Metal-CD-Review: INSANIA – Agony: Gift Of Life (2007)

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Alben-Titel: Agony: Gift Of Life
Künstler / Band: Insania (mehr)
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Black Lodge Records

Alben-Lineup:

Ola Halén – Vocals
Peter Östros – Guitars
Tomas Stolt – Bass
Dimitri Keiski – Keyboards
Mikko Korsbäck – Drums

Track-Liste:

01. Agony
02. Facing My Destiny
03. Hope
04. To Live Another Day
05. Gift Of Life
06. One Day
07. Fight For Life
08. Valley Of Sunlight
09. Times Of Glory
10. Dreams
11. Time Passes By
12. Alive

Irgendetwas ist… anders.

4 Jahre nach dem überraschenden Werk FANTASY – A NEW DIMENSION (Wertung 10/10 Punkten, Review) legen die schwedischen Power Metaller von INSANIA nach – und präsentieren mit AGONY – GIFT OF LIFE ihr nunmehr viertes Studioalbum. Das dürfte alle Fans der bereits 1992 gegründeten Combo freuen – doch gleichzeitig erwartet den Hörer eine Überraschung. Eine, die man nicht so recht einzuordnen, geschweige denn auf Anhieb positiv oder negativ zu attribuieren vermag. In jedem Fall scheinen die guten alten Fantasy-Inhalte, wie sie schon auf dem Debütalbum und den zwei Nachfolgern zelebriert wurden, ausgedient zu haben – stattdessen schlagen INSANIA nun deutlich bodenständigere, direkt lebensbezogene Töne an. Drauf gibt auch das Cover-Artwork einen Hinweis – das ausnahmsweise mal keine Drachen oder mystische Gestalten zeigt, sondern eine offensichtlich gepeinigt-leidende Person, die vor einer merkwürdigen Explosion (ein Riss im Raum-Zeit-Kontinuum – immerhin taucht auch die gute alte INSANIA-Uhr auf ?) kniet. Die Frage die sich nun stellt, ist die: lassen INSANIA nicht nur die Fantasy hinter sich, sondern auch die bisher so exzellent ausgeprägte Fantasie bei der Liedgestaltung ? Und: können die ’neuen‘ INSANIA noch immer so überzeugen, wie mit ihren beiden Alben zuvor ?

Eine schwierige Frage – die aber über Aufstieg und Fall, Sieg oder Niederlage des neuen Albums entscheidet. Immerhin schien eine Wendung wie diese unvermeidbar, ein neue Ausrichtung geradezu vorprogrammiert – schließlich trennten sich INSANIA nach ihrem letzten Album von ihrem einstigen Label No Fashion Records, fanden erst nach mehreren Monaten (und Demos – ungewöhnlich inmitten einer Banddiskografie) ein neues Zuhause bei Black Lodge Records. Aber noch etwas ist passiert: gleich3 Mitglieder haben INSANIA verlassen, und sorgen so und nach dem Ausstieg des einstigen Leadsängers David Henriksson (bis 2002) für den zweiten markanten Mitglieder-Wechsel, oder gar -Zusammenbruch. Glücklicherweise ist zumindest Ola Halen wieder mit von der Partie – sodass man sich nicht schon wieder auf einen neuen Sänger einstellen muss. Und bekanntlich hat gerade eben jener Ola Halen das vorherigen Album FANTASY (A NEW DIMENSION) zu einem echten Highlight gemacht – neben den genialen Instrumentalparts.

Was aber ist davon noch übrig geblieben ? Zuallererst ist festzustellen, dass AGONY – GIFT OF LIFE tatsächlich etwas bodenständiger klingt als seine Vorgänger, will heissen: dass man sich nicht mehr allzu explizit etwaigen Fantasy-Inhalten hingibt, spürt man auch in der Musik selbst. das Ganze fällt nicht mehr so hymnisch, so ausschweifend, so fantasievoll und episch aus – sondern stattdessen etwas progressiver, zurückhaltender; und vielleicht auch unspektakulärer. Dabei ist von derlei Entwicklungen im (relativ guten) Opener FACING MY DESTINY noch kaum eine Spur: hier hört man einen typisch druckvollen INSANIA-Sound; der von einer guten Gitarren-Arbeit, wirkungsvollen Keyboard-Einsätzen und einem engagierten Einsatz von Leadsänger Ola Halen lebt. Doch bereits hier könnte man den ein oder anderen Aspekt entdecken, der nicht zwangsweise negativ behaftet sein muss – aber zumindest dafür sorgt, dass eine Nummer wie diese nicht so dauerhaft hängenbleibt wie so viele andere zuvor. Insbesondere der Refrain fällt überraschend simpel aus, indem man sich beinahe ausschließlich auf Ola Halen verlässt – der seine Stimme hier nur ganz knapp nicht überstrapaziert.

