TV-Kritik / Anime-Review: AQUARION EVOL

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Originaltitel: アクエリオンEVOL Akuerion Evoru
Typ: Anime-TV-Serie
Umfang / Laufzeit: 26 Folgen (je ca. 23 Minuten)
Land: Japan
Regie: Shoji Kawamori, Yūsuke Yamamoto
Studio: Satelight
Genre: Science Fiction / Action / Romanze
Tags: Aquarion, Aquarion Evol, Fortsetzung, Sequel, Apollo, Altair, Vega

Die Liste der 26 Episoden (englische Titel):

01 The Mythical Forbidden Union that Embraces the End (Part 1) 14 Aftermath
02 The Mythical Forbidden Union that Embraces the End (Part 2) 15 Beasts of Love
03 The Heartbeat Index Rapidly Rises 16 Confessions from the Soul
04 Wall ~conquer oneself~ 17 Rise Up, Life.
05 Love Prohibition Order 18 Rare Igura
06 The Agitato of Life 19 First Reunion
07 The Midnight Girl 20 MI・XY
08 Confession 21 Kiss
09 Turn Man and Woman into a Hole New World 22 Wings of Rebirth
10 The One-Eyed Transfer Student 23 Song of Legend
11 Call of the Wild 24 Ephemera
12 The Skies of Aquaria 25 Fragment of Adam
13 The Fallen Giant 26 Love

AQUARION EVOL, oder: die neue Form der Übertreibung.

Inhalt: Der junge Amato Sora, der aus irgendeinem Grund in der Lage ist in einem aufgeregten Zustand zu schweben; lebt auf einem Planeten namens Vega. Hier lernt er die etwa gleichaltrige Mikono Suzushiro kennen, ein junges Mädchen welches sich Vorwürfe macht, da sie als einzige in ihrer Familie über keine besondere Fähigkeit zu verfügen scheint. Sie treffen sich in einem alten Kino, in dem der Film Skies of Aquarion ausgestrahlt wird – beide sind tief bewegt vom Gezeigten, und entdecken ihre erste gemeinsame Passion. Wie es der Zufall will, müssen sich die beiden kurz nach dem ersten Kennenlernen einer gefährlichen Situation stellen – in der Amata nicht nur außerordentliche Stärke beweist, sondern gar in einen Kampfroboter der Forschungsorganisation Neo-Deava eindringt. Es stellt sich heraus, dass dieser sogenannte Aquaria die einzige Hoffnung der Menschen auf Vega ist – schließlich gibt es kaum eine andere Möglichkeit, die ständigen Angriffe aus einer Nachbarwelt, Altair genannt, abzuwehren. Da Amata mit Mikono gemeinsam ins Cockpit des Aquaria gesogen wurde, bricht ein spezielles Siegel – jenes, welches die Vereinigung von Männern und Frauen in einer Kampfmaschine wie dieser verhindern soll. Und so wird aus Aquaria der Kampfroboter Aquarion – der eine ungleich höhere Macht besitzt. Die Angreifer, die offenbar darauf aus sind möglichst viele Frauen zu entführen, können vorerst gestoppt werden – doch es stellt sich heraus, dass hinter all dem noch weitaus mehr steckt als es den Anschein hat.

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Kritik: Viel mehr – denn AQUARION EVOL zeichnet sich nicht gerade durch eine inhaltliche oder gestalterische Zurückhaltung aus. Dabei war die japanische Anime-TV-Serie SOUSEI NO AQUARION (der Vorgänger von AQUARION EVOL, 2005) schon ein starkes Stück – ein solches, dass man sicherlich nicht alle Tage vorgesetzt bekommen würde. Und eines, welches das kleine Wörtchen der Gewöhnungsbedürftigkeit auf ein gänzlich neues Niveau hievte. Durch die bombastisch-bunte Aufmachung, den pompösen Soundtrack, die ablenkenden Slapstick-Elemente und die ständig stattfindenden, ausufernden Kämpfe war man einstweilen geneigt zu vergessen, worum es eigentlich ging. Tatsächlich aber verbirgte sich hinter der überbordernden Aufmachung auch eine gar nicht mal uninteressante – wenn auch gleichsam übertrieben dargebotene – Storyline. Hier pokerte man entsprechend hoch – und setzte auf die Erzählung einer Legende von der großen, unsterblichen Liebe; die Jahrtausende überdauern würde. Interessanterweise war hier von einem bestimmten Zyklus die Rede – eine Legende wie diese würde oder könnte sich alle 12000 Jahre wiederholen.

