Metal-CD-Review: EPICRENEL – The Crystal Throne (2013)

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Alben-Titel: The Crystal Throne
Künstler / Band: Epicrenel (mehr)
Land: Finnland
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Inverse Records

Alben-Lineup:

Gesang – Christian Palin
Gitarre – Mikko Sepponen
Gitarre – Emil Pohjalainen
Keyboards – Chrism
Bassgitarre – Jukka Hoffrén
Schlagzeug – Joonas Pykälä-aho

Track-Liste:

1. The Calling (Instrumental)
2. To Cursed Lands Again
3. Where Kingdoms Fall
4. Walls Of The Cave
5. Floating Souls
6. Guarding Fellhound
7. In The Dungeon
8. Skyride (Instrumental)
9. Defenders Of The Crown
10. Fantoms‘ Grove
11. Conquering The Throne
12. The Coronation (Instrumental)

Neues grandioses Projekt oder überflüssige Nebenbeschäftigung ?

EPICRENEL – das ist eine finnische Band, die von manchen als neue Hoffnung im Bereich des symphonischen Power Metals gehandelt wird. Und tatsächlich stehen die Chancen gar nicht schlecht, setzt sich die Band doch als einer handvoll talentierter Musiker zusammen, die alle eine jeweils ansehnliche Band-Biografie für sich verbuchen können. Leadsänger Christian Palin ist neben seiner ’neuen‘ Tätigkeit in EPICRENEL noch als Sänger bei RANDOM EYES eingebunden (und war dies bei ADAGIO und ESSENCE OF SORROW), Gitarrist Emil Pohjalainen spielt eigentlich bei AMBERIAN DAWN und THAUROROD, und ein besonderes Gänsehaut-Potential könnte bei Mikko Sepponen entstehen – denn der ist die Manifestation eines der Überbleibsel von OLYMPOS MONS, einer großartigen Power Metal-Band die nach 2007 nichts mehr von sich hören ließen. Natürlich ist diese Auflistung längst nicht komplett – sodass sich die Frage stellt, ob in einer Band wie EPICRENEL schlicht das beste an finnischen Musikern und Inspirationsquellen zusammenkommt, oder es sich schlicht um ein abgehalftertes Projekt handelt, welches den eigentlichen Bands der Mitglieder zuliebe besser ad acta gelegt werden sollte. Eine spannende Angelegenheit !

Immerhin: EPICRENEL selbst legten die Messlatte für das Album recht hoch. Schließlich veröffentlichten sie vorab WHEN KINGDOMS FALL als Promo-Videoclip. Tatsächlich war besagte Nummer, so wie auch 4 weitere, bereits auf der 2010 veröffentlichten Demo-CD der Band enthalten – mit etwas zusätzlichen Feinschliff durften sie nun auch endlich ihren Weg auf ein professionell vermarktetes Album finden. Hört man einen Titel wie diesen, so stellt sich ein gemischter Eindruck ein. Der großartige Bombast-Refrain für Laune, die Gitarren, Drums und hintergründigen symphonischen Elemente (Chöre, sattes Keyboard) gar für den ein oder anderen Gänsehaut-Moment. Man sich dabei übrigens beinahe sicher sein, dass hier Mikko Sepponen seine Finger mit im Spiel gehabt haben wird – denn nicht von ungefähr erinnert die ein oder andere Passage stark an jene alten, glorreichen Zeiten von OLYMPOS MONS. Andererseits aber stehen diesen grundsätzlich positiven Eindrücken auch einige eher weniger gute gegenüber: die Produktion klingt nicht wirklich druckvoll und sauber, vielmehr etwas ‚matschig‘ – und Leadsänger Christian Palin stellt sich als arg gewöhnungsbedürftiger Gesangskünstler heraus. Gerade im Zusammenspiel mit der eher dumpfen Produktion wirkt es einstweilen so, als nuschele er sich hie und da etwas in seinen Bart. Und das bleibt dann eben da – und kommt nicht wirklich beim Hörer an (sowohl in Bezug auf das reine Verständnis, als auch auf die Emotionen und den Ausdruck).

Ein weiteres Problem ist, dass besagtes WHEN KINGDOMS FALL auch für lange Zeit die stärkste Nummer des Albums bleibt – weder TO CURSED LANDS AGAIN, WALLS OF THE CAVE, FLOATING SOULS noch das irgendwie stark an eine Light-Version von RHAPSODY OF FIRE erinnernde GUARDING FELLHOUND können hier noch wirklich mithalten. Was hängen bleibt, bezieht sich vor allem auf die durchaus respektable Leistung an den Gitarren, sowie den allgemein schön luftig-lockeren symphonischen Anleihen. Nur manchmal, da scheint man es mit dem Keyboard-Einsatz etwas zu übertreiben – was in Anbetracht der ohnehin schon auf der Kippe stehenden Produktion für einen noch verwascheneren Eindruck sorgt. Deutlich mehr Spaß machen dann allerdings die beiden Instrumental-Titel SYKRIDE und THE CORONATION: einer ist schlicht wunderbar Gefrickel-lastig, der andere wunderbar symphonisch. Wenn ein derartiger Eindruck (ein spritziger, ein versierter) in allen anderen Titeln vorherrschen würde – dann wäre THE CRYSTAL THRONE ein weitaus ansehnlicheres Werk geworden.

EPICRENEL setzten sich aus einer Riege hochkarätiger Metal-Musiker zusammen – doch leider verpasst man es, auf THE CRYSTAL THRONE wirklich die Creme-de-la-Creme des symphonischen Power Metals abzuliefern. Das Projekt reicht nicht wirklich an die teils großartigen, bisher erbrachten Leistungen der einzelnen Mitglieder heran – die in ihren eigentlichen Bands eine bessere Figur machen. Sicher, das Album fällt nicht komplett durch – doch zwei, drei oder vier wirklich stark-markante Titel reichen schlicht nicht aus, um ein Album mit 13 (!) Tracks schmackhaft erscheinen zu lassen. Die Konkurrenz ist eben stark – so stark, dass es nicht immer die ganz großen Genre-Bands sein müssen, die Bands wie EPICRENEL eher unspektakulär und vielleicht sogar etwas laienhaft erscheinen lassen. Eine Vergleichsband ist LAST KINGDOM aus Schweden – die mit ihrem Debüt CHRONICLES OF THE NORTH (Review) ebenfalls in eine ähnliche Richtung wie nun EPICRENEL marschierten (etwas geringerer Symphonic-Anteil) – nur eben deutlich qualitativer, ansprechender und wirkungsvoller. Schauen wir, was die Zukunft bringt – in jedem Fall sollte das nächste Album besser abgemischt und produziert werden. THE CRYSTAL THRONE ist ein Album für Genrefans, und für Zwischendurch – wer aber eine respektable Nachfolge von OLYMPOS MONS erwartet, wird enttäuscht.

Anspieltipps: WHERE KINGDOMS FALL, SKYRIDE, DEFENDERS OF THE CROWN, THE CORONATION

Vergleichsbands: OLYMPOS MONS | DREAMTALE


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„Lange nicht so gut wie erwartet“

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