Filmkritik: „Verdammt, Die Zombies Kommen“ (1985)

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Originaltitel: Return Of The Living Dead
Regie: Dan O’Bannon
Mit: Clu Gulager, James Karen, Don Calfa u.a.
Land: USA
Laufzeit: 86 Minuten
FSK: Ab 16 / 18 freigegeben
Genre: Horror / Komödie
Tags: Living Dead | Zombies | Untote | Horden | Friedhof | Krematorium

Don’t mess with the dead.

Inhalt: Zwei Mitarbeiter eines medizinischen Versandhauses, einer von ihnen ein Jungspund, der gerade erst mit seiner Arbeit begonnen hat; lösen wider Willen eine Kettenreaktion aus. Als der eine dem anderen einige im Keller gelagerte, ominöse Behälter zeigt, entweicht nicht nur ein offenbar giftiges Gas – sondern auch eine besonders abscheuliche Kreatur. Da die Behälter einst der US-Armee gehörten, läge es nahe, eben diese zur Hilfe zu rufen – doch noch sehen die beiden, sowie der hinzugezogene Chef eine Möglichkeit, die Ereignisse zu vertuschen. Doch die Sorge, dass das Geschäft möglichst nicht unter einem Zwischenfall wie diesem leiden sollte, weicht indes nur allzu bald einer anderen. Nach einigen weiteren, eher ungünstigen Entscheidungen entweicht noch mehr Gas – und geht auf den benachbarten Friedhof nieder, auf dem gerade eine jugendliche Clique ein munteres Treffen abhält. Dann werden sie plötzlich ganz schnell vertrieben – aber nicht vom Friedhofsaufseher, sondern von einer Horde aus ihren Gräbern auferstandenen Zombies.

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Kritik: Zugegeben – VERDAMMT, DIE ZOMBIES KOMMEN ist ein eher schlecht als recht ins deutsche übersetzter Filmtitel – einer, der problemlos jeden x-beliebigen Horrorfilm mit Zombie-Anleihen bezeichnen könnte. Doch ist in diesem Fall ist kein geringerer Titel gemeint als Dan O’Bannon’s Filmklassiker RETURN OF THE LIVING DEAD aus dem Jahre 1985; der den Beginn einer bis dato 5-teiligen (!) Reihe markierte. Vielleicht wollte man dem deutschen Publikum einfach weiteres Grübeln ersparen, und es nicht mit irgendeiner angedeuteten Rückkehr verwirren – sondern es stattdessen bereits mit dem Titel auf eine luftig-lockere Zombie-Kost in bester 80er-Jahre-Manier vorbereiten. Tatsächlich aber ist der Originaltitel gar nicht mal so abwegig, auch wenn es keinen direkten Vorgänger gibt. John Russo lieferte die Romanvorlage zum Film ab – jener John Russo, der auch zusammen mit George A. Romero an DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN (1968) arbeitete, dem Zombie-Klassiker überhaupt. So schließt sich der Kreis, um den bis heute Legenden gesponnen werden – und so mancher mehr oder weniger blutrünstiger Zombie-Film.

Natürlich ist es bei einem Film wie VERDAMMT, DIE ZOMBIES KOMMEN nicht leicht, aus einer deutlich späteren Perspektive eine möglichst gerechte Wertung abzugeben; geschweige denn über die eigentlichen Inhalte zu urteilen. Eigentlich müsste die Wertung in zwei Sub-Wertungen geteilt werden: eine, die den Film aus der damaligen Sicht (das heisst, dem Erscheinungszeitraum) beschreibt; und eine, bei der man dies aus einer aktuelleren Situation heraus handhabt. Schließlich muss ein Film wie dieser – bei dem dem Zuschauer eine Attribuierung als ‚zeitloses Werk‘ nur schwer über die Lippen kommt – vor 30 Jahren ganz anders gewirkt haben als heute. Zeiten ändern sich – und was vor längerer Zeit noch als innovativ, schockierend oder besonders einzigartig galt, kann im Laufe der Jahre schnell an Wirkungskraft verlieren; und mitunter ganz anders wirken als es vielleicht beabsichtigt war. VERDAMMT, DIE ZOMBIES KOMMEN ist dieser Problematik jedoch nur teilweise ausgesetzt – da sich die Macher durchaus über das komödiantische Potential bewusst waren. Der Film ist somit – und im Gegensatz zu grundsätzlich ernsten Genre-Klassikern wie ZOMBIES IM KAUFHAUS (Review) – ein zweischneidiges Schwert, welches sowohl mit einer typisch-schaurigen Gruselstory, als auch einem extravagant-makaberen Comedy- oder auch Slasherpart aufwartet.