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An dieser Stelle ein Ratespiel zu veranstalten, würde demnach keinen großen Sinn machen – AQUARION EVOL setzt als Nachfolger mehr oder weniger exakt 12000 Jahre nach der Handlung aus SOUSEI NO AQUARION an, und erzählt eine weitere Legende. Eine neue alte quasi – deren Ausgang dieses Mal aber noch ungewisser ist, und die selbstverständlich von anderen Charakteren geschrieben wird. Ganz AQUARION-typisch ist aber auch das nur die halbe Wahrheit – denn während der Großteil der Charaktere tatsächlich neu ist, schlummert in dem (oder der) ein oder anderen doch noch so manche Reinkarnation. Und so werden munter (teils verwirrende) Querverweise auf die alte Serie gezogen, immer im Bestreben die beiden Serien sinnig miteinander zu verknüpfen. Ein Versuch, der in seiner Ausführung – ebenfalls ganz AQUARION-typisch – weder wirklich misslingt, noch durchweg überzeugt. Dabei erscheint es zusätzlich fraglich, ob man die Vorgängerserie zwingend gesehen haben sollte, bevor man sich an AQUARION EVOL wagt – doch dazu später mehr.

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SOUSEI NO AQUARION hatte vielerlei Merkmale, anhand derer sich die ungewöhnliche Serie beschreiben ließ – neben den eher offensichtlichen verdiente aber vor allem auch ein eher ungeschriebenes Aufmerksamkeit. Die Rede ist von dem Bestreben, es möglichst allen Zuschauern in irgendeiner Art und Weise rechtmachen zu wollen – eine Herangehensweise, von der auch der Nachfolger AQUARION EVOL nicht gefeit ist. Das heisst, dass einem abermals eine wilde Genre-Mischung aus Science Fiction, Fantasy, Action, Kömodie, Drama und Liebesromanze dargeboten wird – je nach Stimmung und Episode mal mit einem stärkeren Fokus auf dieses, mal auf jenes Element. Einerseits weist dies auf die eben erwähnte, von den Machern sicherlich erwünschte Massentauglichkeit hin – andererseits auf die Reihe an Ungewöhnlichkeiten, die AQUARION EVOL schlicht auszeichnen und zu dem machen, was es ist. So fällt die Serie vor allem zu Beginn noch recht harmlos, luftig-locker und stellenweise gar explizit witzig aus – eine Folge wie die der LOVE PROHIBITION ORDER sind hierfür das beste Beispiel. Die Highschool-Elemente, die sich in AQUARION EVOL vor allem auf die Trennung und Zusammenführung der beiden Geschlechter konzentrieren, machen Laune – und bilden den mitunter größten Spaßfaktor der Serie. Aber: allzu besonders sind sie nicht, und man wird sich AQUARION EVOL wohl kaum wegen besagten Elementen ansehen.

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Schließlich soll es um die ganz großen Dinge gehen – mit denen AQUARION EVOL geradezu leichtsinnig hantiert und mal etwas lächerlicher, mal etwas stimmiger umgeht. Die Geschichte einer ewig währenden Liebe ist zwar faszinierend – doch in Form der merkwürdigen Reinkarnationen (die erst in der allerletzten Folge vollständig offenbart werden) wird sie gleichsam gewöhnungsbedürftig, wie auch zu einem munteren Rätselraten. Natürlich (und auch das gehört zum AQUARION-Kanon) bleibt es nicht nur bei dieser einen, großen Liebe; die ins Rampenlicht gerückt wird – sondern gleich um ein Liebes-Geflecht zwischen verschiedenen Personen – die dabei auch nicht immer menschlich sein müssen. Sogar der Urknall wird geradezu nebenbei erwähnt, sodass man automatisch an ein auf episch-übertriebenes Werk a’la GUNBUSTER (oder auch DIEBUSTER) erinnert wird – doch wie gesagt ist dies nur eine Facette von AQUARION EVOL. Die anderen finden sich in den zahlreichen Nebenerzählungen rund um die Haupthandlung wieder. Mal müssen persönliche Schicksale erkannt und abgewendet werden, mal muss der Schulalltag bewältigt oder die eigene Herkunft ergründet werden – zu erzählen gibt es wahrlich genug.

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Wie, wie ja sollte man mit einer Serie wie dieser umgehen; wie sie adäquat bewerten ? Eine schwierige Angelegenheit, zweifelsohne – da eine ungeheure Vielzahl an Eindrücken auf den Zuschauer hereinprasselt. Während die optische Gestaltung den episch-konfusen Gesamteindruck unterstützt, bleibt es auch auf der inhaltlichen Ebene bei einem Status Quo des nicht halben, nicht ganzen. Grundsätzlich kommt alles erdenkliche, was man sich für eine Serie wie diese wünschen würde, vor – doch ist der Erzählfokus enormen, scheinbar willkürlichen Schwankungen ausgesetzt. Dies führt auch dazu, dass die Serie eine vergleichsweise erhebliche Eingewöhnungszeit braucht – die nicht minder als 13 Folgen (die Hälfte der Serie) beträgt. Erst danach zieht man hinsichtlich der Haupthandlung an, streut immer wieder interessante Fragen ein – die dann im weiteren Verlauf auch beantwortet werden. Das ist indes ein weiteres Stichwort: grundsätzlich werden alle Mysterien von AQUARION EVOL vollständig aufgelöst, sodass die Serie kaum über ihren Kontext hinaus begeistern / nachwirken kann. Lediglich bei den Fragen, die selbst den Machern zu denken geben werden; hielt man sich entsprechend zurück – vor allem was jene Elemente der Verknüpfung der beiden Serien betrifft. Hier ergibt – bei näherer Betrachtung – nicht immer alles einen Sinn, sodass es mitunter am vorteilhaftesten wäre, man hat SOUSEI NO AQUARION gar nicht erst gesehen. Oder aber andersherum: man besieht das Original, lässt aber die Finger vom Nachfolger.

