Metal-CD-Review: DERDIAN – Limbo (2013)

derdian_limbo

Alben-Titel: Limbo
Künstler / Band: Derdian (mehr)
Land: Italien
Stil / Genre: Melodic Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Ivan Giannini (Lead & Back Vocals)
Henry Pistolese (Guitar, Back Vocals)
Marco Garau (Keyboards)
Dario Radaelli (Guitar)
Salvatore Giordano (Drums)
Luciano Severgnini (Bass)

Track-Liste:

01. Carpe Diem
02. Dragon Life
03. Forever in the Dark
04. Heal My Soul
05. Light of Hate
06. Terror
07. Limbo
08. Kingdom of Your Heart
09. Strange Journey
10. Hymn of Liberty
11. Silent Hope

Tanzt den DERDIAN-Limbo… !

Irgendwie kommt es einem so vor, als wenn die italienischen Power-Metaller von DERDIAN schon eine Ewigkeit im Geschäft wären. Der ganz große Wurf ist der 1998 gegründeten Band bisher aber noch nicht gelungen – die 3 als Trilogie inszenierten Studioalben der Jahre 2005, 2007 und 2010 stießen nicht immer und überall auf den erwünschten großen Anklang. Das alles soll sich nun, und im Jahre 2013 ändern: LIMBO ist das neue Album, das klar mit den Vorgängern zu brechen scheint und eine neue musikalische Ära der Band heraufbeschwören soll.

Und tatsächlich – LIMBO erweist sich als überaus erfrischendes, überraschend bombastisches Genrealbum. Nicht nur, dass es in kompletter Eigenregie aufgenommen und vermarktet wurde (hier steht ausnahmsweise mal kein großes Label dahinter) – der Sound wirkt höchst qualitativ und ausdrucksstark. Auch darf sich der neue Ledsänger der Band, Ivan Giannini, erstmals beweisen – ein würdiger Nachfolger für Joe Cagianelli, wie sich herausstellt. Auch, wenn er nicht ganz so markante Eigenarten mitbringt, die ihn zusätzlich von der Masse an Power Metal-Sängern abheben würden. Doch ist seine ganz spezielle, nun; Sanftheit angenehm – und unterstützt den symphonisch-poetischen Gesamteindruck der Scheibe.

LIMBO ist dabei – endlich einmal – wieder eines jener Symphonic Power Metal-Alben, die absolut in sich geschlossen wirken. Was nicht heissen soll, dass die entstehende Atmosphäre nicht als weitreichend und den Albenkontext sprengend bezeichnet werden könnte, im Gegenteil – doch wirken die 11 Titel sinnigerweise zusammenhängend, sie bauen aufeinander auf. Die fliessenden Übergänge unterstützen diesen Eindruck – blöd nur, wenn der CD-Player eine kurze Pause zwischen den einzelnen Titel vorsieht, was in einigen auffallend abgehackten Momenten münden wird. Sei es drum – bereits das atmosphärische Intro CARPE DIEM, und insbesondere der darauf folgende Uptempo-Opener DRAGON’S LIFE machen schnell klar, dass LIMBO ein Fest für alle Freunde eines bombastischen Symphonic Power Metal sein würde. Und solche, die es gerne werden wollen – denn LIMBO eignet sich aufgrund der leichten Zugänglichkeit und den sofort zündenden Kompositionen gerade auch für Neueinsteiger.