Genau das ist auch der Clou – denn gesetzt dem Fall, der Film sollte über die Jahre noch mehr von seiner (potentiellen) einstigen ‚Glaubwürdigkeit‘ in Bezug auf den Gruselfaktor einbüßen, so gibt es immer noch einen starken komödiantischen Part, der schon eher als zeitlos bezeichnet werden könnte. Zumal er von einem ganz speziellen, sich durch alle Fasern des Films ziehenden 80er-Jahre-Charakter lebt, der schlicht einen enormen Charme versprüht. Viel zu kitschige Kulissen, übertrieben wirkende Kamerafahrten und -Schnitte, ein aufdringlicher Soundtrack und eine handvoll über-ambitionierter Darsteller – was stark nach einem cineastischen Totalausfall klingt, gehört im Falle von VERDAMMT, DIE ZOMBIES KOMMEN quasi zum (durchaus gewollten) Repertoire. Ein hoher Unterhaltungsfaktor ist somit garantiert; auch da der Film mit seiner Spielzeit von knapp 86 Minuten (je nach Schnittfassung) genau richtig dosiert ist und sich keine nennenswerten Längen einschleichen. Man treibt schlicht ein munteres Spielchen – das zu Beginn noch von der ominösen Story um einige seltsame Fässer mit noch seltsamerem Inhalt, später dann allein von den Charakteren getragen wird, die sich einer schier übermächtigen Horde Untoter gegenüberstellen.

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Fazit: Aber kann ein Film wie dieser auch trotz der starken Konkurrenz bestehen und eine nachhaltige Daseinsberechtigung entwickeln; schließlich gelten gerade die 80er-Jahre als Hochburg des immer beliebter gewordenen Zombie-Genres ? Er kann – auch wenn er sich dabei nicht ganz so stark von anderen Mitbewerbern abhebt. Letztendlich sind es – neben dem Film in seiner ureigenen Gesamtwirkung – so vielleicht drei oder vier Details respektive Merkmale; mit denen man den Film fortan in Verbindungen bringen wird. Das können die überaus flinken und fähigen Zombies (die sogar telefonieren oder sich verkleiden können), das merkwürdig deplatzierte Porträt des Friedhofsaufsehers (bei dem man dezente Hinweise auf eine Nazi-Faszination finden kann), der Fakt dass immer wieder auf einen Film-im-Film Bezug genommen wird sein – oder die Tatsache, dass die Untoten in diesem Fall sogar eine nachvollziehbare (!) Begründung für das vermeintlich sinnlose Töten vorzuweisen haben. So makaber all das auch klingen mag – es macht schlicht einen Heidenspaß und wirkt auch 30 Jahre nach der eigentlichen Veröffentlichung noch nicht abgenutzt. Es schreit viel eher nach Kult, aber auch nur in der ungeschnittenen Fassung – bei der die geradezu merkwürdig anmuteten ‚Spezialeffekte‘ noch besser zur Geltung kommen.

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6 Gedanken zu “Filmkritik: „Verdammt, Die Zombies Kommen“ (1985)

  1. Es sieht zwar irgendwie „billiger“ aus im Vergleich mit Tarman aus Teil 2, aber scheiße hat der mich damals traumatisiert. LOL Ich finde den aus Teil 2 einfach weniger furchterregend. 🙂

