Filmkritik: „Toll Treiben Es Die Wilden Zombies“ (1988)

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Originaltitel: Return Of The Living Dead Part II
Regie: Ken Wiederhorn
Mit: Michael Kenworthy, Marsha Dietlein, Dana Ashbrook u.a.
Land: USA
Laufzeit: 85 Minuten
FSK: Ab 18 freigegeben
Genre: Horror / Splatter-Komödie
Tags: Zombies | Untote | Kind | Junge | Familie | Gräber | Giftgas | Makaber

Die wilden Zombies belästigen nun auch Kinder.

Inhalt: Während eines Militärtransportes verliert die US Army ein Fass mit einer geheimen toxischen Substanz, Trioxin genannt. Durch einen Zufall landet es in einem Abwassertunnel, den zu einem späteren Zeitpunkt drei sich streitende Kinder betreten. Diese entdecken das Fass und studieren es neugierig – einen solchen Fund macht man schließlich nicht alle Tage. Nur Jesse Wilson, der jüngste und von den anderen beiden drangsalierte Junge flüchtet – die anderen werden kurz darauf dem gefährlichen Gas ausgesetzt. Doch nicht nur das – das Gas breitet sich auch über einen nahegelegenen Friedhof und eine Krypta aus, in dem ein Leichenplünderer namens Ed gerade seinen neuen Gehilfen Joey anlernt. Dass die beiden dabei auf Widerstand stossen könnten, war ihnen bewusst – nicht jedoch, dass er von wiederauferstandenen, lebenden Toten ausgehen würde. Diese interessieren sich vor allem für menschliche Gehirne – und sind in ihrer Auswahl nicht gerade wählerisch. Es beginnt ein Kampf auf Leben und Tod, in dem vor allem der junge Jesse, seine ältere Schwester und die bereits kontaminierten Leichenplünderer miteinbezogen sind.

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Über manche (Moral-)Fragen lässt sich einfach nicht streiten !

Kritik: TOLL TREIBEN ES DIE WILDEN ZOMBIES, im Original RETURN OF THE LIVING DEAD II; ist der Nachfolger der 1985’er Zombie-Horrorkomödie VERDAMMT, DIE ZOMBIES KOMMEN (Review). Es handelt sich dabei jedoch nicht um ein Sequel im üblichen Sinne – vielmehr wird die im Originalfilm etablierte Handlung um die Auswirkungen eines gefährlichen Giftgases noch einmal neu, respektive alternativ erzählt. Vergleichbar ist dieses Vorgehen auch mit der Geschichte einer anderen Kult-Reihe aus dem Zombiegenre: TANZ DER TEUFEL (OT: EVIL DEAD). Auch hier war der zweite Teil vielmehr ein Remake denn ein Sequel des ersten, wobei der Charme des Originals weitestgehend beibehalten wurde. Über den Sinn und Unsinn einer solchen Vorgehensweise könnte man streiten – in jedem Fall können so neue Zuschauerschichten erschlossen und auch alteingesessene Fans einer Reihe bei der Stange gehalten werden. Genau das hat man nun auch mit dem vorliegenden Sequel (richtig: Remake) geschafft – jedoch mit noch weitaus größeren Veränderungen, als es bei EVIL DEAD der Fall war.

