Metal-CD-Review: BALFLARE – Downpour (2012)

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Alben-Titel: Downpour
Künstler / Band: Balflare (mehr)
Land: Japan
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Black-Listed Productions

Alben-Lineup:

Takashi Odaira – Bass
Isao Matsuzaki – Drums
Syuta Hashimoto – Guitars (lead & rhythm), Synthesizers
Leo Yabumoto – Guitars (rhythm)
Eijin Kawazoe – Vocals

Track-Liste:

1. Koiranilma 00:53
2. Before the Dawn 05:05
3. Sate the Heart 04:38
4. Lost 04:14
5. Unite 05:02
6. Crave in the Dark 05:00
7. I’m Your Shadow 05:21
8. Rain’s Realm 02:58
9. Downpour 05:44
10. Syzygy 05:23
11. From the Edge of Time 05:31
12. In the End of Journey 03:42

Es hätte so schön sein können.

Denn: die japanischen Melodic oder auch Symphonic Power Metaller von BALFLARE galten seit langem als Geheimtipp, den es sich zu entdecken lohnt. Auch, oder gerade in internationalen Gefilden – da es sich (bis heute) recht schwer gestaltet, an die Alben der illustren Truppe heranzukommen. Zumeist finden sie sich nur gebraucht und zu wahnsinnigen Preisen; lediglich größere Webshops wie Amazon Japan führen die Alben; wie auch das heute vorgestellte DOWNPOUR. Menschen ohne Kreditkarte sind da natürlich aufgeschmissen – eine kleine Unmöglichkeit, an der BALFLARE – respektive ihr Label – unbedingt arbeiten sollten. Ansonsten gingen viele Power Metal-Fans leer aus, sofern sie die Band überhaupt schon einmal wahrgenommen haben. Dass es sich lohnt, zeigt ein Album wie TEMPEST (Review), dass bereits im Jahre 2006 veröffentlicht wurde und der direkte Nachfolger des (nicht ganz so guten) Debüt-Albums (Link) war. Danach folgte noch SLEEPING HOLLOW aus 2008 (Link), ebenfalls ein grundsolides Power Metal-Album – und nun also soll DOWNPOUR endgültig alle Weichen stellen. Allerdings, und um die Euphorie wieder ein wenig auszubremsen – ein Album wie DOWNPOUR sollten die Jungs von BALFLARE vielleicht doch nicht im allzu großen  Stil anpreisen.

Das überraschende: DOWNPOUR kann weder mit dem grandiosen TEMPEST, noch dem schon deutlich mäßigeren SLEEPING HOLLOW mithalten – und das aus nicht immer nachvollziehbaren Gründen. Was auch immer hier passiert ist – ein Album, welches sich etwa 4 Jahre in der Entstehungs- und Produktionsphase befand, kann und darf einfach nicht so klingen wie DOWNPOUR. Auch, da es von einer Band kommt, die im Laufe der Jahre einiges an Erfahrung gewonnen, und nicht eingebüßt haben sollte. Doch es scheint, als hätte man sich ausgerechnet das Debütalbum (in Sachen Klang- und Produktionsqualität) und das dritte Werk (in Sachen Kitsch und Schnelligkeit) zum Vorbild für DOWNPOUR genommen, und das starke TEMPEST einfach komplett außen vor gelassen.

Besonders fatal: insbesondere das Schlagzeug klingt auf DOWNPOUR absolut generisch, gekünstelt und relativ überraschungsarm. Selbst die Doublebass-Attacken verpuffen eher, als dass sie für zusätzlichen Druck oder Härte sorgen – wobei es sich ohnehin um zwei Begriffe handelt, mit denen BALFLARE wenig gemein haben. Das war auf den Vorgängern nicht unbedingt ein Problem – doch langsam aber sicher beginnt es, an den Nerven zu zehren. Dieses ‚es‘ bezieht sich weiterhin vor allem auf den überschwänglichen Einsatz des Keyboards, dass in so gut wie jeder Komposition einen Ehrenplatz zugewiesen bekommt – und auf den Leadgesang von Eijin Kawazoe. Der ist zwar kein schlechter Sänger, doch klingt immer noch exakt so wie vor 6 Jahren, was bedeutet: etwaige Englisch-Kurse hat er zwischenzeitlich offenbar nicht besucht. Seine Aussprache gerät noch immer stark gewöhnungsbedürftig, während einzelne Textpassagen überhaupt nicht zu verstehen sind. Ein weiteres Merkmal, welches BALFLARE bisher auszeichnete, war die symphonische Komponente. Diese kommt auch auf DOWNPOUR noch vor – doch längst nicht mehr so erfrischend, knackig oder atmosphärisch.