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  2. Der Film hatte für mich fast schon Kindheitstrauma-Charakter. Mit 5/6 Jahren beiläufig (mit)gesehen…meine Eltern hielten nicht wirklich was von FSK und wegsperren konnte sie mich auch nicht ständig^^ …dieses Intro und die Szene im Keller haben mich ewig verfolgt. Damals glaubte ich noch jahrelang so etwas wie Zombies gäbe es tatsächlich. 🙂 Ich hatte teilweise eine richtige Phobie vor Keller und dunkle Ecken bei Nacht. Heute würde mir das nichts mehr ausmachen, kann auch nachts über den Friedhof gehen (allerdings Friedhöfe auf freier Flur strahlen auf mich immer noch eine gewisse Bedrohlichkeit aus^^) Leichte Nachtangst in dunklen Räumen habe ich hin und wieder…und vor dunklen Fenstern,…ich hab kein Problem Nachts am Fenster eine zu rauchen (damit ging wohl ein Großteil dieser Angst weg)…aber ich kann ein dunkles Fenster (von draußen oder von innen) nicht lange ansehen, weil ich ständig das Gefühl habe jetzt klatscht gleich irgendwas oder irgendjemand unvermittelt gegen das Fenster. Das Gefühl hatte ich in der Vergangenheit verstärkt vor allem beim Duschen. Klingt das irgendwie absurd? Vielleicht ist das auch ein Teil einer Phobie beobachtet zu werden. Ich habe einige so komische Phobien…aber jetzt weg von mir. 🙂

    Mich hat der Film im Nachhinein fasziniert, weil die Atmosphäre die in diesem Film aufgebaut wird in der Form selten bei Genremitstreitern zu finden ist. Sicherlich ist der Film nicht ernst gemeint und als Komödie konzipiert worden (wobei man ja zuerst tatsächlich einen ernsten Film geplant hatte), dennoch wirkt er auch immer noch gruselig und bedrohlich und streckenweise auch hart. (Szene im Keller, Szene mit dem Verbrennungsofen, Szene in der Kirche, das Klasse Intro vom dahinschmelzenden „Tarman“ etc…) Man hätte daraus einen richtig harten Zombiestreifen drehen können, aber besser geplant komisch als unfreiwillig komisch. Man hat aber noch so das Gefühl, dass der letzte Schliff im Film fehlt und ihm fehlt auch etwas der „Immer-Wiedersehen-Faktor“ wie bei „Armee der Finsternis“ oder „Shaun auf the Dead“ ^^ …dafür ist der Humor zu rar gesät. Wer aber gute Zombies sehen will, die einem auch Angst machen können (das ist normalerweise selten der Fall) der MUSS hier einschalten. Ich wünschte man würde sich heutzutage mehr an diesem Klassiker orientieren als die xte Romero Auflage. Seine Zombies waren und sind einfach nur langweilig („Land of the Dead“ von 2005 war aber z.B. nicht so schlecht), vor allem wenn es sich um einfach nur blau angestrichene Leute handelt. ^^ Dan O‘ Bannon (R.I.P. 2009) ist immerhin u.a. verantwortlich für das Script von Alien und den (man könnte meinen) „Twin Peaks Vater“ und Geheimtipp „Dead & Buried“. Der Film wurde vom Index gestrichen und ist von FSK 18 auf 16 herabgestuft worden und das ohne Schnitte…wie ich finde macht das im Vergleich mit heutigen Filmen durchaus Sinn.

    Wertung: Ich gebe diesem Film…eine 8/10. Ich mag ihn sehr, aber für eine perfekte Wertung reicht es für mich dann doch auch nicht mehr.

    Teil 2 und 3 kann ich persönlich noch empfehlen. [Bei Teil 2 bitte das Bootleg am besten gleich verbrennen bzw. ersetzen. 😉 ] Teil 2 ist dann nochmal eine Spur mehr auf Comedy ausgelegt, leider fehlt dann etwas die Atmo vom ersten Teil. Teil 3 kann man als „Splatter-Drama“ bezeichnen, harte und gute Effekte, ansonsten Geschmackssache. Teil 4 und 5 sind eigentlich überflüssige Füllwerke, in denen nicht ansatzweise versucht wird den Flair der Klassiker zu beleben. Leider. Ich wäre aber durchaus an einem Remake von Teil 1-2 interessiert. ^^

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    1. Wie immer exzellentes, spannend zu lesendes Fachwissen. Ich freue mich schon auf den zweiten Teil, den wir uns die Tage ansehen werden…
      p.s. wie bitte ? Du und ein expliziter Remake-Wunsch ? 😉

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  3. Da hast du vollkommen recht! Der Streifen hat mir auch sehr gut gefallen, der war mal wieder so schön 80er Style, `n Traum 🙂 Hätte aber nicht gedacht das Du dem Film eine 7,5 geben wirst, obwohl ich der Bwertung vollkommen zustimmen muss.
    Hab vergessen e-mail zu checken, wegen log$in
    cu
    cb

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