So wird die ehemalige, von Dan O‘ Bannon inszenierte Geschichte im zweiten Teil in einen gänzlich differenten Erzählrahmen gepackt – wobei nur der eigentliche Handlungs-Kern um ein abhanden gekommenes Fass voller Giftgas (inklusive einem gut erhaltenen Zombie-Exemplar) bestehen bleibt; sowie einige aus dem ersten Teil markanten Elemente. Anstelle einer wilden, durchtriebenen Gruppe von Musik- und Friedhofsbegeisterten Jugendlichen findet der herrlich makabere Zombie-Auferstehungswahnsinn nun in einem eher familiären Rahmen statt – wobei der Fokus besonders auf einen kleinen Jungen und seine große Schwester gelegt wird. Die sich daraus ergebenden Möglichkeiten werden entsprechend gut genutzt – sei es der deutlich abenteuerlichere Touch des Films (ein Kind geht auf Entdeckungsreise und muss nicht nur um sein, sondern auch das Leben anderer bangen) oder der immer wieder angedeutete Geschwister-Zwist. Kurios: die grundsätzlich vom ersten Teil übernommenen Kontaminierungs- und Verwandlungsszenen der Grabräuber werden von den denselben Darstellern wie im Original gespielt – in dem auch die Rollenverteilung ähnlich ausfiel (Geschäftsinhaber und Lehrling, hier: Grabräuber und Lehrling). So bewegt sich TOLL TREIBEN ES DIE WILDEN ZOMBIES stets irgendwo zwischen einer gefühlten Fortsetzung und einem Remake des 1985’er Originals – der Charme, den er dabei versprüht; gleicht dabei aber in weiten Teilen dem der Vorlage.

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Das Schicksal der nächsten Generation… pardon, falscher Film.

Auch der zweite Teil wird dabei die Lachmuskeln beanspruchen – wenn nicht sogar noch ein klein wenig mehr als der Vorgänger, der dafür mit einer entsprechend größeren Portion Originalität punkten konnte. Eine besondere Erwaähung verdient die Tatsache, dass sich der Film nicht nur nicht ernst nimmt und eher komödiantisch denn Horror-bezogen aufgebaut ist, wie auch schon das Original – sondern dabei auch immer wieder Seitenhiebe auf den Status als Remake zum Besten gibt. Sicher ist das reichlich kurios – doch einem Film wie diesem steht der Begriff Spaßprojekt quasi auf die Stirn geschrieben. RETURN OF THE LIVING DEAD II ist ein einziger filmischer Zirkus mit einer entsprechend bunten Bühne, auf der selbst ein Michael Jackson zitiert wird – schließlich hatte der mit seinem berühmten Musikvideo zur Single THRILLER die ein oder andere Vorlage für die Bewegungen der Zombies aus diesem Film hier geliefert. Sobald die Zombies, stilecht nach mehr Gehirn krächzend; einem Laster hinterherhumpeln um das ein oder andere Stücken (Tier-)Gehirn zu verzehren, sobald sich eine Abrechnung zwischen einem kleinen Jungen und seinem ehemaligen Drangsalierer (der nunmehr ebenfalls zur Zombie-Horde gehört) abzeichnet, sobald man eine vermeintlich finale Lösung für das Zombie-Problem bereithält – ist gute Unterhaltung garantiert.

In Sachen Schauspiel, Soundtrack und Szenengestaltung herrscht vor allem ein Begriff vor: Übertreibung. Das gnadenlose Over-Acting, der merkwürdige Soundtrack (mal auffallend rockig, mal auffallend schräg) und die kunterbunt-verspielten Zombiehorden und Schauplätze entsprechen ganz dem Sinne und Geist des Films. Sie unterstützen ihn in seiner (makaberen) Gesamtwirkung – an und für sich betrachtet; und in einem anderen Film platziert hätten sie sicher zu einer vorzeitigen Disqualifizierung geführt. So aber steigern sie den Spaßfaktor des Films, und tragen zum relativ einzigartigen Charakter desselben bei.

Fazit: TOLL TREIBEN ES DIE WILDEN ZOMBIES ist eine würdige Fortsetzung des Originals von 1985 – und gleichzeitig ein würdiges Remake. Wie auch immer man es dreht, der Spaßfaktor ist und bleibt enorm, die umgesetzten Ideen sind gut; die Mischung aus leichtem Horror (Design und Sprache der Zombies) und einem beinahe-Familienfilm (kleiner Junge rettet sich und seine große Schwester) amüsant. Lediglich die Tatsache, dass man sich nicht gerade unerheblich auf den Ansätzen des ersten Teils ausruht, und der ganz große Überraschungseffekt somit ausbleibt; schmälert den Gesamteindruck. Ansonsten gilt: nicht nur der deutsche Titel erscheint etwas kurioser und auf Witz getrimmt, sondern auch die deutsche Synchronisation – in der gerade der deutsche Sprecher von Homer Simpson entsprechend auffällt und für einige Lacher sorgt. Insgesamt ein guter zweiter Teil der kultigen Reihe – der mit einer entsprechenden Wertung honoriert wird.

