Filmkritik: „Looper“ (2012)

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Originaltitel: Looper
Regie: Rian Johnson
Mit: Bruce Willis, Joseph Gordon-Levitt, Emily Blunt u.a.
Land: USA, China
Laufzeit: 118 Minuten
FSK: Ab 16 freigegeben
Genre: Science Fiction / Action
Tags: Looper | Zeitreisen | Vergangenheit | Gegenwart | Zukunft | Paradox

Auf der Suche nach dem verlorenen Paradoxon.

Inhalt: In der nahen Zukunft gelingt es Menschen erstmals, eine funktionierende Zeitmaschine zu erschaffen. Da die Folgen einer Benutzung jedoch unabsehbar sind, wird die Benutzung offiziell verboten – doch einige findige Kriminelle nutzen das System für sich aus, indem sie jene Opfer, die sie spurlos verschwinden lassen wollen, einfach in die Vergangenheit zurückschicken. Hier erwarten sie dann prompt die sogenannten LOOPER – Auftragskiller, die von einer zwielichtigen Gestalt namens Abe (Jeff Daniels) angeführt werden. Abe stammt selbst aus der Zukunft, und ist somit der wissende Initiator, der ein Vorgehen wie dieses überhaupt möglich macht – er überwacht und kontrolliert die Aktionen der LOOPER. Joe (Joseph Gordon-Levitt) ist einer von ihnen, der dankbar ist für den Job, den Abe ihm gegeben hat. So befolgt er seine Befehle, und tötet die aus der Zukunft erscheinenden, unbekannten Menschen – bis er eines Tages niemand geringeren als sich selbst in seinem Schussfeld  hat. Sein älteres Ich (Bruce Willis) schafft es, den jungen Joe zu überwältigen und zu fliehen – womit zahlreiche Probleme vorprogrammiert sind. Eine Hetzjagd auf Leben und Tod beginnt – in der sich weder der junge noch der ältere Joe ihres Lebens sicher fühlen können.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Gewiss, ganz leicht macht es das 2012’er Machwerk LOOPER dem Zuschauer nicht. Schließlich offenbart der auf einen abendfüllenden Blockbuster getrimmte Science-Fiction-Film von Regietalent Rian Johnson schnell seinen unorthodoxen Charakter, indem er bereits in den ersten Minuten mit Begriffen wie Zeitreisen und Zukunftsmorden um sich wirft. Und genau darum geht es in LOOPER – um einen teil jener wunderbaren metaphysischen Bandbreite, über die sich schon so mancher den Kopf zerbrochen hat. Das bedeutet – ersteinmal – zweierlei. Zum einen ist LOOPER ein im allgemeinen Hollywood-Dickicht erfrischend andersartig erscheinender Film, was noch nicht unbedingt ein explizites Positivmerkmal ist – aber zumindest läuft man hier nicht Gefahr, einen typisch Popcorn-orientirten Actioner zu konsumieren. Zum anderen wird eben jene geifernde Zuschauergruppe im Falle von LOOPER komplett aussen vor gelassen – was einen schon näher an die (berechtigte) Hoffnung führt, dass ein Film, der nicht für Jedermann gemacht ist, oftmals deutlichere Vorzüge vorzuweisen hat.

Dabei ist LOOPER bei weitem nicht so kantig und speziell wie viele andere Genre-Werke – und auch nicht so schwer zu verstehen. Das muss er aber auch gar nicht – es reicht, dass ein (immer noch großes) Publikum mit einem Thema wie dem hier interpretierten konfrontiert wird. Vielleicht kann gerade so der ein oder andere Funke gezündet, der allgemeine Zuschauer-Anspruch gesteigert werden – denn bis auf den deutlichen Hollywood-Anstrich (hinsichtlich der Inszenierung) braucht sich LOOPER in Sachen Intelligenz (relativ) und Interpretationsfreude gar nicht mal hinter anderen, größeren Genre-Vertretern zu verstecken. Beziehungsweise eher kleineren – denn Themen wie Zeitreisen, Paralleluniversen oder multidimensionale Verflechtungen gelten in  Hollywood eben doch noch nicht als Alltagskost. Umso besser, dass es immer wieder (durchaus hochzuhaltende) Ausnahmen gibt – wie LOOPER, oder zuletzt auch SOURCE CODE. Ganz anders als beispielsweise in Fernost, wo derlei fantastische Themen schon lange die allgemeine Populärkultur bereichern – und ganze, diesem Thema gewidmeten Anime-Serien schon gar nichts allzu ungewöhnliches mehr sind (siehe STEINS GATE, Link).

