Filmkritik: „Wo Die Wilden Kerle Wohnen“ (2009)

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Originaltitel: Where The Wild Things Are
Regie: Spike Jonze
Mit: Max Records, Catherine Keener, Mark Ruffalo u.a.
Land: USA
Laufzeit: 101 Minuten
FSK: Ab 6 freigegeben
Genre: Fantasy / Drama
Tags: Kinderbuch | Filmische Umsetzung | Portierung | Plüschwesen

Hier wäre mehr einfach mehr gewesen.

Inhalt: Der junge Max (Max Records) fühlt sich einsam und ungerecht behandelt. Wo er eben noch halbwegs fröhlich im Schnee spielte, steht er plötzlich traurig und schluchzend da – denn nach einer Schneeballschlacht mit Freunden seiner Schwester (Pepita Emmerichs) wurde sein selbstgebautes Iglu zerstört. Dieses Ereignis hat dabei lediglich den Konflikt zugespitzt, in dem sich Max seit längerem befindet – weder seine Schwester, noch seine Mutter (Catherine Keener) können ihn in letzter Zeit noch trösten. Da sich das Gefühl, unerwünscht zu sein weiterhin in Max manifestiert; läuft er nach einer weiteren Auseinandersetzung mit seiner Mutter prompt davon – und kommt daraufhin auch erst einmal nicht wieder zurück. Denn: er reist in das Land der wilden Kerle, in dem er schnell Freundschaft mit den dort lebenden Plüschwesen schließt. Hier muss er sich nicht mit den sorgen seines Alltags herumschlagen – sondern kann Schlag auf Schlag Abenteuer erleben. Doch letztendlich muss Max feststellen, dass er auch hier nicht davor gefeit ist, sich irgendwann einmal seinen Problemen stellen zu müssen…

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Kritik: WO DIE WILDEN KERLE wohnen ist die Verfilmung des gleichnamigen Kinderbuchs von Maurice Sendak, welches aus vergleichsweise sehr wenig Text, dafür aber zahlreichen fantasievollen Illustrationen besteht. Eindeutig ist, dass es sich hier um eine der eher schwierigen Buchvorlagen handelt – denn wie sollte man eine derart spärliche Handlung auf einen abendfüllenden Film ausdehnen, ohne dabei den Geist des Originals zu verraten ? Der war schließlich dahingehend ausgerichtet, den Kindern möglichst viel Raum für ihre eigene Fantasie zu lassen. So standen den Machern grundsätzlich zwei Wege offen: entweder, man hätte das (kurze) Buch auf eine entsprechende Filmlänge ausdehnen, oder aber gänzlich neue Dinge hinzuerfinden müssen. Die Entscheidung, die letztendlich getroffen wurde, verheisst eigentlich nur gutes – WO DIE WILDEN KERLE wohnen orientiert sich sehr stark am Buch, und ist vielmehr ein stilles, eindringliches Drama denn ein überladener Fantasyfilm geworden.

Allerdings offenbart bereits diese Ausrichtung ein Problem, denn wo das Buch noch von allen erdenklichen Altersklassen konsumiert werden konnte, tendiert der Film eher zu einer etwas düstereren, emotional angespannten Erzählweise. Auch das Erscheinungsbild und die Präsenz der kuscheligen Monster ist in diesem Fall nicht zu verachten – zu junge Zuschauer könnten sich schnell fürchten, und zusätzlich von den filmischen Inhalten überfordert werden. Bei einer Vorlage wie dieser kommt es eben ganz darauf an, aus welchem Blickwinkel man das Geschehen betrachtet – Erwachsene werden so weitaus mehr als eine simple Abenteurreise in WO DIE WILDEN KERLE WOHNEN entdecken. Dass all das, was sich innerhalb der abenteuerlichen Welt von Max abspielt, in irgendeiner Form auch mit seiner eigenen Realität zu tun hat, wird immer wieder deutlich – der Film geht jedoch nur allzu schwammig mit dieser Prämisse um. Kinder werden so nur wenige Assoziationen treffen können, Erwachsene schon eher – doch um das Gezeigte wirklich nachvollziehen zu können, oder schlicht halbwegs gut und anspruchsvoll unterhalten zu werden; dafür fehlt es an weiteren weiteren Anhaltspunkten.