Doch besehen wir ein Beispiel. Besonders gut eignet sich ein Titel wie der Opener BEFORE THE DAWN, zwecks einer Veranschaulichung der Entwicklung von BALFLARE. Zu Beginn erklingen die BALFLARE-typischen Spinett-Klänge, die auch schon TEMPEST auszeichneten – ein wohliges Gänsehautgefühl stellt sich ein. Der erste Schock folgt jedoch sogleich, und zwar mit dem Einsetzen der vollen Instrumentation. Dies geschieht absolut abrupt – und in einer weitaus mäßigeren klanglichen Qualität als die vorherigen, reinen Klassik-Klänge. Danach folgt die ein typisches BALFLARE-Brett, welches mit einer ungeheuren Geschwindigkeit über den Hörer rollt – was weitaus angenehmer wäre, wäre das Schlagzeug nicht so flachbrüstig. Im weiteren Verlauf gesellen sich verschiedene Keyboard-Variationen, Gitarrensoli und ein Refrain hinzu, der protziger nicht hätte ausfallen können. Jedoch – man gewöhnt sich an diese Komposition, auch; da sie an den episch-bombastischen Eindruck eines AWAKENING (von TEMPEST) anknüpft, und die ein oder andere wunderbare Melodiefolge offenbart. Zu einer Musik wie dieser kann man nur auf einem Hügel stehen und die Arme ausbreiten – sphärischer, eindringlicher; schlicht epischer geht es nicht. Das erschreckende daran ist, dass es sich hier bereits – trotz aller Einbußen – um den stärksten Titel des gesamten Albums handelt. Die, die noch folgen sollen; bauen entweder auf ihm auf (wie der ähnlich gehaltene Titeltrack DOWNPOUR), sind eher eintönige Midtempo-Nummern oder verlieren sich schlicht in einem Wirrwarr aus Schnelligkeit, den Keyboard-Orgien und einem merkwürdigen Englisch.

Fazit: Es ist so schade – DOWNPOUR hätte ein deutlich besseres Album werden müssen, dem man die nunmehr langjährige Erfahrung der Band wirklich anmerkt. Das Gegenteil ist der Fall – alle Mitglieder von BALFLARE scheinen einen Schritt zurück zu machen, und liefern so alles andere als die besten Performances ihrer bisherigen Karriere ab. Leadsänger Eijin Kawazoe zeigt sich nicht gerade von einer besonders variablen Seite und trumpft zudem noch mit seiner stark gewöhnungsbedürftigen Aussprache auf – wo sind die angenehmeren hohen Töne, die markanten Aha-Momente ? Das Keyboard wird eindeutig überstrapaziert, und sorgt mit dem Zusammenspiel aus einem flachen, generischen Drumming und den eher hintergründigen Gitarren für einen insgesamt viel zu laschen Sound. Und: auch in Sachen Songwriting hat man schon wesentlich besseres hinbekommen, eine Ballade wie I’M YOUR SHADOW wirkt dagegen schon fast peinlich. Zwar gibt es auch Lichtblicke – wie den Opener, das Instrumental RAIN’S REALM, der Titeltrack, eine kurze Instrumentalpassage in SYZGY – doch das ist einfach viel, viel zu wenig. Bleibt folgende Hausaufgabe für BALFLARE: TEMPEST zur Hand nehmen, noch einmal innig hören und mit DOWNPOUR vergleichen – und sich dann Gedanken über den weiteren Werdegang machen. So kann es jedenfalls nicht weitergehen.

Anspieltipps: BEFORE THE DAWN, RAIN’S REALM, DOWNPOUR

Vergleichsbands: SONATA ARCTICA


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„Zwei oder drei Übertitel – doch der Rest ist leider Murks“

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