LOOPER indes lebt ebenso wie viele dieser theoretischen Vorbilder von den gleichen Stärken und Schwächen so vieler Filme, die sich mit dem Thema auseinandersetzen. Anders als beispielsweise in der TERMINATOR-Reihe geht es hier schließlich beinahe ausschließlich um selbige Zeitreisen – das gesamte Story-Konstrukt wirkt vielmehr wie ein eben solches, ein (austauschbares) Konstrukt. Das hat andererseits zur Folge, dass man gerade diesem eine erhöhte Aufmerksamkeit zukommen lassen wird – beinahe unvermeidlich ist, dass das diesbezügliche Urteil entsprechend mager ausfallen wird. Die (zukünftige) Menschheit, oder ein Teil von ihr nutzt also verbotenerweise Technologie, die Zeitreisen erlaubt – und das ausgerechnet, um lästige Störenfriede aus der Welt zu schaffen ? Nicht, dass die Lösung nicht praktikabel erscheint (das ist sie offenbar) – doch wie groß sollte erst die Versuchung sein, die Vergangenheit (und damit seine eigene Zukunft) maßgeblich zu beeinflussen ? Mit solchen Fragen hält man sich in LOOPER indes nicht auf – wie mit so vielen anderen nicht. Wie es zur Entstehung der Zeitmaschine kam, wer sie erfand, warum es möglich ist dass sie eine kleine Gruppe offenbar unbemerkt nutzen kann – all das kann man nicht einmal erahnen.

Vielmehr konzentriert man sich auf das Dilemma, welches durch die zurückgeschickten Menschen ergibt – womit die Probleme – typischerweise – erst richtig anfangen. Es ist in diesem Fall gefährlich, auch nur irgendeine tiefer gehende Analyse zu wagen – womit sich LOOPER nun doch auffälliger von besseren Zeitreise-Werken unterscheidet – ohne dabei vorschnell auf Granit zu stossen. So ergeben selbst die als Dreh- und Angelpunkt in Szene gesetzten Ereignisse überraschend wenig Sinn, und das selbst für metaphysische Verhältnisse. Das liegt zweifelsohne daran, dass sich LOOPER nicht so recht entscheiden kann oder will, sich auf eine einzelne Theorie festzulegen. Manche Werke sehen vor, sich auf lediglich zwei Zeitstränge festzulegen, andere auf mehr – oder gar unendlich viele, sich stets verändernde. LOOPER scheint sich immer genau das zu greifen, was gerade nötig ist – und scheitert selbst dann überraschend großzügig daran. Ein Beispiel: stirbt das frühere ich in der Vergangenheit, stirbt es auch in der Zukunft. Genau diese Möglichkeit sieht auch LOOPER in Bezug auf sein Finale vor – wobei das spätere Ich in diesem Falle gleich neben dem ‚jetzigen‘ steht und sich beim Tod dessen sofort in Luft auflöst. Das Problem: der gleiche Effekt hätte sich bereits einstellen müssen, als sich die ‚beiden‘ Ichs schlicht begegneten. Oder etwa nicht ? Doch gerade solche (paradoxen) Überlegungen machen den Reiz von Filmen wie LOOPER aus, auch wenn sie anderswo schon durchdachter erschienen.

Fazit: LOOPER verbindet die Schauwerte der großen Hollywood-Kinoleinwand mit der wirren Durchtriebenheit eines vergleichsweise sperrigen, schwer zu verdauenden Themas. Mehr noch als in INCEPTION stützt man sich dabei auf kühne thesen und Prämissen, die – wenn man sich darauf eilässt – zum Nachdenken anregen und den Zuschauer beschäftigen. Zwar erscheint nicht immer alles logisch und konsequent zu Ende gedacht – doch ein hoher Unterhaltungswert, der nicht auf das typische Popcornkinoformat setzt, ist garantiert. Die optische Gestaltung, die interessanterweise weitestgehend dezent gehalten wurde (futuristisch wird es nur selten, oft reicht auch nur eine handelsübliche Farm als Schauplatz), der sich nicht aufdrängende Soundtrack und die guten Leistungen der Darsteller runden das Ganze perfekt ab. Doch ein teil des offensichtlichen Potentials bleibt dann doch ungenutzt. Die Einbringung einer weiteren fantastischen Thematik (Telekinese) wirkt etwas halbherzig und deplatziert – auch wenn sich einige nette Szenen a’la einer noch übernatürlicheren Version von DAS OMEN ergeben. Eine Empfehlung – aber nicht ganz das Highlight, das es hätte werden können.

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