Denn: WO DIE WILDEN KERLE WOHNEN sieht keinerlei Spielereien mit verschiedenen Erzählperspektiven vor – und kümmert sich weder um eine stimmige Einführung der Figuren, noch um einen abwechslungsreichen Filmfluss. Nach einer kurzen Einführungsphase zu Beginn wird sich die restliche Laufzeit mit den Erlebnissen innerhalb der Fantasiewelt beschäftigen – und das Erlebte schnell als rasche Erfahrung ohne großen Reflexions-Wert abstempeln. Die Reise von Max verkommt so zu einem regelrechten Tagesausflug, der mit dem verlassen des Hauses beginnt – und endet, als er am selben Abend quasi geläutert nach Hause zurückkehrt. Von einem wirklichen Zwiespalt, von einer wirklich einschneidenden Erfahrung auf dem Weg ins Erwachsenendasein fehlt schlicht jede Spur. Vielleicht war dergleichen auch gar nicht vorgesehen – doch auch als reiner Unterhaltungsfilm, der einen ungewöhnlichen Ausflug eines kleinen Jungen darstellt, funktioniert WO DIE WILDEN KERLE WOHNEN nur mittelprächtig. Denn so spannend, ereignisreich und emotional bewegend wie vielleicht erwartet ist besagte Reise dann doch nicht – dafür geschieht einfach zu wenig, der Film verläuft über weite Strecken zäh; mitunter wirkt es sogar als würden sich einzelne Szenen wiederholen.

Im Gegensatz zum Buch, wo der Fantasie entsprechende Anstöße gegeben werden; vertröstet der Film den Zuschauer so von einer auf die nächste Szene. Sicher, ein Film wie dieser hat ebenfalls eine Fantasie-anregende Funktion – andererseits kann man nicht alle mehr oder weniger offensichtlichen Schwächen durch dieses hehre Ziel alleine begründen. Allerdings kann man sich darauf ausruhen – und dem Zuschauer nur ein grobes Gerüst servieren; auf dass er möglichst viel daraus entnehmen, viel damit ‚anfangen‘ kann. Einen positiven Eindruck hinterlassen indes die gesamte optische Aufmachung des Films, und die Leistung des jungen Hauptdarstellers Max Records. Schade – mit einem Team wie diesem, und einer derart fantasievollen optischen (nicht inhaltlichen) Inszenierung hätte man wahrlich ein zeitloses filmisches Meisterwerk erschaffen können.

Fazit: Gewöhnungsbedürftige Plüschwesen als imaginäre Abziehbilder, entsprungen aus der Fantasiewelt eines kleinen Jungen – was in Buchform noch tadellos funktionierte, gerät im Film zu einer echten Geduldsprobe. Einer Geduldsprobe mit einer fraglichen Zielgruppe, einem zähen Filmfluss und – je nach Altersklasse – einem im Endeffekt nicht wirklich zufriedenstellenden Ergebnis. Für die kleinsten fehlt es noch an einer zusätzlichen Portion Abenteuer, Wildheit (bei einem Titel wie diesem eigentlich obligatorisch), Witz und Charme – die eher düsteren Elemente und der konfliktbehaftete Unterton überwiegen. Eine Botschaft wie die hier ansatzweise übertragene hätte man zweifellos auch mit einer etwas weniger ernsten Herangehensweise transportieren können. Ältere Zuschauer dagegen werden zwar mehr Anhaltspunkte vorfinden – doch feststellen, dass WO DIE WILDEN KERLE WOHNEN etwas halbherzig vorgeht, viele Dinge (wie die Familiensituation) nur vereinfacht und schablonenhaft vorstellt – und es dem Zuschauer überlässt, etwaige markante Lücken (hinsichtlich der Story, der Charakterporträts) zu füllen.

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2 Gedanken zu “Filmkritik: „Wo Die Wilden Kerle Wohnen“ (2009)

  1. Ich sehe den Film immer noch als eine Art „Versuch“ an, der aufgrund seiner ganzen düster-ernsten und symbolbehafteten Herangehensweise weder für Kinder und aufgrund seines zähen/langweiligen/lückenhaften (es-muss-doch-mal-was-passieren) Erzählstils auch kaum Erwachsene begeistern wird. Untermauert wird dies auch von der kühlen und unzugänglichen Persönlichkeit des jungen Hauptdarstellers von der man manchmal nicht weiß ob das so gewollt ist oder nicht, von daher sage ich zum Schauspiel von Max Records hier mal nichts. Sagen wir mal so: es hat mich – je länger der Film fortschritt – immer weniger berührt und das ist ein Kunststück, denn ich bin normalerweise SEHR rührselig. ^^ Alles in allem hat mich der Film enttäuscht und gehe mit der Wertung so wie sie da steht konform. 4,5/10

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