Metal-CD-Review: MATENROU OPERA – Kassai To Gekijou No Gloria (2013)

matenrou_opera_gloria_500

Alben-Titel: Kassai To Gekijou No Gloria
Künstler / Band: Matenrou Opera (mehr)
Land: Japan
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: King Records

Alben-Lineup:

Sono – Vocals
Anzi – Guitar
Ayame – Keyboards, Keytar
Yo – Bass
Yuu – Drums

Track-Liste:

1. -Overture-
2. GLORIA
3. Plastic Lover
4. 悪魔の翼
5. Freesia
6. CAMEL
7. Merry Drinker
8. SWORD
9. Innovational Symphonia
10. 永遠のブルー
11. Midnight Fanfare
12. 喝采と激情のグロリア

Der ferne Osten offenbart so manch musikalische Perle.

Es ist wahrlich kein leichtes, eine Band wie MATENROU OPERA nach europäischen Standards in ein vorgefertigtes Genre zu pressen. Schließlich ist der Begriff des Visual Kei Metal hierzulande alles andere als geläufig, sodass man zu alternativen Bezeichnungen greifen muss. Das Visual Kei bezieht sich schlicht auf das optische Erscheinungsbild der Band, wie es beispielsweise auch in Bezug auf den Glam Metal üblich ist – nur, dass der stilistischen Ausrichtung des Sounds beim Visual Kei grundsätzlich keine Grenzen gesetzt sind. Visual Kei muss also nicht immer nach Visual Kei klingen, beziehungsweise lässt sich diesem Begriff keine explizite Musikrichtung zuordnen. Und so sorgen MATENROU OPERA, eine 2006 gegründete japanische Band, in soweit für eine Überraschung; als dass sie auf ihrem neuen Album KASSAI TO GEKIJOU NO GLORIA einen überraschend symphonischen Power Metal zelebrieren. Zumindest teilweise – die anderen Tendenzen können je nach Titel schwanken, bewegen sich aber in jedem Fall im Rahmen des Oberbegriffes Heavy Metal.

Japan und Power Metal – eine Kombination, die seit jeher aufgeht; aber dennoch nicht bei allen Metal-Fans gleichermaßen ankommt. Sicherlich können die Sprachbarrieren und die kulturelle Kluft ein Problem sein – doch ganz ehrlich: besser, man nimmt dies in Kauf; anstatt Japanischen Metal-Sängern bei ihren Versuchen beizuwohnen, ihre Texte ins Englische zu übersetzen und entsprechend vorzutragen. Das funktioniert in den meisten Fällen eher weniger gut – und sorgt bis auf einige wenige Ausnahmen (beispielsweise GALNERYUS oder BALFLARE, doch auch die sind schon schwer zu verstehen) für so manch merkwürdigen Eindruck. MATENROU OPERA umgehen dieses Fettnäpfchen, indem durchgehend auf japanische Texte setzen (bis auf einige kurze Textstellen, beispielsweise im Refrain von GLORIA) – und auch sonst typisch japanisch, und damit ungekünstelt und authentisch wirken.

Besagtes GLORIA ist gleichzeitig auch der Opener des neuen Albums – ein Titel, der es wahrlich in sich hat; und von dem sich so manch europäische Symphonic Metal-Combo ruhig mal eine Scheibe abschneiden könnte. Das Riffing ist absolut markant und einzigartig, das Keyboard wirkt wunderbar unterstützend und nicht zu aufdringlich, der Gesang wirkt bis auf wenige Ausnahme-Stellen punktgenau und angenehm. Das Highlight bildet jedoch der Refrain – der nicht nur eine fesselnde Melodie zelebriert, sondern auch einen mannigfaltig-satten Choreinsatz. Das klingt nicht nur verdammt episch – das ist es auch. Die folgenden Titel bewegen sich irgendwo zwischen den Eindrücken, die Bands wie GALNERYUS, CONCERTO MOON oder auch SKYWINGS hinterlassen würden – mal mit einem stärkeren Fokus auf das Keyboard und die Chöre, mal weniger. Wichtig erscheint hervorzuheben, dass das Album in jedem Fall absolut Laune macht – das heisst, durchweg positive Emotionen erweckt und gut unterhält. Wirkliche Ausfälle gibt es grundsätzlich keine, auch wenn einige Titel aus dem Mittelteil – wie etwa das orientalisch angehauchte FREESIA, das nur mittelmäßig rockende CAMEL oder die überaus träge Ballade 永遠のブルー  – sicherlich nicht zu den Highlights gehören.

Deutlich spannender wird es dann schon eher mit Titeln wie MERRY DRINKER (außergewöhnlich hervorgehobener Drumming-Part), SWORD (markant symphonisch) und INNOVATIONAL SYMPHONIA (genialer Refrain). Ganz zum Ende hin gibt es dann sogar noch einen deutlichen Qualitätsanstieg – die MIDNIGHT FANFARE (reines Instrumental) und das große Finale in Form von 喝采と激情のグロリア (wieder mit einem GLORIA im Refrain) machen ordentlich Stimmung und klingen wunderbar episch.

Fazit: Insgesamt ist KASSAI TO GEKIJOU NO GLORIA wahrlich jedem Power Metaller ans Herz zu legen – sofern er denn bereit ist, auch einmal etwas ungewöhnlicheren, ‚exotischeren‘ Klängen zu lauschen. Und zu riskieren, dass die Textinhalte – sofern man keine Übersetzung zur Hand hat – komplett an einem vorbeigehen. Davon abgesehen können MATENROU OPERA ganz problemlos mit anderen Japan-Combos wie den SKYWINGS (deren letztes Album weniger ‚Metal‘ war als gedacht – siehe hier) mithalten – man mache sich selbst ein Bild. Zu empfehlen sind sie allemal.

Anspieltipps: GLORIA, SWORD, INNOVATIONAL SYMPHONIA, MIDNIGHT FANFARE

Vergleichsbands: SKYWINGS | JUPITER


70oo10

„Stilsichere Japan-Power mit erhabenen Momenten“

Über Kommentare Freut Sich Jeder.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.