Titel wie FOREVER IN THE  DARK gehen dann noch ein stückweit tiefer; und dringen in jene Bereiche vor, die DERDIAN bisher verschlossen blieben. Herzlich willkommen im großen Saal der europäischen Elite des Symphonic Power Metal ! In der Tat bietet der über 7 Minuten lange Titel all jene Elemente, die das Genre seit jeher auszeichneten – und das, ohne dabei allzu offensichtlich inspiriert oder langatmig zu wirken. Hier stimmt einfach alles. Von der gelungenen, lebendigen Gitarren-Arbeit über das stattliche (organisch klingende) Drumming bis hin zur symphonischen Komposition, die sich wunderbar mit dem Leadgesang verbindet; bleiben keine Wünsche offen. Ebenfalls nett ist die Herangehensweise, ausnahmsweise einmal dem Refrain etwas Tempo zu nehmen – und stattdessen in den Strophen, oder aber den unterhaltsamen Instrumental-Parts ordentlich aufzutischen. Und auch ein vergleichsweise ruhiger Titel wie HEAL MY SOUL wirkt zu jeder Sekunde so, als hätte man sich ausführliche Gedanken über das nun zu hörende gemacht. Jede Passage ist gut durchdacht, jedes Element erfüllt seinen Zweck – die Arbeit hat sich zweifelsohne gelohnt.

Etwas ungewöhnlich ist die relativ lange Spielzeit der einzelnen Titel – keiner (mit Ausnahme des Intros) bewegt sich auf LIMBO unter 5 Minuten. Doch was bei anderen Bands einstweilen langatmig werden kann, ist bei DERDIAN nunmehr ein schierer Genuss – die gebotene Abwechslung ist enorm, der Aufbau der einzelnen Titel ist stimmig und beeindruckend. Selbst in die vergleichsweise kurzen und knackigen Nummern wie etwa LIGHT OF HATE hat man so allerhand gelungene Ideen verpackt, die mit der etablierten Stimmung spielen und für die ein oder andere Überraschung sorgen. Grundsätzlich handelt es sich um eine rasend schnelle Nummer mit einem hochtrabenden Refrain – doch hie und da auftretende düstere Passagen und Instrumental-Abschnitte sorgen für die nötige Portion Atmosphäre.

Da wahrlich keiner der auf LIMBO enthaltenen Titel einen Ausfall darstellt, kann man nur versuchen; die Stärken und Schwächen im Gesamtkontext zu betrachten. Überaus stark und markant ist ohne Zweifel die Gitarrenarbeit – knackige, lebendige Riffs; perfekt gespielt und ebenso perfekt abgemischt, lassen keinen Zweifel entstehen. Beinahe ebenso gut und markant ist der Einsatz des Keyboards, dass sehr melodisch agiert und dem Album einen nicht ganz so symphonisch-ausschweifenden Touch verleiht, sondern stattdessen wieder ein stückweit auf den Boden bringt. Auch das Schlagzeug, die Textinhalte und vieles mehr machen einen super-soliden Eindruck – wie es sich für ein anständiges Symphonic Power Metal-Album gehört. Es ist schwer, wirkliche Kritikpunkte am Album auszumachen – doch wenn, dann wären diese wohl hauptsächlich im Gesang und der Gesamt-Atmosphäre auszumachen. Leadsänger Ivan Giannini besitzt nun einmal keine allzu große Bandbreite und Variabilität, seine Stimme ist eher zart und bodenständig; und ganz selten wirkt sie auch mal überstrapaziert. Die Atmosphäre auf LIMBO dagegen könnte auch noch ein stückweit intensiver, epischer, abwechslungsreicher sein – im Endeffekt können sich einzelne Titel oder Elemente doch stark ähneln, vieles geht im allgemeinen Doublebass-Gewitter unter. Ein Tropfen auf dem heissen Stein.

Fazit: DERDIAN gelingt es auf und mit LIMBO, alle Vorzüge des Genres auszuleben – ganz ohne, dass dabei ein kitschiger oder klischeebehafteter Eindruck entstehen könnte. Denn genau das ist oftmals die Crux, wenn es um jenes oftmals belächelte Genre geht – doch nun endlich gibt es ein neues Vorzeigeprojekt. Und automatisch damit einhergehend – einen der heißesten Anwärter auf den Symphonic-Power-Metal-Thron 2013.

Anspieltipps: DRAGON’S LIFE, FOREVER IN THE DARK, HEAL MY SOUL, LIGHT OF HATE, LIMBO, SILENT HOPE

Vergleichsbands: DREAMTALE | LABYRINTH


95oo10

„Vergleichsweise simpel, aber besser als alle bisherigen DERDIAN-Alben zusammen“

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