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4 Gedanken zu “Filmkritik: „Toll Treiben Es Die Wilden Zombies“ (1988)

  1. Toll haben es die wilden Zombies mit mir getrieben auch wenn zum Glück nur im heutigem Traum, dass war was sag ich dir, eine turbulente Nacht in der ich 2 mal aufgewacht bin nachdem mich die Zombies verfolgt haben!!! Hab mich aber drauf eingestellt, da ich vor dem schlafen gehen mir noch einige Gedanken zum Film gemacht habe.. hahahah

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    1. Klingt nach einem selbstprovozierten (Alp)Traum…das sollte übrigens auch mit positiven Dingen funktionieren. 🙂 ^^

      Mich haben die Zombies in Träumen früher öfters verfolgt…heute verfolgen mich ganz andere Sachen, die Realität und ihre Probleme sind furchterregender als jeder Film und seine Kreaturen. ^^ GEHIIIIIIIIIIRNNNN! xD

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  2. „Die wilden Zombies belästigen nun auch Kinder.“ ROFL Nun kein Wunder, unter den Zombies befindet sich auch eine „Michael Jackson“ Kopie. ^^ Also ich hoffe für jüngere Horrorfans, dass dieser Teil auch bald auf „FSK 16“ heruntergestuft wird, weil der hier wirklich voll auf die Comedyschiene fährt und auch nicht mehr so bedrohlich und „ernst“ wirkt wie noch Teil 1 zuvor. Ich finde es aber auch gut, dass man daraus keine richtige Fortsetzung gemacht hat, sondern…man könnte sagen eine „Neuinterpretation“ und somit dürfen zwei bekannte wieder mitspielen, die eigentlich tot sein müssten. 🙂

    Du hast es ja geschickt gemacht und entziehst dich mit jeweils einer Wertung von 7,5 einer genaueren geschmacklichen Differenzierung. ^^ Ich mag den zweiten Teil auch, allerdings eine kleine Spur weniger als den ersten Teil, auch finde ich den „Tarman“ weitaus weniger gelungen als noch im ersten Teil. Obwohl ich mir bei beiden in die Hose scheissen würde, wenn sie mir irgendwo im Dunkeln begegnen würden. LOL Was mir im zweiten Teil fehlt sind wie gesagt die ernsteren Elemente, der Handlungsraum war im Vorgänger düsterer und klaustrophobischer angelegt, während RTOLD II eine größere offenere Welt (im Videospielbereich würde man wohl „sandbox style“ sagen) zu Grunde liegt. Es bringt mehr Spaß (keine Frage)…aber es geht viel von der Bedrohung, viel vom „Horror“ verloren. Einige Horrorfans mockieren sich auch gerne immer wieder über den Einsatz „störender Elemente“ in Horrorfilmen, hier in Form von Kindern…was ich persönlich nicht nachvollziehen kann. ^^ Was ich weitaus störender empfinde sind Horrorfilme mit Kindern in Kombination mit teilweise graphischer, scheußlicher und sinnentleerter Gewalt (siehe „Cradle will fall – Baby Blues“ z.B.) …was hier in dem Fall erfreulicherweise nicht gegeben ist.

    Norbert Gastell (Homer Simpsons Stimme), geb. 14.10.1929 (!), ist schon seit einer halben Ewigkeit als Synchronsprecher tätig …u.a. ja bekanntermaßen auch in Braindead zu hören als Lionels Onkel „Les“ 🙂 Wenn man diese Stimme hört weiß man sofort, dass man die jeweilige Produktion nicht wirklich ernstzunehmen hat. ^^

    Return of the living Dead II Wertung: 7/10

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