Metal-CD-Review: GLORYHAMMER – Tales From The Kingdom Of Fife (2013)

gloryhammer_tales_500

Alben-Titel: Tales From The Kingdom Of Fife
Künstler / Band: Gloryhammer (mehr)
Land: Schottland
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Napalm Records

Alben-Lineup:

Thomas Winkler – Vocals
Paul Templing – Guitar
Christopher Bowes – Keyboards
James Cartwright – Bass
Ben Turk – Drums

Track-Liste:

01. Anstruther’s Dark Prophecy
02. The Unicorn Invasion Of Dundee
03. Angus McFife
04. Quest For The Hammer Of Glory
05. Magic Dragon
06. Silent Tears Of Frozen Princess
07. Amulet Of Justice
08. Hail To Grail
09. Beneath Cowdenbeath
10. The Epic Rage Of Furious Thunder

So oder so betrachtet – GLORYHAMMER dominieren das Metal-Frühjahr 2013.

Wenn gerade jemand für Furore im Power Metal-Genre sorgt, dann sind das wohl die schottischen Power Metal-Recken von GLORYHAMMER (erstmals hier vorgestellt). Ihr Debütalbum TALES FROM THE KINGDOM OF FIFE ist gerade erst erschienen (VÖ 29. März 2013), und kommt dabei offenbar durch die Bank gut an. Was die Band auszeichnet ? In erster Linie die Tatsache, dass sie von ALESTORM-Mastermind Christopher Bowes ins Leben gerufen wurde, der nach all den erfolgreichen, rauen Kaperfahrten nun eher seinen symphonischen Vorlieben freien Lauf lässt. Hinzu kommen ein recht eigenwilliger Stil und eine (absichtlich) übertriebene Inszenierung mit ordentlich Kitsch und Pathos – wie sie bereits im ersten offiziellen Video der Band, AGNUS MCFIFE, erlebbar gemacht wurde (Link). In der Tat – GLORYHAMMER lieben das Genre, in dem sie sich bewegen – und zelebrieren es mit entsprechend großer Freude. Das Ergebnis ist ein symphonisch angehauchter Power Metal, der grundsätzlich auch aus Italien (siehe RHAPSODY OF FIRE) stammen könnte – wäre da nicht das große Portiönchen Selbstironie. GLORYHAMMER geben sich teilweise so ernst und pompös (auch in Bezug auf die inhaltliche Gewichtung um schottische Legenden), dass das Fass der schwermetallischen Lust mit Leichtigkeit überläuft, und in einem merkwürdigen, aber doch reichlich Laune machenden Ergebnis mündet.

Denn: ein Album wie TALES FROM THE KINGDOM OF FIFE erlaubt mindestens zweierlei Herangehensweisen. Entweder, man stuft das Ganze als reines Spaß- und Tributprojekt ein, bei dem das Genre – vor allem durch die ständigen Übertreibungen – leicht auf die Schippe genommen wird; oder aber man betrachtet es aus einer erwatungsvolleren, anspruchsvolleren Perspektive heraus. Das dies überhaupt möglich ist, ist allein der Musik zu verdanken – denn diese ist nicht nur handwerklich makellos, sondern begeistert auch durch ein großes Ideenreichtum, markante erhabene Momente und ein Gespür für wirksame Arrangements. So entsteht eine teils merkwürdige, gerade zu Beginn gewöhnungsbedürftige Symbiose aus Spaß und jener Ernsthaftigkeit, wie sie in anderen Symphonic Metal-Bands seit jeher zelebriert wird. Epische Sagen, mutige Krieger und ein allgemein fantasievolles Geschehen treffen hier auf eine feucht-fröhliche Schunkellaune a’la FREEDOM CALL – dass das funktioniert, zeigen GLORYHAMMER insbesondere auch im direkten Vergleich mit zahlreichen anderen, schon länger bestehenden Genre-Formationen. Während diese ihren Überrachungseffekt in Weiterentwicklungen und Stil-Variationen suchen (wie etwa STRATOVARIUS auf ihrem neuesten Album NEMESIS), brauchen sich GLORYHAMMER diesbezüglich gar nicht weiter anstrengen. Sie kommen aus dem Nichts, begeistern sofort – ob sie indes genauso schnell wieder verschwinden, wird sich noch zeigen.

