. Aber auch all jene, die sich bisher nicht wirklich mit der Musik der mittlerweile etablierten, einzigartigen Metal-Combo VAN CANTO identifizieren konnten, sollten dringend einen Blick riskieren. Denn HEAVATAR spielen einen wunderbar soliden, leicht hymnisch angehauchten Power Metal; der sich in diesem Fall ausnahmsweise mal nicht auf etwaige andere direkte Genre-Vorbilder stützt – sondern vielmehr auf einige großartige Komponisten. Seien es Beethoven, Bach, Bizet oder Paganini – man spürt den klassischen Einfluss dieser Vorbilder, ohne dass die Vorlagen einfach nur simpel kopiert werden. Vielmehr werden die klassischen Elemente und Strukturen sinnig mit der Kraft des Power Metals verflochten, sodass ein gänzlich neues, einzigartiges Klangbild entsteht. Im Endeffekt entsteht so eine interessante Symbiose aus erhabenen Arrangements und schön rauen Metal-Elementen – die vor allem durch die omnipräsenten Gitarren, den druckvollen Gesang von Stefan Schmidt und das Drumming von Jörg Michael (EX- GRAVE DIGGER, STRATOVARIUS uvm.) geprägt werden. Garniert wird das Ganze dann mit allerlei wuchtigen Chor-Passagen und stilistischen Elementen, die auch bei VAN CANTO gern genutzt werden.

Das klingt gut ? Gut allemal – aber eben nicht perfekt. Wären alle Titel wahre Hymnen wie der Opener REPLICA geworden (der übrigens auf der brühmten Toccata & Fuge in D-Moll von Bach basiert), so hätte sich das Album eine Auszeichnung mit Sternchen verdient. Während die mit diesem Titel etablierte Qualität zwar gehalten werden kann, fällt das Ganze doch zumindest in Sachen Energie und Hymnenlastigkeit leicht ab. Es wird zwar immer noch ein kräftiger Power Metal gespielt – doch hält man sich eher bedeckt, nicht zuletzt um das Ganze nicht ausufern zu lassen. Das Ergebnis ist eine verdammt solide, gradlinige Platte – aber eben keine nachhaltig begeisternde mit vielen nennenswerten Highlights oder Höhepunkten. An Refrains wie dem von ABRACADABRA (der zudem sehr VAN CANTO-lastig ist) hat man sich schnell sattgehört, und auch Stefan’s Stimme eignet sich nicht wirklich für eine Dauer-Rotation. Wirklich markant sind – nach REPLICA – vor allem die Titel ELYSIUM AT DAWN (basierend auf FÜR ELISE von Beethoven), LUNA! LUNA! (welches deutliche Trash-Anleihen aufweist – aber leider keinen besonders gelungenen Refrain); sowie der epische Longtrack THE LOOK ABOVE, der auf der Symphonie Nummer 7 in A-Dur basiert. Zum Finale präsentiert sich mit TO THE METAL dann ein Titel, von dem man nicht weiss ob man ihn lieben oder hassen sollte – als witzige, wunderbar übertriebene Tributzollung an das Metal-Genre funktioniert er, aus einem sonst recht ‚ernsten‘ und halbwegs anspruchsvollen Album aber wirkt er wie ein Fremdkörper.

Es bleibt bei einer Empfehlung für alle Fans eines gut inszenierten europäischen Power Metals – der durch die klassischen Einflüsse absolut aufgewertet, und keinesfalls ‚verkitscht‘ wird. Dennoch – in Anbetracht der gerade einmal 8 enthaltenen Titel schleichen sich kleinere Längen ein, und vor allem etwas lustlos wirkende Passagen. Ein kleiner Tritt aufs Gaspedal hier, eine etwas progressivere Note dort; und ein noch deutlichere aus-sich-herausgehen (wie es dann im eigentlich ausgeklammerten Finaltrack der Fall ist) hätten der Scheibe sicher gut getan. So ist es vor allem der raue Ansatz, der perfekte Instrumenten-Einsatz und die markanten Chor-Elemente, die hängenbleiben werden. Die klingen immer noch recht frisch – auch wenn sie quasi direkt von VAN CANTO übernommen wurden. Reinhören – und dann entscheiden.

Anspieltipps: REPLICA, ELYSIUM AT DAWN, THE LOOK ABOVE

Vergleichsbands: VAN CANTO


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„Gutes Konzept, leicht schwächelnde Ausführung“

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