Metal-CD-Review: STRATOVARIUS – Nemesis (2013)

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Alben-Titel: Nemesis
Künstler / Band: Stratovarius (mehr)
Land: Finnland
Stil / Genre: Melodic Power Metal
Label: earMusic

Alben-Lineup:

Timo Kotipelto – Gesang
Matias Kupianen – Gitarre
Lauri Porra – Bass
Rolf Pilve – Schlagzeug
Jens Johansson – Keyboards

Track-Liste:

01. Abandon
02. Unbreakable
03. Stand My Ground
04. Halcyon Days
05. Fantasy
06. Out Of The Fog
07. Castles In The Air
08. Dragons
09. One Must Fall
10. If The Story Is Over
11. Nemesis

Es war an der Zeit, eine neue Ära einzuläuten.

Das Jahr 2013 ist das Jahr der teils unerwarteten, dafür aber umso fulminanteren Comebacks. Nach HELLOWEEN’s überraschend oldschooligem STRAIGHT OUT OF HELL legen nun auch die Finnischen Altmeister von STRATOVARIUS ein neues Werk vor – das 11 Titel starke NEMESIS. Im Gegensatz zu ihren Kollegen aber scheinen STRATOVARIUS auch das ein oder andere Experiment zu begrüßen, wenn es um die Weiterentwicklung der nunmehr historischen Band und der damit verknüpften, ausführlichen Geschichte geht. In wie weit das Ganze mit den zahlreichen Besetzungswechseln zu tun hat, ist ungewiss – klar ist, dass NEMESIS so frisch, lebendig und auch andersartig klingt wie bisher noch kein zweites Power Metal-Album aus dem noch jungen Jahr 2013. Andersartig – aber gleichzeitig eindrucksvoll und mit einem Hauch des Charmes, der von der Band vor allem in den 90ern versprüht werden konnte.

So werden sich manche ob der in diesem Falle stark elektronisch angehauchten Soundkulisse wundern – gerade Titel wie HALCYON DAYS klingen so vor allem in den ersten Momenten gewöhnungsbedürftig. Wohl auch, da die hier markante Gegensätze aufeinander treffen – denn trotz der pompösen Inszenierung und der modernen Effekte hat der Song einen ungewöhnlich düsteren, wenn nicht gar apokalyptischen Unterton. Die tollen, mystischen Chöre erfüllen jedenfalls ihren Zweck – und auch die restliche Soundkulisse zeigt auf, dass STRATOVARIUS noch lange nicht zum alten Eisen gehören oder sich musikalisch irgendwo verrannt haben. Nach wie vor verdammt stark ist Leadsänger Timo Kotipelto, der gerade auf dem vorliegenden NEMESIS zusätzlich darauf bedacht zu sein schien, eine möglichst große Variabilität in seine Stimme zu legen. So begeistert er in allen Lagen und Stimmungen – und wird in den passenden Momenten durch die starken Background-Gesänge unterstützt. Titel wie der Opener ABANDON wirken so besonders vollmundig und reichhaltig, und besitzen zudem überaus gelungene, rhythmisch-melodische Strukturen. Für die nötige Portion Härte sorgen indes die Gitarren – Matias Kupianen, der erst 2008 zur Band stiess; macht einen sehr guten Job.

Tatsächlich sind auf dem Album allerhand starker Titel aneinandergereiht – sodass besonders der Auftakt besonders stimmig ausfällt. Das bereits vorab veröffentlichte UNBREAKABLE steht so wie kein anderes Stück für die Wiedergeburt von STRATOVARIUS, ein Titel wie STAND MY GROUND für die gelungene Vermengung von altbekannten und neuen Elementen. Gleichzeitig dient er als perfektes Anschauungsbeispiel für den Grad der Abwechslung und musikalischen Diversität – ein so vielfältiges, zwischen verschiedenen Stimmungen und Tempi hin- und herwechselndes Stück, das letztendlich doch einen eigenen kleinen in sich zusammenhängenden Mikrokosmos ergibt; kann beileibe nicht jeder erschaffen. Mit Titeln wie FANTASY beschwört man dann auch noch explizit den guten alten STRATOVARIUS-Sound herauf, der schon in den 90ern funktionierte – und heute natürlich auch noch. OUT OF THE FOG kommt nun deutlich progressiver daher – hier handelt es sich um eine Nummer, die nicht sofort zündet; sondern stattdessen mehrere Durchläufe braucht um zu wachsen. Das klappt dann auch recht gut – die 7 Minuten sind wunderbar abwechslungsreich, und machen klar, dass STRATOVARIUS auch ohne ein vordergründiges Keyboard immer noch verdammt gut abrocken.

Die nun noch folgenden Titel haben alle eines gemeinsam – sie sind als grundsolide zu beschreiben, reissen aber – überraschenderweise – nicht mehr wirklich vom Hocker. CASTLES IN THE AIR (atmosphärisch, aber langatmig), DRAGONS (harmlos, und fast schon poppig), ONE MUST FALL (teils merkwürdige Effekte)… handwerklich läuft hier nichts verkehrt, doch nach dem starken Alben-Auftakt schleicht sich eine gewisse Eintönigkeit ein, keiner der Titel kann nunmehr noch wirklich hervorstechen. Was nicht bedeutet, dass die hier dargebotene Musik nicht immer noch allererste Sahne ist – STRATOVARIUS nimmt so schnell keiner die Butter vom Brot. Bleiben nur noch IF THE STORY IS OVER – die obligatorische Ballade; die indes eine vergleichsweise gute ist (von Schmalz oder Kitsch gibt es hier so gut wie keine Spur) – und das große Finale mit dem Titeltrack NEMESIS. Hier geht es dann doch noch einmal richtig zur Sache, einen runderen Abschluss hätten die Finnen nicht zaubern können.

Fazit: STRATOVARIUS sind nicht müde – im Gegenteil, sie sprühen noch immer vor Energie; und werden nicht aufhören das Genre maßgeblich zu beeinflussen. NEMESIS ist dabei ein weiterer Meilenstein in der Bandgeschichte – kein Album klang bisher so modern, und teilweise experimentell – und doch so typisch nach STRATOVARIUS. Zweifelsohne handelt es sich gleichzeitig um eines der anspruchsvollsten Alben der Band, wenn nicht gar des gesamten Genres – man sollte dem Album ausreichend Zeit und Raum geben, um sich zu entfalten. So wird den Hörer im besten Fall ein leicht düsteres, mystisches; enorm atmosphärisches Power Metal-Album erwarten, dass so manches Highlight bereithält – aber auch im Gesamten überzeugt. Timo Kotipelto als einer der besten, markantesten und angenehmsten Sänger des Genres rundet die Sache nach oben hin ab – eine absolute Empfehlung, die aufzeigt; dass die alten Hasen oftmals noch immer die Nase vorn haben.

Anspieltipps: ABANDON, UNBREAKABLE, STAND MY GROUND, HALCYON DAYS, OUT OF THE FOG, NEMESIS

Vergleichsbands: SONATA ARCTICA | CAIN’S OFFERING | ANGRA


80button

„Wenn sich nur alles so lange halten würde wie der Qualitätsgrad dieser Band“

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