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Charaktere

So bunt und durcheinander die Handlungsstränge von AQUARION EVOL manchmal verlaufen, so vielfältig ist auch die Charakter-Riege. Aber: wenngleich die Serie einen der markantesten und durch die Geschlechtertrennung voneinander abgegrenzten Cast (erst physisch, danach psychisch) präsentiert, so bleibt er insgesamt doch überraschend flach. Tiefe Einblicke oder eine generelle Nachvollziehbarkeit von Handlungen oder Motivationen sind nicht zu erwarten – hier passiert einfach das, was passieren muss. Ebenfalls eher fatal: durch die Einbringungen (eine untertriebene Formulierung, baut die Serie doch darauf auf) der Reinkarnations-Thematik weiss man selbst bei den Hauptcharakteren nicht immer ganz genau, woran man eigentlich ist; und wer letztendlich das Zepter in der Hand hält.

Optische Aspekte

Eines steht fest: AQURAION EVOL besitzt nicht nur einen irgendwie auffälligen, ansprechenden (aber vielleicht gar nicht mal so komplex-tiefsinnigen) Erzählpart, sondern auch eine überaus markante optische Gestaltung. In einer geradezu protzigen Manier werden wunderschöne Hintergründe, ansehnliche Detailansichten, atemberaubende Totaleinstellungen (auf Städte, aus der Luft) und vor allem auch hektisch-bunte Mecha-Kämpfe samt geschmeidiger CGI-Animationen dem Zuschauer geradezu um die Ohren geworfen. Hinzu kommen ein auf niedlich getrimmtes Charakterdesign, der Einsatz von kräftigen Farben, Wettereffekten – sowie allerhand merkwürdige, übertriebene Symbolik (in Form der Präsentation der Spezialfähigkeiten beispielsweise, oder während der Serien-internen Erklärungspassagen von Fudo). In dieser Hinsicht wird man ausnahmslos gut unterhalten – für das Auge ist AQUARION EVOL allemal ein hochkarätiger Kandidat. Lediglich die Flug- und Verschmelzungsanimationen der Vektoren (die sich zu AQUARION vereinen) nutzen sich aufgrund der häufigen Wiederholungen im Laufe der Zeit ab.

Im folgenden nur einige Beispiele der markanten optischen Elemente von AQUARION EVOL:

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Wer bekommt denn da nicht Hunger… ?
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Oder hier…
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Oder HIER… ?

Eine Auswahl an Schauplätzen aus nur EINER einzelnen Folge:

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Akustische Aspekte

AQUARION EVOL ist typisch japanisch vertont – die Sprecher wirken alle enorm engagiert, und vermögen es den Zuschauer entsprechend mitzureissen. Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgt indes der Soundtrack – der von japanischem Pop bis hin zur europäischen Klassik ebenfalls mit allem aufwartet, was möglich ist. Das funktioniert über weite Strecken gut – gerade die Kämpfe werden so stimmig vertont und zusätzlich hervorgehoben. Auch Stücke aus dem ‚alten‘ SOUSEI NO AQUARION kommen vor – lediglich die beiden Intro- und Outromelodien können nicht mit denen der 2005’er Serie mithalten.

Fazit: Alles, was bereits im Vorgänger und Original ansatzweise behandelt wurde, wird in AQUARION EVOL noch einmal aufgegriffen – nur eben in einer noch ausschweifenderen Art und Weise. Allerdings: auch wenn Tiefgang oder Anspruch ganz, ganz anders aussieht – AQUARION EVOL macht schlicht einen Heidenspaß. Man darf nur nicht allzu logisch oder mit hohen Erwartungen an die Sache herangehen, sondern stattdessen das Popcorn schnappen und… los geht’s. Auch wenn das Original entsprechend origineller und innovativer war, trumpft der Nachfolger doch noch in mancherlei Hinsicht auf: der Cast ist grundsätzlich sympathischer, die Technik absolut auf der Höhe der Zeit, etwaige Durststrecken bleiben (bis auf den zähen Beginn) aus, der Spaß-Faktor ist noch etwas höher. Eine Empfehlung – für alle, die einmal die; nennen wir es Hollywood-Seite des japanischen Animes kennenlernen möchten. Schlussendlich kann es nur eine Gesamtwertung geben: dieselbe, die auch schon SOUSEI NO AQUARION erhielt.


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„Eine reichlich bunte, überraschend solide Anime-Serie.“

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