Dann aber machen sich die relevanten Veränderungen endgültig bemerkbar: Nummern wie HOPE oder TO LIVE ANOTHER DAY wirken irgendwie unambitioniert und lustlos dargeboten; insbesondere im direkten Vergleich zum unglaublich guten Vorgänger. Es fehlt einfach an Biss, Kraft; aber vor allem auch Melodie – erstmals in der gesamten INSANIA-Diskografie stellt sich ein Gefühl der instrumentellen Eintönigkeit ein. Und das, wo man zuvor noch so grandios mit den Gitarren spielte, für zahlreiche Stimmungs- und Tempiwechsel sorgte, mit gelungenen Chören und symphonischen Komponenten auftrumpfte. Der Titeltrack GIFT OF LIFE macht dann als erste Nummer beinahe alles richtig – und serviert endlich die lang erwarteten, intensiv-packenden Melodien samt Tempowechseln – und einen typischen INSANIA-Refrain, bei dem man schlicht ins Schwärmen gerät. Überraschend: Leadsänger Ola Halen bekommt hier eine zweite Stimme zur Seite gestellt, die noch einmal für eine Portion Abwechslung sorgt und den Titel enorm aufwertet.

Dieser Eindruck kann jedoch kaum gehalten werden – im Gegenteil. Eine Ballade wie ONE DAY wirkt beinahe komplett belanglos, ein Titel wie FIGHT FOR LIFE einfach nur schnell – und sonst nichts; bis auf die immer wieder genialen Soli. Richtig nerven-zehrend wird es allerdings mit VALLEY OF SUNLIGHT – einem Titel, bei dem Ola Halen dann doch noch seine Stimme zu ruinieren droht. Denn wirklich gesund (geschweige denn angenehm) hört sich diese arg hohe, schiefe und penetrante Performance nicht an. Umso mehr freut man sich auf den (durchschnittlichen) Refrain, in dem er wieder die für ihn passenderen (tieferen) Tonlagen erreicht. TIMES OF GLORY ist dann ein Titel, der für dieses Album bezeichnender nicht sein könnte – werden in der ersten Minute ausschließlich alte INSANIA-Nummern angespielt. Ist die schöne Zeit der Ehre und Erhabenheit also wirklich schon vorüber, und nur noch ein abstraktes etwas, dass man in einer Retrospektive betrachten kann ? Es scheint fast so – denn auch gegen Ende hin startet das Album nicht mehr durch, dass vermeintlich epische Finale ALIVE gestaltet sich gar zu einer weiteren nervlichen Zerreißprobe bei wenig guten Ansätzen (was soll dieser schreckliche Instrumentalpart ?).

Was auch immer hier – neben den offensichtlichen, teils einschneidenden Dingen (Label- und Mitgliederwechsel) – passiert ist, es steht einer Band wie INSANIA einfach nicht gut zu Gesicht. Zwar ist es immer schön mitzuerleben, wie sich gerade Bands aus dem Genre des (Melodic) Power Metal weiterentwickeln und auch mal neue Pfade betreten – doch im Falle von INSANIA wünscht man sich in Anbetracht eines Albums wie AGONY – GIFT OF LIFE die gute alte Zeit sehnlichst zurück. Von der einstigen Genialität und Melodiösität der Band ist nicht mehr viel übrig geblieben – die fantastischen, hymnischen und instrumentellen Aspekte (die INSANIA einfach voll auszunutzen wussten) weichen einer geradezu langatmigen Herangehensweise, die unspektakulärer nicht hätte ausfallen können. Um dennoch für einen möglichst ‚frischen‘ Eindruck zu sorgen, serviert man stattdessen Elemente, die eher von einem Versuchen als von wirklichem Können zeugen – wie etwa den überstrapazierten Gesang von Ola Halen, der ansonsten eine recht gute, unverwechselbare Stimme hat. Auch wirkt das Album deutlich ‚rockiger‘ – die Gitarren sind immer noch omnipräsent, aber so langsam scheint INSANIA die (Power-Metallische) Puste auszugehen. AGONY – GIFT OF LIFE gehört so – neben dem ungeschliffenen Debütalbum – eindeutig zu den eher zu vernachlässigenden Alben von INSANIA.

Anspieltipps: FACING MY DESTINY, AGONY – GIFT OF LIFE, FIGHT FOR LIFE

Vergleichsbands: HELLOWEEN


50oo10

„Gegen den spektakulären Vorgänger eine herbe Enttäuschung“

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