So ist TALES FROM THE KINGDOM OF FIFE vor allem eines: extrem kurzweilig. Die vergleichsweise kurze Spieldauer von 48 Minuten und der enorm leichte Zugang ermöglicht es dem Hörer, sich ohne weitere Anstrengungen oder Vorbereitungen einem überschwänglichem Fantasy-Epos hinzugeben – und dabei ordentlich abzufeiern. Wie lange derlei Wirkungen nachhallen, ist in diesem Fall und wie bereits gesagt noch nicht erforscht – doch stehen die Chancen gar nicht schlecht. Dass mit Christopher Bowes ein erfahrener Musiker mit an Bord ist, merkt man dem Album zweifelsohne an – denn gerade das Endprodukt überzeugt in Sachen Feinschliff, Klang- und auch Produktionsqualität. Für den markantesten Effekt sorgen indes gar nicht mal die pompösen symphonischen Elemente, das virtuose Gitarrrengefrickel oder das unterstützende Keyboard – sondern vor allem Leadsänger Thomas Winkler. Der 27-jährige Schweizer sang bisher bei EMERALD und THE BARQUE OF DANTE, womit es sich ebenfalls um einen nicht unvorbereiteten Musiker handelt – doch auf dem vorliegenden TALES FROM THE KINGDOM AUF FIFE scheint er zu einer neuen Höchstform aufzulaufen. Derart kraftvolle, ausdrucksstarke, klare, und vergleichsweise tiefe Gesangseinlagen findet man nur selten auf einem Symphonic Power Metal-Album. Seine Stimme transportiert eine angenehme Rauheit, vielleicht auch Männlichkeit – die man bei manch anderen Kollegen einstweilen vermissen könnte.

Letztendlich ergeben die 10 Titel auf TALES FROM THE KINGDOM OF FIFE ein großes, stimmiges Ganzes – bei dem es schwerfällt, einzelne Titel besonders hervorzuheben. Natürlich sollte insbesondere der verdammt starke Auftakt eine Erwähnung verdienen – das enorm druckvolle, düster-symphonische Intro ANSTRUTHER’S DARK PROPHECY steht den Genrekollegen von RHAPSODY OF FIRE oder DRAGONLAND in nichts nach, woraufhin es mit dem eigentlichen Opener THE UNICORN INVASION OF DUNDEE gleich ordentlich zur Sache geht. Ja, nicht nur die Titel selbst weisen  auf den bereits genannten Spaß- und Ironiefaktor der Band hin – doch wie auch immer derlei Ansätze gemeint sind, es kommt im Endergebnis einfach verdammt gut an. Für Abwechslung ist durch den steten Wechsel von flotten Uptemo-Krachern und stampfenden Midtempo-Hymnen gesorgt, Ausfälle gibt es keine (obwohl die Ballade SILENT TEARS OF ROZEN PRINCESS nah daran kratzt) – es sieht gut aus für GLORYHAMMER. Auch wenn einige vielleicht eher mit den Schultern zucken oder die Nase rümpfen werden – vielleicht darf man gar nicht so bierernst an eine Sache herangehen, will man eines der besten Symphonischen Power Metal-Alben aller Zeiten – oder zumindest des Jahres 2013 – abliefern. Das ist GLORYHAMMER nun gelungen. TALES FROM THE KINGDOM OF FIFE kommt ganz, ganz nah an die Höhenluft des Genre-Thrones heran. Eine absolute Empfehlung !

Anspieltipps: THE UNICORN INVASION OF DUNDEE, ANGUS MCFIFE, MAGIC DRAGON

Vergleichsbands: ALESTORM | RHAPSODY OF FIRE | DREAMTALE


85button

„Ein Album das nur gut oder lachhaft werden konnte – ersteres ist der Fall“

Advertisements

Zögert bitte nicht, einen Kommentar zu hinterlassen.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s